AktuellVierter Klimabericht (4)
Dienstag, 20. November, 15:52 Uhr Prognose: Kyoto-Staaten werden gemeinsames Emissionsziel erreichenBonn (AP) Die Unterzeichner-Staaten des Kyoto-Protokolls werden ihr gemeinsames Emissionsziel bis 2012 nach UN-Schätzungen voraussichtlich erreichen. Die 36 Staaten, die ihren Treibhausgas-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um fünf Prozent senken wollten, könnten sogar 10,8 Prozent schaffen, teilte das UN-Klimasekretariat UNFCCC am Dienstag in Bonn mit. Ein Grund zum Aufatmen ist das aber nicht: Zahlreiche Industrieländer bliesen zuletzt deutlich mehr Klimagase in die Luft als versprochen.So zeigen die neuesten Zahlen, dass die gemeinsamen Treibhausgas-Emissionen aller Industrieländer bis 2005 weiter gestiegen sind - und zwar «in einer besorgniserregenden Weise», wie UNFCCC-Chef Yvo de Boer sagte. Als Grund nannte er vor allem den stark gestiegenen Treibhausgas-Ausstoß in den Ländern der früheren Sowjetunion. Deutschland schaffte bis zum Jahr 2005 laut UNFCCC-Statistik eine Emissionsreduzierung um 18,4 Prozent und ist damit auf dem Weg, sein 21-Prozent-Ziel zu erreichen oder sogar zu übertreffen. Für die Zeit nach Kyoto hat die Bundesregierung das Ziel einer Senkung um 40 Prozent ausgegeben. Zahlreiche Industrieländer haben ihren Treibhausgas-Ausstoß zwischen 1990 und 2005 dagegen deutlich erhöht. So stiegen etwa die Emissionen in Spanien in den ersten 15 Jahren des Abkommens um 53,3 Prozent. Eigentlich hatte sich Spanien verpflichtet, seinen Ausstoß um nicht mehr als 15 Prozent zu erhöhen. Hohe Zuwachsraten gibt es auch in den Kyoto-Unterzeichner-Staaten Portugal (42,8 Prozent) und Griechenland (26,6) sowie im Nachbarland Österreich (18,0). Die USA, die sich gegen das Kyoto-Abkommen sperrten, erhöhten ihren Ausstoß zwischen 1990 und 2005 um 16,3 Prozent. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, kritisierte das Verhalten dieser Länder. «Einige EU-Staaten sind im Begriff, ihre klimapolitische Reputation zu verspielen. In Ländern wie Österreich und Spanien wächst die Diskrepanz zwischen den Klimaversprechen von Kyoto und der schmutzigen Realität des täglichen Handelns», sagte Höhn der AP. Klimaziele zu verfehlen dürfe nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werden. Im Kyoto-Nachfolgeabkommen müsse es spürbare Sanktionen für die Klimasünder geben: «Das gehört bei der Klimakonferenz in Bali ganz oben auf die Verhandlungsagenda.» Die Abkürzung UNFCCC steht für United Nations Framework Convention on Climate Change. Ziel des Abkommens ist die Verlangsamung der globalen Erwärmung und die Abschwächung ihrer Folgen. Sitz des UNFCCC-Sekretariats ist Bonn. Die Bekanntgabe der neuesten Hochrechnung erfolgte vor dem Weltklimagipfel, der Anfang Dezember in Bali beginnt. Dienstag, 20. November, 15:35 Uhr Lob und Tadel für KlimapolitikBerlin (ddp). Die große Koalition erntet zur Halbzeit der Legislaturperiode für ihre Klimapolitik Lob und Kritik von Umweltschützern. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hob am Dienstag in einer Zwischenbilanz die internationalen Bemühungen um den Klimaschutz hervor. Die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt rügte allerdings wie der UN-Klimaexperte Yvo de Boer den geplanten Bau von 25 Kohlekraftwerken.Um die Klimaziele zu erreichen, fordert der BUND ein Klimaschutzgesetz. Dieses soll eine jährliche Ausstoß-Senkung aller Klimagase um drei Prozent vorschreiben. Langfristige Zielsetzungen würden beim Klimaschutz nicht genug helfen, wenn man sie nicht zeitnah verfolgen könne, begründete Zahrnt die Forderung. Ähnlich wie der jährliche Bericht der Wirtschaftsweisen könne auch der Bericht über die Fortschritte im Klimaschutz großen öffentlichen Druck erzeugen. In der Zwischenbilanz über die schwarz-rote Umweltpolitik lobte Zahrnt den Einsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf internationaler Ebene für den Klimaschutz. Auch das Festhalten am Atomausstieg gegen den Druck der Energiekonzerne sei positiv zu bewerten. Leider hätten aber nicht alle Ressorts Klimaschutz als ihre Verantwortung begriffen. Der heimischen Industrie gebe die Regierung noch zu oft nach. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sei im Kabinett ein «klimapolitischer Negativposten». Die Mittel für erneuerbare Energien bei der Gebäudeheizung und der Kraft-Wärme-Kupplung seien zu begrenzt, dafür würden die Subventionen für Dienstwagen beibehalten, kritisierte die BUND-Vorsitzende weiter. Zahrnt bemängelte auch das Fehlen eines Tempolimits, einer Flugbenzinsteuer und einer Klima-Abgabe auf Flugtickets. Vor allem aber unterstütze die Bundesregierung die Pläne, 25 neue Kohlekraftwerke zu bauen, die 40 Jahre lang hohe Kohlendioxid-Emissionen erzeugten. Auch der UN-Klimaexperte Yvo de Boer stellte die deutsche Kohlepolitik in Frage. Der Leiter des UN-Klimasekretariats mit Sitz in Bonn lobte zwar das Ziel der Bundesregierung, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, dürften aber eigentlich nur noch Kraftwerke auf Basis erneuerbarer Energien ans Netz genommen werden, sagte er. Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Wolfgang Mayrhuber, sprach sich derweil gegen eine Verteuerung des Fliegens zugunsten des Klimaschutzes aus. Er forderte dagegen die schnelle Einführung eines Flugführungs-Systems für Europa. Dadurch könnte der europäische Luftverkehr seinen CO2-Ausstoß um 12 bis 15 Prozent reduzieren. Mayrhuber betonte die ökologischen Vorteile des Luftverkehrs, wenn die Energiekosten für Bau und Unterhalt von Schienennetzen und Autobahn einbezogen würden: «Der Umwelt zuliebe müsste man jede Strecke ab 350 Kilometer fliegen." Mittwoch, 21. November, 05:37 Uhr Klimaschutz Thema bei Gipfel asiatisch-pazifischer StaatenSingapur (AP) Der Kampf gegen den Klimawandel steht im Mittelpunkt eines Gipfeltreffens von 16 asiatisch-pazifischen Staaten, das am Mittwoch in Singapur begonnen hat. Im Entwurf der Abschlusserklärung werden die Staaten - unter ihnen China und Australien - aufgerufen, sich aktiv an der Ausarbeitung einer Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu beteiligen. Der australische Außenminister Alexander Downer sagte, es gebe Hinweise darauf, dass auch Indien und China anerkennen würden, dass sie etwas zur Stabilisierung und Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen tun müssten. Es wurde erwartet, dass Japan in Singapur eine Initiative zum Umweltschutz vorstellt. An der Konferenz nehmen die zehn ASEAN-Staaten teil, die am Vortag ein Gipfeltreffen abgehalten hatten, sowie China, Indien, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland.Dienstag, 20. November, 15:16 Uhr Klima-Debatte beeinflusst Mehrheit der ManagerDüsseldorf (AP) Die weltweite Debatte um Klima- und Umweltschutz hat Auswirkungen auf Geschäftspolitik und Strategien deutscher Unternehmen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Psephos unter 800 Managern hervor. Demnach sagen 40 Prozent, dass Klimaschutz ihre Geschäftspolitik bereits beeinflusst. Weitere 16 Prozent sprechen sogar von einer starken Beeinflussung. Die Umfrage war vom «Handelsblatt» und der Unternehmensberatung Droege & Comp. in Auftrag gegeben worden.Vor allem Großunternehmen sehen Klima- und Umweltschutz als Teil ihrer Strategie: Bei den Managern aus Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern lagen die genannten Werte bei 46 und 22 Prozent. «Die großen Konzerne haben den Klima- und Umweltschutz als einen der Megatrends der kommenden Jahre erkannt», sagte Juan Rigall, Geschäftsführer von Droege & Comp. Nachholbedarf sieht er bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Viele der befragten Manager hätten erkannt, dass der Klimaschutz durchaus geschäftliche Vorteile bringen könne - etwa in Form neuer Produkte oder Geschäftsideen. 26 Prozent sagten, die Forcierung von Umwelt- und Klimaschutz schaffe ihnen bereits heute geschäftliche Vorteile. Sieben Prozent rechnen fest damit, dass dies künftig der Fall sein wird, weitere 15 Prozent sprechen von eventuellen Chancen. Mittwoch, 21. November, 08:19 Uhr Bergland von Tibet von globaler Erwärmung besonders bedrohtPeking (AP) Die globale Erwärmung wird in Tibet sehr viel stärker zu spüren sein als in anderen Regionen, wie das Klimazentrum der Wetterbehörde von Tibet am Mittwoch mitteilte. So stieg die mittlere Temperatur in Tibet zuletzt alle zehn Jahre um 0,3 Grad, während der Durchschnitt in China bei 0,4 Grad in 100 Jahren liegt. Als Folge der Klimaveränderung müsse in Tibet mit einer Häufung von Erdrutschen, Schneestürmen und Dürreperioden gerechnet werden, meldete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Wissenschaftler habe bereits früher gewarnt, dass schmelzende Gletscher und eine höhere Schneegrenze zu verstärkter Wüstenbildung führen könnte.21. November, 2007 RWE will eine Milliarde Euro in Erneuerbare Energien investierenEssen (AP) Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE will künftig jedes Jahr mindestens eine Milliarde Euro in Erneuerbare Energien investieren. Das kündigte Konzernchef Jürgen Großmann am Mittwoch in Essen an. Das Schwergewicht werde dabei auf Windkraft liegen. Doch werde der Konzern auch in den Bereichen Wasserkraft und Biomasse wachsen. Auch mit Solar- und Geothermie sowie mit Wellen- und Gezeitenkraftwerken will sich der Energieriese intensiv beschäftigen.Großmann betonte, der Konzern wolle damit «eine offene Flanke schließen». Denn bislang sei das Unternehmen vor allem in den Bereichen Kohleverstromung und Kernenergie gut positioniert. Die Aktivitäten des Stromriesen im Bereich Erneuerbare Energien werden in der neuen Gesellschaft «RWE Innogy» zusammengefasst, die am 1. Februar 2008 an den Start gehen soll. Unternehmenssitz ist Essen. Chef der neuen Führungsgesellschaft wird der ehemalige Hamburger Umweltsenator und frühere Vorstandsvorsitzende des drittgrößten deutschen Windkraftanlagen-Herstellers REpower Systems, Fritz Vahrenholt. » zurück |
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