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Aktuell

Vierter Klimabericht (2)

UN-Klimabericht, Teil 4


Samstag, 17. November, 14:04 Uhr

UN-Klimasekretariat mahnt zum Handeln

Valencia (AP) Der jüngste dramatische Bericht des Weltklimarats über die globale Erwärmung ist aus Sicht der Vereinten Nationen ein klarer Handlungsauftrag. «Was der Bericht bedeutet - auch wenn es nicht so explizit drin steht - ist: Für Politiker gibt es keine Entschuldigung mehr, nicht zu handeln», sagte der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, am Samstag der Nachrichtenagentur AP. Neu sei die Eindeutigkeit des Berichts und die Tatsache, dass Möglichkeiten zum Gegensteuern aufgezeigt würden.

Nun müssten bei der UN-Klimakonferenz auf Bali Anfang Dezember die Weichen für das nächste weltweite Klimaabkommen gestellt werden, forderte der UN-Vertreter. «Ich glaube, der IPCC hat uns mit einem wissenschaftlichen Kompass für diese Verhandlungen ausgestattet», sagte er.

Allerdings werde es auf Bali nur um drei Dinge gehen, nämlich den Start von Verhandlungen über das Abkommen für die Zeit nach 2012, eine Agenda für die Verhandlungen und die Festlegung, dass sie 2009 abgeschlossen werden sollen. «Ich glaube, das wäre schon ein ungeheurer Erfolg», sagte de Boer in einem Telefon-Interview aus Valencia. Dort war kurz zuvor der jüngste wissenschaftliche Bericht des Weltklimarates IPCC vorgestellt worden.

Mehr zu erwarten, wäre übertrieben. «Man muss bedenken, dass es darum geht, die Weltwirtschaft auf einen neuen Kurs zu bringen», sagte er. «Das ist nichts, was man in zwei Wochen erreichen kann. Tatsächlich wäre es eine Riesenleistung, wenn wir das in zwei Jahren schaffen würden.»

Der IPCC-Bericht erkenne an, dass die Klimarahmenkonvention von 1992 und das Kyoto Protokoll aus dem Jahr 1997 wirksame Instrumente gegen den Klimawandel seien, dass sie aber nicht ausreichten. «Es gibt jede Menge Handlungsoptionen», sagte de Boer. «Es gibt ein riesiges Potenzial für die Weltwirtschaft, auf nachhaltigere Weise weiter zu wachsen.» Allein durch Maßnahmen, die sich schon binnen zwei bis drei Jahren über geringere Energiekosten rechneten, könnten große Mengen Treibhausgase eingespart werden.

http://www.unfccc.int/


Montag, 19. November, 03:25 Uhr

NGOs mahnen rasches Handeln beim Klimaschutz an

Bangkok (AP) Die Folgen des Klimawandels bedrohen nach Einschätzung von Umwelt- und Hilfsorganisationen in Asien und der Pazifikregion die sozialen und wirtschaftlichen Fortschritte mehrerer Jahrzehnte. Die reichen Staaten müssten sich zu verbindlichen Zielen bei der Verringerung der Treibhausgasemissionen verpflichten und den Entwicklungsländern mehr Technologien zum Klimaschutz zur Verfügung stellen, forderten 35 Organisationen, darunter Greenpeace und Oxfam, in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

Mit Blick auf die UN-Klimakonferenz in zwei Wochen in Bali erklärte Saleem Huq vom Internationalen Institut für Umwelt und Entwicklung in London, die Politik müsse rasch und ambitioniert handeln. Sonst würden weltweit die Gemeinschaften, die am wenigsten zum Klimawandel beitrügen, weiter am meisten unter ihm leiden. Der Weltklimarat hat am Wochenende im spanischen Valencia einen Bericht vorgestellt, in dem der Mensch für die sich anbahnende Klimakatastrophe verantwortlich gemacht wird. Doch könnten die schlimmsten Auswirkungen noch abgewendet werden, heißt es dort.


Uno-Klimareport ignoriert jüngste Studien

Von Volker Mrasek, SPIEGEL-Online, 18.11.07

Es war der wissenschaftliche Schlussakt in einem Jahr, in dem sich eine Pressekonferenz des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderung der Uno (IPCC) an die andere reihte. Seinen neuen Welt-Klimareport 2007 bereitet das internationale Expertengremium in vier Gängen zu.

Keine neue Geschmacksnote

Die ersten drei Berichtsteile servierte es der Öffentlichkeit im Februar, März und Mai: schwere Kost, die vielen auf den Magen schlug, weil sie unmissverständlich klar machte, wie ernst die Gefahr durch den Klimawandel ist. Jetzt, in der spanischen Universitätsstadt Valencia, gab es den Nachschlag, "Synthese-Report" genannt. Doch wer geglaubt hat, Gang Nummer vier werde das üppige Menü mit einer eigenen Geschmacksnote abrunden, der wurde enttäuscht.

Zusammenfassung der ersten drei Teile

Liest man die 23-seitige "Zusammenfassung für Politische Entscheidungsträger" Zeile für Zeile, dann stellt sich heraus: Der Synthese-Report fasst lediglich zusammen, was bereits in den Zusammenfassungen der ersten drei Berichtsteile steht.

Bericht eigentlich schon überholt?

Etliche Klimaforscher hatten darauf gehofft, dass Teil IV darüber hinausgeht und übergreifend darlegt, was denn nun aus den Erkenntnissen über den Klimawandel (Teil I), seine Folgen für Ökosysteme und menschliche Gesellschaft (Teil II) sowie über mögliche Gegenmaßnahmen (Teil III) abzuleiten sei. Vor allem aber versäumt es der IPCC, zum Abschluss seines Veröffentlichungsmarathons darauf hinzuweisen, dass der inzwischen vierte Welt-Klimabericht bereits in zahlreichen Punkten überholt sein dürfte. Und dass das Problem noch ernster sein könnte, als auf den mehr als 3000 Seiten des Hauptberichtes geschildert.

Stand von vor 15 Monaten

Die angeblich neue Klima-Bibel ist nämlich gar nicht auf dem neuesten Stand - sondern auf dem von Mitte 2006. Die IPCC-Autoren und -Gutachter haben alle Fachartikel im Feld der Klimaforschung gesichtet und bewertet, die bis dahin veröffentlicht worden sind. Das war von vorneherein die Deadline. Doch inzwischen sind weitere 15 Monate vergangen. Und jüngere, nicht einmal im Synthese-Report erwähnte Studien lassen vermuten, dass der IPCC-Report ein zu rosiges Bild von der Lage zeichnet:

Mehr CO2-Ausstoß als angenommen

Die globalen Emissionen von Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Energieträger steigen immer schneller. Seit 2000 beträgt der Zuwachs mehr als drei Prozent pro Jahr. In den Jahrzehnten davor waren es im Mittel lediglich 1,3 Prozent. "Der CO2-Ausstoß übertrifft mittlerweile die Wachstumsraten sämtlicher Emissionsszenarien, die der IPCC in seinem neuen Bericht abhandelt", sagt Michael Raupach, australischer Physiker und Leiter des "Globalen Kohlenstoffprojektes".

Bäume mit CO2-Aufnahme überfordert

Rund die Hälfte der anthropogenen CO2-Emissionen verbleibt nicht in der Atmosphäre, sondern wird postwendend von Ozean und Landpflanzen aufgenommen. Doch diese natürlichen "Kohlenstoffsenken" könnten überschätzt worden sein. So nehmen Wälder der mittleren und hohen nördlichen Breiten vermutlich 40 Prozent weniger Kohlendioxid auf als in den Klimarechenmodellen vorgegeben. Das ergab eine multinationale Studie, die das Fachmagazin "Science" kürzlich veröffentlichte. "Die Vorstellung, dass uns die Biosphäre schon irgendwie retten wird, ist falsch!", folgert Kevin Gurney, Klimaforscher an der Purdue University in West Lafayette in den USA: "So viel zusätzliches CO2 können Bäume gar nicht aufnehmen."

Aufnahmekapazität der Meere begrenzt

Auch die Helfershelfer-Rolle der Weltmeere wird von Wissenschaftlern inzwischen vorsichtiger eingeschätzt. So zeigen aktuelle Messungen, dass die CO2-Aufnahmefähigkeit der Nordsee schon heute abnimmt. Belgische, niederländische, kanadische und US-amerikanische Forscher berichteten darüber jetzt in der Fachzeitschrift "Global Biogeochemical Cycles". Sie sprechen sogar von einer "rapiden Abnahme der CO2-Pufferkapazität". Andere Studien sehen eine ähnliche Entwicklung im ganzen Nordatlantik.

Arktis schon 2030 im Sommer eisfrei?

Im Arktischen Ozean ist von Sommer zu Sommer immer weniger Meereis vorhanden. Anfang Oktober meldete das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum der USA (NSIDC) einen neuen Rekordtiefststand für 2007. Die gesamte Eisfläche habe nur noch 4,3 Millionen Quadratkilometer betragen - noch einmal 23 Prozent weniger als in 2005, der bisherigen Rekordsaison. Die legendäre Nordwestpassage sei komplett frei gewesen. Die NSIDC-Forscher gehen nunmehr davon aus, dass die Arktis schon 2030 im Sommer eisfrei sein könnte - Jahrzehnte früher als nach den Klimaprojektionen, die im neuen IPCC-Report erwähnt werden. Dort ist "vom späteren Teil des 21. Jahrhunderts" die Rede.

Tauwasser nicht berücksichtigt

Als zu konservativ erscheint mittlerweile auch der IPCC-Ausblick für den weiteren Anstieg des Meeresspiegels. Der kommt allein dadurch zustande, dass sich wärmeres Wasser ausdehnt. In der taufrischen Synthese-Zusammenfassung taucht noch einmal eine Tabelle aus Berichtsteil I auf, wonach der Meeresspiegel bis 2099 um 18 bis 59 Zentimeter steigen könnte - je nachdem, welche Treibhausgasmengen in Zukunft ausgestoßen werden. Doch diese Zahlen sind nach Auffassung verschiedener Forscher korrekturbedürftig. Denn sie lassen einen wichtigen Aspekt außer Acht: Das ins Meer abfließende Tauwasser schmelzender Festlandsgletscher wird die Pegelstände zusätzlich in die Höhe treiben. Weil unklar ist, wie stark der Effekt ist, verzichtet der IPCC darauf, ihn zu quantifizieren.

59 Zentimeter nicht das Ende der Fahnenstange

Wenigstens in diesem Punkt rafft sich der Welt-Klimarat zu einer Art aktuellem Update auf. Da "künftige rapide Veränderungen der Eisflüsse" nicht in den Szenarien für den Meeresspiegelanstieg berücksichtigt seien, dürfe man die genannten 59 Zentimeter nicht als Obergrenze auffassen.

Klima reagiert äußerst träge

IPCC-Chef Rajendra Pachauri wurde jetzt in Valencia sogar noch deutlicher. Selbst wenn es der Weltgemeinschaft gelinge, die CO2-Emissionen von 2015 an zu senken, sei auf lange Sicht mit einem (allein thermischen) Meeresspiegelanstieg um 0,40 bis 1,40 Meter zu rechnen, sagte der indische Ingenieur und Umweltwissenschaftler. "Das wird vielleicht nicht im 21. Jahrhundert geschehen, sondern eine Weile später", ergänzte Pachauri. Doch eine Beruhigung ist das kaum. Es zeigt nur: Das Klima reagiert äußerst träge, und schon die bisherigen Treibhausgas-Emissionen genügen, um am Ende gravierende Veränderungen hervorzurufen. Auch das übrigens ein Punkt, den der IPCC in seinem neuen Weltreport nur flüchtig erwähnt: Nach aktuellen Studien wird ein gewisser Teil der anthropogenen Treibhausgase für Jahrtausende in der Erdatmosphäre verbleiben - und das Klima eine halbe Ewigkeit lang prägen.


Sonntag, 18. November, 13:59 Uhr

Klimawandel hat begonnen

Berlin (ddp). Der jüngste Weltklimabericht ist in Deutschland einhellig als Warnsignal an Politik und Gesellschaft bewertet worden. Sowohl Umweltverbände als auch Politiker forderten am Wochenende, rasch Konsequenzen aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ziehen. Der Weltklimarat IPCC hatte am Samstag im spanischen Valencia seinen zusammenfassenden 4. Bericht vorgelegt, in dem die 2500 beteiligten Klimaforscher den Menschen für den bereits begonnenen Klimawandel verantwortlich machen.

Der Bericht soll Grundlage der Klimakonferenz von Bali im Dezember sein, wo über ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyotoprotokoll verhandelt wird. Dabei wird Deutschland nach den Worten des Generaldirektors des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, eine besondere Bedeutung zukommen. Die Bundesregierung könne nach G8- und EU-Gipfeln «auch in Bali eine Schlüsselrolle spielen», schrieb Steiner in einem Beitrag für die Zeitung «Bild am Sonntag».

Vor diesem Hintergrund sprachen sich SPD und Grüne dafür aus, den Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland bis 2050 um 80 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Für den Parlamentarischen Geschäftsführer der Linksfraktion, Ulrich Maurer, gehört zum Klimaschutz auch ein generelles Tempolimit auf den Autobahnen.

Der Parlamentarische Umwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD) betonte zu dem Papier, in dem das Jahr 2015 als Schlüsseljahr angesehen wird: «Die Ergebnisse der Wissenschaft sind unmissverständlich. Wir müssen schnell und entschlossen handeln, um den Klimawandel in einem beherrschbaren Rahmen zu halten.» Dafür müsse die Bali-Konferenz ein klares Mandat bekommen.

Müller wies darauf hin, dass der Weltklimarat erstmals klar die Risiken des bereits begonnenen Klimawandels benenne. Bei einem Temperaturanstieg um ein bis zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten drohten ernsthafte Risiken für viele einzigartige und bedrohte Ökosysteme. Außerdem drohten dann die polaren Eiskappen abzuschmelzen, sagte Müller. Das könnte zu einem schnelleren Anstieg des Meeresspiegels über die nächsten Jahrhunderte führen.

Dass der Weltklimarat nicht mehr eine Obergrenze für den Anstieg des Meeresspiegels abzuschätzen wage, ist nach Ansicht der Umweltorganisation Germanwatch ein wichtiges Zeichen. In einem ersten Bericht war noch von maximal 59 Zentimetern die Rede gewesen. Auch die höchsten Schätzungen des Weltklimarats zur CO2-Emissionsentwicklung könnten noch übertroffen werden, wenn sich der Trend der letzten Jahre fortsetze «und kein schnelles Umsteuern erfolgt», sagte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast mahnte, bei der Klimakonferenz auf Bali müsse «Schluss sein mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, Hinhalten und Blockaden». Deutschland müsse Vorbild sein und sich zu 40 Prozent weniger CO2 bis 2020 und 80 Prozent weniger bis 2050 verpflichten. Auch der klimaschutzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe, sprach sich für dieses Ziel aus.

Rückendeckung kam vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). «Wenn die Regierung für Deutschland beansprucht, ein internationaler Klimaschutz-Vorreiter zu sein, muss sie handeln und ein Klimaschutzgesetz verabschieden, das Emissionsreduktionen von 40 Prozent bis 2020 sichert», sagte BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt. Global müssen die Treibhausgasemissionen bis zur Jahrhundertmitte mehr als halbiert werden.


Sonntag, 18. November, 13:40 Uhr

«Wir wissen jetzt alles, was wir wissen müssen»

Berlin (AP) Die Fakten liegen auf dem Tisch. «Die Erwärmung des Klimas ist unbestreitbar und klar ersichtlich aus der Beobachtung der Temperatur von Luft und Meer, der verbreiteten Schmelze von Schnee und Eis und dem Anstieg des Meeresspiegels im weltweiten Mittel.» So beginnt der vierte Bericht des Weltklimarats IPCC, der am Wochenende in Valencia veröffentlicht wurde.

Es kann nun keinen Zweifel mehr geben, heißt die Essenz des Berichts, dass der Mensch das Klima verändert, dass die rund 30 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, die er pro Jahr in die Luft bläst, den blauen Planeten immer mehr ins Schwitzen bringen, mit allen katastrophalen Folgen. Dürre, Überschwemmungen, Stürme, Hungersnöte, Krankheiten. Doch, auch das sagt das Wissenschaftlergremium klipp und klar, noch ist es nicht zu spät: Wer die Sauna angeheizt hat, kann sie auch wieder abstellen.

«Es gibt reale und bezahlbare Gegenmittel gegen den Klimawandel», sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Valencia. Nun gehe es ums Ganze. Die Lage sei so ernst, dass nur «dringende weltweite Gegenmaßnahmen» ihr gerecht würden. Die Wissenschaft habe zum Klimawandel mit einer Stimme gesprochen. «Ich erwarte, dass die Politiker der Welt dies auch tun.»

Die erste Gelegenheit dafür ist nun der Weltklimagipfel auf der indonesischen Insel Bali, der am 3. Dezember beginnt. Die zweiwöchige UN-Konferenz war extra auf Dezember verschoben worden, um mit dem in Valencia veröffentlichten IPCC-Bericht den rund 10.000 Vertretern aus 190 Ländern die nötigen Informationen und Argumente ins Gepäck zu geben. Dies ist nun abgehakt, so hoffen jedenfalls die Klimaschützer. «Wir wissen jetzt alles, was wir wissen müssen», sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel der AP. Nun geht es um die Konsequenzen. Aber das wird schwierig.

Mehr Partner, tiefere Schnitte

Um den Klimawandel auf ein einigermaßen erträgliches Maß zu begrenzen, auch das hat der IPCC festgestellt, muss der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen bis 2050 im Vergleich zu 1990 halbiert werden. Schon bis 2015 muss der immer noch rasante Anstieg der schädlichen Gase gestoppt und umgekehrt werden. Es gehe um nicht weniger, als um einen Kurswechsel in der gesamten Weltwirtschaft, sagte Yvo de Boer, der oberste UN-Klimadiplomat und Chef des Bonner Sekretariats der Klimarahmenkonvention, der AP.

Das funktioniert nur, wenn alle an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen: die Industrieländer, die für fast die gesamten Emissionen der vergangenen 100 Jahre verantwortlich sind, und die neuen Wirtschaftsmächte wie China und Indien, deren Emissionen rasant zunehmen und die wegen ihrer großen Bevölkerungszahl ein Riesenfaktor in der Klimabilanz sind.

Bevor der von Wissenschaft und Politik immer dringender beschworene Kampf gegen die globale Erwärmung richtig losgeht, wird nun also zuerst gefeilscht. Es muss erst geklärt werden, wer welchen Beitrag zum Stopp des Klimawandels leisten muss, wer künftig wie viel Dreck machen darf. Da es um Milliardenbeträge und Macht und Einfluss in der Welt geht, dürfte ein beispielloses Geschachere ins Haus stehen.

Es wird nach Einschätzung der Vereinten Nationen mindestens zwei Jahre dauern. Die Weltwirtschaft lasse sich eben nicht in zwei Wochen auf Bali umkrempeln, sagte de Boer. Im besten Fall wird 2009 ein neues Klimaabkommen fertig sein, das nach 2012 das derzeit gültige Kyoto Protokoll ablösen und feste Ziele bis etwa 2020 vorgeben soll. Dann blieben noch drei Jahre, um das neue Vertragswerk zu ratifizieren und in Kraft zu setzen.

Beim Kyoto-Protokoll hat dieser Prozess knapp acht Jahre gedauert, und da ging es nur um die Industriestaaten. Diese hatten sich 1997 beim Klimagipfel in Kyoto verpflichtet, bis 2012 mit ihren Emissionen um 5,2 Prozent unter den Wert von 1990 zu kommen. Nun müssen die Entwicklungsländer mit ins Boot geholt und weit radikalere Schnitte vereinbart werden. Und das alles in kürzerer Zeit.

http://www.bmu.bund.de/

http://www.unfccc.int/

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Samstag, 17. November, 17:10 Uhr

EU bezeichnet IPCC-Bericht als Pflichtlektüre

Brüssel (AP) Die Europäische Union hat am Samstag den neuesten IPCC-Bericht zum Klimawandel als Pflichtlektüre für die Entscheidungsträger weltweit bezeichnet. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas erklärte in Brüssel, die Erkenntnisse seien eine Warnung, dass die Welt schnell handeln müsse. Nur so könne verhindert werden, dass der Klimawandel zerstörerische Ausmaße erreiche.

«Die gute Nachricht ist, dass er (der Bericht) auch zeigt, dass eine Reduzierung der Emissionen technologisch und finanziell zu leisten ist», sagte Dimas weiter. Die Umweltpolitik der EU orientiere sich schon jetzt an den Erkenntnissen des IPCC. Der Umweltkommissar verwies darauf, dass sich die Union das Ziel gesetzt habe, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 20 Prozent unter den Wert von 1990 zu senken.


Sonntag, 18. November, 04:30 Uhr

Deutschland hat viel Vertrauen und Respekt gewonnen

Hamburg (ddp). Der Generaldirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, sieht die Bundesregierung in einer Schlüsselrolle bei der Klimakonferenz in Bali. «Deutschland spielt eine Vorreiterrolle und hat viel Respekt und Vertrauen gewonnen. Die Bundesregierung kann nach G8- und EU-Gipfeln auch in Bali eine Schlüsselrolle spielen», schrieb Steiner in einem Beitrag für die Zeitung «Bild am Sonntag».

Steiner betonte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) benötigten dafür aber die Unterstützung der Öffentlichkeit. "Die öffentliche Meinung wird ausschlaggebend dafür sein, ob Deutschland den Verhandlungen zu einem Durchbruch verhelfen kann. Auch Wirtschaftsverbände und Unternehmer müssen sich nun dazu bekennen, ob sie eine konsequente Klimapolitik mittragen.»

Zugleich appellierte Steiner an die Weltgemeinschaft, den Klimawandel entschieden zu bekämpfen. Der UNEP-Chef: «Der jüngste Bericht des UN-Weltklimarates macht es noch einmal deutlich: Wir müssen handeln - und vor allem: Wir können handeln. Dies setzt aber voraus, dass wir es gemeinsam tun. Denn kein Land kann es alleine schaffen.» Bali sei «in vieler Hinsicht die Zielgerade in einem Rennen auf Zeit».


Sonntag, 18. November, 12:07 Uhr

Gabriel hofft auf Rückenwind für Bali-Konferenz

Berlin (AP) Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat den jüngsten IPCC-Bericht als ganz wichtigen Schritt für die anstehenden Klimaschutzverhandlungen auf Bali gewertet. «Wir wissen jetzt alles, was wir wissen müssen», sagte der SPD-Politiker am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Er hoffe auf Rückenwind für die UN-Konferenz, die am 3. Dezember auf der indonesischen Insel beginnt.

Die Bundesregierung selbst werde ebenfalls ein wichtiges Signal für Bali geben. «Wir werden am 5. Dezember die Umsetzung des Meseberg-Pakets beschließen», bekräftigte der Minister. Das Paket, das bei der Kabinettsklausur in Meseberg im Sommer angekündigt worden war, umfasst 29 Maßnahmen und Gesetze für Klimaschutz und eine sichere Energieversorgung.

Ängste, dass der Klimaschutz das Wirtschaftswachstum bremsen könnte, wies Gabriel abermals zurück. «Klimaschutz und Wirtschaftswachstum sind schon lange kein Widerspruch mehr», sagte er und verwies auf rund 236.000 Arbeitsplätze, die in den vergangenen Jahren bei der Nutzung erneuerbarer Energien entstanden seien.


Montag, 19. November, 04:47 Uhr

Müller: Wirtschaft muss wegen Klimawandels radikal umsteuern

Osnabrück (ddp). Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), hat nach dem Abschlussbericht des UNO-Weltklimarats IPCC in Valencia die Wirtschaft zu einem radikalen Umsteuern aufgefordert. «Die Wirtschaft glaubt, dass das Wachstum unendlich ist. Aber dieser Glaube wird, wenn wir ihn nicht bei der Nutzung der Ressourcen beenden, zur Katastrophe führen«, sagte Müller der »Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montagausgabe). Denn das IPCC-Abschlussdokument zeige, «dass die Ressourcen dramatisch endlich sind. Und diese Endlichkeit kommt viel schneller als befürchtet.»

Müller forderte eine Abkehr der bisherigen Strategie. Sie bestehe «seit Jahrhunderten darin, Wachstum und Beschäftigung überwiegend auf Kosten der Natur zu erreichen». Müllers Vorschlag: «Man muss die Produktivität auf die Intelligenz im Umgang mit Energie und Rohstoffen verlagern.» Das sei «die Kernfrage des Jahrhunderts».

Nach Müllers Worten kommen auf die Deutschen schärfere Auflagen für das Energiesparen zu, insbesondere beim Wohnungsbau. «40 Prozent des Energieeinsatzes werden für Heizung und Wärme verbraucht», sagte der Staatssekretär. «In diesem Bereich müssen wir 40 bis 60 Prozent Verringerung erzielen.» Zusätzliche Kosten für die Verbraucher würden durch niedrigere Heizrechnungen kompensiert. Bei der Finanzierung eines solchen Modells hofft Müller auf die Hilfe von Sparkassen und Banken, «etwa durch günstigere Kredite und eine Verlängerung der Amortisationszeiten».


19. November, 2007

Grünen zweifeln am Klimaschutzplan der Regierung

Berlin (AP) Die Grünen bezweifeln, dass die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen wird. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn verwies am Montag im Südwestrundfunk auf eine entsprechende Studie von Greenpeace. Danach würden mit den bisher eingeleiteten Maßnahmen nicht einmal 36 Prozent Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 eingespart. Ursprünglich hatte sich die Bundesregierung auf 40 Prozent CO2-Reduktion verpflichtet.

Höhn kritisierte, dass die Regierung bei konkreten Maßnahmen wie Tempo 130 auf Autobahnen kneife. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe persönlich in Brüssel dafür gesorgt habe, dass Autos höhere Schadstoffwerte aufweisen dürften. «Also man sieht an ganz vielen Maßnahmen, dass sonntags wirklich tolle Klimaziele verkündet werden, aber während der Woche dann ganz viele Maßnahmen beschlossen werden, die dagegen stehen», sagte Höhn. «Und deshalb ist doch entscheidend, dass den Worten auch endlich Taten folgen.»


Mehr Grund zur Sorge denn je

Weltklimarat verabschiedet

BMU Pressemitteilung, 17.11.07

Der Zwischenstaatliche Ausschuss zu globalen Klimaänderungen (IPCC) hat heute in Valencia den Synthesebericht zum 4. Sachstandsbericht verabschiedet. Dazu Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium:

"Die Ergebnisse der Wissenschaft sind unmissverständlich. Wir müssen schnell und entschlossen handeln, um den Klimawandel in einem beherrschbaren Rahmen zu halten. Die Politik muss diese Herausforderung annehmen und bei der UN-Klimakonferenz in Bali ein starkes Signal senden: Wir brauchen ein klares Mandat für den Beginn von Verhandlungen zu einem umfassenden Klimaschutzregime auf der Grundlage des Kyoto-Protokolls. Der IPCC hat deutlich gemacht, dass wir bis 2015 die Wende schaffen müssen. Und er hat es entscheiden abgelehnt, eine kurzsichtige Debatte über vermeintliche Profiteure des Klimawandels in einzelnen Weltregionen zu führen."

Der Synthesebericht fasst die Inhalte der bereits im ersten Halbjahr2007 veröffentlichten Teilbände des 4. Sachstandsbericht zusammen. Die Kernaussagen:
  • Die Klimaänderung findet statt, die Folgen sind spürbar, ohne schnelles Gegensteuern drohen unkontrollierbare Risiken.
  • Die Menschheit hat die Instrumente in der Hand, um die Risiken zu mindern und abzuwenden. Mit geeigneten Politiken und einem effektiven internationalen Klimaregime kann es gelingen, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um mindestens die Hälfte gegenüber dem Basisjahr 1990 zu reduzieren.
Erstmals benennt der IPCC klar die Risiken, die drohen, wenn die globale Erwärmung weiter steigt: Bei einem Anstieg um 1-2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten drohen ernsthafte Risiken für viele einzigartige und bedrohte Ökosysteme. Bei einem Anstieg der globalen Erwärmung um mehr als etwa 2,5 Grad wären 20-30 Prozent der Arten weltweit vom Aussterben bedroht. Außerdem drohen dann die polaren Eiskappen abzuschmelzen. Das könnte zu einem schnelleren Anstieg des Meeresspiegels über die nächsten Jahrhunderte führen könnte.


Ein Weckruf an die Politik

WWF lobt eindeutige Aussagen im IPCC-Bericht

WWF Pressemitteilung, 17.11.07

Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) hat sich nach zähen Diskussionen auf einen so genannten „Synthese-Bericht“ zum Stand der Klimaforschung geeinigt. Hierin sind die wesentlichen Ergebnisse der drei im Frühjahr veröffentlichten, mehrere Tausend Seiten starken Berichte, zusammengefasst. „Der Report ist ein lauter Weckruf an die Politik, endlich die Verringerung der Treibhausgase anzupacken“, urteilt der WWF. Die Regierungen würden in die Pflicht genommen, auf der UN Konferenz in Bali in zwei Wochen über tiefe Einschnitte zur Reduzierung der Treibhausgase zu verhandeln.

Der WWF erkennt an, dass sich die Wissenschaftler dem enormen Druck einiger Regierungen widersetzt haben und in dem Synthese-Bericht alle Schlüsselfaktoren und wesentlichen Vorhersagen zum Klimawandel zusammen getragen haben. „Die Zeit der Ausreden ist endgültig vorbei“, so Eberhard Brandes, Geschäftsführer des WWF Deutschland. Die Botschaft des Weltklimarates sei klar und dürfe nicht verwässert werden. „Es ist eindeutig: wir selbst verursachen den Klimawandel, aber noch haben wir auch die Chance, ihn zu stoppen. Die Menschheit hat das Wissen, die Technologie und die Lösungen, und nichts darf uns aufhalten, die globale Erwärmung abzumildern“, appelliert Brandes. Ohne tiefgreifende Einschnitte beim Kohlenstoff-Ausstoß werde es zu unumkehrbaren Schäden kommen. Die Regierungen auf der bevorstehenden UN Klimakonferenz in Bali müssten sich ihrer Verantwortung stellen und entschlossen handeln.

Als ersten Schritt fordert der WWF von den reichen und industrialisierten Ländern, ihre Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 30 Prozent unter die Werte von 1990 zu drücken. Wichtig sei sofort zu handeln und hier erheblich mehr Geld in saubere Technologien sowie in Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern zu stecken.


Bundesweiter Klimaaktionstag: Licht aus am 8. Dezember

Von Beate Steffens, Greenpeace-Online, 18.11.07

Die Klimaschutz-Kooperation Rettet unsere Erde von BILD, BUND, Greenpeace und WWF ruft gemeinsam mit Google und ProSieben am Samstag, den 8. Dezember 2007 zu einer deutschlandweiten Aktion auf: "Licht aus! Für unser Klima." Von 20 Uhr bis 20.05 Uhr sollen für fünf Minuten im ganzen Land die Lichter ausgeschaltet werden. Eine eindringliche Mahnung, die national und international zu mehr Klimaschutz aufruft.

Mit der Aktion "Licht aus! Für unser Klima." fordern die Kooperationspartner von "Rettet unsere Erde", Google und ProSieben jeden Einzelnen zum Handeln auf. Zudem senden sie ein Zeichen an den zeitgleich stattfindenden Weltklimagipfel auf Bali, sich konsequent für bessere Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.

Mitmachen kann jeder: Alle Privathaushalte in Deutschland, aber auch Städte, Gemeinden, Unternehmen, Vereine und Organisationen. Die Teilnehmer können beispielsweise Fassaden-, Zimmer-, Landschafts- oder Weihnachtsbeleuchtungen abschalten. Für die Sicherheit notwendiges Licht, etwa Straßen- oder Notbeleuchtung, bleibt natürlich eingeschaltet.

Erste Zusagen für die Teilnahme an der "Licht aus!"-Aktion liegen bereits vor. So werden am 8. Dezember der Kölner Dom, das Schloss Neuschwanstein, das Heidelberger Schloss, die Alte Oper sowie die Zeil in Frankfurt ihre Außenbeleuchtung für fünf Minuten abschalten. ProSieben wird am 8. Dezember live über die Aktion berichten.

Die Klimaschutz-Aktion "Rettet unsere Erde" ist eine Kooperation der Umweltverbände BUND, Greenpeace und WWF gemeinsam mit BILD, Europas größter Tageszeitung. Die Allianz informiert gemeinsam Politik und Öffentlichkeit über die Tragweite des Klimawandels sowie die möglichen Lösungen – und fordert zum Handeln auf.

Weitere Infos zur Aktion Licht aus! Für unser Klima. finden Sie auf der Internetseite www.lichtaus.info.


Montag, 19. November, 01:20 Uhr

Alarmierende Eisschmelze an Neuseelands Gletschern

Wellington (dpa) - Neuseelands Gletscher sind in den vergangenen 20 Jahren dramatisch geschrumpft. In den Südalpen schmolz die Eismenge um elf Prozent ab, berichtete das ortsansässige Institut für Wasser- und Atmosphärenforschung. Ohne eine erhebliche Klima- Abkühlung sei eine Erholung nicht mehr möglich, hieß es. An mehreren Gletschern seien riesige Eisbrocken abgebrochen, geschmolzen und hätten Seen geformt.







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09.08.08 13:30 - 14:15
SWR: Ein Märchenwald am Inn

12.08.08 15:30 - 16:15
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BR: Im Nationalpark Eifel

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mdr: Östlich der Sonne - Vom Baikalsee nach Alaska (1/2)

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