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Aktuell
Klimadiskussion geht weiter
Donnerstag, 4. Oktober, 23:25 Uhr
UN-Klimachef mahnt Einigungsfrist über Kyoto-Nachfolge an
Brüssel (AP) Der Leiter des UN-Klimareferats, Yvo de Boer, hat eine schnelle Einigung über eine Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll angemahnt. Schon auf der Weltklimakonferenz im kommenden Dezember auf Bali müsse eine verbindliche Terminvorgabe für die neuen Verhandlungen zur Reduzierung der Treibhausgase festgelegt werden, forderte de Boer am Donnerstag im Interview der Nachrichtenagentur AP in Brüssel. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass sich die Gespräche ins Endlose hinzögen.
Er hoffe, dass in Bali ein fester Zeitplan mit einer Einigungsfrist festgelegt werde - vorzugsweise im Jahre 2009, sagte der UN-Gesandte. Dies würden den Teilnehmern genügend Zeit geben, bis zum Auslaufen des Kyoto-Protokolls die neue Vereinbarung zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Da dieser Prozess bekanntlich einige Zeit dauere, bestehe sofortiger Handlungsbedarf. Darüber führte de Boer in Brüssel Gespräche mit Vertretern der Europäischen Union.
Samstag, 6. Oktober, 18:01 Uhr
Merkel hebt Bedeutung von Klimaschutz in Südafrika hervor
Kapstadt (AFP) - An der Südspitze Südafrikas hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein deutsch-afrikanisches Umweltprojekt besucht. "Man sieht, dass hier der Klimawandel schon Realität ist", sagte Merkel am Kap der guten Hoffnung. Die Veränderungen seien in Südafrika bereits spürbarer als in Deutschland. Merkel rief dazu auf, beim Klimaschutz tätig zu werden. "Wenn ein Temperaturanstieg um sieben Grad in Südafrika erfolgt, dann ist es zu spät."
Die Kanzlerin hob deshalb die Bedeutung des Umweltprojektes BIOTA hervor, das "den Menschen zeigt, wie die Artenvielfalt geringer wird durch den Klimawandel". BIOTA ist ein deutsch-afrikanisches Großprojekt zur Erforschung der Artenvielfalt in Afrika, das seit dem Jahr 2000 vom Bundesforschungsministerium unterstützt wird.
Das Projekt verweist darauf, dass die Artenvielfalt einerseits für den Klimaschutz und als Lebensgrundlage für die Menschen in Afrika äußerst wichtig ist. Ziel ist es deshalb, Kenntnisse und Werkzeuge zu entwickeln, um eine nachhaltige Nutzung und zugleich den Schutz der biologischen Vielfalt zu ermöglichen. Dazu wird insbesondere versucht, bestehende und womöglich bedrohte Arten aufzufinden und zu katalogisieren. Im Projektteil für das südliche Afrika sind 35 Observatorien installiert. Die südlichste Beobachtungsstation ist am Kap
Das Projektnetzwerk umfasst 340 Mitarbeiter von mehr als 70 Institutionen in Afrika und Europa. Neben Biologen, Ökonomen und Bodenkundlern wird auch die lokale Bevölkerung mit ihrer jeweiligen Art der Nutzung von Pflanzen und Boden einbezogen. Dabei wurde auch eine Wildreis-Art in Afrika entdeckt, die besonders viel Stickstoff binden kann. Die Pflanze könnte womöglich in Asien eingesetzt werden, um dort den Düngemittel-Bedarf zu verringern. Mitarbeiter von BIOTA heben hervor, dass keine Patente auf Pflanzen angemeldet werden, sondern dass die Rechte an das Partnerland oder die lokale Bevölkerung gehen.
Sonntag, 7. Oktober, 13:46 Uhr
Walross-Invasion in Alaska lässt Experten Alarm schlagen
Anchorage (AP) Im plötzlichen Auftreten tausender Walrosse an der Nordwestküste Alaskas sehen Umweltschützer eine dramatische Konsequenz des Klimawandels. Denn normalerweise leben die Walrosse, insbesondere Muttertiere mit ihren Jungen, in dem Gebiet im Sommer und Herbst auf dem arktischen Packeis. Doch in diesem Sommer hat sich das Eis so weit nach Norden zurückgezogen wie noch nie, weit nördlich des äußeren Kontinentalschelfs, einem flachen, artenreichen Gebiet in der Bering- und Tschuktschensee.
Dort suchen sich die Walrosse normalerweise ihre Nahrung aus Muscheln, Schnecken und anderen Bewohnern des Meeresgrunds. Nun mussten sie sich entscheiden zwischen Eisflächen über tiefen Gewässern - tiefer als die rund 190 Meter, die sie tauchen können - und dem Lebensraum an der Küste. Tausende wählten die felsigen Strände. «Es sieht für mich so aus, als ob die Tiere ihr Verbreitungsgebiet verlegen, um Beute zu finden», sagt Tim Ragen, Direktor der US-Bundeskommission für Meeressäuger. «Die große Frage ist, ob es ihnen gelingt, dort genügend Beute zu finden, wo sie danach suchen.»
Nach Zahlen des Nationalen Schnee- und Eisdatenzentrums der Universität von Colorado in Boulder lag das Ausmaß der Eisfläche im September um 39 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt von 1979 bis 2000. Der leitende Wissenschaftler Mark Serreze sagt, der Rückgang sei möglicherweise nicht mehr aufzuhalten. Bis zum Sommer 2030 sei das Polarmeer vielleicht ganz eisfrei.
Seit Juli verließen mehrere tausend Walrosse das Packeis und zogen an einen knapp 500 Kilometer langen, abgelegenen Küstenstreifen zwischen Barrow und Cape Lisburne. Die US-Wildtierbehörde sieht eine unmittelbare Gefahr darin, dass tieffliegende Flugzeuge, Boote oder sich nähernde Eisbären Panik unter den Walrossen auslösen könnten. Wenn eine Herde plötzlich zum Wasser stürzt, könnten Jungtiere von den rund 900 Kilogramm schweren erwachsenen Tieren erdrückt werden.
Und auch auf der russischen Seite der Tschuktschensee haben Experten ein ähnliches Phänomen unter Walrossen beobachtet. Langfristig befürchten die Experten Stress bei der Nahrungssuche, wenn die Tiere auf einen Küstenstreifen konzentriert anstatt auf tausende Kilometer Eisfläche verteilt leben.
«Jeder einzelne muss sich anstrengen»
Walrosse brauchen entweder Eis oder Land, um sich auszuruhen. Anders als Seehunde können sie nicht unbegrenzt schwimmen und müssen nach der Nahrungssuche ruhen. Früher, sagt Kommissionsdirektor Ragen, nutzten die Walrosse den Rand des Packeises wie ein Förderband. Während der Eisrand im Frühjahr und Sommer schmilzt und sich nach Norden bewegt, haben die Kälber eine Fläche, auf der sie sich ausruhen können, während die Mütter nach Futter tauchen. Für Walrosse an Land gibt es kein Förderband. «Wenn sie über weitere Strecken schwimmen müssen, kostet das mehr Energie. Dann haben sie weniger Energie für andere Dinge.»
Deborah Williams, die während der Amtszeit des früheren US-Präsidenten Bill Clinton im Innenministerium als Sonderassistentin für Alaska zuständig war, sagt, während ihrer Zeit bei der Regierung von 1995 bis 2000 sei der Rückgang der Eisfläche auf dem Meer und seine Auswirkungen auf die Tiere noch nicht einmal zur Sprache gekommen. «Deshalb ist das so atemberaubend. Es ist alles schneller passiert, als irgendjemand vorhersagen konnte. Deshalb muss dringend gehandelt werden», sagt Williams, heute Präsidentin der gemeinnützigen Organisation Alaska Conservation Solutions.
Und Kommissionsleiter Ragen sagt: «Das Hauptproblem, den Lebensraum Eis zu erhalten, liegt weit außerhalb unserer Einflusssphäre. Um die Dinge wieder umzukehren, muss sich tatsächlich jeder Einzelne anstrengen.»
Donnerstag, 4. Oktober, 15:03 Uhr
Eröffnung des Bremerhavener Klimahauses verzögert sich
Bremerhaven (ddp-nrd). Die Eröffnung des Klimahauses Bremerhaven 8º Ost verzögert sich erneut um ein gutes halbes Jahr. Das Wissenschaftsmuseum öffnet seine Toren erst am 1. März 2009, wie die Stadt Bremerhaven am Donnerstag mitteilte. Zuletzt war der Start für den Spätsommer 2008 geplant gewesen, um die erwarteten Touristen zur «Lütten Sail» Ende August als Besucher gewinnen zu können. Beim Fassadenbau des Klimahauses hätten sich Schwierigkeiten bei der Beschaffung der notwendigen Stahlmengen ergeben, begründete Klimahaus-Geschäftsführer Arne Dunker die Verzögerung. Die Stahlbranche boome weltweit und leide unter Versorgungsschwierigkeiten.
Dies führe zu einer Verzögerung von acht Wochen, sagte Dunker. Damit würde die Eröffnung des Klimahauses aber in der Nebensaison liegen. Dies sei für die überregionale Anziehungskraft des Klimahauses nicht optimal. Deshalb sei entschieden worden, den Eröffnungstermin auf den 1. März 2009 zu legen.
Der Spatenstich für das Klimahaus war am 28. August 2006 erfolgt. Die Fertigstellung war da noch für Frühjahr 2008 geplant gewesen. Das Museum soll Wissenschaft populär vermitteln. Auf über 11 000 Quadratmetern werden ausgehend von Bremerhaven neun Stationen entlang des achten Längengrades Ost präsentiert. Lebensecht werden eine stürmische Hallig oder die Eiseskälte der Antarktis dargestellt. Das architektonisch ungewöhnliche Gebäude, einem riesigen Raumschiff ähnlich, hat eine durchgehende Glasfassade. Erwartet werden 600 000 Besucher pro Jahr.
Das benachbarte Atlantic Hotel soll wie geplant Ende Februar 2008 seinen Betrieb aufnehmen, das Einkaufszentrum Mediterraneo im September oder Oktober 2008. Mit dem Klimahaus bilden die beiden Häuser die neuen Havenwelten in Bremerhaven.
Donnerstag, 4. Oktober, 16:41 Uhr
Deutsche Schüler gewinnen bei Europa-Wettbewerb zu Klimaprojekten
Hamburg (ddp-nrd). Hamburger Schüler haben als einziges deutsches Team bei einem europäischen Wettbewerb um Projekte gegen den Klimawandel einen Siegerplatz errungen. In dem gemeinsam vom Wissenschaftsmagazin «National Geographic» und vom Energiekonzern Vattenfall Europe initiierten Wettbewerb setzten sich die Deutschen mit ihrem zweiten Platz gegen insgesamt rund 1700 Beiträge aus ganz Europa durch, wie die Veranstalter am Donnerstag mitteilten. Die Hamburger Schüler mussten sich nur einer Jugendgruppe aus Finnland geschlagen geben.
Die Schüler der Gesamtschule im Hamburger Stadtteil Blankenese konnten die Jury aus unabhängigen Klima-Experten mit einer solargestützten Feldbewässerungsanlage in Nicaragua überzeugen. Sie entwickelten dieses Projekt als Beitrag zur Armutsbekämpfung in Leon, der nicaraguanischen Partnerstadt der Hamburger Schule.
Den Angaben zufolge soll die Anlage helfen, die stark verkürzte Regenzeit in Nicaragua auszugleichen, während der die Felder nicht ohne künstliche Bewässerung bewirtschaftet werden können. Die Schüler der 11. Klasse entwickelten ein System aus solargestützten Bewässerungsanlagen und Wasserpumpen und installierten es vor Ort. Inzwischen habe das Projekt zur Gründung einer Solartechnikfirma in Leon geführt, hieß es in der Begründung der Jury.
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