AktuellFolgen des Klimawandels
Donnerstag, 8. November, 14:45 Uhr Klimawandel hat auch Folgen für BrückenbauBerlin (ddp). Die Klimaveränderungen in den nächsten Jahrzehnten werden nach Einschätzung des Umweltbundesamtes (UBA) nicht nur Folgen für die Landwirtschaft und die Artenvielfalt in Deutschland haben. Auch die Gesundheit der Menschen sowie Häuser- und Brückenbau würden zum Beispiel davon betroffen sein. UBA-Präsident Andreas Troge sagte am Donnerstag in Berlin, durch rechtzeitige Maßnahmen könnten die Risiken für die Bevölkerung reduziert werden. Deshalb werde derzeit eine nationale Anpassungsstrategie erarbeitet, die auf eine Schadensbegrenzung der nicht mehr abzuwendenden Veränderungen ziele. Ein entsprechendes Papier soll Ende 2008 der Bundesregierung vorgelegt werden.Beim Anstieg der durchschnittlichen Temperaturen von derzeit acht bis neun auf zehn Grad Celsius nimmt nach UBA-Angaben das Risiko zu, dass tropische Krankheiten auch in Deutschland auftreten. Deshalb gehe es um eine rechtzeitige Aufklärung der Menschen und entsprechende Präventionsmaßnahmen. Das Klima sei wesentlich für die Verbreitung von Krankheitserregern mit verantwortlich - auch für die Anzahl der Überträger wie Mücken, Zecken oder Nagetiere. Zugleich spricht sich das UBA für Klimaverträglichkeitsprüfungen von Brücken, Straßen oder Gebäuden aus. «Es geht darum, ob die DIN-Normen angesichts stärkeren Hochwassers und heißer Sommer künftig noch gemäß sind», erläuterte Benno Hain, Referatsleiter Klimaschutz im UBA. Zudem müssten angesichts zunehmender Hitzeperioden die Städteplaner überlegen, wie mehr kühle Zonen in den Zentren geschaffen werden. Auch die Wohnhäuser dürften nicht nur unter dem Aspekt der Energieeffizienz und Wärmedämmung gesehen werden, sondern auch als «kühle Rückzugsgebiete» für ältere Menschen bei hohen Temperaturen im Sommer, ergänzte Troge. Donnerstag, 8. November, 15:58 Uhr Weglaufen geht nichtBerlin (AP) Was hat Brandmeister Ernst Schulze von der örtlichen Feuerwehr mit dem Klimawandel zu tun? Eine ganze Menge. Denn die globale Erwärmung wird wahrscheinlich in Deutschland dazu führen, dass im Sommer ein Drittel weniger Regen fällt. Damit steigt die Waldbrandgefahr. Brandmeister Schulze wird also künftig nicht nur häufiger ausrücken müssen. Schon heute mühen sich Feuerwehrleute, zum Beispiel in Schulen über die wachsende Gefahr aufzuklären.«Die Feuerwehr schläft nicht», lobte am Donnerstag der zuständige Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, Benno Hain. Er nannte dies als Beispiel, wie der Klimawandel auch in Deutschland inzwischen eine ganze Vorbereitungsmaschinerie in Gang bringt. Anpassung heißt der Fachbegriff. Ziel ist eine «Nationale Anpassungsstrategie». Wie sich der Klimawandel in Deutschland auswirken wird, ist für Wissenschaftler inzwischen ziemlich klar. Dabei geht es nur um die Erwärmung, die auch bei radikaler Verminderung der Treibhausgas-Emissionen nicht mehr aufzuhalten ist, also weltweit etwa zwei Grad. In Deutschland, wo derzeit die Temperatur im Durchschnitt bei acht bis neun Grad Celsius liegt, werde in den nächsten 70 Jahren die Zehn-Grad-Schwelle überschritten, berichtete Hain. Das bedeutet: «Palmen in den Alpen wird es so schnell nicht geben, aber Zypressen in Dessau sind schon viel wahrscheinlicher.» Die Zehn-Grad-Schwelle ist nach seinen Worten entscheidend für die Ausbreitung tropischer Krankheiten. Die jetzige Zunahme der Krankheiten Borreliose und FSME, die durch Zeckenbisse übertragen werden, ist demnach nur ein kleiner Vorgeschmack. Der Gesundheitsvorsorge und der Aufklärung komme deshalb eine immer größere Bedeutung zu, meinte Hain. Hält die Brücke? Neue Schwierigkeiten lauern aber auch in weniger offensichtlichen Details. So erwartet das Umweltbundesamt Probleme durch stehendes Wasser, denn im Winterhalbjahr wird der Klimawandel wahrscheinlich dafür sorgen, dass bis zu 80 Prozent mehr Niederschlag fällt. Fließt Wasser langsamer ab, werden zum Beispiel mehr Pflanzenschutzmittel aus der Erde ausgeschwemmt. Was bedeutet das für den Einsatz von Pestiziden? «Das sind Probleme, die man angehen muss», betonte Hain. Schon heute müsse man sich zum Beispiel Gedanken machen, ob das Wasser vielleicht abgepumpt werden muss. Genauso gravierend könnten die Folgen der Erwärmung für die Pflanzenwelt und die Landwirtschaft sein. Die Vegetationszonen verschieben sich, wie Hain berichtete. Wer künftig aus Bioenergiepflanzen einen Großteil seines Stroms gewinnen will, muss sich überlegen, welche Arten eigentlich künftig noch dafür geeignet sind. Aber auch Architekten und Bauingenieure müssen schon langsam mit dem Rechnen anfangen. Wird die Statik der neuen Autobahnbrücke auch höheren Temperaturen standhalten? Fachleute denken schon über neue DIN-Normen und eine «Klimaverträglichkeitsprüfung» für Bauwerke nach, ähnlich der heutigen Umweltverträglichkeitsprüfung. Wie kann ich in meiner Stadt mit neuen Grünanlagen für etwas frische Luft sorgen, um den Bewohnern Linderung in den kommenden extrem heißen Sommern zu verschaffen? Der Klimawandel drückt auch den Stadtplanern neue Schwerpunkte auf. «Eine Generallösung gibt es nicht», sagte Hain. «Wir haben eine Reihe von Pfeilen im Köcher, aber die Pfeile müssen noch zugespitzt werden.» UBA-Präsident Andreas Troge glaubt sogar, dass die Menschen selbst ihre Instinkte nachschärfen müssen. Weglaufen - Jahrtausende lang die einfachste Lösung bei Gefahr - sei in diesem Fall nicht möglich. «Wir werden unser Wissen unter diesem Gesichtspunkt neu anpassen müssen», sagte Troge. http://www.umweltbundesamt.de/ 9. November, 2007 UN-Generalsekretär fordert Bekämpfung des KlimawandelsSantiago (AP) UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat mit einem dringlichen Appell zur Bekämpfung des globalen Klimawandels aufgerufen. «Wir müssen uns aktiv dafür einsetzen, der globalen Herausforderung des Klimawandels zu begegnen», forderte Ban. Die Folgen des Klimawandels stellen eine ernsthafte und weltweite Bedrohung für die Entwicklung der Menschheit dar, wie Ban am Donnerstag in Santiago sagte. Vor Chile besucht der UN-Generalsekretär im Rahmen einer zwölftägigen Reise Argentinien.Es sei eine seiner obersten Prioritäten für eine internationale Bekämpfung des Klimawandels zu kämpfen, erklärte Ban. Am Freitag wollte er in die Antarktis fliegen, um sich selbst ein Bild vom Abschmelzen der Gletscher zu machen. Im Anschluss wird er nach Brasilien, Spanien und Tunesien reisen. In Santiago nahm Ban zusammen mit der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet und dem spanischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero an einer internationalen Konferenz zur Entwicklungspolitik teil. 9. November, 2007 Kalifornien verklagt im Streit über Abgas-Grenzwerte US-RegierungSacramento (AP) Im Streit über Grenzwerte für Autoabgase hat der US-Staat Kalifornien am Donnerstag Klage gegen die Regierung in Washington eingereicht. Die Umweltbehörde EPA müsse jetzt rasch eine Entscheidung treffen oder dürfe der geplanten Regelung nicht länger im Weg stehen, erklärte das Büro der Staatsanwaltschaft in New Jersey. Hintergrund der Klage ist ein Antrag Kaliforniens von 2005, den Staat vom Bundesgesetz zur Luftreinhaltung auszunehmen, damit Kalifornien selbst schärfere Grenzwerte festlegen kann.Gouverneur Arnold Schwarzenegger hatte dazu im Frühjahr rechtliche Schritte angekündigt. «Unsere Zukunft hängt davon ab, dass wir gegen die globale Erwärmung jetzt etwas unternehmen», sagte Schwarzenegger am Donnerstag auf einer Pressekonferenz auf dem Kapitol in Washington. Sollte die Klage abgewiesen werden, «werden wir wieder klagen, wieder klagen und wieder klagen, bis wir es schaffen». Nach Angaben der Staatsanwaltschaft schlossen sich 14 weitere Staaten der Klage an. Je länger die Reduzierung von Autoabgasen verzögert werde, «desto kostenintensiver und schädlicher werden die Auswirkungen für Kalifornien sein», heißt es in der 16-seitigen Klageschrift. Das kalifornische Gesetz sieht eine Reduzierung von Treibhausgasen um 25 Prozent bis zum Jahr 2020 vor. Der Autoindustrie gehen die Vorgaben zu weit, sie ist der Ansicht, dass solche Grenzwerte nur von den Bundesbehörde beschlossen werden können. Die EPA kündigte im vergangenen Sommer eine Entscheidung bis zum Jahresende an. Allerdings sollten nach Einschätzung des Kongresses solche Entscheidungen «binnen Wochen oder Monaten» fallen, heißt es in der Klage. EPA-Sprecherin Jennifer Wood erklärte dazu, die Behörde habe mehrfach einen Bescheid bis zum Ende des Jahres in Aussicht gestellt. Kalifornien sei mit seiner Klage mehr an der Berichterstattung in den Medien über das Thema interessiert als an einer sinnvollen Entscheidung, kritisierte Wood. Die Umweltbehörde hatte sich für den Antrag Kaliforniens zunächst nicht zuständig erklärt. Der Oberste Gerichtshof urteilte jedoch im April, dass die EPA in diesem Fall sehr wohl eine Entscheidung fällen könne. » zurück |
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