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Bali Countdown

Donnerstag, 22. November, 14:46 Uhr

11 Tage vor der Weltklimakonferenz Regierungsberater erwartet bitteren Streit auf Bali

Potsdam (AP) Bei der Weltklimakonferenz auf Bali ist nach Einschätzung von Regierungsberater Hans-Joachim Schellnhuber erbitterter Streit zu erwarten. Die USA würden wahrscheinlich alles tun, die Festlegung langfristiger Klimaziele zu verhindern, sagte der Klimaschutzberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Potsdam. Gleichzeitig mahnte er dringend, die Konflikte zu überwinden.

Die Erderwärmung sei ein «Problem planetarischer Dimension», sagte Schellnhuber. «Wir brauchen eine große Transformation.» Die Weltwirtschaft müsse regelrecht neu erfunden werden, um den Ausstoß an Treibhausgase radikal zu vermindern. Es sei unabdingbar, die Erwärmung der Erde auf höchstens zwei Grad zu begrenzen, sagte der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Dies bedeutet für die Industrieländer, dass sie mit ihren Emissionen bis 2050 um 80 Prozent unter den Wert von 1990 kommen müssen.

Bei den Beratungen für ein neues Klimaabkommen müsse zur Sprache kommen, wie man zu etwa gleichen Verschmutzungsrechten für jeden Menschen auf der Welt, also einer «Kohlenstoffgerechtigkeit», kommen könne. Des weiteren gehe es darum, ein weltweites Emissionshandels-System vorzubereiten, wie es in Europa bereits existiert.

Bei der UN-Klimakonferenz auf Bali ab 3. Dezember geht es um eine «road map» für ein neues, weltweites Klimaabkommen, das 2012 das Kyoto Protokoll ablösen soll. Das Abkommen selbst soll 2009 fertig sein. «Ich denke, dass man zu einem Mandat kommen wird», sagte Schellnhuber für Bali voraus. Entscheidend sei aber, dass darin Zielmarken vorgegeben würden, zum Beispiel das Zwei-Grad-Ziel. «Darüber wird erbittert gestritten werden», sagte der Klimaforscher.

Die chinesische Regierung bekräftigte in Peking mit Blick auf Bali, dass man zunächst die Industrieländer in der Pflicht sehe. Sie müssten auch nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 an ihrer Verpflichtung zur Verringerung der Treibhausgase festhalten. China ist wie andere Entwicklungsländer in das Protokoll nicht eingebunden, soll aber im Nachfolgeabkommen Verpflichtungen übernehmen.

«Manhattan-Project für erneuerbare Energien»

Dass die traditionellen Industrieländer eine Minderung von 80 Prozent bis zur Mitte des Jahrhunderts erreichen können, rechnete bei der Klimakonferenz in Potsdam Thomas Bruckner vom Potsdam-Institut vor. Entscheidend sei die Steigerung der Energieeffizienz, was aber allein nicht ausreichen werde. Zusätzlich werde der Ausbau einer anderen Technologie benötigt, entweder erneuerbare Energien oder Atomkraft oder die neue Kohlendioxid-Abscheidungstechnik für Kohlekraftwerke (CCS). Schellnhuber forderte massive weltweite Forschungsanstrengungen, um neue Techniken zu optimieren. «Wir brauchen ein globales Manhattan-Project für erneuerbare Energien», sagte er.

Schon jetzt wächst die Solarbranche in Deutschland rasant, wie der Bundesverband Solarwirtschaft mitteilte. Bis 2020 erwarte man eine jährliche Zuwachsrate von rund 30 Prozent. Gleichzeitig wird mit einer Verdreifachung der heimischen Produktionskapazitäten in den kommenden drei Jahren gerechnet. Bis 2010 streben die Unternehmen eine Exportquote von 50 Prozent an. «Deutschland rüstet sich für den Solarboom», sagte Verbandsgeschäftsführer Carsten Körnig.

http://www.potsdamer-klimakonferenz.de/

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Donnerstag, 22. November, 16:07 Uhr

11 Tage vor der Weltklimakonferenz «Den Faktor Mensch ernst nehmen»

Potsdam (AP) Nie wurde so viel über Klimaschutz geredet wie in den vergangenen Monaten. Gewaltige Zahlen stehen im Raum: Um 80 Prozent sollen die Industrieländer ihren Ausstoß an Treibhausgasen in den nächsten 40 Jahren reduzieren. Nicht nur Regierungsberater Hans-Joachim Schellnhuber spricht von einem «Problem planetarischer Dimension».

Gemessen daran ist der Fortschritt in unseren Köpfen eine Schnecke, wie der Kieler Umweltpsychologe Klaus Wortmann am Donnerstag bei einer Klimakonferenz in Potsdam darlegte. Denn wenn die gigantische Aufgabe Klimaschutz erledigt werden soll, müsste jeder bei sich anfangen - und zwar jetzt. Die Frage, warum das bislang noch zu wenig geschieht, hat für Wortmann ein ganzes Forschungsfeld eröffnet.

Bereits 1991 hat er über die «Psychologischen Determinanten des Energiesparens» promoviert, und selbst damals war das Phänomen schon alt. Energiesparen - jetzt wieder als Schlüssel zum Klimaschutz in aller Munde - wird seit der Ölkrise in den frühen 70er Jahren gepredigt, aber kaum gemacht. «Man könnte, nach dem Motto 'Und täglich grüßt das Murmeltier', immer wieder die gleiche Botschaft verbreiten», weiß Wortmann.

Das Standardwerk «Energiesparen, die neue Energiequelle» erschien 1979. Die Botschaften darin sind weiter gültig: Energiesparen schont die Umwelt und den eigenen Geldbeutel. Neuere Studien belegen dies ebenfalls. So hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt, dass zum Beispiel das geplante Klimaprogramm der Bundesregierung zwar in den nächsten Jahren den Durchschnittshaushalt bis zu acht Euro im Monat kosten könnte; die Ersparnis bei den Energiekosten macht jedoch bis zu zwölf Euro aus, wie DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert vorrechnet: «Klimaschutz rechnet sind.»

Dass trotzdem kein reißender Absatz von Energiesparbirnen herrscht, dass seit ungefähr zehn Jahren über den sinnlosen Energiehunger von Stand-by-Schaltungen räsoniert wird, dass die Trägheit des gemeinen Wohlstandsbürgers die Aufregung über den Klimawandel übertrifft, erklärt sich jedoch für den Psychologen ziemlich einfach: «Klimaschutz ist mühsam - er verursacht Mühe im Alltag.»

Es sei eben einfach lästig, dass man sich anstrengen muss, dass man sich zum Beispiel vor dem Kauf eines Kühlschranks über den Energieverbrauch eingehend informieren soll. Hinzu komme: «Der Grundkonflikt ist nicht gelöst, nämlich dass wir uns einschränken müssen», sagt Wortmann. Diese Botschaft sei auch in der Politik nicht besonders populär. «Testfall» dafür sei die Debatte über das Tempolimit. Es wäre eine einfache Maßnahme zum Energiesparen. Aber wenn es konkret zu werden drohe, gebe es einen Riesenaufschrei. Offenbar sacken die unangenehmen Wahrheiten schnell wieder auf eine untere Bewusstseinsebene ab.

«Man muss es möglichst einfach machen»

Dem Psychologen fallen allerdings auch Mittel und Wege ein, diese natürliche Hartleibigkeit zu überwinden. «Man muss es möglichst einfach machen», schlägt er als Rezept vor. Die Politik kann mit Verboten und Geboten Richtschnüre einziehen, Verbraucherschützer können mit Kampagnen und Aktionen nachhelfen. Will man zum Beispiel energiesparende Kühlschränke an den Verbraucher bringen, sollte man nicht nur die Käufer, sondern auch die Verkäufer mit gezielten Informationen ansprechen, ist Wortmann überzeugt.

Auch den Spieltrieb kann geschicktes Energiesparmarketing nutzen. Wortmann hat als Projektleiter bei der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein eine Energiesparolympiade von Kommunen organisiert, die offenbar den Ehrgeiz der Stadtoberen angestachelt hat.

Er verweist auch auf positive Erfahrungen mit einer Kampagne zur Reduzierung von Stand-by-Verlusten: Die Fernsehzuschauer wurden demnach tatsächlich dazu gebracht, aufzustehen und das Gerät ganz auszuschalten, statt nur über die Fernbedienung auszuknipsen - zumindest einige. «Kommunikation ist der Schlüssel», meint der Psychologe. Und dabei sei langer Atem gefordert. «Man muss den Faktor Mensch ernst nehmen.»


Donnerstag, 22. November, 13:25 Uhr

11 Tage vor der Weltklimakonferenz China sieht beim Klimaschutz Industriestaaten in der Pflicht

Peking (AP) China sieht beim Klimaschutz vor allem die Industrieländer in der Pflicht. Sie müssten auch nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 an ihrer Verpflichtung zur Verringerung der Treibhausgase festhalten, forderte die chinesische Regierung am Donnerstag mit Blick auf den Weltklimagipfel im Dezember in Bali.

Bei der Konferenz geht es um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, in dem sich mehr als 30 führende Industrieländer auf eine Verringerung der Emissionen von sechs klimaschädigenden Gasen um insgesamt 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 verpflichtet haben. Zieldatum ist 2012. China ist wie andere Entwicklungsländer in das Protokoll nicht eingebunden.

Auch das neue Abkommen soll nach dem Willen der EU und anderer Beteiligten wieder feste Zielwerte für die Reduzierung von Treibhausgasen enthalten, dann aber neben anderen bisher nicht eingebundenen Ländern auch China einschließen. Angesichts der boomenden chinesischen Wirtschaft wird damit gerechnet, dass China schon bald die USA als bislang größter Emittent von Treibhausgasen in der Welt überholen wird.

Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Klimagipfel stellte das chinesische Außenministerium gemeinsam mit dem staatlichen Wetterdienst am Donnerstag eine Fernsehdokumentation zum Klimawandel vor, in der auch über die chinesischen Anstrengungen zur Verringerung der Treibhausgase berichtet wird, die für die Erderwärmung verantwortlich gemacht werden.


Donnerstag, 22. November, 15:37 Uhr

11 Tage vor der Weltklimakonferenz Beamte in China zum Energiesparen aufgerufen

Peking (AP) Beamte und Parteifunktionäre in China sollen mit gutem Beispiel vorangehen: Im KP-Organ «Renmin Ribao» wurden sie am Donnerstag aufgerufen, Energie zu sparen, um sowohl Kosten zu dämpfen als auch die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Die Parteizeitung forderte, den Thermostat der Heizungen nicht über 21 Grad einzustellen, kleine Autos mit geringem Benzinverbrauch zu fahren und auch den Wasserverbrauch zu kontrollieren. Die Regierung hat die Benzinpreise kürzlich um zehn Prozent erhöht, um die Nachfrage zu drosseln. Mit umgerechnet 0,58 Euro pro Liter gehört China aber immer noch zu den Ländern mit den weltweit niedrigsten Benzinpreisen.


Donnerstag, 22. November, 13:52 Uhr

11 Tage vor der Weltklimakonferenz Sonnige Zeiten für Solarwirtschaft

Berlin (AP) Der Höhenflug der Solarbranche hält an. Der Bundesverband Solarwirtschaft sagte am Donnerstag in Berlin ein Wachstum von rund 30 Prozent jährlich bis 2020 voraus. Gleichzeitig wird mit einer Verdreifachung der heimischen Produktionskapazitäten in den kommenden drei Jahren gerechnet. Bis 2010 streben die Unternehmen eine Exportquote von 50 Prozent an. «Deutschland rüstet sich für den Solarboom», sagte Verbandsgeschäftsführer Carsten Körnig.

Ziel der Solarwirtschaft sei, bis zur Mitte des Jahrhunderts ein Viertel Sonnenenergie-Anteil am deutschen Strommix zu erwirtschaften. Körnig appellierte an die Politik, den bisherigen Förderrahmen beizubehalten. Er verwies dabei auf die steigenden Rohstoff- und Finanzierungskosten. Die Branche brauche verlässliche Rahmenbedingungen. Bei der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes müsse Augenmaß gewahrt werden. Das Gesetz garantiert Betreibern von Solaranlagen über 20 Jahre die Abnahme und kostendeckende Vergütung für selbst erzeugten Solarstrom und macht damit den Betrieb wirtschaftlich.

Deutschland zählt international zu den Technologieführern bei Solarzellen, wie die Volker Ruhl vom Marktforschungsinstitut EuPD Research sagte. Im Zentrum der Forschungsaktivitäten stehe die Verbesserung des Preis-Leistungsverhältnisses. Deshalb stockten viele Unternehmen in den kommenden Jahren ihre Forschungsaktivitäten auf. In diesen Jahr fließen den Angaben zufolge rund 166 Millionen Euro in diesen Bereich; 2020 könnten es 545 Millionen sein. Zudem sorge der Kapazitätsausbau insgesamt für mehrere zehntausend neue Arbeitsplätze. 2020 könnten mehr als 100.000 Menschen in der Solarbranche tätig sein.

http://www.solarwirtschaft.de/







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