AktuellUN-Klimakonferenz (5)
Mittwoch 15. November 2006, 19:18 Uhr Annan: Klimawandel bedroht Frieden und Sicherheit der Welt(AFP) - Der Klimawandel ist nach Ansicht von UN-Generalsekretär Kofi Annan eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit in der Welt. Auf der UN-Klimakonferenz in Nairobi forderte Annan die internationale Gemeinschaft auf, dem Klimawandel genauso viel Beachtung zu schenken wie der Vermeidung von Kriegen, dem Kampf gegen Massenvernichtungswaffen und der Bekämpfung der Armut. Die Konferenz ist jetzt in ihrer entscheidenden Phase. Bis Freitag wollen Umweltminister aus dutzenden Ländern über ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beraten.Annan wandte sich an die Industriestaaten, endlich konkretere Schritte einzuleiten: Es herrsche ein "erschreckender Mangel an Führungswillen" bei der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels. Die Verantwortung liege bei den Ländern, die derzeit am meisten Kohlendioxid (CO2) produzierten, sagte er mit Blick auf die USA. Die USA boykottieren als größte Verursacher von Treibhausgasen das Kyoto-Protokoll. In dem 2005 in Kraft getretenen Protokoll verpflichten sich 35 Industriestaaten zu einer Senkung ihrer Treibhausgase bis 2012 um fünf Prozent unter das Niveau von 1990. Doch auch China und Indien mit ihrem enormen Wirtschaftswachstum müssten etwas in ihrer Klimapolitik ändern, sagte Annan. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen Versuche vor allem der Länder der Europäischen Union, die drei bevölkerungsstarken Staaten - China, Indien und Brasilien - in Klimaschutzbemühungen einzubeziehen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte in Nairobi ein Umdenken der Staaten. "Wir müssen unsere Verhaltensmuster ändern, von 'du zuerst' zu 'ich auch'", sagte Gabriel. Entwicklungsländer sollten nicht zur Reduzierung von Emissionen gezwungen werden, es müssten Wege gefunden werden, "die es ihnen erlauben, ihre Emissionen und das Wirtschaftswachstum zu entkoppeln". Gabriel plädierte für eine Vorreiterrolle der EU in der internationalen Klimapolitik. Die EU solle bis 2020 ihre Treibhausgas-Emissionen um 30 Prozent reduzieren. Deutschland würde dazu mit einer Reduzierung um 40 Prozent beitragen. Die eigentlichen Verhandlungen über ein Kyoto-Folgeprotokoll zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen sollen im kommenden Jahr starten. Die UN-Konferenz begann am vergangenen Montag. An ihr nehmen rund 6000 Experten und Regierungsvertreter aus den 189 Mitgliedstaaten der Klimarahmenkonvention teil. Klimakonferenz: "Keine spektakulären Ergebnisse"USA geben skeptische Haltung zunehmend auf.Die Presse, 16.11.2006 NAIROBI/WIEN (ku/ag.). "Die Verhandlungen sind überraschend konstruktiv", berichtet Werner Wutscher, österreichischer Chefverhandler und Generalsekretär in Umweltministerium, der "Presse". Bei den Expertengesprächen bei der UN-Klimakonferenz in Nairobi seien bisher viele technische Fragen gelöst worden. So wurde etwa der "Adaptions-Fonds" zur Anpassung an Klimaänderungen neu aufgestellt. In diesen fließen zwei Prozent des Umsatzes mit sogenannten CDM-Programmen. Dabei kaufen Industrieländer CO2-Einsparungen durch energiesparende Projekte in Entwicklungsländern an und liefern im Gegenzug Technologie. "Das ist die einzige globalisierte Finanz-Institution", so Wutscher. Bisher war unklar, wer das Geld verwaltet. Nun werden Leitlinien ausgearbeitet, dann wird die Verwaltung ausgeschrieben. Seit gestern verhandeln die rund 100 angereisten Minister über die Zukunft des Klimaschutzes, vor allem über die Weiterführung des Kyoto-Protokolls (zur Reduktion der CO2-Emissionen in Industrieländern), das 2012 ausläuft. Allzu viel erwarten darf man sich aber nicht. "Es wird hier kein spektakuläres Ergebnis geben", so Wutscher. Auffallend sei jedoch, dass die USA, die das Kyoto-Protokoll ablehnen, nun deutlich konstruktiver mitdiskutieren. "Der zentrale Punkt dieser Konferenz ist die Vertrauensbildung", sagt Österreichs Chefverhandler. Eine Studie, die der britische Ökonom Nicholas Stern vor zwei Wochen vorlegte, zeigt jedenfalls Wirkung. Wie berichtet wurde darin aufgezeigt, dass der Klimawandel zu einer Weltwirtschaftskrise wie in den 1930er Jahren führen könnte. In Nairobi kamen nun radikale Vorschläge. UN-Generalsekretär Kofi Annan - und mit ihm der Schweizer Präsident Moritz Leuenberger - forderte eine globale CO2-Steuer. Also eine Abgabe für jeden Weltbürger bzw. jedes Unternehmen, das CO2 emittiert. Konkrete Impulse kommen für Afrika: Von bisher 300 weltweit abgewickelten CDM-Projekten entfielen bisher nur fünf auf Afrika. In einer konzertierten UN-Aktion soll Afrika nun verstärkt in den Blickpunkt rücken. Auch Österreich beteiligt sich an diesem Vorhaben. Nairobi-Rahmenplan soll Entwicklungsländern Teilnahme am Kyoto Protokoll ermöglichenepo.de, 16.11.2006Nairobi. - Die Vereinten Nationen haben auf dem Klimagipfel in Nairobi einen "Rahmenplan" angekündigt, der es Entwicklungsländern ermöglichen soll, sich am Kyoto-Protokoll zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen zu beteiligen. Sechs UN-Organisationen sollen dabei zusammenarbeiten und vor allem afrikanischen Staaten dabei helfen, am Clean Development Mechanismus (CDM) des Kyoto-Protokolls teilzunehmen. Der CDM ermöglicht es Industriestaaten, die Emissionsreduktionsziele im Kyoto-Protokoll haben, in nachhaltige Entwicklungsprojekte in Entwicklungsländern zu investieren, und auf diesem Weg handelbare Emissionsrechte zu erwerben. "Dieser Mechanismus ist ein herausragendes Beispiel für eine von der UNO initiierte Partnerschaft, die Regierungen mit der Privatwirtschaft der Entwicklungsländer zusammenbringt", sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan in Nairobi. Die am Rahmenplan ("Nairobi Framework") beteiligten Organisationen sind das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), die Weltbank-Gruppe, die Afrikanische Entwicklungsbank und die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). "Der weltweite Klimawandel muss einen festen Platz auf der Agenda erhalten - neben Konflikten, Armut und die Verbreitung von tödlichen Waffen, auf die sich Politiker üblicherweise fast ausschliesslich konzentrieren", betonte UN-Generalsekretär Kofi Annan. Der Präsident der Konferenz, Kenias Umweltminister Kivutha Kibwana, berichtete, die Teilnehmer des Klimagipfels seien sich über wichtige Punkte einig geworden, darunter die Einrichtung eines Anpassungsfonds zur finanziellen Unterstützung für Entwicklungsländer beim Klimawandel. Strittig seien noch die Revision des Kyoto-Protokolls und ein von Russland vorgelegter Vorschlag, Verfahren festzulegen, durch die Entwicklungsländer im Rahmen des Kyoto-Protokolls freiwillige Verpflichtungen eingehen können. "Ich habe Hoffnung, dass der "Geist" von Nairobi, der uns in den Verhandlungen bereits so weit gebracht hat, uns zu einem erfolgreichen Ergebnis führen wird," sagte Kibwana. Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel erklärte, die Bundesregierung wolle sich dafür einsetzen, dass die EU in der internationalen Klimapolitik eine Vorreiterrolle übernimmt und bis 2020 ihre Treibhausgas-Emissionen um 30 Prozent gegenüber 1990 reduziert. Gemeinsamens Ziel Deutschlands und der Europäischen Union sei es, bis zum Jahr 2009 die Verhandlungen über ein Kyoto-Folgeabkommen abzuschließen. "Das Wichtigste wird sein, dass wir uns auf Hilfe bei Anpassung an Klimawandel in armen Ländern einigen", sagte Gabriel in Nairobi. 15. November, 2006 Nobelpreisträgerin Maathai fordert Prämien für Erhalt von WäldernNairobi (dpa) - Die kenianische Nobelpreisträgerin Wangari Maathai hat Klimaschutzprämien für den Erhalt von Wäldern gefordert. «Es wäre unfair, Afrika nicht zu unterstützen beim Versuch, seine Wälder zu erhalten», sagte Maathai am Rande der Weltklimakonferenz in Nairobi.Afrika sei kaum für den Klimawandel verantwortlich, leide aber am stärksten unter den Auswirkungen. «Wir spüren den Klimawandel in Afrika längst, das Eis auf dem Kilimandscharo und Mt. Kenya schmilzt, und es gibt lange Dürrzeiten», sagte sie. «Wenn Regierungen sich dafür einsetzen, den Wald zu schützen, sollte das belohnt werden», sagte Maathai, die 2004 den Friedensnobelpreis für ihr Bemühen um die Aufforstung der afrikanischen Wälder erhalten hat. Der Schutz des Regenwalds im Kongo sei beispielsweise ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. «Jeder kann ein Loch graben und einen Baum pflanzen, dafür braucht man nicht mal ein Diplom», sagte Maathai. Sigmar Gabriel tritt auf dem Klimagipfel anVon Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 15.11.06Am Mittwochabend hält Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf der UN-Klimaschutzkonferenz in Nairobi seine Antrittsrede. Den Redetext kommentiert vorab Greenpeace-Klimaexpertin Gabriela von Goerne. Sie fordert Gabriel auf, in Nairobi den Schalter umzulegen. Deutschland müsse mit dem Ziel vorangehen, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. "Deutschland hat eine große Verantwortung: Als größter europäischer Verursacher von Treibhausgasen muss es Vorbild und Zugpferd für den internationalen Klimaschutz sein. Es darf sich jetzt nicht hinter der EU verstecken. Mit dem Reduktionsziel 40 Prozent bis 2020 muss es die klimaschutzmüden EU-Länder im Osten und Süden mitreißen." Von Goerne gibt Sigmar Gabriel Recht, wenn er sagt, dass ab Ende nächsten Jahres darüber verhandelt werden muss, wie es mit dem Klimaschutz nach 2012 weitergehen soll. "Die Erderwärmung toleriert keinen weiteren Aufschub. Sigmar Gabriel muss dafür kämpfen, dass jetzt in Nairobi ein Arbeitsprogramm für das kommende Jahr verabschiedet wird, dem ein offizielles Mandat für den Beginn von Verhandlungen auf der nächsten Klimakonferenz folgen muss." Mit diesem Ergebnis nach Hause zu kommen, wäre ein großer Erfolg für den Umweltminister. Allerdings müssten dem Erfolg auch Taten folgen. Von Goerne: "In Deutschland hat sich Gabriel beim Klimaschutz noch nicht mit Ruhm bekleckert. Er verschenkt Verschmutzungsrechte in Milliardenhöhe an Energiekonzerne und akzeptiert den Bau klimazerstörender Braunkohlekraftwerke. Seine wohlklingenden Sonntagsreden und seine Taten zu Hause klaffen weit auseinander." Gabriel: Wir müssen dem Klimawandel entschlossenes Handeln entgegensetzenRede des Bundesumweltministers zu Beginn der Ministerberatungen in NairobiBMU, 15.11.06 Auf der internationalen Klimaschutzkonferenz in Nairobi haben heute die Beratungen auf Ministerebene begonnen. In der Eröffnungssitzung hielt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel folgende Rede: "Bevor ich nach Nairobi kam, fragte mich meine Tochter, was ich dort tun würde. Ich versuchte ihr zu erklären, was es mit dem Klimawandel auf sich hat, wer ihn verursacht und was die Folgen sind. Ich sagte, dass es sehr unfair sei, dass die Länder des Südens, z. B. in Afrika, am stärksten betroffen sein werden, obwohl sie die geringste Verantwortung für das Problem tragen. Und ich versuchte ihr zu erklären, dass Untätigkeit in Bezug auf den Klimawandel unsere wirtschaftliche und soziale Entwicklung gefährdet, insbesondere für zukünftige Generationen. Ihre Antworten waren sehr direkt: Worauf wartet Ihr noch? Helft den Menschen in Afrika, Ihr seid reich genug. Und tut konkret etwas, um Treibhausgase zu reduzieren. Ihr Politiker seid doch intelligent genug. In Deutschland gibt es ein Sprichwort: 'Kindermund tut Wahrheit kund'. Mit ihren einfachen Antworten kommen Kinder direkt zum Punkt, während wir Erwachsenen uns an komplizierten Erklärungen versuchen, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Ich weiß nicht, ob wir Politiker immer intelligent genug sind, um Probleme zu lösen. Aber in einem bin ich mir ganz sicher: Viele unserer Töchter und Söhne werden von uns Antworten erwarten, wenn wir am Samstag nach Hause kommen. Was bedeutet das für diese Konferenz? Meiner Ansicht nach können wir nicht länger über die Einrichtung neuer Ausschüsse und bürokratischer Ebenen sprechen. Wir müssen echte Fortschritte erzielen. Erstens müssen die Industrieländer ihre Bemühungen verstärken, die Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu unterstützen. Es ist eine großartige Leistung, dass wir ein Fünf-Jahres-Arbeitsprogramm zur Anpassung ausarbeiten und verabschieden und mit der Umsetzung konkreter Projekte beginnen konnten. Deutschland ist bereit, das Programm finanziell zu unterstützen. Ich freue mich auch, dass wir eine Entscheidung zum Anpassungsfonds treffen konnten, der Fonds wird bald funktionsfähig sein. Dies kann jedoch nicht das einzige Ergebnis dieser Konferenz sein. Müssen wir wirklich 6000 Teilnehmer zu einer Konferenz einberufen, um über die Struktur eines relativ kleinen Fonds zu entscheiden? Sollten wir nicht endlich beginnen, angemessen auf eine der größten Herausforderungen für die Menschheit zu reagieren? Ich bin der Meinung, dass dieser Anpassungsfonds nur ein erster Schritt sein kann, um angemessen auf den Anpassungsbedarf der Entwicklungsländer zu reagieren. Ich sage auch meine Unterstützung für die Initiative von UN-Generalsekretär Kofi Annan zu. Deutschland wird zur Unterstützung Afrikas und aller am wenigsten entwickelten Länder beitragen, um ihre Beteiligung am CDM zu erhöhen. Die Vorteile des CDM müssen in allen Entwicklungsländern weltweit ankommen. Um das zu erreichen, müssen wir auch den Technologietransfer fördern und verbessern. Dieser sollte nicht nur von CDM-Projekten abhängen. Deutschland schlägt eine gemeinsame Initiative zur Erhöhung des Anteils von erneuerbaren Energien in ländlichen Gebieten vor, um so den Weg für eine nachhaltige Energieversorgung in der Zukunft zu ebnen. Dies wäre eine konkrete Form des Technologietransfers nach Afrika und in andere Regionen der Welt. Eine solche Initiative würde helfen, den 1,6 Milliarden Menschen Zugang zu Energie zu verschaffen, die nicht an ein Stromnetz angeschlossen sind. Deutschland ist bereit, mit Partnern zusammenzuarbeiten, um dies schon bald in die Tat umzusetzen. Zweitens gibt es keinen Zweifel, dass Minderungen der Stützpfeiler einer jeden Klimapolitik sein müssen. Nur wenn es uns gelingt, die weltweiten Emissionen bis zum Jahr 2050 um 50 % zu reduzieren, werden wir in der Lage sein, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius zu begrenzen. Nur dann haben Afrika und andere Regionen der Welt die Möglichkeit, die schlimmsten Folgen abzuwenden und sich anzupassen. Die Zeit drängt. Unser Handlungsspielraum schrumpft schnell zusammen. Deutschland hat sich bereits verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2012 um 21 % zu senken, und wir werden dieses Ziel erreichen. Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass Europa als Ganzes sein Reduktionsziel erreichen wird. Deutschland ist bereit, weiterhin eine Führungsrolle zu übernehmen und sich auf ehrgeizigere absolute Reduktionsziele festzulegen. Diese sind die Voraussetzung für Märkte, die für das Klima arbeiten. Als nächsten Schritt schlagen wir vor, dass die EU ihre Emissionen bis 2020 um 30 % gegenüber 1990 reduziert. In diesem Fall wären wir in Deutschland bereit, unsere Emissionen um 40 % zu senken. Wir können es uns nicht leisten zu warten, bis andere sich bewegen. Wir müssen unsere Verhaltensmuster ändern, von "du zuerst" zu "ich auch". Heute spielt Deutschland, wie viele andere europäische Staaten, eine Vorreiterrolle. Wir sind alle bereit, diese Rolle auch in Zukunft zu übernehmen. Lassen Sie mich aber auch sagen, dass wir das Problem nicht allein lösen können. Andere Industrieländer müssen vergleichbare Verpflichtungen übernehmen. Auch die Entwicklungsländer müssen nach dem Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung ihren Beitrag leisten. Um es ganz deutlich zu machen: Deutschland verlangt von den Entwicklungsländern keine Reduktionsverpflichtungen. Wir müssen jedoch Wege finden, die es ihnen erlauben, ihre Emissionen und das Wirtschaftswachstum zu entkoppeln. Die wirtschaftlichen und technischen Instrumente, die wir brauchen, um wirtschaftliches Wachstum und ökologische Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen, liegen auf der Hand: Energieeffizienz und Technologien für erneuerbare Energien, sowie Schutz der Regenwälder und marktbasierte Instrumente wie das System des europäischen Emissionshandels. Eine ehrgeizige und robuste Regelung für die Zeit nach 2012 ist von größter Bedeutung. Wir müssen uns auf eine volle Verhandlungsrunde unter Einbeziehung aller Parteien im Jahr 2007 vorbereiten. Die nach Artikel 9 des Kyoto-Protokolls erforderliche Analyse ist ein wichtiger Teil dieser Vorbereitung und muss bei dieser Konferenz vereinbart werden. Bis 2009 sollten wir in der Lage sein, der Welt ein Abkommen vorzulegen, mit dem es möglich ist, die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen. Wenn ich aus Nairobi zurückkehre, wird mich meine Tochter fragen, was wir dort erreicht haben. Und wie viele andere Menschen in unseren Ländern wird sie sich nicht mit Ergebnissen zufrieden geben, die lauten: 'Wir haben ein paar neue Arbeitsgruppen eingesetzt.' Wir werden viel Vertrauen und Unterstützung verlieren, wenn wir ohne echte Fortschritte nach Hause kommen. Die wissenschaftlichen Fakten sind klar. Ich bin überzeugt, dass wir tief im Innern alle wissen, was wir tun sollten. Die Chancen für ein entschlossenes Handeln gegen den Klimawandel waren nie besser. Wir sollten sie nicht verspielen." Mittwoch 15. November 2006, 14:33 Uhr Nordsee leidet unter RekordtemperaturenHamburg (dpa) - Der Beginn des Klimawandels ist in der Nordsee nach Expertenmeinung nicht mehr von der Hand zu weisen. Das Meer befinde sich seit 1988 in der längsten und intensivsten Warmphase seit Beginn der Messungen im Jahr 1873, sagte Hartmut Heinrich vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).Im Oktober dieses Jahres habe die durchschnittliche Wassertemperatur 14,2 Grad Celsius betragen und damit um 2,4 Grad über dem langjährigen Mittelwert gelegen. Zugleich habe die Nordsee damit den bisherigen Rekordwert von Oktober 2005 noch einmal um fast ein Grad übertroffen. Isoliert betrachtet sei dies witterungsbedingt, also Folge der extremen Hitzeperiode im Juli. In dem Sommermonat stieg die Wassertemperatur um 4,1 Grad und übertraf damit den für diesen Monat üblichen Temperaturanstieg gleich um das Doppelte. Zudem habe der unverhältnismäßig warme September die eigentlich bereits im August einsetzende Abkühlung teils gestoppt. Dass diese aktuellen Rekordwerte keine Einzelfälle sind, zeigten Langzeitbeobachtungen. Seit Beginn der Temperaturmessungen des BSH im Jahr 1968 bis etwa 1993 schwankte die mittlere Wassertemperatur der Nordsee im Oktober stets um 11,8 Grad. Die seit 1988 registrierte Warmphase hätte normalerweise längst wieder von einer Kaltphase abgelöst werden müssen, sagte Heinrich. Dies hätte dem üblichen Wechseln zwischen Warm- und Kaltperioden etwa alle 5 bis 15 Jahre entsprochen. Der Temperaturanstieg wird laut BSH den Lebensraum Nordsee spürbar verändern. So würden verstärkt Meerestiere und -pflanzen aus dem Golf von Biskaya im Atlantischen Ozean zwischen Frankreich und Spanien einwandern. » zurück |
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