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Aktuell

Bali Countdown (3)

26. November, 2007

Merkel ruft USA zu gemeinsamem Vorgehen bei Klimaschutz auf

Berlin (ddp). Eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz auf Bali hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die USA zu einem gemeinsamen Vorgehen beim Klimaschutz aufgerufen. Es sei «traurig», dass die USA das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert hätten, sagte Merkel am Montag bei einer Klimakonferenz der Unionsfraktion in Berlin. An weiteren Initiativen müssten sich alle Kontinente beteiligen, auch die Entwicklungsländer. Europa sei mit dem Vorhaben, seinen CO2- Ausstoß bis 2020 gegenüber 1990 um 20 Prozent zu reduzieren, bereits «in Vorleistung gegangen».

Von Bali erwartet Merkel «ein Mandat», um «einen verbindlichen Fahrplan» für ein neues Klimaschutzabkommen zu entwickeln. «Bali selbst wird keine Reduktionszahlen festschreiben», betonte sie. Der Vorschlag der USA, ein Gesamtziel für alle Länder zu formulieren, jedoch nicht die einzelnen Maßnahmen auf dem Weg dorthin, sei «nicht ausreichend», betonte die Kanzlerin.

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, warnte vor einer Temperaturerhöhung um mehr als zwei Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts. Bei einer stärkeren Erderwärmung drohten «Kippschalter» des globalen Klimas umzufallen. So werde das Himalayagebirge kein Schmelzwasser mehr für die großen Flüsse Asiens liefern können, das Grönlandeis werde schmelzen. Ohne Klimaschutzmaßnahmen steige der Meeresspiegel langfristig um bis zu 50 Meter an.


26. November, 2007

Merkel hofft auf erfolgreiche Klimakonferenz in Bali

Berlin (AFP) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hofft auf eine erfolgreiche Weltklimakonferenz in Bali in der nächsten Woche. "Wir müssen beschließen, worüber in den nächsten Jahren verhandelt werden muss", sagte Merkel bei einem Klimakongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Berlin. Es gebe das Mandat, einen Fahrplan zu entwickeln, "wie wir zu einem Abkommen nach Kyoto kommen". Der Klimawandel sei eine "moralische Herausforderung in unserem heutigen Handeln". Die ökonomische Herausforderung sei es, "neue und intelligente Entwicklungspfade" zu gehen; die politische Herausforderung sei es, die globale Zusammenarbeit zu verbessern.

Merkel bezeichnete den Klimawandel als "Bedrohung der Sicherheit und wirtschaftlichen Entwicklung der gesamten Welt". Deutschland sei in in der Lage, die besten Technologien zu entwickeln. Dies sei der "Schlüssel, um dem Thema Herr zu werden".

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) erklärte, er sei der Bundeskanzlerin dankbar, dass sie das Thema Klimawandel zu ihrem Thema gemacht habe. "Klimapolitik hat jetzt ein Gesicht", sagte Kauder. Merkel schaffe es, den Dialog voranzubringen, so wie es die rot-grüne Bundesregierung in sieben Jahren nicht geschafft habe. Er betonte, die Energieeffizienz sei auch ein "soziales Programm", weil die Menschen dann weniger Geld ausgeben müssten. Atomkraftwerke, die sicher liefen, dürften nicht vom Netz genommen werden.

Vom 3. bis 14. Dezember findet auf der indonesischen Insel Bali die Weltklimakonferenz statt, bei der der Startschuss für die Verhandlungen eines Nachfolgeabkommens des Klimaschutz-Protokolls von Kyoto fallen soll. Das Kyoto-Protokoll, in dem sich die Unterzeichnerstaaten zur Minderung ihres Treibhausgas-Ausstoßes verpflichtet haben, läuft 2012 aus.


26. November, 2007

7 Tage vor der Weltklimakonferenz: Merkel wirbt für Erfolg der UN-Klimakonferenz

Berlin (AP) Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einen Erfolg der UN-Klimakonferenz auf Bali beschworen. Die Verhandlungen würden zwar schwierig, sagte Merkel am Montag bei einem Klimakongress der Unionsfraktion in Berlin. Beim Kampf gegen den Klimawandel müssten aber alle Staaten mitmachen. Umweltminister Sigmar Gabriel appellierte an die Industrienationen, auf erneuerbare Energien umzusteigen.

Bei der UN-Klimakonferenz ab kommender Woche sollen Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto Protokoll beginnen. Merkel sagte, der Klimawandel betreffe alle Länder auf der Welt. Es sei ein globales Problem, das nicht lokal gelöst werden könne. «Ich muss trotzdem irgendwo auf der Welt anfangen, um anderen die Lösungspfade zu zeigen.»

Die Industrienationen hätten eine besondere Verantwortung beim Klimaschutz. Allerdings seien auch die Entwicklungsländer gefordert. «Wir müssen es bis 2050 schaffen, die aufsteigenden Ökonomien mit in unseren Maßnahmenplan einzubeziehen», sagte Merkel. «Ansonsten wird das Thema nicht lösbar sein.»

Europa müsse dabei seine eigenen Zusagen einhalten, forderte die Kanzlerin. Im Kyoto Protokoll hat sich die EU verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid um acht Prozent zu reduzieren. Davon seien erst zwei Prozent erreicht, weil der CO2-Ausstoß in einigen EU-Ländern «dramatisch» zugenommen habe, beklagte Merkel. Wenn sich diese Entwicklung nicht umkehre, verliere Europa seine Glaubwürdigkeit.

Gabriel setzt auf erneuerbare Energien

Bundesumweltminister Gabriel forderte die Industrienationen auf, ihre Volkswirtschaften auf erneuerbare Energien umzustellen. «Wohlstand für alle ist möglich - und zwar klimaverträglich», sagte der SPD-Politiker der «Bild»-Zeitung (Montagausgabe). Dafür müsse sich das Wirtschaftswachstum aber auf regenerative Energien wie etwa Sonne oder Wind stützen.

Auch müsse sparsamer mit Energie umgegangen werden, forderte Gabriel. «Kein Mensch in Europa hat das Recht, mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre zu pusten als etwa ein Mensch in Indien.» Der Minister unterstrich in diesem Zusammenhang die Vorreiterrolle Deutschlands: «Wir haben uns nicht nur das ehrgeizigste Klimaschutzziel gesetzt. Wir sind auch das einzige Land, das schon in Bali mit einem konkreten Klimaschutzpaket aufwartet und beweist, dass wir dieses Ziel ernst nehmen.»

Der Vorsitzende der Unionsfraktion, Volker Kauder (CDU), forderte erneut längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke. Die Forderung nach dem Einsatz erneuerbarer Energien sei richtig. Allerdings sei es falsch, sichere Atomkraftwerke aus ideologischen Gründen abzuschalten. Beim Klimaschutz dürfe keine Symbolpolitik betrieben werden, sagte Kauder.

Die CDU-Umweltexpertin Katherina Reiche sagte, damit es in Bali zu Fortschritten komme, brauche es Überzeugungskraft. Die Bundesregierung habe mit ihrem Energie- und Klimaprogramm gezeigt, dass sie bereit sei, Verantwortung zu übernehmen.


Montag, 26. November, 03:24 Uhr

Gabriel fordert Industrienationen zum Umsteuern auf

Hamburg (ddp). Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat an die Industrienationen appelliert, ihre Vokswirtschaften auf erneuerbare Energie umzustellen. Mit Blick auf die bevorstehende Klimakonferenz auf Bali sagte Gabriel der «Bild»-Zeitung (Montagausgabe): «Wohlstand für alle ist möglich - und zwar klimaverträglich. Dafür müssen wir allerdings das Wirtschaftswachstum auf eine andere Energiebasis stellen: auf erneuerbare Energien wie Sonne und Wasser. Und wir müssen mit Energie deutlich effizienter und sparsamer umgehen als bisher.»

Der Minister unterstrich die Vorreiterrolle Deutschlands: «Wir haben uns nicht nur das ehrgeizigste Klimaschutzziel gesetzt. Wir sind auch das einzige Land, das schon in Bali mit einem konkreten Klimaschutzpaket aufwartet und beweist, dass wir dieses Ziel ernst nehmen." Gabriel ergänzte: «Wenn wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Weltklimarates ignorieren, werden uns unsere Kinder und Enkel verfluchen.»


26. November, 2007

Gabriel fordert neuen Klima-Kurs der Industrienationen

Hamburg (AFP) - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat an die Industrienationen appelliert, ihre Volkswirtschaften auf erneuerbare Energien umzustellen. Mit Blick auf die bevorstehende Weltklimakonferenz auf Bali sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung, das Wirtschaftswachstum müsse auf eine andere Energiebasis gestellt werden als bisher, "auf erneuerbare Energien wie Sonne und Wasser". Gleichzeitig müssten die Menschen mit Energie deutlich effizienter und sparsamer umgehen als derzeit. Er fügte hinzu: "Kein Mensch in Europa hat das Recht, mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre zu pusten als etwa ein Mensch in Indien."

Mit Blick auf Deutschland sagte Gabriel: "Wir haben uns nicht nur das ehrgeizigste Klimaschutzziel gesetzt." Deutschland sei auch das einzige Land, das schon in Bali mit einem konkreten Klimaschutzpaket aufwarte und beweise, "dass wir dieses Ziel ernst nehmen". Deutschland zeige, dass es möglich sei, wirtschaftlichen Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplätze mit Klimaschutz zu vereinbaren. "Diesen Nachweis brauchen wir, um die Entwicklungsländer von unseren Klimazielen zu überzeugen", betonte Gabriel.

Vom 3. bis 14. Dezember findet auf der indonesischen Insel Bali die Weltklimakonferenz statt, bei der der Startschuss für die Verhandlungen eines Nachfolgeabkommens des Klimaschutz-Protokolls von Kyoto fallen soll. Das Kyoto-Protokoll, in dem sich die Unterzeichnerstaaten zur Minderung ihres Treibhausgas-Ausstoßes verpflichteten, läuft 2012 aus.


26. November, 2007

7 Tage vor der Weltklimakonferenz: Gabriel fordert Industrie-Nationen zum Umsteuern auf

Berlin (AP) Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat an die Industrie-Nationen appelliert, ihre Volkswirtschaften auf erneuerbare Energien umzustellen. «Wohlstand für alle ist möglich - und zwar klimaverträglich», sagte der SPD-Politiker der «Bild»-Zeitung (Montagausgabe) mit Blick auf die bevorstehende Klimakonferenz auf Bali. Dafür müsse sich das Wirtschaftswachstum aber auf erneuerbare Energien wie Sonne und Wasser stützen. Außerdem müsse der Umgang mit Energie deutlich effizienter und sparsamer werden.

«Kein Mensch in Europa hat das Recht, mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre zu pusten als etwa ein Mensch in Indien», sagte Gabriel. Der Minister unterstrich in diesem Zusammenhang die Vorreiterrolle Deutschlands: «Wir haben uns nicht nur das ehrgeizigste Klimaschutzziel gesetzt. Wir sind auch das einzige Land, das schon in Bali mit einem konkreten Klimaschutzpaket aufwartet und beweist, dass wir dieses Ziel ernst nehmen.»

Deutschland zeige, dass es möglich sei, wirtschaftlichen Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplätze mit Klimaschutz zu vereinbaren. Dieser Nachweis sei nötig, um die Entwicklungsländer von den Klimazielen zu überzeugen. «Wenn wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Weltklimarates ignorieren, werden uns unsere Kinder und Enkel verfluchen», warnte Gabriel.


Montag, 26. November, 07:01 Uhr

7 Tage vor der Weltklimakonferenz - Das AP-Porträt: Der vollendete Diplomat als Wächter des Klimas

Berlin (AP) Yvo de Boer ist der vollendete Diplomat, nur selten lässt er sich öffentlich aus der Reserve locken. Wenn man ihn allerdings auf die weit verbreitete Erwartung anspricht, bei der Weltklimakonferenz auf Bali nächste Woche werde der Durchbruch im Kampf gegen die Erderwärmung erreicht, entfährt dem 53-Jährigen doch ein kleines Kichern. Der Chef des UN-Klimasekretariats in Bonn mischt lange genug mit bei UN-Verhandlungen, um zu wissen, dass es mit dem Durchbruch noch eine Weile dauern dürfte.

Deshalb dämpft der Mann, der auch auf Bali eine der zentralen Figuren im unübersichtlichen Wirrwarr der Meinungen und Interessen sein dürfte, vorab die Erwartungen an das zweiwöchige Treffen. «Man muss bedenken, dass es darum geht, die Weltwirtschaft auf einen neuen Kurs zu bringen», sagte er vor kurzem der Nachrichtenagentur AP. «Das ist nichts, was man in zwei Wochen erreichen kann. Tatsächlich wäre es eine Riesenleistung, wenn wir das in zwei Jahren schaffen würden.» Bis 2009 dürfte hart um ein neues Klimaabkommen gerungen werden.

Der in Wien geborene Niederländer weiß, wie dick die Bretter im internationalen Klimaschutz sind. Schon seit 1994 gehört er zu den Experten, die über dem Kleingedruckten internationaler Abkommen schwitzen. Vor dem Abschluss des Kyoto-Protokolls 1997 bereitete er die Position der Europäischen Union mit vor; anschließend vertiefte er sich in die nicht minder komplizierten Verhandlungen über die Verteilung der Lasten des Klimaschutzes innerhalb der EU.

Den größten Teil seiner Karriere verbrachte der freundliche, manchmal verschmitzte Sohn eines Diplomaten in Positionen der niederländischen Regierung. Direktor im Umweltministerium war er und Leiter der Abteilung für Klimaschutz. Zuvor sammelte er auf internationalem Parkett Erfahrung bei der UN-Siedlungsagentur UNHABITAT.

Seit gut einem Jahr ist de Boer als Generalsekretär der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) von 1992 so eine Art oberster Klimawächter. Ihm obliegt es zum Beispiel, einmal im Jahr zu sagen, wie die Industrieländer mit dem Klimaschutz voran kommen. Erst vergangene Woche musste er wieder feststellen, dass die Treibhausgas-Emissionen aller Industrieländer bis 2005 «in einer Besorgnis erregenden Weise» gestiegen seien.

Erfahrung mit China

Als de Boer 2006 von UN-Generalsekretär Kofi Annan auf den Klima-Spitzenposten nach Bonn berufen wurde, war er unter anderem in einem internationalen Umwelt- und Entwicklungsrat für China aktiv, eine Erfahrung, die ihm auf Bali durchaus zu Gute kommen dürfte. Denn die kniffeligste Aufgabe bei den Verhandlungen für ein neues weltweites Klimaschutzabkommen dürfte es sein, die neue Wirtschaftsmacht China und die alte Weltmacht USA gleichzeitig mit ins Boot zu holen.

«Amerika sagt, China soll sich engagieren, und umgekehrt sagt China dasselbe von Amerika», weiß de Boer. Vielleicht der wichtigste Teil der Verhandlungen werde es sein, Amerika und die großen Entwicklungsländer näher zu einander zu bringen, sagte er jüngst im Deutschlandfunk. Der Weg dahin ist noch weit.

http://www.unfccc.int/


Sonntag, 25. November, 14:16 Uhr

Unions-Fraktion berät über Klimaschutz

Berlin (ddp). Eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz auf Bali berät die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Montag (10.00 Uhr) über den Klimaschutz. Nach einführenden Worten von Fraktionsvize Katherina Reiche und Fraktionschef Volker Kauder will Bundeskanzlerin Angela Merkel (alle CDU) eine Rede halten.

Auch der international anerkannte Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und die Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Angelika Zahrnt, sowie der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sind als Redner eingeladen. In mehreren Foren diskutieren Abgeordnete und Experten dann über die internationale Klimapolitik, die Energiepolitik und -effizienz sowie über Fragen der Mobilität.


Sonntag, 25. November, 11:49 Uhr

Barroso fordert verbindliche Klimaziele bis 2009

Hamburg (AP) Kurz vor dem Weltklimagipfel auf Bali hat EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso an die Staatengemeinschaft appelliert, dem Beispiel Europas zu folgen. Im Kampf gegen die Erderwärmung laufe die Zeit ab. «Bis 2009 müssen wir uns auf verbindliche Klimaziele verständigen», sagte Barroso der «Bild am Sonntag».

Die EU könne stolz sein auf die Rolle, die sie bisher spiele. «In Bali sagen wir der Welt: Wir haben verstanden, wie ernst die Lage ist. Und wir handeln. Folgt unserem Beispiel.» Der Kommissionschef äußerte scharfe Kritik am Verhalten der Politik. «Viele Politiker neigen nicht dazu, über einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren hinaus zu denken», sagte er. «Mit Blick auf die nächsten Wahlen mag es geboten erscheinen, die Lösung des Problems hinauszuzögern. Aber für nachfolgende Generationen ist es entscheidend, dass wir Mut und Führungskraft beweisen jetzt», erklärte Barroso.

Klimaschutz und Wirtschaftswachstum seien vereinbar. «Wir stehen am Beginn einer neuen industriellen Revolution. Wenn wir zu den ersten gehören, die auf klimafreundliche Technologien umsteigen, werden wir Wettbewerbsvorteile haben», warb Barroso. «Wenn wir jetzt handeln, müssen die Kosten ein Prozent des globalen Bruttosozialprodukts nicht übersteigen. Tun wir nichts, könnten die Kosten des Klimawandels zwischen 5 und 20 Prozent verschlingen.»

Doch warnte er vor Regelungswut: «Wenn wir uns anmaßen, den Leuten im Detail vorzuschreiben, wie sie privat zu leben haben, bekommt unsere Gesellschaft totalitäre Züge.»


Sonntag, 25. November, 02:34 Uhr

«Wir wollen nicht zurück ins Mittelalter»

Hamburg (ddp). EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat davor gewarnt, den Bürgern im Kampf gegen den Klimawandel zu viel abzuverlangen. «Wir sollten in Klimafragen jeden Fundamentalismus vermeiden», sagte Barroso der Zeitung «Bild am Sonntag». «Wenn wir uns anmaßen, den Leuten im Detail vorzuschreiben, wie sie privat zu leben haben, bekommt unsere Gesellschaft totalitäre Züge. Das will ich nicht.»

Barroso fügte hinzu: «Wir wollen nicht zurück ins Mittelalter, wir wollen weiter Wachstum. Die Menschen sollen auch in Zukunft nicht auf Reisen verzichten.» Es gehe «nicht darum, die zehn Gebote neu zu schreiben», betonte der Kommissionspräsident. «Sonst laufen wir Gefahr, dass die Menschen auch sinnvolle Klimapolitik ablehnen.»


Sonntag, 25. November, 16:28 Uhr

8 Tage vor der Weltklimakonferenz: EU erwägt Klima-Strafzahlungen für Autokonzerne

Frankfurt/Main (AP) Die EU-Kommission will die Autokonzerne notfalls mit Strafzahlungen zur Einhaltung ihrer Grenzwerte beim CO2-Ausstoß von Neuwagen zwingen. Eine Woche vor dem Weltklimagipfel auf Bali kündigte Kommissionspräsident José Manuel Barroso an, noch vor Weihnachten werde seine Behörde ein Konzept vorlegen, wonach Neuwagen in Europa ab 2012 durchschnittlich nur noch 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. «Dieser Grenzwert mag der Autoindustrie hart vorkommen - aber er ist zu schaffen.»

Der Wert beziehe sich auf Fahrzeugflotten und nicht auf einzelne Modelle. «Die Fortschrittlichen unter den Autobossen begreifen den Klimawandel bereits als Herausforderung und Chance», sagte Barroso der «Bild der Sonntag» und nannte Toyota und BMW. Es sollte Konsequenzen haben, wenn Hersteller den EU-Grenzwert nicht einhielten. «Sie sollten eine Art Entschädigung zahlen. Andernfalls wäre das ganze System nicht sehr glaubwürdig.»

Kritik kam von der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Katherina Reiche. «Ich wünschte mir, dass Herr Barroso mit derselben Vehemenz den Klimasünder Portugal kritisiert wie die deutsche Automobilindustrie», sagte sie dem «Tagesspiegel am Sonntag». Dagegen erklärte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), der Zeitung: «Die Kommission sollte dafür sorgen, dass die Obergrenzen für den CO2-Ausstoß in ganz Europa verbindlich umgesetzt werden.»

Barroso ließ Sympathie für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen erkennen. Dies sei zwar grundsätzlich Sache der Mitgliedstaaten. «Klar ist aber auch: Autos, die an eine Höchstgeschwindigkeit gebunden sind, stoßen weniger Treibhausgase aus», sagte er. Mit Blick auf die anstehenden Beratungen über ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll auf Bali appellierte der EU-Kommissionspräsident an die internationale Staatengemeinschaft, dem Beispiel Europas zu folgen. Im Kampf gegen die Erderwärmung laufe die Zeit ab. «Bis 2009 müssen wir uns auf verbindliche Klimaziele verständigen.»

Klimaschutz und Wirtschaftswachstum seien vereinbar. «Wir stehen am Beginn einer neuen industriellen Revolution. Wenn wir zu den ersten gehören, die auf klimafreundliche Technologien umsteigen, werden wir Wettbewerbsvorteile haben», warb Barroso. «Wenn wir jetzt handeln, müssen die Kosten ein Prozent des globalen Bruttosozialprodukts nicht übersteigen. Tun wir nichts, könnten die Kosten des Klimawandels zwischen 5 und 20 Prozent verschlingen.»

Doch warnte er vor Regelungswut: «Wenn wir uns anmaßen, den Leuten im Detail vorzuschreiben, wie sie privat zu leben haben, bekommt unsere Gesellschaft totalitäre Züge.»


Sonntag, 25. November, 10:52 Uhr

8 Tage vor der Weltklimakonferenz: CDU-Politikerin Reiche kritisiert Klimapolitik Barrosos

Frankfurt/Main (AP) Die Drohung der EU-Kommission mit Strafzahlungen für Autokonzerne, die gegen Klimaschutzvorgaben verstoßen, ist in der CDU/CSU-Fraktion auf Kritik gestoßen. Sie wünsche sich, dass der portugiesische EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso «mit derselben Vehemenz den Klimasünder Portugal kritisiert wie die deutsche Automobilindustrie», sagte die stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Katherina Reiche dem Berliner «Tagesspiegel am Sonntag».

Sie könne nicht verstehen, warum Barroso die deutschen Autohersteller derart kritisch beäuge. «In die deutsche Autoindustrie ist nicht zuletzt seit der Automesse IAA viel Bewegung gekommen», sagte Reiche. Die Umstellung der Kraftfahrzeugsteuer auf eine CO2-Steuer werde einen zusätzlichen Schub auslösen. Positiver äußerte sich dagegen der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD). «Die Kommission sollte dafür sorgen, dass die Obergrenzen für den CO2-Ausstoß in ganz Europa verbindlich umgesetzt werden», sagte Müller der Zeitung. Er forderte die Kommission auf, konsequent zu sein.

Barroso sagte der «Bild am Sonntag»: «Ich mag das Wort Sanktionen nicht. Aber es sollte Konsequenzen haben, wenn Hersteller den Grenzwert nicht einhalten. Sie sollte eine Art Entschädigung zahlen. Andernfalls wäre das ganze System nicht sehr glaubwürdig.» Nach den Plänen der EU-Kommission dürften Neuwagen in Europa ab 2012 durchschnittlich nur noch 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen.


Sonntag, 25. November, 15:34 Uhr

Klimawandel hat auch Auswirkungen auf Landwirtschaft

Hyderabad (AFP) - Wissenschaftler haben vor den Auswirkungen gewarnt, die die Erderwärmung auf den Anbau von Obst und Gemüse hat. Möglich sei etwa, dass Gemüsesorten nicht mehr in den gewohnten Gegenden angebaut werden könnten, sagte Jackie Hughes von einem taiwanesischen Zentrum für Gemüseforschung bei einer Konferenz im indischen Hyderabad. Auch Tiere sind nach Angaben des kenianischen Wissenschaftlers John McDermott vom Klimawandel betroffen. So breite sich beispielsweise das Rift Valley-Fieber, das durch Mückenstiche auf Schafe, Rinder und Kamele übertragen wird, durch die Erderwärmung aus.







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