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Aktuell
UN-Klimakonferenz (3)
Di Nov 14, 2006 7:25 MEZ161
UN - Delegierte sehen flexiblere Klima-Vereinbarungen nach 2012
Nairobi (Reuters) - Delegierte des UN-Klimagipfels rechnen nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokoll im Jahr 2012 mit flexibleren Vereinbarungen im Kampf gegen den Klimawandel.
"Es muss attraktiv sein, damit sich die Länder beteiligen", sagte Yvo de Boer, Chef des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UN). So könnten möglicherweise auch bisher nicht beteiligte Länder wie die USA und China mit ins Boot genommen werden. Das Kyoto-Protokoll gibt strikte Emissionsziele vor. Die Delegierten des Klimagipfels in Kenias Hauptstadt Nairobi hätten über vielfältige Möglichkeiten diskutiert, die künftig zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen zukünftig beitragen könnten.
"Das finde ich sehr konstruktiv", sagte de Boer weiter. Die Ideen reichten von Technologien und finanziellen Hilfen für Entwicklungsländer über eigenständige Emissionsvorgaben für bestimmte Industriezweige bis hin zu Prämien für eine Verlangsamung der Waldrodungen am Amazonas und im Kongo-Becken.
Das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll war der erste Schritt, um gemeinsam gegen die Folgen des Klimawandels vorzugehen. 35 Industrienationen haben sich darin verpflichtet, ihren Ausstoß von Treibhausgasen um etwa fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Die meisten an Kyoto gebundenen Länder würden für die Zeit nach 2012 noch höhere Emissionsziele akzeptieren. Zudem hoffen sie, dass sich mehr Länder beteiligen werden.
Einige der in Nairobi diskutierten Ideen könnten helfen, die Einwände von US-Präsident George W. Bush zu mindern, sagte de Boer weiter. Bush hatte eine Ratifizierung des Kyoto-Protokolls mit der Begründung abgelehnt, dass es zu kostspielig sei und die Entwicklungsländer zu Unrecht ausschließe.
Der US-Delegierte Harlan Watson sagte jedoch in Nairobi, dass es keine Pläne der Regierung gebe, sich jetzt oder nach 2012 wieder dem Kyoto-Protokoll anzuschließen. Die USA und China sind die weltweit größten Produzenten von Treibhausgasen.
Die Europäische Union (EU) bezeichnete das Kyoto-Protokoll als zu starr. Es teile die Welt in zwei Kategorien: in Kyoto- und nicht-Kyoto-Staaten, sagte die finnische Verhandlungsführerin Outi Berghall. Die Mechanismen müssten flexibler werden. Nach Angaben der EU könnten deren Mitgliedstaaten bis 2020 ihre Emissionen auf 15 bis 30 Prozent unter das Niveau von 1990 senken.
Es werde eine flexiblere Vereinbarung nach 2012 geben, vielleicht auch eine Auswahl an Möglichkeiten, sagte Michael Zammit Cutajar, Chef eines Komitees, das sich mit der Nachfolgeregelung für Kyoto beschäftigt. In Nairobi würden dazu aber noch keine Entscheidungen fallen.
Paris fordert Strafzoll für Klimasünder
Von Heimo Fischer (Paris) und Christine Mai (Brüssel), Financial Times Deutschland, 14.11.06
Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin fordert Besteuerung von Industriegütern aus Ländern, die sich zusätzlichen Anstrengungen zum Schutz des Klimas verweigern. Entsprechende Vorschläge will die Pariser Regierung Anfang kommenden Jahres bei den EU-Partnern vorlegen.
Die Europäische Kommission äußerte sich verhalten zu dem Vorstoß. Mit seinem Schritt setzt Villepin Länder wie China, Indien, Brasilien und auch die USA unter Druck. Diese Länder werden bereits heute gedrängt, Zugeständnisse beim Klimaschutz zu machen, wenn das Kioto-Protokoll im Jahr 2012 ausläuft. Das Thema steht auch auf der Tagesordnung der Uno-Klimakonferenz, die vorige Woche im kenianischen Nairobi beginnt. Das im Jahre 1997 in der japanischen Stadt Kioto beschlossene Protokoll schreibt verbindliche Ziele für die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen fest.
Die Europäische Kommission reagierte zurückhaltend auf Villepins Vorschläge. "Das dürfte sehr, sehr schwierig sein", hieß es in der Behörde. Entscheidungen zur Steuerpolitik müssen auf EU-Ebene einstimmig getroffen werden. Kommissionsbeamte verwiesen darauf, dass es den Finanzministern im vergangenen Jahr nicht gelungen war, sich auf eine freiwillige unionsweite Abgabe auf Flugtickets zu einigen. Frankreich hatte auf die Einführung dieser Steuer gedrungen und sie schließlich im Juli als bislang erstes Land in Europa eingeführt. Die Einnahmen aus der Abgabe sollen Entwicklungsländern zugute kommen.
Neue Umweltgesetze erlassen
Villepin machte den Vorschlag bei der Präsentation eines Pakets mit schärferen Umweltgesetzen. Der Regierungschef gab unter anderem bekannt, dass sein Land eine Steuer auf den Verbrauch von Kohle einführen werde. Die Abgaben auf industrielle Umweltverschmutzung sollen ebenfalls steigen. Auch Verursacher von Fluglärm müssen künftig zehn Prozent höhere Abgaben zahlen. "Wir wollen das Verursacherprinzip stärken", sagte Villepin. Die neuen Regeln sollen bereits kommendes Jahr in Kraft treten.
Der Vorstoß kommt fünf Monate vor den Wahlen eines neuen Staatschefs in Frankreich. Der mögliche sozialistische Präsidentschaftskandidat Laurent Fabius hatte vor Kurzem angekündigt, im Fall seiner Wahl den prominenten Umweltschützer Nicolas Hulot zum Vizepremier zu machen. Der britische Regierungsberater Nicholas Stern stellte zudem Ende Oktober einen aufsehenerregenden Bericht vor, in dem er entwickelte Länder aufforderte, ihren Schadstoffausstoß zu reduzieren.
Abgaben auf Fluglärm
Der Verbrauch von Kohle soll in Frankreich mit 1,19 Euro pro Megawattstunde besteuert werden. Die Verbrennung von Kohle gilt als einer der Gründe für den Klimawandel. Gemeinsam mit den erhöhten Abgaben für industrielle Abfälle sollen durch die geplante neue Umweltmaßnahme 50 Mio. Euro in die öffentlichen Kassen fließen.
Die zusätzlichen Einnahmen der Abgaben auf Fluglärm sollen gezielt in den Schallschutz von Gebäuden fließen, die in der Nähe von Flughäfen errichtet werden. Villepin will außerdem französischen Gemeinden die Möglichkeit einräumen, die Grundsteuer für Biolandwirte zu senken. Das Gleiche soll für Bauherren gelten, die energiesparende Gebäude errichten.
WWF-Report: Viele Vogelarten sind durch den Klimawandel bedroht
WWF Pressemitteilung, Frankfurt a. M., 14. November 2006
Der Klimawandel gefährdet das
Überleben vieler Vogelarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle
Studie, die der WWF am Dienstag am Rande der UN-Klimakonferenz in Nairobi
vorstellte. "Zugvögel verpassen den richtigen Zeitpunkt für den Abflug
oder geraten aus ihrem natürlichen Jahreszeiten-Rhythmus", so
WWF-Artenschützer Volker Homes. "Der Lebensraum einiger Vogelarten geht
buchstäblich verloren."
Für die Studie "Klimawandel und Vogelarten" wertete ein Forscherteam im
Auftrag des WWF mehr als 200 wissenschaftliche Artikel aus. Gebirgs-,
Küsten-, Insel- und arktische Arten sind demnach besonders gefährdet.
"Diese Vogelarten haben sich in jahrtausendelanger Evolution an die
besonderen Bedingungen in ihrem Lebensraum angepasst. Auf die dramatischen
Veränderungen können sie nicht schell genug reagieren", erläutert
Homes. Dem Schneekranich beispielsweise sagen die Forscher einen Rückgang
seines Lebensraums von 70 Prozent voraus. Sein Brutgebiet ist das
arktische, baumlose Russland, wo sich durch die steigenden Temperaturen
zunehmend Wald ausbreitet.
Zugvögel stehen darüber hinaus vor dem Problem, dass der Klimawandel zu
Verschiebungen bei den Jahreszeiten führt und so den natürlichen
Jahresrhythmus der Vögel beeinflusst. Betroffen seien Arten auf der
ganzen Welt, ausbleibender Bruterfolg eine der Folgen.
Betroffen ist beispielsweise der auch in Deutschland vorkommende
Trauerschnäpper. Die Art überwintert im zentralen Afrika. Die Rückkehr
der Tiere nach Europa fällt in der Regel mit dem Frühlings-Höhepunkt
der Insektendichte zusammen. Für die Aufzucht des Nachwuchses ist damit
normalerweise ausreichend Nahrung gewährleistet. Aufgrund des früher
beginnenden Frühlings kommen manche Trauerschnäpper zu spät in Europa
an und verpassen den Zeitpunkt der höchsten Insektendichte. Mit der
Folge, dass einige Populationen in Europa bereits um 90 Prozent
zurückgegangen sind.
Ebenfalls betroffen ist die Trottellumme, die in der gesamten Nordsee
vorkommt. Sie brütete in den vergangenen Jahren vielfach erfolglos, weil
die Bestände ihrer wichtigsten Beutetiere, kleine Fische und Sand-Aale,
dramatisch zurückgegangen sind - aufgrund gestiegener
Wassertemperaturen. Die Studie ermittelt, dass 38 Prozent aller
europäischen Vogelarten klimawandelbedingt aussterben könnten, wenn die
weltweite globale Erwärmung gegenüber vorindustriellen Werten um mehr
als 2 Grad ansteigt. In Nordost-Australien könnten es sogar über 70
Prozent der Arten sein. Bis heute beträgt der weltweite Temperaturanstieg
0,8 Grad. Der WWF fordert die Delegierten auf der Klimakonferenz auf,
einen harten Kurs mit ehrgeizigen Zielen zur Reduktion klimaschädlicher
Treibhausgase einzuschlagen. Dies erfordert die Verringerung der globalen
Emissionen um mindestens die Hälfte bis 2050 gegenüber dem Niveau von
1990. Für Europa müssen Minderungsziele von minus 30 Prozent bis 2020
beschlossen werden. Darüber hinaus muss jetzt die Weiterentwicklung des
Kyoto-Protokolls nach 2012 eingeleitet werden.
Keiner erhält die Goldmedaille für den Klimaschutz
Germanwatch und CAN Europe stellen Klimaschutz-Index 2007 vor
Germanwatch Pressemitteilung, Nairobi, 13.11.2006
"Wenn Klimaschutz eine olympische Disziplin wäre, würde es kein Land auf das Medaillentreppchen schaffen", fasst Matthias Duwe, Direktor von Climate Action Europe das Ergebnis des Länder-Rankings des neuen Klimaschutz-Index 2007 (KSI) zusammen. Die Resultate des KSI zeigen, dass die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen, einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern.
Angeführt von Schweden, bilden sieben Europäische Staaten und drei wichtige Schwellenländer (Argentinien, Brasilien, Indien) die TOP 10 des Rankings. Zusammen stellen diese Länder ein entscheidendes Potential für eine neue Zukunftskoalition dar. Weitere Staaten wie Südafrika und China haben zwar eine schlechte Emissions-Performance, verfolgen jedoch eine konstruktive Klimapolitik und könnten eine solche Koalition unterstützen.
Bis auf wenige Ausnahmen engagieren sich die Groß-Emittenten unter den 56 Ländern klimapolitisch noch viel zu wenig. Sie treten beim Klimaschutz auf der Stelle oder machen sogar Rückschritte. Aber auch die, die vorne im Länderranking stehen kommen beim Schutz des Klimas nur langsam voran. Deutschland schneidet im Ranking mit Platz 5 insgesamt relativ gut ab, hat jedoch in einigen Sektoren Nachholbedarf. Der Index lässt auch Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der klimapolitischen Maßnahmen in Deutschland zu - wie etwa der Öko-Steuer oder dem Energie-Einspeise-Gesetz (EEG).
Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, weist darauf hin, dass der Index Änderungen in nationaler Klimapolitik sehr wohl gut abbildet. "Wenn die USA, die dieses Jahr ganz hinten auf Rang 53 steht, eine so nach vorne weisende Klimapolitik international machen würde wie Großbritannien heute, würde sie sich um über 30 Plätze verbessern".
Jan Burck und weitere Experten von Germanwatch entwickelten die Methode für den Index, der mehr Transparenz in die internationale Klimapolitik gebracht werden soll. Der erstmals mit CAN-Europe gemeinsam erstellte Index vergleicht die Klimaschutzleistungen von 56 Industrie- und Schwellenländern, die zusammen für mehr als 90 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Kürzlich wurde mit der renommierten Rating Agentur OEKOM Research seine Nutzung für Finanzmarkt-Ratings vereinbart.
Der Klimaschutzindex wurde erstmals Anfang des Jahres veröffentlicht und jetzt zum Klimagipfel in Nairobi mit den neuesten verfügbaren Daten aktualisiert. Der CCPI ermöglicht einen fundierten Ländervergleich, weil er nicht nur auf der Basis von Daten der International Energieagentur (IEA) die Höhe der klimaschädigenden Emissionen eines Landes berücksichtigt, sondern in stärkerem Maße die Emissionstrends und die Klimapolitik der beurteilten Länder. Eine Befragung nationaler Experten ergänzt den quantitativen Teil des Indexes, und beurteilt die nationale wie internationale Klimapolitik der beteiligten Staaten im Detail.
Weitere Informationen zum Klimaschutz-Index: www.germanwatch.org/ksi.htm
ZOOM-Kindermeilen-Kampagne 2006 Abschluss in Nairobi
UN-Klimakonferenz: Klima-Bündnis überreicht mehr als eine halbe Million
"Grüne Meilen" europäischer Kinder
Klima-Bündnis Pressemitteilung, 13.11.06
Zu Beginn der zweiten Woche der UN-Klimakonferenz in Nairobi legte das
Klima-Bündnis den KonferenzteilnehmerInnen über eine halbe Million
"Grüne Meilen" zum Schutz des Weltklimas vor. Die Meilen wurden von
mehr als 100.000 Kindergarten- und Grundschulkindern Europas im
Rahmen der Klima-Bündnis-Kampagne "ZOOM - Kleine Klimaschützer
unterwegs" gesammelt. Während einer Aktionswoche bekamen die Kinder
Grüne Meilen für jeden Weg, den sie klimafreundlich - also zu Fuß, mit Rad
oder Roller, Bus oder Bahn - zurücklegten.
ZOOM-TeilnehmerInnen in Deutschland, Großbritannien, Italien,
Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweden, Schweiz und der Türkei
sammelten Grüne Meilen, um ihren Beitrag zum Schutz des Weltklimas zu
leisten. 178.969 Meilen für eine symbolische Reise durch alle Staaten, die
die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) unterzeichnet haben, das war
das Ziel. Mit den 599.142 gesammelten Grünen Meilen kann diese Distanz
gleich dreimal zurücklegt werden.
Dr. Britta Freitag, Geschäftsführerin des Klima-Bündnis, betonte die
Bereitschaft und Fähigkeit der Kinder unser globales Klima zu schützen. Die
Jungen und Mädchen hoffen, dass sie damit die PolitikerInnen auf der
Konferenz zu weiteren engagierten Schritte im Klimaschutz ermutigen
können. Sie sagte: "Die Kinder ärgern sich über stinkende, lärmende
Fahrzeuge. Aber auch ihre Sorge um das Weltklima haben sie deutlich
geäußert. Sie - die Kinder von heute und die Erwachsenen von morgen -
wollen nicht unter den Folgen des Klimawandels leiden."
Romana Bräuer vom Klimabündnis Österreich berichtete über den großen
Erfolg, den die europaweite Kampagne bei ihnen seit 2003 hat. In Vertretung
der 25.000 österreichischen TeilnehmerInnen erzählte sie: "Manche Kinder
wollten nicht in das elterliche Auto klettern und bestanden darauf in die
Schule zu laufen oder zu radeln. Obwohl die Eltern anfangs leicht genervt
waren, mussten sie letztendlich zugeben, dass die Kinder wieder einmal
gezeigt haben: Es ist besser loszulaufen als nur vom Klimaschutz zu reden."
John Hay, Sprecher der UN-Klimakonferenz, dankte den Kindern für ihre
große Anstrengung und den tollen Beitrag zum Klimaschutz. Er sagte: "Die
Welt kann sich glücklich schätzen, so viele engagierte Kinder zu haben, die
uns Erwachsenen ein gutes Beispiel geben. Ich bin sicher, was da in Europa
passiert ist, kann in jedem anderen Teil der Welt passieren. Die große
Anstrengung der Kinder zeigt jedem einzelnen von uns, dass sich schon das
kleinste Kind an den weltweiten Anstrengungen zur Bekämpfung des
Klimawandels beteiligen kann."
Dienstag 14. November 2006, 08:25 Uhr
Australien will Klimaschutz zum Thema beim APEC-Gipfel machen
Sydney (AP) Australien will den Klimaschutz zum Thema auf dem bevorstehenden APEC-Gipfel in Hanoi machen. Die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskonferenz sei ein hervorragendes Forum, um neue Strategien gegen den Klimawandel zu diskutieren, erklärte Ministerpräsident John Howard am Dienstag. Er strebt ein weltweites System zur Einschränkung von Treibhausgasen und zum Handel mit Emissionszertifikaten an, das aber «die legitimen Interessen energiereicher Länder wie Australien berücksichtigt», sagte Howard. Australien hat wie die USA das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert. Der Klimaschutz dürfe «unseren vitalen Industrien, etwa der Kohleindustrie, nicht schaden», erklärte der Regierungschef.
Die größten Ausrutscher bei der Klimakonferenz
Jeden Abend wird auf der Weltklimakonferenz in Nairobi der "Fossil of the Day"-Award in Bronze, Silber und Gold verliehen. Den symbolträchtigen Preis verleiht das alternative Netzwerk Aktion Klima an Staaten, die sich auf der Konferenz besonders gegen den Klimaschutz engagieren.
Rheinische Post, 10.11.06
Nairobi (RPO). Auf der in Nairobi stattfindenden Klimakonferenz machen einige der Teilnehmerländer durch höchst absurde Vorschläge auf sich aufmerksam. So möchte beispielsweise Saudi-Arabien Zugang zu einem Fonds haben, der für die ärmsten Länder gedacht ist. Mitarbeiter eines Netzwerkes haben eine Hitliste erstellt.
Australien und Saudi-Arabien führen auf der internationalen Klimakonferenz in Nairobi eine Hitliste der größten Ausrutscher an. Nichtregierungsorganisationen des Netzwerks Aktion Klima setzten Australien auf Platz eins und zeichneten es in dem am Donnerstag erstmals erschienenen inoffiziellen Konferenz-Newsletter "ECO" als "Fossil des Tages" aus.
Das Industrieland Australien hatte am Montag behauptet, es leide ebenso wie die ärmsten Staaten unter dem Klimawandel und müsse daher Hilfsgelder erhalten. Das ölreiche Saudi-Arabien kam auf Platz zwei, weil es für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels Zugang zu dem für die ärmsten Länder gedachten Hilfsfonds "Adaption Fund" forderte.
Kanada führt die Rangliste für die absurdesten Äußerungen vom Dienstag an. Die Delegation aus Ottawa hatte bei der Ankündigung, die Treibhausgase bis 2050 um 45 bis 65 Prozent zu reduzieren, die höheren Emissions-Zahlen von 2003 als Ausgangspunkt genannt anstatt die niedrigeren Zahlen von 1990, dem vom Kyoto-Protokoll geforderten Jahr.
Saudi-Arabien taucht auch am Dienstag wieder in der Hitliste auf, weil es forderte, die Diskussionen über den Treibhausgasausstoß von Flugzeugen und Schiffen einzustellen. Ziel der Hitliste sei es, das schlechte Verhalten von Teilnehmerstaaten aufzuzeigen, sagte die Australierin Julie-Anne Richards vom Netzwerk Aktion Klima. Dadurch sollten sie motiviert werden, die Verhandlungen voranzubringen anstatt sie zu blockieren.
An der bis zum 17. November dauernden Klimakonferenz nehmen Experten und Regierungsvertreter aus den 189 Mitgliedstaaten der Klimarahmenkonvention teil. Sie wollen über ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beraten, das nur von einem Teil der Mitgliedstaaten ratifiziert wurde.
Die Schweiz droht ins Hintertreffen zu geraten
Von Patricia Götti, sda, 13.11.06
Ungeachtet internationaler Versprechen bewegt sich die Schweizer Klimapolitik nur langsam. Die Treibhausgas-Emissionen sind noch immer zu hoch. Die Schweiz müsste ihr technologisches Know How stärker einsetzen.
«Die Schweiz ist sehr engagiert bei der Reduktion der Treibhausgase und der Anpassung an den Klimawandel», sagt José Romero, Mitglied der Schweizer Delegation des Bundesamts für Umwelt (Bafu) an der Klimakonferenz in Nairobi, die noch bis Ende Woche dauert. Fakt ist aber: Laut UNO-Klimasekretariat sind die Emissionen in der Schweiz seit 1990 um 0,4 Prozent gestiegen. Der Bundesrat räumte am vergangenen Mittwoch ein, dass die Schweiz ohne Kauf von Emissionsrechten im Ausland die Vorgaben des Klimaprotokolls von Kyoto nicht erreichen werde. Bis spätestens 2012 muss die Schweiz ihren Ausstoss um 10 Prozent senken.
Das CO2-Gesetz, das eine Abgabe auf Heizöl vorsieht, ist noch immer nicht unter Dach. Nachdem der Nationalrat einer vorsichtigen Einführung der Abgabe in Etappen zugestimmt hatte, liegt das Geschäft bei der zuständigen Kommission im Ständerat in der Schublade. Auf Treibstoffen werden 1,5 «Klimarappen» pro Liter erhoben.
Radikale Schritte nötig
Für Hansjürg Leibundgut, Professor für Hochbautechnik an der ETH Zürich, ist klar: «Wir brauchen rigorose Massnahmen, keine kleinen Schritte.» Der CO2-Ausstoss der Menschheit müsse in den nächsten 50 Jahren auf ein Drittel gesenkt werden. Begrenzt seien die Sparmöglichkeiten beim Verkehr: Die Mobilität wolle niemand einschränken. «Deshalb müssen wir radikal auf die Option Energie setzen», sagt Leibundgut: «Mit der vorhandenen Technologie könnten wir CO2-freie Energie produzieren.» Die Häuser müssten mit Wärmepumpen statt Öl geheizt werden. Hier sei die Schweiz führend: Ein Drittel der Neubauten sei mit Erdsonden ausgerüstet – werde via Wärmepumpen mit Erdwärme geheizt. Strom könne durch Isolation der Häuser gespart werden.
«Nicht zurückbleiben»
«Die Schweiz muss aufpassen, dass sie technologisch nicht ins Hintertreffen gerät», warnt Christoph Ritz, Geschäftsführer von ProClim, dem Forum für Klima und Globale Umweltveränderungen der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften. Weltweit werde zunehmend erkannt, dass Klimaschutz sich auszahle. In Ländern wie den USA, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben, werde die Forschung nach CO2-freier Energie intensiviert. Wichtig sei ein Technologie-Export in wenig entwickelte Staaten als «Klimaschutzhilfe», sagt Ritz. Eines ist für den Wissenschafter klar: «Klimapolitik geht nicht ohne Kompromisse und unbequeme Entscheidungen.» In der Schweiz müsse man sich fragen, ob zur Energiegewinnung nicht auf Atomkraft gesetzt werden müsse – «quasi als kleineres Übel».
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