Aktuell


Zwischen den Klimakonferenzen

Donnerstag, 27. September, 01:34 Uhr

Umstrittene Klimakonferenz Bushs beginnt

Washington (AP) Auf Einladung von US-Präsident George W. Bush kommen am (heutigen) Donnerstag in Washington Vertreter der 16 Staaten mit dem höchsten Ausstoß von Treibhausgasen zusammen, um über ein gemeinsames Vorgehen gegen den Klimawandel zu beraten. Die zweitägige Konferenz, zu der auch die EU-Kommission und die portugiesische EU-Präsidentschaft eingeladen wurden, wird von US-Außenministerin Condoleezza Rice geleitet. Für Deutschland nimmt Umweltminister Sigmar Gabriel teil.

Am Freitag wird Bush das Wort ergreifen. Die Konferenz ist umstritten. Kritiker befürchten, dass die USA damit in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen treten wollen, die derzeit die Verhandlungen über ein internationales Klimaschutzabkommen für die Zeit nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 vorbereiten.

Bei der UN-Klimakonferenz in New York war Rice am Montag solchen Befürchtungen entgegengetreten. Das Treffen in Washington sei darauf ausgerichtet, den laufenden UN-Prozess zu unterstützen, sagte sie.

Gabriel, der sich bereits seit Montag in Washington aufhält, zeigte sich vor Beginn der Konferenz zuversichtlich. «Wie nie zuvor haben sich in diesem Jahr diesseits und jenseits des Atlantiks in Sachen Klimaschutz die Standpunkte angenähert», sagte er am Dienstag in einer Rede an der Georgetown Universität. Bei dem G-8-Treffen in Heiligendamm hätten im Grundsatz alle großen Industrieländer anerkannt, dass eine Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050 notwendig sei. «Ich erhoffe mir, dass wir uns auf der Konferenz über wichtige Schritte auf diesem Weg verständigen können.»

Der Umweltminister warnte in seiner Rede aber auch vor Alleingängen einzelner Länder oder Staatengruppen beim Klimaschutz. «Wenn die großen Volkswirtschaften einen exklusiven Club gründen, dürfen sie nicht erwarten, dass diejenigen, die draußen bleiben müssen, den im Club ausgehandelten Vertrag einfach unterschreiben.» Nur gemeinsam mit den Entwicklungsländern könne ein Weg gefunden werden, der eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung mit einem wirksamen Klimaschutz optimal verknüpft.


Dienstag, 25. September, 18:33 Uhr

Merkel: Klimaschutz ist Testfall für Funktionieren der UNO

New York (ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Zustandekommen eines neuen Weltklimaschutzabkommens zum Testfall für die Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen erklärt. Beim Schutz des Klimas werde sich «beispielhaft erweisen, wie es um die Handlungsfähigkeit der Staatengemeinschaft im 21. Jahrhundert bestellt ist», sagte Merkel am Dienstagabend (Ortszeit) in einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York laut Manuskript.

Der Klimawandel sei eine «zentrale Herausforderung für die Menschheit», mahnte Merkel. Nie zuvor sei der Handlungsbedarf so unbestritten gewesen. «Jedes Land ist von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Keines kann ihn allein bewältigen», betonte die Kanzlerin. Nicht zu handeln, würde «immense Kosten und neue weltweite Konflikte verursachen», warnte sie.

Auf der UN-Klima-Konferenz in Bali im Dezember müsse ein klarer Fahrplan vereinbart werden, damit die Verhandlungen bis 2009 erfolgreich abgeschlossen werden könnten. Dazu zähle eine Verständigung über den Umfang der Emissionsminderung sowie auf faire nationale Beiträge und über die Instrumente zur Vereinbarung von Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum.

«Wir brauchen bis zur Mitte des Jahrhunderts mindestens eine Halbierung der globalen Emissionen», stellte Merkel klar. Jeder Beitrag sei willkommen. Einzelbeiträge könnten aber nur Ergänzung und «niemals Ersatz für ein Post-Kyoto-Abkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen» sein.

Alle Industrieländer müssten ihren Treibhausgasausstoß pro Kopf drastisch verringern. Für die Schwellenländer hingegen gehe es zunächst darum, ihr Wirtschaftswachstum von den Emissionen zu entkoppeln. Langfristig müssten sich die Pro-Kopf-Werte der Industrie- und der Schwellenländer auf dem Niveau des weltweiten Klimaschutzziels angleichen.


Donnerstag, 27. September, 07:11 Uhr

Gabriel will US-Regierung für den Klimaschutz «beim Wort nehmen»

Berlin (ddp). Bei den internationalen Bemühungen um verbindliche Klimaschutziele fällt Deutschland und den anderen europäischen Ländern nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) eine wichtige Rolle zu. So müsse man die US-Regierung «beim Wort nehmen» und den von den Vereinten Nationen in Gang gesetzten Verhandlungsprozess weiterführen, sagte Gabriel am Donnerstag im ZDF-«Morgenmagazin» aus Anlass der in Washington beginnenden Konferenz der 16 Länder mit dem höchsten Kohlendioxidausstoß.

«Wir brauchen nicht nur ein langfristiges Ziel bis 2050, sondern auch Zwischenziele, die immer wieder überprüft werden», sagte Gabriel mit Blick auf die UN-Umweltkonferenz im Dezember auf Bali. Dabei lägen Europa und die derzeitige US-Regierung «noch ziemlich weit auseinander».

Bei dem Treffen auf Bali muss es nach den Vorstellungen Gabriels zu verbindlichen Zielsetzungen für den Klimaschutz kommen. «Es kann nicht sein, dass wir nur freiwillige Verabredungen treffen, die dann hinterher niemand überprüft», mahnte der Minister.

Im Hörfunksender NDR Info warnte Gabriel am Donnerstag zugleich vor zu hohen Erwartungen an die von US-Präsident George W. Bush anberaumte Konferenz. Auf die Frage, ob nicht die Gefahr bestehe, dass die USA den UN-Klimaschutzprozess sprengen könnten und andere Staaten auf ihre Seite ziehen, antwortete Gabriel: «Ich kann nicht ausschließen, dass das auch sozusagen die geheime Agenda ist.» Er fügte hinzu: «Das ist der Grund, warum wir hierher gefahren sind, um das zu verhindern.»

Die Gespräche in Washington dürften die eigentlichen Klimaverhandlungen auf Bali unter dem Dach der Vereinten Nationen nicht ersetzen, sondern sollten darin einfließen, unterstrich Gabriel. Er stellte klar: «Einen zweiten Prozess, der möglicherweise die ganzen Verhandlungen unterminieren würde und der am Ende zu keinem klaren Ergebnis führen würde, können wir uns nicht leisten.»


Donnerstag, 27. September, 05:34 Uhr

Gabriel: Bei der Klimapolitik nicht zu sehr auf Bush schauen

Hamburg (AP) Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat bei den Verhandlungen mit den USA zur Klimapolitik davor gewarnt, zu sehr auf die Haltung von Präsident George W. Bush und der jetzigen US-Regierung zu achten. «Wir alle wissen, die sind in ein paar Monaten nicht mehr im Amt», sagte der SPD-Politiker bei NDR Info.

Im amerikanische Kongress gebe es nicht nur bei der demokratischen Mehrheit, sondern auch bei Republikanern bereits eine große Bereitschaft, etwa auch in den USA den Emissionshandel einzuführen und ganz aktiv eine Führungsrolle bei der Minderung der Treibhausgabe zu übernehmen. Auch bei Gesprächen mit Vertretern der amerikanischen Wirtschaft habe er festgestellt, dass man dort erneuerbare Energien als wirtschaftliche Chance verstehe und eigentlich verärgert darüber sei, dass die Vereinigten Staaten sich hier nicht stärker engagierten.


Ambitionierte Klimaschutzziele für die Industriestaaten erforderlich

BUND Pressemitteilung, Berlin 27.09.2007

Zum Washingtoner Treffen der 16 größten Treibhausgasemittenten, an dem auf Einladung von USA-Präsident George W. Bush ab heute auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel teilnimmt, erklärt Angelika Zahrnt, Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

„Mit diesem Treffen will sich Präsident Bush in die erste Reihe der Klimaschützer mogeln, obwohl er sich seit Jahren weigert, das Kioto-Abkommen zu ratifizieren. Klar ist jedoch, dass alle Industriestaaten einschließlich der USA zuerst bei sich massive Treibhausgas-Reduktionen durchsetzen müssen. Eine solche Botschaft erwarten wir von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel an alle Teilnehmer der Klimakonferenz von Washington.“

Bis 2050 müsse der CO2-Ausstoß weltweit halbiert werden, damit sich die Erdatmosphäre nicht stärker als zwei Grad erwärme. Geschehe dies nicht, werde es künftig häufiger dramatische Folgen wie Überschwemmungen, Dürren und andere Wetterextreme geben. Vage Absichtserklärungen zur Steigerung der Energieeffizienz, wie von den USA angekündigt, reichten für substantielle Fortschritte beim Klimaschutz nicht aus. Effizienzsteigerungen in bestimmten Bereichen würden vom Wirtschaftswachstum zumeist wieder zunichte gemacht. Für die erforderliche drastische Reduzierung der Treibhausgase seien deshalb konkrete und verbindliche Ziele unverzichtbar.

Nach wie vor seien die USA weltgrößter „Klimasünder“. Seit 1990 stiegen ihre CO2-Emissionen um weitere 15 Prozent. Pro Jahr emittierten sie über sieben Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Das entspreche einem jährlichen Pro-Kopf-Ausstoß von 20 Tonnen. Obwohl die USA bis 2012 ihre Energieeffizienz um 18 Prozent erhöhen wollten, sei aufgrund ihrer wirtschaftlichen Dynamik ein weiterer Anstieg der CO2-Emissionen wahrscheinlich. Präsident Bush beharre trotzdem darauf, dass ein Kioto-Nachfolgeabkommen zum globalen Klimaschutz keine bindenden Reduktionspflichten enthalten solle.


Donnerstag, 27. September, 09:04 Uhr

Mehrheit der US-Amerikaner vom Klimawandel überzeugt

Washington (AP) Eine deutliche Mehrheit von 84 Prozent der US-Amerikaner ist vom Klimawandel überzeugt. Aber nur jede Fünfte (20 Prozent) ist der Meinung, dass Präsident George W. Bush genug für die Umwelt tut. Das geht aus einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP und dem Woods Umweltinstitut der Universität Stanford hervor, die kurz vor Beginn der Washingtoner Klimakonferenz am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Der von den Demokraten kontrollierte Kongress kommt sogar noch schlechter weg als der unbeliebte Präsident. Nur 16 Prozent der Befragten heißen die Umweltpolitik des Parlaments gut. Die Zahlen haben sich seit dem vergangenen Jahr kaum verändert. Mehr als zwei Drittel der Amerikaner (69 Prozent) halten die globale Erwärmung für eine Bedrohung. Gut die Hälfte erklärten, die Umwelt werde in zehn Jahren in einem noch schlechteren Zustand sein als heute.

Für die Umfrage wurden 1.001 Erwachsene telefonisch befragt, die Fehlerquote wurde mit drei Prozentpunkten angegeben.


Greenpeace-Vertreter vor den UN: "Kyoto - tun Sie es!"

Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 25.9.07

In New York hat am Montag der Klimasondergipfel der Vereinten Nationen stattgefunden. Unter anderem sprach der Geschäftsführer des chinesischen Greenpeace-Büros, Lo Sze Ping. Er forderte die Regierungschefs der Welt auf, eine strenge Anschlussvereinbarung zum Kyoto-Protokoll vorzubereiten. Am Ende der Klimaverhandlungen dürfe "keine Straße ins Nirgendwo stehen, keine Wunschliste".

Lo erinnerte daran, dass der Klimawandel sich schneller vollziehe als erwartet. Noch sei es nicht zu spät, aber wahrlich höchste Zeit. "Wenn wir die Warnungen seriöser Wissenschaftler und Ökonomen ignorieren, wird uns das alle in große Gefahr bringen." Er appellierte an die Staats- und Regierungschefs, eine Energierevolution zu stützen und "sich in Bali auf ein Mandat zu verständigen, das in eine erstarkte Weltklimapolitik unter Führung der Vereinten Nationen mündet".

Im Klimaschutz führen derzeit alle Wege nach Bali, wo Anfang Dezember die große UN-Klimakonferenz stattfindet. Auf verschiedenen internationalen Treffen sondieren die Ländervertreter seit längerem die Lage und suchen Verbündete für ihre eigene Klimapolitik. Auch der UN-Klimagifel in New York und George W. Bushs Gegengipfel in Washington am 27. und 28. September dienen letztlich diesem Zweck: Allianzen zu schmieden, beispielsweise für oder gegen strenge, verbindliche CO2-Einsparungsziele. Auf Bali werden dann die konkreten Verhandlungsziele festgelegt, das sogenannte Bali-Mandat.

Lo ging auch auf die Rolle Chinas ein. "China steht im Mittelpunkt der Klimadebatte. Einer neuen Studie zufolge soll China inzwischen sogar der weltweit größte CO2-Verursacher sein. Dies hat den einen oder anderen zu der Aussage bewogen, China müsse im Klimaschutz zuerst handeln. Um es deutlich zu sagen: China handelt bereits."

Anfang Juni seien im nationalen chinesischen Klimaschutzprogramm Maßnahmen gegen den Klimawandel festgelegt worden. Das Programm verpflichte China zu konkretem Handeln, wie etwa bindende Ausbauziele für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. "Chinas Energieproduktion beruht zu 70 Prozent auf Kohle - 42 Prozent mehr als der Weltdurchschnitt. Damit muss Schluss sein. In China und weltweit müssen verstärkt erneuerbare Techniken eingesetzt werden."

Diese Technologien seien vorhanden. Lo Sze Ping: "Die Regierungen müssen einfach nur mit ihrer Arbeit beginnen. Wir können es uns nicht leisten, über mehr Forschung zu reden, statt echte Maßnahmen zu ergreifen. Nur indem wir das Kyoto-Protokoll und nationale Gesetze für den Ausbau Erneuerbarer Energien und eine höhere Energieeffizienz stärken, schaffen wir das Investitionsklima, das eine Revolution für saubere Energie einleitet ... Kyoto - tun Sie es!"

Greenpeace-Rede vor den Vereinten Nationen


Angela Merkel: Hochengagiert für Klimaschutz - auch in Deutschland?

Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 26.9.07

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Dienstagnacht auf der UN-Generalversammlung eine engagierte Rede für den Klimaschutz gehalten. Doch wie ernsthaft setzt sie Klimaschutz in Deutschland durch? Ein Kommentar unserer Expertin Gabriela von Goerne.

"Frau Merkel hat Recht - Klimawandel ist die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Ein Abkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen ist für den Schutz des Klimas unverzichtbar. Die Industrieländer müssen hierbei vorangehen und sich ambitionierte Ziele zur Verringerung der Treibhausgase setzen."

"Im Gegensatz dazu hat US-Präsident Bush wieder einmal die Chance genutzt, die Vereinten Nationen als Heim des internationalen Klimaschutzes in Frage zu stellen. Statt dessen verweist Bush auf sein Ende der Woche in Washington stattfindendes alternatives Klimatreffen. Frau Merkel hat darauf eine klare Antwort gegeben: Maßnahmen können nur zusätzlich, niemals jedoch als Ersatz für ein Anschlussprotokoll von Kyoto gesehen werden."

"Allerdings ist auch die deutsche Bereitschaft zum Klimaschutz nicht klar. Zwar hat sich Frau Merkel in New York klar für den Klimaschutz im Rahmen der Vereinten Nationen ausgesprochen, aber in Deutschland lässt ehrlicher Klimaschutz noch auf sich warten. Hier werden neue Braunkohlekraftwerke genehmigt, die mit ihrem massiven Ausstoß von CO2 jeglichen Klimaschutz torpedieren. Die Konsequenz aus ihren eigenen Forderungen in New York muss daher sein, keine weiteren Braunkohlekraftwerke zu bauen. Stattdessen müssen Erneuerbare Energien konsequent gefördert werden."


BDI veröffentlicht Studie zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen

Von Viktoria Thumann, Greenpeace-Online, 25.9.07

"Endlich haben auch die Chefetagen der deutschen Industrie verstanden, dass sie bei der Bekämpfung des Klimawandels die Hauptrolle spielen," sagt Greenpeace-Energieexperte Jörg Feddern. Die aktuelle Studie Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasemissionen in Deutschland des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zeigt es: Deutschland kann rund 25 Prozent des Ausstoßes von Treibhausgasen ohne wirtschaftliche Nachteile einsparen. Doch der Blick aufs Geld allein reicht nicht.

Leider betrachtet die Studie CO2-Reduktionsziele nur unter Kostenaspekten. Dabei favorisiert sie längere Laufzeiten für Atomkraftwerke und eine weitere Nutzung der klimaschädlichen Braun- und Steinkohle. Unnötig und vollkommen falsch. Schon im März 2007 hat Greenpeace mit Klimaschutz: Plan B gezeigt, wie unser Klima nachhaltig und kosteneffizient zu retten ist.

"Die Autoren der BDI-Studie vernachlässigen den massiven Ausbau aller Erneuerbaren Energien, die Einsparpotenziale im Energiesektor und den Ersatz von Stein- und Braunkohle durch den effizientesten fossilen Energieträger Gas. Das ist die Handschrift der Energiewirtschaft innerhalb des BDI," so Feddern.

Die Greenpeace-Studie Klimaschutz: Plan B belegt hingegen, dass der Ausstieg aus der Atomenergie kein Hindernis für den Klimaschutz und für das 40-Prozent-Ziel ist. Sie betont einen Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und energiesparender Technologien. Bis 2020 muss der Anteil der KWK an der Stromerzeugung verdreifacht werden. Ein Atomausstieg bis 2015 würde als Innovationsmotor für solche Technologien wirken. Damit würde Klimaschutz billiger und wirksamer.

"Erfolgreicher Klimaschutz braucht schnelles und entschiedenes Engagement. Die von Wissenschaftlern vorgegebenen Reduktionsziele sind keine Option sondern ein Muss, wollen wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels verhindern. Und deren volkswirtschaftliche Kosten könnten sich allein für Deutschland auf 800 Milliarden Euro summieren. Deshalb müssen wir bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent reduzieren - ohne Wenn und Aber," sagt Feddern weiter.

Auch muss die Energieeffizienz im Straßenverkehr drastisch gesteigert werden. Der Flottenverbrauch liegt heute bei durchschnittlich 7,7 Litern auf 100 Kilometern, laut Klimaschutz: Plan B dürfte er bis 2020 nur noch bei 4,5 Liter auf 100 Kilometer liegen. Genauso muss Biomasse ausgebaut werden. Allerdings darf diese dann nicht als Tankfüllung missbraucht, sondern muss für die Wärmeerzeugung gebraucht werden.

Fedderns Resümee: "Zu Recht fordert die Studie klare politische Rahmenbedingungen, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Die können im Sinne des Klimaschutzes aber nur heißen: keine neuen Braunkohlekraftwerke, Energieeffizienz steigern und Erneuerbare Energien ausbauen."


Mittwoch, 26. September, 04:55 Uhr

Umweltamt weist BDI-Studie zu Klimaschutzkosten zurück

Passau (ddp). Der Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge, weist die Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zu den Möglichkeiten einer Reduzierung von Treibhausgasen zurück. Eine Studie, nach der bis 2020 allenfalls eine Reduzierung der Treibhausgase um 31 statt wie von der Bundesregierung gefordert um 40 Prozent möglich ist, berücksichtige kostengünstige Möglichkeiten zur Kohlendioxideinsparung nur unzureichend, sagte Troge der «Passauer Neuen Presse» (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht. So gehe der BDI für die nächsten Jahre lediglich von einem relativ geringen Anteil der Energieerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung sowie von relativ wenig Einsatz erneuerbarer Energien aus.

«Die deutsche Industrie könnte sich mit Fug und Recht beim Klimaschutz mehr zutrauen», sagte Troge. Nach Ansicht seiner Behörde sei eine deutlich stärkere Senkung der Treibhausgas-Emissionen wirtschaftlich verkraftbar. Sein Haupteinwand sei, dass sich die Industrie mit der Studie künstlich arm rechne. Sie lege einen viel zu niedrigen Ölpreis zugrunde. Deshalb falle die errechnete Energiekostenersparnis bei Investitionen im Klimaschutz zu gering aus. Die Vermeidung von Kohlendioxid rentiere sich nach dieser Berechnung weniger schnell und verursache höhere Kosten.

Troge sagte, er rechne damit, dass der Treibhausgasausstoß in Deutschland bis spätestens 2010 deutlich zurückgeht. «Dann nämlich werden die Klimaschutz-Maßnahmen der Vergangenheit mehr Wirkung zeigen und auch die Vereinbarungen der Kabinettsklausur von Meseberg. Insbesondere im Gebäudebereich werden wir dann deutlich geringere Emissionen haben», sagte Troge.

Der Präsident des Umweltbundesamts zeigte sich erfreut über die weltweiten Bemühungen zu mehr Klimaschutz. «Über Maßnahmen gegen den Klimawandel sprechen immerhin nicht mehr ausschließlich die Umweltminister, sondern die Staats- und Regierungschefs», sagte Troge.


Mittwoch, 26. September, 15:22 Uhr

Klimawandel bringt keine höhere Sturmflutgefahr an Nord- und Ostsee

Hamburg (AP) Trotz des Klimawandels sehen Wissenschaftler keine erhöhte Gefahr für Sturmfluten an den deutschen Küstenregionen. Es sei eine subjektive Empfindung, dass es mehr Stürme gebe, sagte der Sturmexperte Sylvin Müller-Navarra vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Mittwoch in Hamburg. «Wissenschaftlich können wir keine Erhöhung der Sturmzahlen feststellen.» Die Intensität der Stürme sei aber stellenweise stärker geworden, betonte Müller-Navarra.

Dennoch führe ein Sturm wie beispielsweise Kyrill aus dem vergangenen Frühjahr nicht zwangsläufig zu einer Sturmflut. Dazu müssten viele Faktoren gleichzeitig zusammenkommen, etwa Windrichtung, Wellenbewegungen und vor allem das zeitliche Aufeinandertreffen von Hochwasser und Sturm. Auch ein Anstieg des Meeresspiegels von schätzungsweise 20 bis 80 Zentimeter bis zum Jahr 2100 spiele für den Küstenschutz in Deutschland vorerst keine Rolle, betonte der Sturmexperte. «Die Deiche werden damit fertig.»

Eine Zunahme und Verstärkung der Stürme sieht auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) nicht. «Es ist einfach eine natürliche Variabilität», sagte Gudrun Rosenhagen, Leiterin des Referats für Maritime Entwicklung beim DWD. So schwankte die Zahl der Sturmfluten in den vergangenen Jahren nach Angaben des BSH zwischen zwei und 15 pro Jahr. Man habe aber festgestellt, dass sich die Stürme mehr und mehr vom Herbst in die Wintermonate Januar bis März verlagern würden, sagte BSH-Präsident Peter Ehlers.

Bei der Sturmflut handelt es sich nach Angaben des Bundesamts um eine durch Sturm verstärkte Flut. Der Wind schiebt den Flutstrom zusätzlich an, so dass sich Wassermassen an der Küste aufstauen. An der Nordsee spreche man ab einem Pegel von 1,5 Metern über dem Mittleren Hochwasser von einer Sturmflut. Bei mehr als 3,5 Metern ist es laut BSH eine sehr schwere Sturmflut. Eine Gefahr für die Küste durch mögliche «Monsterwellen» von mehr als 15 Metern, wie sie in der Nordsee bei Kyrill aufgetreten waren, gebe es ebenfalls nicht, sagte Müller-Navarra. «Die Wellen brechen wegen der geringen Tiefe schon weit vor der Küste.»


27. September, 2007

Gefrorener Messwein als Hinweis auf Klimawandel

Einsiedeln/Schweiz (AP) «Der 11. Januar war so fürchterlich kalt, dass der gesamte Messwein gefroren ist», schrieb Bruder Josef Dietrich in sein Tagebuch. Zwei Tage später sei es noch schlimmer geworden, kälter als je zuvor seit Menschengedenken, heißt es in den Unterlagen aus dem Jahr 1684. Jahrhunderte alte, detaillierte Aufzeichnungen wie die von Bruder Josef aus dem Schweizer Kloster Einsiedeln geben Experten eine wertvolle Hilfestellung bei der Erforschung des heutigen Klimas. Und nach Auffassung des Klimahistorikers Christian Pfister von der Universität Bern zerstreuen sie auch den letzten Zweifel, dass sich die Erde dramatischer erwärmt als jemals zuvor.

Lange Zeit wurden die historischen Aufzeichnungen zu Wetterphänomenen ignoriert, weil sie als ungenau galten oder einfach nicht zugänglich oder nicht lesbar waren. Das boomende Interesse am Klimawandel habe das aber gründlich geändert, sagt Pfister. Die Arbeit mit den alten Dokumenten habe ihr «Mauerblümchen-Dasein» inzwischen komplett hinter sich, betont der Historiker.

Bruder Konrad Hinder, der derzeitige «Wettermann» in Einsiedeln, betont, dass die mittelalterlichen Beobachtungen von der Form der Wolken bis zum Auftreten von Lawinen einen wertvollen geschichtlichen Kontext böten. «Von Josef Dietrich wissen wir, dass die Extreme während dieser Zeit sehr groß waren», erklärt Hinder. «Es gab sehr kalte und sehr milde Winter, sehr nasse und sehr trockene Sommer.» In den vier Jahrzehnten, die er Daten für den Schweizer Wetterdienst aufnimmt, seien die Unterschiede lang nicht so drastisch gewesen. «Deswegen bin ich immer vorsichtig, wenn die Leute sagen, die Wetterextreme sind jetzt am größten.» Ohne historische Vergleiche sei man leicht versucht, jedes Wetterphänomen als extrem oder noch nie dagewesen einzustufen.

Die meisten Wissenschaftler, die sich mit den alten Archiven beschäftigen, suchen dort nach Berichten über Katastrophen oder besonders drastische Wetterentwicklungen. Die Unterlagen können beispielsweise aber auch Angaben über die damaligen Temperaturen liefern, die präziser sind als die Daten, die sich beispielsweise über Jahresringe von Bäumen oder Gletscher berechnen lassen.

Neben den Archiven in Einsiedeln stützen sich Forscher unter anderem auf Aufzeichnungen des französischen Physikers Louis Morin, der im 17. Jahrhundert drei Mal täglich Temperatur und Luftdruck vermerkte, ein 1653 von einem italienischen Großherzog in Auftrag gegebenes meteorologisches Netzwerk oder 33 «Wetter-Tagebücher» aus dem 16. Jahrhundert. Entdeckt wurden die wertvollen Dokumente oft durch Zufall in Klöstern oder in allgemeinen Jahrbüchern. Im österreichischen Klosterneuburg beispielsweise vermerkte ein unbekannter Schreiber 1343/1344 einen milden Winter, in dem es auf der Donau keine Eisdecke gegeben habe. Und der Abt des Schweizer Klosters Fischingen klagte im Sommer 1639 darüber, dass Heu und Getreide erst spät geerntet werden konnten, weil es kaum einen wirklich warmen Tag gegeben habe.

«Noch immer kontrolliert Gott das Wetter»

Dutzende solcher und ähnlicher Angaben würden Jahr für Jahr zusammengefügt, um Temperaturschwankungen auszumachen, erklärt der Klimahistoriker Pfister. Gemeinsam mit Kollegen arbeitet er sich so anhand alter Wetterberichte bis ins 10. Jahrhundert vor. Eines der bisherigen Ergebnisse: Zwischen 1900 und 1990 gab es in einem Jahrzehnt durchschnittlich fünf extrem warme Monate. In den 90er Jahren wurden dagegen 22 solcher Monate gemessen, zugleich kein einziger extrem kalter Monat - anders als in den hunderten Jahren zuvor. Selbst in der letzten größeren weltweiten Wärmeperiode zwischen 900 und 1300 seien strenge Winter einfach nur «weniger häufig und weniger extrem» gewesen, sagt Pfister.

Während extremes Wetter in den vergangenen Jahrhunderten vor allem Sorge vor schlechten Ernten und Hungersnöten auslöste, stehen heute die Angst vor gewaltigen Wirbelstürmen und verheerenden Überschwemmungen im Vordergrund. Bruder Konrad Hinder in Einsiedeln sagt dazu, eines habe sich nicht geändert: «Noch immer kontrolliert Gott das Wetter.» Die Menschen müssten aber ihren Teil tun und sich besser um die Erde kümmern.



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