Aktuell


UN-Klimakonferenz (4)

Mittwoch 15. November 2006, 07:25 Uhr

Klimakonferenz in Nairobi geht in entscheidende Phase

(AFP) - Die Verhandlungen auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Nairobi treten heute in ihre entscheidende Phase ein. Dazu kommen in Kenia die Umweltminister der 189 beteiligten Staaten oder ihre Vertreter zu dreitägigen Beratungen zusammen. Themen sind die Zukunft des Kyoto-Protokolls und Unterstützungsmaßnahmen für Entwicklungsländer. Im Mittelpunkt dürften zudem Versuche der EU stehen, die drei bevölkerungsstarken Staaten China, Indien und Brasilien in ihre Klimaschutzbemühungen einzubeziehen.

Die Verhandlungen über ein Kyoto-Folgeprotokoll zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen sollen im kommenden Jahr starten.


UN-Klimakonferenz geht in die heiße Phase

In Nairobi wird es ernst: Nach Umweltexperten bestimmen jetzt die Politiker das Geschehen auf dem Klima-Gipfel. Die Hoffnungen sind groß, die Erwartungen niedrig.

Von Henrik Böhme, z. Zt. Nairobi, Deutsche Welle, 14.11.06

Am Mittwoch (15.11.2006) beginnt auf der 12. UN-Klimakonferenz das sogenannte High-Level-Segment. In den kommenden drei Tagen werden rund 100 Umweltminister aus aller Welt ihre Positionen zum Klimawandel darlegen - und müssen auch deutlichen Schwung in die Verhandlungen bringen.

Von all der Hektik, all dem Trubel in Nairobi, von der Armut im Umland der Drei-Millionen-Stadt merkt man nichts auf dem idyllisch gelegenen UN-Campus. Ob das von Vorteil ist für die festgefahrenen Verhandlungen auf dem Klimagipfel? Yvo de Boer, der Chef des UN-Klima-Sekretariats geht jedenfalls durch ein Wechselbad der Gefühle: "Vorgestern war ich ein bisschen deprimiert, dann ging alles hinunter. Aber jetzt geht es wieder sehr schön hinauf und ich bin eigentlich sehr positiv gestimmt."

Hoffnung auf einen Wandel des Konferenz-Klimas

Für neuen Schwung müssen nun die vielen Minister sorgen, die jetzt in Nairobi das Sagen haben. Bereits am Dienstag war der deutschen Umweltminister Sigmar Gabriel eingetroffen - und klang nicht allzu optimistisch. Man dürfe nicht denken, dass hier ein Kyoto-Folgeabkommen entstehe. "Ich glaube, dass wesentliche Ergebnis hier wird sein, dass wir uns über die Frage der Hilfe für die Anpassung an den Klimawandel in den armen Ländern der Erde einigen und ein Arbeitsprogramm aufstellen." Dieses könne gegen Ende 2007, Anfang 2008 zu echten Verhandlungen führen - über die Zeit nach 2012.

Doch wie stark wird die Botschaft wirklich sein, die am Ende dieser Konferenz steht? Noch in keinem der vielen strittigen Punkte liegen Lösungen auf dem Tisch. Bei der Verteilung eines sogenannten Anpassungsfonds, mit dem Entwicklungsländern geholfen werden soll, die Folgen des Klimawandels zu meistern, streitet man bis aufs Messer um kleinste Details. Aber gerade die Entwicklungsländer sind es, die unter den Folgen der Erderwärmung leiden - und doch nichts dafür können.

Schnell Handeln - und Geduld üben

"Es ist unabdingbar, dass die Öffentlichkeit nun an ihre politischen Führungen in den jeweiligen Ländern viel stärker auch den Appell richtet: Ihr müsst handeln - und ihr müsst konsequent handeln", fordert Achim Steiner, Direktor des UNO-Umweltprogramms. Wenn man in Nairobi nicht vorankomme, würden weitere Klimaverhandlungen sehr schwer.

Das weiß natürlich auch der deutsche Umweltminister. Denn es liegt auf der Hand: Setzen die Industrienationen hier in Nairobi nicht ein deutliches Zeichen: sprich - eine klare Ansage für deutliche Reduktionsziele beim Treibhausgas - dann ist es unmöglich, von den Entwicklungs- und Schwellenländern zu verlangen, später selbst den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Aber Gabriel dämpft auch diese Hoffnung: "Zur Zeit haben wir alle Hände voll damit zu tun, dass wir überhaupt die Ziele bis 2012 erreichen." Die Verhandlungen gingen in Trippelschritte voran, obwohl man Siebenmeilenstiefel bräuchte.


Der Klimagipfel in Nairobi - eine Zwischenbilanz

Von Sanja Schlösser, Greenpeace-Online, 14.11.06

Gut eine Woche nach Beginn der Klimakonferenz im kenianischen Nairobi fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus: Alle wissen um die Dringlichkeit des Problems, aber Eigeninteressen verhindern echte Fortschritte. Die Industrieländer wollen die boomenden Schwellenländer in die Pflicht nehmen. Die Entwicklungsländer fordern die Industrieländer auf, erst einmal selber ihre Hausaufgaben zu machen.

In Nairobi geht es vor allem darum, einen Arbeitsplan für das kommende Jahr auszuarbeiten. Denn da das Kyoto-Protokoll 2012 ausläuft, muss rechtzeitig ein Nachfolgeprotokoll verhandelt werden. Über die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wird dann auf dem Klimagipfel 2007 verhandelt werden. Doch schon die Erstellung des Plans droht in den Grundzügen zu scheitern.

Weil die bereits geleisteten CO2-Einsparungen in den Industrienationen am größten sind, schalten deren Vertreter auf stur. Sie beharren auf ihrer Forderung, dass die Schwellenländer gleichermaßen in die Pflicht genommen werden müssen. Diese hingegen wollen nicht einsehen, warum auch sie ihre Wirtschaft belasten sollen, wo sie von westlichen Standards meilenweit entfernt sind.

Der Klimawandel scheint angesichts der Streitereien fast vergessen. Und noch einen weiteren Leitragenden hätte ein erfolgloser Ausgang der Debatte: die so genannte Dritte Welt. Denn die Entwicklungsländer erhalten Anpassungsgelder aus einem Fonds des Kyoto-Protokolls, um Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels treffen zu können. Gibt es über die Weiterentwicklung des Abkommens keine Einigung, entfallen auch die Gelder aus dem Fonds.

Wie man wertvolle Zeit mit Skurrilitäten vergeuden kann, machen Australien und Saudi-Arabien vor. Sie haben verkündet, ebenfalls Geld aus dem Unterstützungsfonds zu beanspruchen. Schließlich treffe der Klimawandel auch sie.

"Es wird Zeit, dass die EU hier die Führung übernimmt und mit klaren Zielvorstellungen einen Weg aus dem Tunnel weist," sagt Greenpeace-Klimaexpertin Gabriela von Goerne. "Es ist keine Zeit zu verlieren. Je später die Verhandlungen beginnen, desto größer ist die Gefahr, dass ein Anschlussprotokoll nicht mehr rechtzeitig in Kraft tritt. Klimaschutz betrifft alle. In diesem Sinne muss hier verhandelt werden."


Dienstag 14. November 2006, 15:52 Uhr

WHO: Klimawandel führt zu Ausbreitung von Krankheiten

Nairobi (AP) Die globale Erwärmung hat nach Einschätzung internationaler Gesundheitsexperten eine dramatische Ausbreitung von Krankheiten zur Folge. So sei in den vergangenen Jahren ein Anstieg von Infektionen mit Malaria und Dengue-Fieber sowie von Herzkrankheiten in Europa, Kenia und China zu beobachten gewesen. «Der Klimawandel könnte die öffentliche Gesundheitsversorgung überrollen», warnte WHO-Expertin Kristie Ebi am Dienstag während der UN-Klimakonferenz in Nairobi.

Die weltweit steigenden Temperaturen verschärften die Bedrohungen für die Gesundheit der Menschen, vor allem in Gesellschaften mit geringeren Einkommen, erklärte eine Gruppe von UN-Wissenschaftlern. Betroffen seien vor allem Länder in tropischen und subtropischen Klimazonen. WHO-Sprecher Diarmid Campbell Lendrum kritisierte, dass unter diesen Folgen vor allem Gebiete zu leiden hätten, die selbst nur wenig zur Erderwärmung beitrügen.

Selbst ein relativ geringer Temperaturanstieg könne die Zahl von Moskitos bereits verzehnfachen, erklärte Solomon Nzioka vom kenianischen Gesundheitsministerium. Die WHO-Ärztin Bettina Menne betonte, während Malaria vor zwei Jahrzehnten nur in drei südosteuropäischen Ländern vorgekommen sei, habe sich die Krankheit inzwischen nach Russland und in ein halbes Dutzend weitere Länder ausgebreitet. Vor allem in Mittelmeerländern gebe es außerdem ein erhöhtes Risiko für einen Ausbruch von Dengue-Fieber und dem West-Nil-Virus, sagte Menne.


Mittwoch 15. November 2006, 05:35 Uhr

Umweltschützer verklagen US-Regierung wegen mangelnden Klimaberichts

San Francisco (AP) Umweltaktivisten in den USA haben die Regierung verklagt, weil diese noch keinen Bericht über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben der Menschen vorgelegt hat. Mit der am Dienstag in San Francisco eingereichten Klage sollen die zuständigen Behörden den Antragstellern zufolge gezwungen werden, wissenschaftliche Daten über die Erderwärmung und deren Folgen für die Umwelt, Wirtschaft und Gesundheit zu veröffentlichen. Dazu seien sie laut einem Gesetz aus dem Jahre 1990 verpflichtet.

Die Erderwärmung sei heut zu Tage eine der ernsthaftesten Bedrohungen der Menschheit, heißt es in der Klageschrift. Ohne gesicherte Daten sei es kommunalen Entscheidungsträgern aber unmöglich, angemessene Konsequenzen zu ziehen. Die Klage wurde von den Umweltgruppen Greenpeace und Friends of the Earth sowie dem Zentrum für biologische Vielfalt eingereicht.


15.11.2006

Annan fordert an Klimakonferenz eine weltweite CO2-Steuer

(sda) - UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat auf dem Klimagipfel wie Bundespräsident Moritz Leuenberger die Einführung einer weltweiten CO2-Steuer gefordert. Mit den Einnahmen soll den Auswirkungen des Klimawandels begegnet werden, sagte Annan.

"Auf diese Weise könnten wir die Ungerechtigkeit des Klimawandels lindern: Diejenigen, die bislang am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, leiden bereits jetzt am stärksten unter den Folgen", sagte Annan in Nairobi.

Er hoffe, dass sich die Konferenzteilnehmer auf die Finanzierung und Verwaltung eines so genannten Anpassungsfonds einigen. "Das wäre ein grosser Schritt vorwärts", fügte er hinzu.

Leuenberger warnte in seiner Eröffnungsrede die Teilnehmer des ministeriellen Konferenzteils davor, die riesigen Erwartungen rund um den Globus zu enttäuschen. "Die Niederlage würden wir alle bezahlen, wir und unsere Kinder", sagte der Bundespräsident.

Aber auch wenn jetzt alle nur erdenklichen Massnahmen ergriffen würden, der Trend würde nicht sofort drehen. Es gehe nicht mehr nur darum, die Ursachen zu bekämpfen. Auch die drohenden Schäden müssten abgewehrt und die Bezahlung der Folgen organisiert werden, gab Leuenberger zu bedenken.

Die Teilnehmer der Konferenz rief er auf, bis im Jahr 2009 die Verhandlungen für die Zeit nach Ablauf des Kyotoprotokolls 2012 abzuschliessen. Es müsse sichergestellt werden, dass "unsere Anstrengungen auch nach 2012 weiter gehen".


Klimaveränderung hat auch negative Auswirkungen auf China

China.org.cn (staatlich), 14. November 2006

Experten haben auf einer Sitzung des chinesischen Komitees für internationale Kooperation in Umwelt und Entwicklung am Samstag in Beijing darauf hingewiesen, dass die Klimaveränderung sich auch negativ auf China auswirken werden.

Über 70 Prozent der chinesischen Bevölkerung, 80 Prozent der Industrie und Landwirtschaft und 80 Prozent der Städte Chinas sind von verschiedenen Naturkatastrophen bedroht.

Experten meinen, dass in den kommenden10 bis 20 Jahren Naturkatastrophen jedes Jahr direkte Sachverluste in der Höhe von 100 bis 300 Milliarden Yuan (10 bis 30 Milliarden Euro) verursachen werden. Das entspricht 2 bis 3 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts.




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