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Aktuell

UN- Klimakonferenz

Dienstag, 25. September, 05:52 Uhr

Signal nach Bali

New York (AP) Bilder können bekanntlich oft weit mehr sagen als Worte. Zu Beginn der Klimaschutzkonferenz in New York zeigte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Vertretern von etwa 150 Staaten - darunter mehr als 80 Staats- und Regierungschefs - einen Kurzfilm. Zur Einstimmung auf zehnstündige Beratungen führte er den Delegierten in knapp acht Minuten noch einmal vor Augen, worum es eigentlich geht: Wüstenbildung, Wirbelstürme, Überschwemmungen, schmelzende Gletscher.

Der Film hat den Titel «Der Weg vorwärts - dem Klimawandel entgegentreten». Das Fazit lautete: Es gibt keine Zeit zu verlieren. «Wir müssen zusammen handeln, und wir müssen jetzt handeln», heißt es in dem Film. Das sollte bis zum Schluss die Hauptbotschaft der Konferenz bleiben.

Dass das Treffen in der UN-Zentrale am East River keine konkreten Ergebnisse bringen würde, war schon vorher klar. Das wichtigste Resultat war, dass die Konferenz überhaupt stattfand - an diesem Ort und in diesem Format. Noch nie zuvor hatten sich so viele Staats- und Regierungschefs getroffen, um über den Klimawandel zu beraten.

Alleine das veranlasste Gastgeber Ban dazu, auf der Abschluss-Pressekonferenz von einem «bahnbrechenden, historischen Ereignis» zu sprechen. Die Anwesenheit der zahlreichen Staats- und Regierungschefs habe gezeigt, dass der Kampf gegen den Klimawandel auf der höchsten politischen Ebene angesiedelt werden müsse. «Sie haben ein klares Signal an die Menschen in aller Welt gesendet, dass der Klimawandel die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel verstand die Botschaft der Konferenz ähnlich: Die hochrangige Besetzung des Treffens sei ein «großer Erfolg» auf dem Weg zu einem Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das in fünf Jahren ausläuft. Die Konferenz sei auch «ein ganz wichtiges Signal» an die Umweltminister, die sich im Dezember auf Bali treffen, um einen Fahrplan für die Erarbeitung der Vereinbarung festzulegen.

Bush kam nur zum Abendessen

Ganz ungetrübt blieb die Freude über den Verlauf der Konferenz allerdings nicht. Ausgerechnet der Staatschef des Landes mit dem höchsten CO2-Ausstoß blieb dem Treffen fern. US-Präsident George W. Bush reiste zwar am Montag von Washington nach New York, ließ sich bei der Konferenz aber von Außenministerin Condoleezza Rice vertreten. Bush widmete sich zunächst dem Nahost-Konflikt und führte Gespräche mit der palästinensischen Führung. Erst am Abend traf er sich mit Teilnehmern der Klimakonferenz. Bei einem Abendessen auf Einladung Bans nahm er neben Merkel Platz.

In der zweiten Wochenhälfte veranstaltet Bush eine weitere Klimakonferenz in Washington. Dazu sind Vertreter der 16 Staaten mit dem höchsten CO2-Ausstoß und die EU eingeladen. Kritiker sehen in dieser Initiative den Versuch, der UN bei ihren Bemühungen Konkurrenz zu machen.

Merkel trat diesen Befürchtungen entgegen, indem sie die US-Initiative als Bekenntnis zum UN-Prozess wertete. «Ich halte davon sehr viel, weil damit ganz klar wird: Die Amerikaner sind zurück im Klimaprozess», sagte sie am Montag. Gleichzeitig verwies die Kanzlerin darauf, dass sich US-Außenministerin Condoleezza Rice in New York damit einverstanden erklärt habe, dass das geplante internationale Klimaabkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen abgeschlossen wird. «Gemessen an dem, wo wir vor einiger Zeit standen, ist das ein Riesenfortschritt.»

Bei dem Abendessen soll Bush jedenfalls klargestellt haben, dass er auf dem Weg zu einem neuen internationalen Klimaabkommen nicht die Rolle eines Quertreibers einnehmen will. Ban sagte zu den Ausführungen des US-Präsidenten: «Er hat deutlich gemacht, das er die Anstrengungen der Vereinten Nationen unterstützen wird.»


Montag, 24. September, 21:52 Uhr

Merkel fordert klaren Fahrplan für Einigung auf Klimaabkommen

New York (AP) Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einen klaren Fahrplan für die Erarbeitung eines neuen internationalen Klimaabkommens gefordert. «Nicht nur die nüchternen Fakten und Zahlen rufen uns zum Handeln auf, es ist auch die Frage, in welcher Zukunft wollen wir leben», sagte Merkel am Montag bei der UN-Klimakonferenz in New York. Die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft, sollten bis 2009 abgeschlossen werden.

An der Konferenz nahmen mehr als 80 Staats- und Regierungschefs teil sowie Vertreter etwa 70 weiterer Staaten. Konkrete Ergebnisse wurden nicht erwartet. Bei dem Treffen einen Tag vor Beginn der Vollversammlung der Vereinten Nationen sollten aber erste Weichen für die UN-Klimakonferenz auf Bali im Dezember gestellt werden, bei der es um eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll gehen soll.

Merkel bekräftigte das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. «Nur so haben wir eine Chance, die Erderwärmung unterhalb des kritischen Wertes von zwei Grad Celsius zu halten», sagte sie. «Nur so können wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels abhalten.»

Die Kanzlerin trat Befürchtungen entgegen, dass der Klimaschutz negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung haben könnte. «Wenn wir weltweit auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad setzen, verzichten wir nicht auf Wohlstand. Wir erzeugen ihn auf eine andere Art und Weise», sagte die Kanzlerin.

Merkel wird am (morgigen) Dienstagabend erstmals vor der UN-Generalversammlung sprechen. Auch in dieser Rede will sie auf den Klimawandel eingehen. Weitere Schwerpunkte werden die Herausforderungen der Globalisierung, die Entwicklungspolitik und die Bemühungen um eine Reform des UN-Sicherheitsrats sein.

Am Rande der Generalversammlung führt Merkel mehrere bilaterale Gespräche. Fest verabredet ist sie mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, dem brasilianischen Präsidenten Luis Inacio Lula da Silva, dem Nahost-Beauftragten Tony Blair, dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Die Kanzlerin nimmt am Dienstag zudem an einem Dialogforum zum Thema Klimaschutz teil und erhält den «World Statesman Award», der von einer Stiftung verliehen wird, die für den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen eintritt. Die Laudatio wird der frühere US-Außenminister Henry Kissinger halten.


Dienstag, 25. September, 01:31 Uhr

Merkel unterstützt Bushs Klimakonferenz

New York (AP) Bundeskanzlerin Angela Merkel hat US-Präsident George W. Bush Rückendeckung für seine Klimakonferenz in Washington gegeben. «Ich halte davon sehr viel, weil damit ganz klar wird: Die Amerikaner sind zurück im Klimaprozess», sagte sie am Montag zum Abschluss der UN-Klimakonferenz in New York. Merkel verwies darauf, dass sich US-Außenministerin Condoleezza Rice in New York damit einverstanden erklärt habe, dass das geplante internationale Klimaabkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen abgeschlossen wird. «Gemessen an dem, wo wir vor einiger Zeit standen, ist das ein Riesenfortschritt.»

Merkel nahm am Montag in New York gemeinsam mit mehr als 80 anderen Staats- und Regierungschefs sowie Vertretern 70 weiterer Staaten an einer Klimakonferenz teil, zu der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eingeladen hatte. Noch nie zuvor hat sich eine so hochkarätig besetzte Konferenz mit dem Thema Klimaschutz befasst. Ziel war es, die für Dezember geplante Klimakonferenz in Bali vorzubereiten, bei der der Weg zu einem Kyoto-Nachfolgeabkommen für die Zeit nach 2012 bereitet werden soll.

Bush hat für Donnerstag und Freitag Vertreter der 16 größten Verschmutzerstaaten und der EU nach Washington eingeladen. Kritiker befürchten, dass die USA mit ihrer Initiative in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen treten wollen.

Die Kanzlerin zog eine positive Bilanz des New Yorker Treffens. «Die Tatsache, dass sich heute hier so viele Staats- und Regierungschefs mit dem Thema Klimawandel beschäftigt haben, ist ein großer Erfolg auf dem Weg zu einem Übereinkommen nach 2012», sagte sie. Es gebe nahezu niemanden mehr, der an den Herausforderungen des Klimaschutzes zweifele. Die Konferenz sei auch «ein ganz wichtiges Signal» an die Umweltminister, die sich im Dezember auf Bali treffen.


25. September, 2007

Merkel sieht reiche Länder beim Klimaschutz in der Pflicht

New York (AFP) - Beim UN-Klimagipfel in New York hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Vorreiterrolle der Industriestaaten beim Kampf gegen den Klimawandel angemahnt. Diese müssten beim Klimaschutz mit selbstgesteckten "ambitionierten Zielen" vorangehen, um andere zum Nachziehen zu bewegen und bis 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen zu halbieren, sagte Merkel in New York. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zog zum Abschluss des Treffens eine positive Bilanz: Er habe "einen klaren Ruf der Weltlenker nach einem Durchbruch beim Klimawandel vernommen".

Im Einklang mit anderen Staats- und Regierungschefs der EU forderte Merkel eine verbindliche weltweite Vereinbarung zum Schutz des Klimas für die Zeit nach dem Ende des Kyoto-Protokolls 2012. Klimaschutz sei nicht nur eine "moralische Notwendigkeit", sondern auch "ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft", sagte die Kanzlerin: "Ein UN-Abkommen nach 2012 ist die Brücke, über die alle Länder zu einer nachhaltigen Entwicklung kommen können." Durch Klimaschutz "verzichten wir nicht auf Wohlstand", versicherte sie.

Auf Bans Einladung nahmen rund 80 Staats- und Regierungschefs an dem Gipfel teil. Der UN-Generalsekretär hatte das Treffen einberufen, um einen Anstoß für die große UN-Klimakonferenz im Dezember in Bali zu geben. Dort sollen die Verhandlungen für ein Kyoto-Nachfolgeabkommen beginnen. Von den New Yorker Beratungen sei "ein machtvolles Signal an die Welt und an die Konferenz von Bali" ausgegangen, resümierte Ban.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy forderte die "Solidarität" der entwickelten Länder: "Die Armen wären die ersten Opfer unseres Egoismus." Der britische Umweltminister Hilary Benn legte die Latte für die Bali-Verhandlungen hoch: Eine Klimavereinbarung mache nur dann Sinn, wenn sie die Emissionen verpflichtend begrenze "und dadurch den gefährlichen Klimawandel verhindert". Benn appellierte an die USA, ihre Ablehnung verbindlicher Obergrenzen aufzugeben.

Indiens Finanzminister Palaniappan Chidambaram und Chinas Außenminister Yang Jiechi wiesen darauf hin, dass die Industriestaaten als größte Verschmutzer in der Pflicht stünden, den Ausstoß zu drosseln.

US-Außenministerin Condoleezza Rice versicherte, ihr Land nehme den Klimawandel ernst. Die USA zögen eine Entwicklung umweltfreundlicher Technologien aber verbindlichen Grenzen für den Ausstoß an Treibhausgasen vor.


Dienstag, 25. September, 04:55 Uhr

Merkel als Klimaschützerin

New York/Berlin (ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die großen Industriestaaten aufgefordert, Vorreiter bei der Reduzierung von Treibhausgasen zu werden. Der vom Menschen verursachte Klimawandel werde zu dramatischen Schäden führen, wenn die Welt jetzt nicht entschlossen handle, warnte Merkel am Montagabend (Ortszeit) auf dem Weltklima-Gipfel der Vereinten Nationen in New York. Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif forderte von Deutschland konkrete Klimaschutzanstrengungen. Fachleute betonten die Bedeutung des Klimaschutzes für politische Entscheidungen, waren sich jedoch über seine Ursachen und Folgen uneins.

Merkel sagte, bis zur Mitte dieses Jahrhunderts müsse der Ausstoß von gefährlichen Treibhausgasen weltweit mindestens um die Hälfte reduziert werden. Im Unterschied zur US-Regierung, die sich trotz internationaler Kritik auf keine verbindlichen Reduktionsziele verpflichten will, drängte Merkel erneut auf ein globales Klimaabkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen. Nur auf diesem Wege seien ein fairer Ausgleich der Interessen und wirtschaftliche Anreize für Entwicklung und Einsatz neuer Umwelttechnologien zu erreichen. An der eintägigen Welt-Klimakonferenz der Vereinten Nationen nahmen rund 80 Staats- und Regierungschefs teil, nicht aber US-Präsident George W. Bush. Merkel wird am späten Dienstagabend (Ortszeit) vor dem gesamten UN-Plenum in New York eine Ansprache auch zu diesem Thema halten.

Latif sagte den Dortmunder «Ruhr Nachrichten» (Dienstagausgabe), er glaube nicht an einen Durchbruch zum Klimaschutz beim Gipfel in New York. «Dass sich die USA auf verbindliche Ziele zur Reduktion von Kohlendioxid einlassen, ist mehr als unwahrscheinlich», sagte er. Auch Deutschland sei nicht glaubwürdig. 2006 sei der Treibhausgas-Ausstoß in der Bundesrepublik gestiegen. «Angela Merkel mag auf der internationalen Bühne zwar die große Klimaschützerin spielen. Aber irgendwann muss auch mal etwas Konkretes im eigenen Lande geschehen», sagte Latif.

Die Zeitung «Die Welt» (Dienstagausgabe) berichtete vorab unter Berufung auf eine Umfrage der Universität Mainz unter mehr als 130 deutschen Fachleuten, Experten seien der Meinung, der Kampf gegen den Klimawandel habe als Letztbegründung von Macht- und Gestaltungsansprüchen in Deutschland die Funktion übernommen, die Nation und Religion in der Vergangenheit besaßen. Der Klimaschutz legitimiere staatliche Eingriffe in die Energieversorgung, die Technologieförderung und den Wohnungsbau. «Mit dem Klima kann man alles begründen - von Subventionen für Wind- und Solarenergie, Vorschriften für den Bau von Eigenheimen und bis hin zur steuerlichen Behandlung von Dienstwagen», zitierte das Blatt aus der Erhebung.

Zugleich habe die Umfrage deutliche Unterschiede in der Einschätzung der Klimaentwicklung gezeigt, schrieb die Zeitung. 84 Prozent der Klimaexperten seien der Meinung, dass die klimatischen Prozesse noch nicht hinreichend verstanden seien. 46 Prozent gaben dem Menschen die Hauptschuld am Klimawandel, 27 Prozent eine Mitschuld. Ein gutes Viertel halte den Menschen für nicht verantwortlich für die Erderwärmung. Nur eine knappe Mehrheit der Forscher sehe in den Folgen des Klimawandels Gefahren für die Menschen.


Greenpeace bei den Vereinten Nationen

Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 24.9.07

In New York hat am Montag der Klimasondergipfel der Vereinten Nationen begonnen. Auf dem Gipfel wird unter anderem der Geschäftsführer des chinesischen Greenpeace-Büros sprechen, Lo Sze Ping. Er will die Regierungschefs der Welt auffordern, eine strenge Anschlussvereinbarung zum Kyoto-Protokoll vorzubereiten.

In Bali findet Anfang Dezember die große UN-Klimakonferenz statt. Sie soll mit dem sogenannten Bali-Mandat den Weg zu konkreten Verhandlungen über den Inhalt des Kyoto-Anschlussprotokolls ebnen. Die Weichen dafür werden auch auf dem derzeitigen UN-Gipfel in New York gestellt.

Greenpeace fordert ein Bali-Mandat, das der Dringlichkeit des Problems Rechnung trägt: Industrienationen müssen ihre Emissionen drastisch einschränken; neue Marktmechanismen müssen Entwicklungsländern helfen, gegen den Kimawandel aktiv zu werden. Es gilt, einen Fonds einzurichten, um Eneuerbare Energien und Energieeffizienz zu fördern. Die Abholzung der Wälder muss eingedämmt werden. Außerdem muss es finanzielle Entschädigungen für die Entwicklungsländer geben. Sie sind besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen.

Die Arbeit in Bali Anfang Dezember darf nicht mit einer unverbindlichen Wunschliste enden. Am Ende des großen internationalen Klimagipfels muss ein klarer Auftrag stehen - für eine starke zweite Phase des Kyoto-Protokolls ab 2009.


25. September, 2007

Wirtschaft hält Klimaziele der Bundesregierung für unrealistisch

Berlin (AP) Die deutsche Wirtschaft hält die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung angesichts des Atomausstiegs für völlig unrealistisch. Eine Minderung der Treibhausgase um 40 Prozent von 1990 bis 2020 «geht nur unter Beibehaltung der Kernenergie», sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Jürgen Thumann, am Dienstag in Berlin.

Sollte am Atomausstieg festgehalten werden, seien 30 Prozent Minderung das Äußerste, was noch wirtschaftlich verkraftbar und bezahlbar sei, sagte Thumann. Er stützte sich auf eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey zu den Kosten des Klimaschutzes.

Demnach sollen vor allem Hausbesitzer und Verbraucher investieren: Die Kosten für Dämmung und neue Heizungen rechnen sich der Studie zufolge innerhalb von 15 Jahren durch die Energieersparnis. Damit ließen sich rund 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr wirtschaftlich einsparen.

Für die Industrie selbst sieht die Studie hingegen unter dem Strich kaum noch Minderungspotenzial. Zwar lasse sich die Energieeffizienz weiter jährlich um 1,6 Prozent steigern; die damit erreichten Einsparungen bei den Treibhausgasen würden aber durch das erwartete Wirtschaftswachstum von zwei Prozent jährlich aufgefressen, sagte McKinsey-Chef Frank Mattern.


25. September, 2007

Thumann: 40 Prozent CO2-Reduktion nur mit Kernkraft machbar

Berlin (ddp). Die deutsche Industrie hält das Ziel der Bundesregierung, die CO2-Emissionen bis 2020 um bis zu 40 Prozent zu senken, nur unter Beibehaltung der Kernenergie für machbar. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, sagte am Dienstag in Berlin, 30 Prozent seien «äußerst anspruchsvoll», aber realisierbar. Jedes Prozentpunkt darüber hinaus koste sehr viel Geld. Wenn Deutschland 40 Prozent erreichen wolle, gehe dies nur mit einer Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke. Ansonsten bedeute die Festlegung auf 40 Prozent, dass große Teile der deutschen Industrie das Land verlassen würden mit der Folge des Verlusts von Millionen Arbeitsplätzen.

Die Bundesregierung hatte auf ihrer Klausur in Meseberg ein nationales Energie- und Klimaprogramm mit 29 Einzelmaßnahmen verabredet. Es soll Deutschland dem 40-Prozent-Ziel nahe bringen. Das Umweltministerium rechnet mit der Erreichung von 35 bis 36 Prozent CO2-Reduktion gegenüber 1990 bis zum Jahr 2020. Die EU hatte sich auf ihrem Gipfel im März auf eine Reduzierung um 20 Prozent geeinigt beziehungsweise 30 Prozent, falls es zu internationalen Vereinbarungen kommt.

BDI-Präsident Thumann stellte zusammen mit dem Deutschlandchef der Unternehmensberatung McKinsey, Frank Mattern, eine Studie zu den Kosten und Potenzialen der Vermeidung von CO2-Emissionen anhand von 300 Einzelmaßnahmen vor. Demnach sind die Emissionen von Treibhausgasen seit 1990 in Deutschland um 17 Prozent gesunken. Wichtigster Effekt war dabei die Wiedervereinigung mit der Stilllegung vieler Industriebetriebe, der Modernisierung von Firmen sowie der Renovierung vieler Gebäude. 30 Prozent CO2-Reduzierung bis 2020 auf der Basis von 1990 sind laut Mattern größtenteils mit den heute bekannten Technologien erreichbar ohne Einbußen bei Wirtschaftswachstum und Lebensqualität. Die Studie geht dabei von der Beibehaltung des Ausstiegs aus der Kernkraftnutzung aus.

Das größte CO2-Vermeidungspotenzial liegt der Studie zufolge im Gebäudebereich. 90 Prozent der Maßnahmen zur Wärmedämmung und zur effektiven Heizung und Beleuchtung wären auch wirtschaftlich. Mattern wies allerdings auf die Kosten für die Hauseigentümer hin.


Zwiespältige McKinsey-Studie zu Kosten des Klimaschutzes

BUND Pressemitteilung, Berlin 25.09.2007

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) liefert die heute vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) veröffentlichte McKinsey-Studie zu den Kosten des Klimaschutzes eine Reihe von Argumenten, warum sich die Industrie ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen auf keinen Fall verweigern sollte. Absehbar sei jedoch auch, dass sich Wirtschaftszweige wie die Autoindustrie oder der Energiesektor verstärkten Umweltschutzmaßnahmen mit Hinweis auf die Studie auch künftig verweigern würden. Wenn McKinsey CO2-Minderungen von lediglich 26 bis 31 Prozent als kostengünstig bewerte, liege das daran, dass Schäden durch den Klimawandel und die Kosten notwendiger Schutzmaßnahmen völlig außer acht gelassen worden seien.

Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: "Die McKinsey-Studie ist nicht das Produkt einer Umweltorganisation und sie macht aus dem Bundesverband der Deutschen Industrie auch keine ökologische Veranstaltung. Trotzdem kann sie in einigen Bereichen einem effektiven Klimaschutz den Weg bereiten. Vor allem bei den Erneuerbaren Energien und bei der Gebäudesanierung hebt die Studie die Chancen hervor. Die Autohersteller und die Stromkonzerne aber werden sich hinter McKinsey verstecken, wenn von ihnen mehr Verantwortung für den Schutz der Umwelt verlangt wird.“

Der BDI werbe unter Berufung auf den Klimaschutz auch für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken. Davon dürfe sich die Bundesregierung jedoch nicht erpressen lassen. Die erst wenige Wochen zurückliegende Pannen-Serie der Atomreaktoren in Krümmel und Brunsbüttel habe gezeigt, dass Atomkraftwerke unverantwortliche Risiken bergen. Hinzu komme, dass die Atomenergie den Ausbau erneuerbarer Energien und damit den Klimaschutz blockiere.

Große Lücken weise die McKinsey-Studie bei den Sparpotenzialen von Autos und den Ausbauchancen der klimafreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auf. So werde angenommen, dass technische Maßnahmen an Pkw deren CO2-Ausstoß lediglich um rund acht Millionen Tonnen pro Jahr verringern könnten. Dies blende die möglichen Minderungseffekte durch sparsame Autos vollständig aus. Auch der von McKinsey prognostizierte KWK-Ausbau bleibe hinter der vom BDI selbst abgegebenen Zusage zurück.

Zahrnt: „BDI-Präsident Jürgen Thumann sollte sich noch einmal die Prognos-Studie des Bundeswirtschaftsministeriums ansehen. Sie weist nach, dass auch bei einem Atomausstieg die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent verringert werden können. Ein ambitionierter Klimaschutz ist nicht nur für den Schutz der Erdatmosphäre dringend erforderlich, auch die Wirtschaft würde davon profitieren.“


Dienstag, 25. September, 03:21 Uhr

Umfrage: Weltbevölkerung mehrheitlich für Kampf gegen Klimawandel

London (AFP) - Die Weltbevölkerung hält einer Umfrage zufolge mit großer Mehrheit Maßnahmen gegen den Klimawandel für "notwendig". Rund 65 Prozent der 22.182 im Auftrag der britischen Rundfunkanstalt BBC Befragten gaben an, es sei notwendig "sehr bald entschiedene Schritte" gegen die Erderwärmung zu unternehmen. 25 Prozent der Befragten erklärten nach der am Dienstag veröffentlichten Umfrage, in den nächsten Jahren sei nur ein gemäßigtes Handeln erforderlich.

Nach Angaben der BBC sprachen sich 91 Prozent der befragten Spanier, 86 Prozent der Italiener und 85 Prozent der Franzosen für ein rasches und entschiedenes Vorgehen aus, aber nur 43 Prozent der Russen und 37 Prozent der Inder. In 18 von 21 Ländern, in denen BBC-Umfragen stattfanden, forderten die Teilnehmer mehrheitlich eine Verringerung des Ausstoßes an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) - und zwar sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern. Die Befragten in Italien, Ägypten und Nigeria erklärten dagegen, sie seien gegen eine Beschränkung der CO2-Emissionen für Entwicklungsländer.



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