powered by <wdss>
Aktuell

Klima-Symposium

Dienstag, 9. Oktober, 09:16 Uhr

Nobelpreisträger diskutieren über Klimaschutz

Potsdam (AP) Ein Symposium zu Strategien gegen den Klimawandel mit 15 Nobelpreisträgern und weiteren hochrangigen Wissenschaftlern ist am Dienstag in Potsdam eröffnet worden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle sich an der Diskussion darüber beteiligen, wie der Erderwärmung sowie den ökologischen und ökonomischen Folgen begegnet werden könne, teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung mit, das die Veranstaltung gemeinsam mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) organisiert hat.

Merkel will eine Rede zu Chancen für eine weltweite Vereinbarung zum Klimaschutz halten. Außerdem soll ein «Potsdam-Memorandum» an die UN-Klimakonferenz im kommenden Dezember auf Bali verabschiedet werden, in dem Verhandlungen für ein Nachfolgeabkommen für das zehn Jahre alte Kyoto-Protokoll noch in diesem Jahr gefordert werden. Am ersten Tag des zweitägigen Symposiums nehmen unter anderem der britische Ökonom und Regierungsberater Nicholas Stern, per Videoschaltung die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai, der Direktor des UN-Umweltprogramms Achim Steiner sowie Bundesforschungsministerin Annette Schavan teil. Am (morgigen) Mittwoch wird Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erwartet.


Kluge Köpfe gegen Klimawandel

WWF fordert von Industrieländern anspruchsvolle Reduktionsziele

WWF Pressemitteilung, 8.10.07

Berlin/Potsdam - Nobelpreisträger, Wissenschaftler und Politiker treffen sich am morgigen Dienstag zu einem internationalen Symposium in Potsdam, um Lösungen für die dringlichsten Zukunftsfragen zum Thema Nachhaltigkeit, wie z.B. den Klimawandel, zu diskutieren.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und die internationale Naturschutzorganisation WWF haben 15 Nobelpreisträger, 30 führende Wissenschaftler und viele weitere Teilnehmer zu dem Symposium „Global Sustainability: A Nobel Cause“ vom 9. bis 10. Oktober 2007 nach Potsdam eingeladen.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat den Vorsitz bei dem Symposium, an dessen Ende ein Potsdam-Memorandum verabschiedet werden soll, das bei der UN-Klimakonferenz vom 3. bis 14. Dezember in Nusa Dua, Bali/Indonesien, vorgelegt werden soll.

Anlässlich dieses hochrangig besetzten Symposiums erklärt der Geschäftsführer des WWF Deutschland, Eberhard Brandes: „Nach allem, was wir über den Klimawandel wissen, müssen wir in der zweiten Phase des Kyoto-Protokolls für die Zeit nach 2012 einen Quantensprung in unseren Anstrengungen zur Reduzierung unserer Treibhausgasemissionen schaffen. Die Herausforderung für Gesellschaft und Politik ist enorm und wir brauchen konkrete Aktionspläne für unser weiteres Vorgehen. Alle Länder müssen sich dieser Herausforderung stellen und ihren fairen, angemessenen Beitrag erbringen. Für die Industrieländer bedeutet dies anspruchsvolle, international verbindliche Reduktionsziele, denn nur so haben wir eine Chance, dem Klimawandel wirkungsvoll entgegenzutreten und damit auch den weltweiten Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten“, sagt Brandes.

Nobelpreisträger wie Carlo Rubbia, Mario Molina, Wangari Maathai, Murray Gell-Mann und Sir James Mirrlees werden dabei sein ebenso wie renommierte Wissenschaftler wie Sir Nicholas Stern, Rajenda Pachauri und Sunita Narain. Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und der ehemalige Leiter des UN-Umweltprogramms, Prof. Klaus Töpfer, werden teilnehmen.


Dienstag, 9. Oktober, 13:23 Uhr

Merkel: Industrieländer Vorbilder im Kampf gegen Klimawandel

Potsdam (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Industrieländer erneut auf ihre Vorbildfunktion im Kampf gegen den Klimawandel hingewiesen. «Je schneller wir es machen, desto schneller werden wir die Entwicklungs- und Schwellenländer mit ins Boot bekommen».

Das sagte Merkel über den Abbau des Kohlendioxid-Ausstoßes am Dienstag auf einem wissenschaftlichen Symposium in Potsdam. Zugleich betonte sie die Notwendigkeit eines Nachfolge-Abkommens zum 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll mit klaren Reduktionszielen und klaren Verantwortlichkeiten. «Der Klimawandel ist eine der zentralen Zukunftsfragen der Menschheit», fügte Merkel hinzu.


Dienstag, 9. Oktober, 14:13 Uhr

Merkel fordert konkrete Vereinbarungen auf UN-Klimakonferenz

Potsdam (ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für konkrete Vereinbarungen auf der UN-Klima-Klimakonferenz in Bali im Dezember ausgesprochen. Der Kampf gegen Klimaveränderungen «mache nur Sinn, wenn klare Reduktionsverpflichtungen und Verantwortlichkeiten festgelegt werden», sagte Merkel am Dienstag bei einem Treffen von Nobelpreisträgern in Potsdam. Noch gebe es keinen Konsens über »Mechanismen und keine regionale Zuordnung, wer was macht, dennoch muss die Verantwortung gemeinsam getragen werden,« fügte Merkel hinzu.

»Wir streben bis zur Mitte des Jahrhunderts mindestens eine Halbierung der globalen Emissionen an«, betonte die Kanzlerin. Die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft hätten eine Datenbasis und müssten nun dementsprechend handeln.


Dienstag, 9. Oktober, 16:46 Uhr

Merkel wirbt für globale CO2-Börse

Potsdam (AP) Im Kampf für den Klimaschutz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel klare globale Verpflichtungen zur Einsparung von Kohlendioxid (CO2) für die Zeit nach 2012 gefordert. Ein Folgeabkommen des dann auslaufenden Kyoto-Protokolls habe nur Sinn, wenn es klare Vorgaben enthalte, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag auf einem Klima-Symposium von Nobelpreisträgern in Potsdam. Die im Dezember bevorstehende UN-Klimakonferenz in Bali müsse sich auf einen Fahrplan für ein Kyoto-Nachfolgeabkommen einigen.

Ein neuer Klimavertrag sei nur sinnvoll, wenn er klar vorgebe, wie der Ausstoß des Klimakillers CO2 weltweit langfristig auf etwa zwei Tonnen pro Kopf gesenkt werden könne, forderte Merkel. In Deutschland liegt der Wert derzeit bei elf Tonnen.

Erneut warb die Kanzlerin für einen globalen Rechtehandel für den CO2-Ausstoß. «Langfristiges Ziel kann nur sein, dass sich die weltweiten Pro-Kopf-Emissionen angleichen», erklärte sie. Sollte sich die internationale Staatengemeinschaft nicht darauf einigen können, seien regionale Initiativen eine Alternative. Entsprechende Pläne gibt es etwa im US-Bundesstaat Kalifornien oder in Hongkong.

Der Vorsitzende des UN-Weltklimarates IPCC, Rajendra Pachauri, unterstützte Merkels Vorschlag. Die Pro-Kopf-Emission müsse weltweit als wesentliche Größe verwendet werden, um eine Senkung des CO2-Ausstoßes zu erreichen, sagte der indische Ökonom. Er appellierte an die Industrieländer, die Entwicklungsländer in den Kampf gegen den Klimawandel einzubeziehen. Es müsse schnell gehandelt werden, sagte Pachauri. «Die Kosten einer Verzögerung sind enorm.»

In Europa gibt es bereits einen Handel mit Emissionsrechten, der aber wegen teilweise kostenloser Zuteilung der Rechte nur eingeschränkt funktioniert. Der Handel mit CO2-Emissionsrechten sieht vor, dass jedes Land Zertifikate für eine bestimmte Menge Kohlendioxid erhält. Produziert es mehr CO2, müsste es von Ländern mit geringem Ausstoß weitere Rechte dazu kaufen.

«Kohlendioxid-Gerechtigkeit»

Die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai forderte eine «Kohlendioxid-Gerechtigkeit» zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Während der Westen den Klimawandel maßgeblich verursacht habe, müssten die armen Länder des Südens vorrangig unter den Folgen leiden, beklagte sie. Die Ökonomin appellierte an die reichen Länder, klimafreundliche Technologien auch afrikanischen Ländern zu fairen Preisen zur Verfügung zu stellen.

In Potsdam diskutieren am Dienstag und Mittwoch 15 Nobelpreisträger und mehr als 30 internationale Wissenschaftler darüber, wie der Erderwärmung sowie den ökologischen und ökonomischen Folgen begegnet werden kann. Auf der Veranstaltung soll ein «Potsdam-Memorandum» an die UN-Klimakonferenz in Bali verabschiedet werden.

Am ersten Tag des Symposiums sprachen unter anderen der britische Ökonom und Regierungsberater Nicholas Stern, der Direktor des UN-Umweltprogramms Achim Steiner sowie Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Am (morgigen) Mittwoch wird Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erwartet.


10. Oktober, 2007

Gabriel will auf UN-Klimakonferenz auch über Wirtschaft reden

Potsdam (ddp). Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will auf der UN-Klima-Konferenz im Dezember auf Bali auf die enge Verknüpfung zwischen Umwelt- und Wirtschaftspolitik hinweisen. «Wir werden auf Bali den Klimaschutz und die wirtschaftlichen Interessen auf die Agenda setzen. Solange wir das nicht zusammenbringen, finden wir keine Lösung», sagte Gabriel am Mittwoch bei einem Treffen von Nobelpreisträgern in Potsdam. Kritisch äußerte sich der Umweltminister in Bezug auf die deutsche Wirtschaft. «In Deutschland schreiben mir Unternehmen, mach weniger beim Klima. Ich würde mir mehr Dynamik wünschen», betonte er.

Als weiteres wichtiges Ziel in der Klimadebatte nannte Gabriel die Festlegung des geltenden Basisjahres. «Wir gehen in unserer Zielsetzung vom Jahr 1990 aus, das ist aber noch ein Streitpunkt», erläuterte er. Zudem sei die Frage nach einem internationalen Kohlenstoffhandel und die Finanzierung der Anpassung von Entwicklungsländern, wie China, Indien oder Afrika zu klären. «Noch immer gibt es zwischen Industrie- und Entwicklungsländern verhärtete Fronten», stellte der Umweltminister fest.


10. Oktober, 2007

Gabriel fordert strengeren Rechtehandel für CO2-Ausstoß

Potsdam (AP) Zur Verbesserung des Klimaschutzes hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel strengere Richtlinien im Rechtehandel für den Ausstoß von Kohlendioxid gefordert. «Mein Vorschlag ist, dass wir 100 Prozent der Vergabe der Emissionsberechtigungen verkaufen», sagte der SPD-Politiker am Mittwoch auf einem Symposium von Nobelpreisträgern in Potsdam. Im derzeitigen EU-System erhalten die bisher einbezogenen Industriebetriebe einen Teil der Zertifikate kostenlos.

Nur wenn sie eine größere Menge des Klimakillers produzieren, müssen sie Rechte hinzukaufen. Gabriel sprach sich dafür aus, künftig die CO2-Zertifikate komplett zu versteigern und einen Teil der Einnahmen für Anpassungsmaßnahmen an bereits spürbare Folgen der Erderwärmung zu verwenden.

Der Umweltminister unterstützte die Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Einrichtung eines globalen CO2-Marktes. Darüber müsse auf der bevorstehenden UN-Klimakonferenz im Dezember in Bali gesprochen werden, sagte Gabriel, der dort für Deutschland die Verhandlungen führen wird. «Wir brauchen einen Preis für die Verschmutzung der Atmosphäre», erklärte er. Er rechne aber nicht damit, dass sich die Staatengemeinschaft in Bali darauf einigen werde, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Dann würden die Entwicklungsländer auch verlangen, ihnen konkrete Wachstumsquoten zuzubilligen, befürchtete er.

In Potsdam diskutieren derzeit 15 Nobelpreisträger unterschiedlicher Fachrichtungen mit anderen Wissenschaftlern über Strategien, um den Klimawandel einzudämmen. Am Dienstag hatte bereits Kanzlerin Merkel für die Einrichtung eines weltweiten Handels mit Rechten zum CO2-Ausstoß und eine Vorreiterrolle der Industrieländer beim Klimaschutz geworben.


Dienstag, 9. Oktober, 09:58 Uhr

Flannery: CO2-Ausstoß hat bedenkliche Schwelle überschritten

Sydney (AP) Das weltweite Wirtschaftswachstum hat nach Angaben eines australischen Experten den Kohlendioxid-Ausstoß früher als erwartet auf ein gefährliches Niveau getrieben. Im Hinblick auf den Klimawandel habe die Konzentration der Treibhausgase bereits eine bedenkliche Schwelle überschritten, sagte der Wissenschaftler Tim Flannery im australischen Rundfunk. Flannery, Autor des Bestsellers «Wir Wettermacher», berief sich auf Daten, die im nächsten Bericht des Weltklimarats (IPCC) im November veröffentlicht werden sollen.

«Die Notwendigkeit zu handeln ist dringlicher denn je», sagte Flannery am Montagabend. Als Grund für den unerwartet starken Anstieg der Treibhausgase führte er den Konjunkturboom in China und Indien, aber auch das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern an. «Es ist ein weltweites Problem», sagte Flannery.


Dienstag, 9. Oktober, 13:31 Uhr

Grüne veranstalten Konferenz zum Klimaschutz

Düsseldorf (ddp-nrw). Unter dem Motto «Global denken - radikal handeln! Klimaschutz jetzt!» veranstalten die nordrhein-westfälischen Grünen am Samstag (13. Oktober) in Bonn eine Klimakonferenz. Mit der Veranstaltung wolle man der Landesregierung einen «Spiegel vorhalten», sagte der Landesvorsitzende der Grünen, Arndt Klocke, am Dienstag in Düsseldorf. Die schwarz-gelbe Koalition habe «noch immer keinen Masterplan» und setze auf «unkonkrete Maßnahmen, die den jetzt bekannten Herausforderungen des Klimawandels in keiner Weise gerecht werden», sagte der Grünen-Politiker.

«Auf Konkretisierungen warten wir bis heute vergeblich, und es ist völlig unklar, was NRW zum Erreichen der bundespolitischen Zielsetzung beitragen will, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren», sagte Klocke. Statt der notwendigen Reduzierung der Stromerzeugung in Stein- und Braunkohlekraftwerken komme es nach den derzeitigen Planungen bis 2020 sogar zu einem Ausbau, sagte der Landeschef. Die Ankündigungen der Landesregierung etwa zum Ausbau der Windenergie oder die Wasserkraft-Verdoppelung blieben «Lippenbekenntnisse».

Bei ihrer Klimakonferenz wollten die Grünen eine «kontroverse Debatte um die energiepolitische Ausrichtung Nordrhein-Westfalens hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung führen», sagte Klocke. Zu der Tagung seien auch externe Fachleute wie der stellvertretende Vorstandschef von RWE Power, Johannes Lambertz, und der Vorstandsvorsitzenden von SolarWorld, Frank Asbeck, eingeladen.


FTD: Ifo-Chef attestiert Klimapolitik "null Effekt"

Financial Times Deutschland, 9.10.07

Mit einer Radikalkritik am bisherigen Kampf gegen die Erderwärmung wird Hans-Werner Sinn die Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik aufmischen. Der Münchner Ökonom und Ifo-Präsident äußerte sich dazu im Interview mit der Financial Times Deutschland.

FTD Die Bundeskanzlerin hat sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben und kommt damit gut an. Was sagen Sie zur deutschen und europäischen Klimapolitik?

Sinn An den Ergebnissen der Klimaforscher lässt sich nicht rütteln: Wir müssen versuchen, den Ausstoß an Treibhausgasen soweit es geht zu reduzieren. Derzeit wird aber, vor allem in Europa, versucht, die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen zu senken. Man unterstellt: Wenn der Verbrauch hier sinkt, hat das auch dann einen positiven Effekt, wenn der Rest der Welt keine Klimapolitik betreibt.

FTD Stimmt das denn nicht?

Sinn Der Effekt ist nicht nur gering, er liegt sogar bei null. Wir dürfen uns doch nicht isoliert sehen. Wenn wir Europäer die Nachfrage nach fossiler Energie drosseln, sinkt der Preis für Öl und Kohle. Er sinkt so lange, bis die geringere Nachfrage durch andere Länder kompensiert wird. Interessenten gibt es genug: die USA, China oder Indien. Wir müssen bedenken, dass das Kioto-Protokoll nur 29 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs wirksam beschränkt.

FTD Wenn die Chancen so schlecht stehen, auf der Nachfrageseite etwas zu tun, was lässt sich denn von der Angebotsseite sagen?

Sinn In der Tat ist das Angebotskalkül der Ölscheichs zentral. Sie verfügen über eine bestimmte Menge Öl und wollen aus dem Verkauf im Laufe der Zeit möglichst hohe Einnahmen gewinnen. Sie stehen nun vor der Frage, ob sie ihren begrenzten Vorrat lieber jetzt oder in der Zukunft ausbeuten. Das hängt davon ab, was sie von der Preisentwicklung erwarten. Die gegenwärtige Umweltpolitik läuft darauf hinaus, dass die Nachfrage nach fossiler Energie auf dem Weltmarkt in Zukunft stärker verringert wird als heute. Die Ölscheichs können also davon ausgehen, dass die Politik den Ölpreis in Zukunft gegenüber dem Niveau, das er sonst gehabt hätte, stärker senkt als heute. Das schafft den Anreiz, die Förderung vorzuziehen, was die Erderwärmung beschleunigt.

FTD Agieren denn die Ölscheichs in einer perfekten Marktwirtschaft?

Sinn Nein, das tun sie natürlich nicht, aber das macht die Sache nur noch schlimmer. Weil die Eigentumsrechte in der Golfregion nicht sehr sicher sind, haben sie noch einen stärkeren Anreiz, ihr Öl schnell zu verkaufen und auf Schweizer Bankkonten zu sichern.

FTD Offenbar ein grundlegendes Dilemma. Gibt es einen Ausweg?

Sinn Eine ideale marktwirtschaftliche Lösung gibt es nicht. Wenn man mit Mengenbeschränkungen und Zertifikatehandel à la Kioto arbeiten will, müssen alle Nachfragerländer lückenlos erfasst werden. Nur ein wirklich vollständiges Monopson, also ein weltweites "Nachfrage-Monopol" kann die Extraktionsmengen diktieren. Dann haben wir eine zentralplanerische Bewirtschaftung, was nicht nur Vorteile bringt. Vermutlich geht es aber anders nicht. Von Steuerlösungen halte ich wenig, weil die Preissignale kontraproduktiv wirken könnten. Allenfalls eine weltumfassende Quellensteuer auf Kapitalerträge und eine Bekämpfung der Steueroasen würde helfen, den Ressourcenbesitzern die Lust am Versilbern ihres Öls ein wenig zu nehmen.

FTD Es gibt ja Techniken, Kohlendioxid nach der Energiegewinnung abzufangen und zu speichern.

Sinn Das klingt zwar elegant, aber die technischen Schwierigkeiten sind immens: Das bei der Verbrennung von Öl und Kohle entstehende CO2 hat, auch verflüssigt, ein Vielfaches des Volumens der Brennstoffe selbst. Was eine Hoffnung bietet, ist der Wald. Wir müssen den Raubbau an den Wäldern stoppen. Der macht derzeit netto 18 Prozent des CO2-Ausstoßes weltweit aus, mehr als der ganze Verkehr. Wir sollten auch in großem Stil neue Wälder aufforsten.

FTD Dazu braucht man große Flächen. Das könnte dem Anbau nachwachsender Rohstoffe Konkurrenz machen.

Sinn Nachwachsende Rohstoffe etwa für Biodiesel oder Bioethanol halte ich für einen völligen Irrweg. Wo sollen wir die benötigten Flächen denn hernehmen? Entweder werden sie der Nahrungsmittelproduktion entzogen. Dann steigen die Lebensmittelpreise, was nicht akzeptabel ist. Oder sie werden auf Kosten des Waldes gewonnen. Das kann auch nicht sinnvoll sein, denn je mehr Wald auf der Erde steht, desto mehr Kohlenstoff bindet er. Bioenergie hat, außer sie stammt aus Abfällen, einen negativen Effekt für den Klimaschutz.

Interview: Hubert Beyerle, Thomas Fricke, Christian Schütte


Dienstag, 9. Oktober, 12:29 Uhr

Wetterkontrollzentrum in Hamburg nimmt Arbeit auf

Hamburg (ddp-nrd). In Deutschland muss aus Expertensicht künftig immer öfter mit extremen Wetterlagen gerechnet werden. Es gebe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ein Rekordsommer wie im Jahr 2003 ab 2020 alle zehn Jahre zu erwarten ist, sagte der Meteorologe und Gründer des neuen Hamburger Wetterkontrollzentrums (WKZ), Frank Böttcher, am Dienstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Auch Unwetter, wie beispielsweise heftiger Starkregen, würden in Zukunft vermehrt auftreten. Deshalb sei es wichtig, solche weltweiten Extremwetterereignisse täglich zu beobachten und auszuwerten.

Als erste Einrichtung seiner Art nimmt das WKZ am Mittwoch in Hamburg seine Arbeit auf. Dort sollen künftig täglich aktuelle Daten zum Klima gebündelt und Aussagen über Extremwetterereignisse getroffen werden. Die gewonnenen Daten werden anschließend für die Öffentlichkeit aufbereitet und den Medien kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das Wetterkontrollzentrum könne zur Katastrophenvorsorge beitragen, sagte Böttcher. Die Bevölkerung könne rechtzeitig darüber informiert werden, auf welche extremen Wetterereignisse sie sich einstellen müsse. Das WKZ fungiere als Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und der Öffentlichkeit. Es könne zur Aufklärung darüber beitragen, welche extremen Wetterereignisse durch den Klimawandel zu erwarten seien.

Ein Schwerpunkt sei auch die Zusammenarbeit mit Schulen. Das WKZ wolle Schüler über den Klimawandel informieren und Tipps zum Klimaschutz geben. «Denn diese Generation wird schließlich den Klimawandel am meisten zu spüren bekommen», sagte Böttcher.

Für 2009 ist die Eröffnung eines weiteren Zentrums in Bremerhaven geplant. Zudem solle ein Wetterstudio eingerichtet werden, in dem die Besucher selbst das Wetter moderieren können.



» zurück
 

Druckversion