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Ökologischer Fußabdruck

WWF: Deutschland zwar Musterschüler - ökologischer Fußabdruck liegt dennoch bei zwei-einhalb Erden

WWF Pressemitteilung, 19.11.07

Frankfurt a. M. - Die wachsende Wirtschaftskraft der EU hat den ökologischen Druck auf die Erde in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Trotz technischem Fortschritt sind Umweltbelastungen schneller gestiegen als die Bevölkerung in der EU und haben ein negatives Saldo an natürlichen Ressourcen für die restliche Welt und für zukünftige Generationen hervorgerufen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des WWF.

"Europa lebt nicht von den Zinsen, sondern vom Kapital unseres Planeten", sagt Jörg Roos, Naturschutzexperte des WWF: "Diese Rechnung kann langfristig nicht aufgehen. Wir müssen Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch entkoppeln." Vor einer Generation haben noch viele Staaten Europas weniger Ressourcen benötigt als ihnen zur Verfügung standen. Heute leben außer Finnland, Lettland und Schweden alle EU-Mitgliedsstaaten über ihre Verhältnisse, stellt der WWF fest.

In Deutschland ist es im Vergleichszeitraum seit 1971 zwar gelungen, den Druck auf die Natur nicht weiter zu verstärken. Dennoch: Würden alle Menschen auf der Welt so leben wie in Deutschland, würde man 2,5 Erden brauchen. "Deutschland hat sich im Vergleich zu anderen EU-Ländern scheinbar gut entwickelt, von nachhaltiger Entwicklung kann dennoch keine Rede sein", so Jörg Roos.

Der WWF beklagt, dass volkswirtschaftliche Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt den Verbrauch des natürlichen Kapitals nicht abbilden würden. Den Staaten werde aber zunehmend klar, wie wichtig ihr natürliches Kapital für ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre gesellschaftliche Entwicklung sind. Der WWF fordert, dass Entwicklung neu definiert werden muss: Die Lebensqualität von Millionen von Menschen in der EU muss steigen können, ohne dass materieller Konsum und Müll mit anwachsen müssen.

Der WWF hat die EU-Länder hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Wachstums am Bruttoinlandsprodukt, ihres Verbrauchs an natürlichen Ressourcen am ökologischen Fußabdruck und des Lebensstandards am "Human Development Index (HDI)" der Vereinten Nationen gemessen. Der ökologische Fußabdruck misst den jährlichen Konsum von natürlichen Ressourcen durch die Menschheit.

Der Bericht wurde heute anlässlich einer Konferenz des Europäischen Parlaments, der EU-Kommission, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, des Club of Rome sowie des WWF in Brüssel vorgestellt. Die Ergebnisse der zweitägigen Konferenz sollen dazu beitragen, dass die europäischen Länder den Verbrauch natürlicher Ressourcen beim Messen von Wirtschaftswachstum und Fortschritt berücksichtigen.


Montag, 19. November, 08:41 Uhr

Umweltministerium: Umgang mit Rohstoffen Jahrhundertfrage

Osnabrück (AFP) - Der intelligente Umgang mit Energie und Rohstoffen ist nach den Worten von Umwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD) "die Kernfrage des Jahrhunderts". Die Wirtschaftsunternehmen glaubten, "dass das Wachstum unendlich ist", sagte Müller der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Aber dieser Glaube wird, wenn wir ihn nicht bei der Nutzung der Ressourcen beenden, zur Katastrophe führen."

Das Abschlussdokument des Weltklimarats IPCC, das am Wochenende in Valencia vorgelegt worden sei, zeige, "dass die Ressourcen dramatisch endlich sind", sagte Müller. Diese Endlichkeit komme "viel schneller als befürchtet". Die Deutschen müssten verstärkt Energie sparen. In den Bereichen Heizung und Wärme müsse der Energieeinsatz um 40 bis 60 Prozent gedrosselt werden, fügte Müller hinzu.

In dem in Valencia offiziell vorgestellten Synthesebericht fassen die Experten des Welt-Klimarates die zentralen Erkenntnisse der drei vorangegangenen Berichte zum Klimawandel zusammen: Der Mensch steht als Ursache des Klimawandels praktisch fest, die Temperaturen werden bis zum Jahr 2100 wahrscheinlich zwischen 1,8 und vier Grad gegenüber 1990 ansteigen, weltweit wird es immer mehr Hitzeperioden, Dürren und Überschwemmungen geben. Die Folgen dieses Wandels werden nach Einschätzung der Experten vermutlich "plötzlich oder unumkehrbar" sein.

Nach der Vorlage des Weltklimaberichts entbrannte ein Streit über die Schlussfolgerungen des Dokuments. Die USA sehen keine eindeutige wissenschaftliche Definition der Risiken des Klimawandels. Der Leiter des UN-Klimareferats in Bonn, Yvo de Boer, mahnte, die Verantwortung der Gesellschaft für die Erderwärmung nicht zu bestreiten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die Weltöffentlichkeit, ein Scheitern der UN-Klimakonferenz in Bali zu verhindern.







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