Aktuell


Bali Countdown (2)

Freitag, 23. November, 16:16 Uhr

10 Tage vor der Weltklimakonferenz UN: 2006 Rekordmenge an Treibhausgasen in der Atmosphäre

Genf (AP) Die Menge der Treibhausgas in der Erdatmosphäre hat 2006 einen Rekordwert erreicht, wie die UN-Wetterbehörde am Freitag in Genf erklärte. Die durchschnittlichen Konzentrationen von Kohlendioxid und Stickoxid seien die höchsten, die jemals von der Welt-Meteorologie-Organisation (WMO) registriert wurden, erklärte deren Klimaspezialist Geir Braathen. Der Wert von Methan, das dritte der drei wichtigsten Treibhausgase, sei von 2005 bis 2006 stabil geblieben.

Die Messungen zeigten, dass Kohlendioxid mehr als früher zur Erderwärmung beitrage. «CO2 wird als Treibhausgas immer wichtiger», sagte Braathen vor Journalisten. Im vergangenen Jahrzehnt habe Kohlendioxid 87 Prozent zur Erwärmung beigetragen, doch allein in den vergangenen fünf Jahren habe der Wert bei 91 Prozent gelegen. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre stieg im vergangenen Jahr in der Atomsphäre laut WMO um ein halbes Prozent, die von Stickoxid um ein Viertelprozent. Es scheine, dass dieser Trend noch für mindestens einige Jahre anhalten werde, sagte Braathen.

Im Vergleich zu Ende des 18. Jahrhunderts befindet sich laut WMO heute 36,1 Prozent mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre. Dies sei vor allem auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückzuführen. Grundlage der jüngsten Erkenntnisse seien Messungen aus 44 Staaten, die in Japan gesammelt wurden.


Freitag, 23. November, 14:01 Uhr

10 Tage vor der Weltklimakonferenz: Weiter Streit über Klimapaket der Regierung

Berlin (AP) Um das für den 5. Dezember geplante Klimapaket wird in der Bundesregierung offenbar immer noch gerungen. Umweltstaatssekretär Michael Müller sagte am Freitag in Berlin, er sehe mit erheblicher Sorge wie verschiedenste Seiten versuchten, das Programm zu relativieren. Damit wäre es «nicht so zugespitzt, wie wir es bräuchten», sagte der SPD-Politiker. «Das darf nicht verwässert werden.»

Das Kabinett will das Programm, dessen Eckpunkte bereits im Sommer in Meseberg festgelegt worden waren, am 5. Dezember als Signal an die Weltklimakonferenz auf Bali verabschieden. Teil des Pakets ist eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, eine intensivere Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung und regenerativer Wärme sowie etliche Maßnahmen zum Energiesparen. Bei der Abstimmung der Gesetzentwürfe zwischen Umwelt- und Wirtschaftsressort gab es Medienberichten zufolge schon in den vergangenen Wochen erheblichen Streit.

Müller sagte, mit dem Maßnahmenbündel sei zwar das deutsche Ziel, bis 2020 den Klimagas-Ausstoß um 40 Prozent zu vermindern, noch nicht erreicht. Aber es wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin. Die Regierung rechnet offiziell damit, dass allein mit dem Paket eine Marke von 36 Prozent Minderung zu schaffen ist.


24. November, 2007

«Die Zeit läuft ab»

Hamburg (ddp). Vor dem Weltklimagipfel Anfang Dezember auf Bali hat EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso eindringlich an die Staatengemeinschaft appelliert, sich auf verbindliche Klimaziele zu einigen. «Im Kampf gegen die Erderwärmung läuft die Zeit ab», sagte Barroso der «Bild am Sonntag».

Der Kommissionschef bemängelte, viele Politiker neigten dazu, nicht über einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren hinaus zu denken. Für nachfolgende Generationen sein aber entscheidend, "dass wir Mut und Führungskraft beweisen - jetzt!»

Die EU-Staaten hatten sich darauf verständigt, den Kohlendioxidausstoß bis 2020 um mindestens 20 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken.


24. November, 2007
9 Tage vor der Weltklimakonferenz: EU-Kommission plant Strafzahlungen für Autofirmen Hamburg (AP) Die EU-Kommission will Autofirmen mit Strafzahlungen belegen, wenn sie gegen die neuen Klimaschutz-Vorgaben verstoßen. «Es sollte Konsequenzen haben, wenn Hersteller die Vorgaben nicht einhalten. Sie sollten eine Art Entschädigung zahlen. Andernfalls wäre das ganze System nicht glaubwürdig», sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso der «Bild am Sonntag».

Barroso kündigte an, die EU-Kommission werde ihr Konzept noch vor Weihnachten vorlegen. Demnach dürften Neuwagen in Europa ab 2012 durchschnittlich nur noch 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen, erklärte er. «Dieser Grenzwert mag der Autoindustrie hart vorkommen - aber er ist zu schaffen. Zumal wir den Grenzwert auf Fahrzeugflotten, nicht auf einzelne Modelle beziehen», sagte er.

Der EU-Kommissionschef zeigte zudem Sympathien für Bestrebungen, ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen einzuführen. Dies sei zwar grundsätzlich Sache der Mitgliedstaaten. «Klar ist aber auch: Autos, die an eine Höchstgeschwindigkeit gebunden sind, stoßen weniger Treibhausgase aus», sagte er.

Der Präsident betonte, Klimaschutz und Wirtschaftswachstum seien durchaus miteinander vereinbar. «Wir stehen am Beginn einer neuen industriellen Revolution. Wenn wir zu den ersten gehören, die auf klimafreundliche Technologien umsteigen, werden wir Wettbewerbsvorteile haben», sagte er. Er lobte dabei die «Fortschrittlichkeit unter den Autobossen», die den Klimawandel bereits als Herausforderung und Chance begriffen. Das zeige nicht nur Toyota mit seinen Hybrid-Fahrzeugen, sondern auch BMW mit der Technologie «Efficient Dynamics».


Keine neuen Kohlekraftwerke!

Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 23.11.07

In 31 Städten demonstrieren Greenpeace-Gruppen heute gegen den geplanten Bau von 25 Kohlekraftwerken in Deutschland. Unter dem Motto "Keine neuen Kohlekraftwerke - Klimaschutz geht anders" informieren die Umweltschützer über die negativen Folgen der Ausbaupläne für das Klima. Dutzende zu Haufen aufgetürmte schwarze Müllsäcke mit der Aufschrift "CO2" symbolisieren den Kohlendioxid-Ausstoß der geplanten Anlagen. In Hamburg und Berlin protestieren die Aktivisten vor den Kundenzentren des Energieversorgers Vattenfall. Das Unternehmen will drei weitere Kohlekraftwerke in Deutschland bauen. Passanten haben die Möglichkeit, vor Ort einen Klimaschutzappell per Fax an den Chef von Vattenfall, Lars Göran Josefsson, zu schicken.

"Der aktuelle Bericht des Weltklimarates zeigt es ganz deutlich – der Klimawandel ist eine unausweichliche Tatsache, der wir uns stellen müssen. Nur wenn wir den Ausstoß von CO2 jetzt massiv senken, kann das Schlimmste verhindert werden", sagt Jörg Feddern, Klimaexperte von Greenpeace. "Wer heute weiter auf Kohle setzt, zementiert über Jahrzehnte eine klimaschädliche und nicht zukunftsfähige Energieversorgung. Weitere Kohlekraftwerke zu bauen, ist das falsche Signal für den Klimaschutz."

Die in Deutschland geplanten 25 neuen Kohlekraftwerke werden nach Fertigstellung das Klima mit zusätzlichen 140 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr belasten. Deutschland ist damit in Europa führend beim Bau klimaschädlicher Kohlekraftwerke. Viele dieser Anlagen sind überdimensioniert und haben einen schlechten Wirkungsgrad.

"Wir brauchen jetzt vor allem einen zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien", fordert Feddern. Ergänzt werden muss diese Maßnahme durch eine Verbesserung der Effizienz bei der Stromerzeugung und Einsparungen beim Stromverbrauch. Dazu kommt der weitere Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung. Bei dieser hoch effizienten Technik wird nicht nur der erzeugte Strom genutzt, sondern auch die dabei produzierte Wärme.

Aus einer von Greenpeace am vergangenen Montag veröffentlichten Studie geht hervor, dass die Bundesregierung ihre nationalen Klimaschutzziele deutlich verfehlen wird. Danach bliebe Deutschland hinter dem selbst gesteckten Ziel zurück, den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren. Greenpeace sieht jetzt vor allem die Bundesregierung in der Pflicht. Sie darf Klimaschutz nicht immer nur lautstark ankündigen, sie muss auch konsequent handeln.

Wissenschaftliche Erkenntnisse des UN-Weltklimarates IPCC zeigen, dass die Industriestaaten den Treibhausgasausstoß weitaus schneller und in höherem Maße verringern müssen als bisher geplant. Nur dann kann eine Klimaerwärmung mit katastrophalen Folgen verhindert und die Temperaturerhöhung auf einem Niveau deutlich unter 2 Grad Celsius stabilisiert werden.


Freitag, 23. November, 11:29 Uhr

Verdoppelung der Kunstschneepisten vorstellbar

München (ddp). Bayerns Wintersportorte setzen angesichts der unsicheren Wetterlage auf mehr Schneekanonen. «In den nächsten Jahren ist eine Verdoppelung der Beschneiung vorstellbar», sagte der Vorsitzende des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte, Peter Huber, im ddp-Interview in München. Nach Angaben Hubers werden derzeit mit über 480 Hektar rund 13 Prozent der Skipisten mit Kunstschnee präpariert. In Österreich seien es bereits gut dreimal so viel, sagte er.

Vorwürfe von Umweltschützern, wonach die Bergwiesen durch den Wintersport geschädigt würden, wies der Verbandschef zurück. Eine geschlossene Schneedecke sei für die Vegetation der beste Schutz. Und auch die Energiebilanz für den Betrieb der Schneekanonen sei vertretbar. Hallenbäder mit Sauna seien wesentlich größere Energieverbraucher, argumentierte Huber. Der Pro-Kopf-Verbrauch sei bei Skifahrern viel geringer als bei Schwimmern.


24. November, 2007

Australier wählen Howard ab

Sydney (AP) Nach mehr als elf Jahren muss der australische Ministerpräsident John Howard sein Amt räumen. Die oppositionelle Arbeitspartei konnte Hochrechnungen zufolge den Sieg bei der Parlamentswahl am Samstag klar für sich verbuchen. Ihr Vorsitzender Kevin Rudd dürfte damit neuer Regierungschef werden. Howard sagte, er habe Rudd bereits gratuliert und wünsche ihm alles Gute. Der 68-Jährige musste auch mit dem Verlust seines Parlamentsmandats rechnen.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass er seinen Wahlkreis Bennelong und damit seinen Sitz im Repräsentantenhaus verliere, sagte Howard. Er wäre erst der zweite amtierende Ministerpräsident in der Geschichte des Landes, der eine solche persönliche Schlappe erleidet.

Auf der Basis von 60 Prozent der abgegebenen Stimmen errechnete der Rundfunksender ABC eine komfortable Mehrheit für die Arbeitspartei: Sie kann demnach mit 81 der 150 Sitze im Parlament rechnen. «Heute hat Australien den Blick in die Zukunft gerichtet», sagte Rudd am Samstag. Die Wähler hätten entschieden, dass das Land ein neues Kapitel in seiner Geschichte aufschlage, fügte der 50-jährige ehemalige Diplomat hinzu.

Rudd hat angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs die 550 australischen Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf war erstmals auch die Klimapolitik. Rudd will unverzüglich das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von klimaschädlichen Treibhausgasen unterzeichnen. Howard verwies dagegen stets auf ein mögliches Nachfolgeabkommen, das Schwellenländer wie China und Indien einschließen soll.

Seit seiner Wahl zum Vorsitzenden der Arbeitspartei vor knapp einem Jahr lag Rudd in Umfragen vor Howard, dessen Popularität stetig schwand. Weil er Rufe aus der eigenen Partei nach einem Rückzug vor der Wahl ablehnte und stattdessen ankündigte, er werde sich in etwa zwei Jahren zur Ruhe setzen, warfen ihm viele Arroganz vor.

Howard wurde erstmals im März 1996 als Ministerpräsident vereidigt und kann auf vier Wahlsiege in Folge zurückblicken. Nur ein australischer Regierungschef vor ihm war länger im Amt.







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