AktuellFonds gegen Entwaldung
Indonesischer Gouverneur will Klima durch Rodungsverbot schützenEntwaldung ist wie MassenselbstmordVon Elvira Treffinger, Lausitzer Rundschau, 5.12.07 Die Idee klingt bestechend: Wer Regenwald bewahrt und damit das Klima schützt, soll belohnt werden. Bei der Weltklimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali diskutieren Politiker, UN-Experten und Umweltschützer über international verbindliche Konzepte. Trotz vieler Bemühungen schrumpfen die großen Regenwälder der Erde in Südamerika, Südostasien und im Kongobecken weiter. Indonesien ist vor allem wegen der rasanten Abholzung mit seinen Kohlendioxid-Emissionen (CO 2 ) schon weltweit Klimasünder Nummer drei, Brasilien Nummer vier. Seit 1997 fielen weltweit pro Jahr mehr als 13 Millionen Hektar zumeist tropischer Wald dem Feuer oder der Säge zum Opfer. Bei der Rodung entstehen 20 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen. Wälder und Böden sind zudem Kohlenstoffspeicher. Erster Vorschlag 2005 Auf der Klimakonferenz 2005 im kanadischen Montreal schlugen Papua-Neuguinea und Costa Rica erstmals ein System der Kompensation für „vermiedene Entwaldung“ vor, was einer Senkung der Treibhausgas-Emissionen gleichkomme. Über den „Mechanismus für Saubere Entwicklung“ (CDM) können sich Industrienationen schon heute Klimaschutz-Investitionen wie die Aufforstung in Entwicklungsländern als Reduktion auf dem eigenen Emissionskonto anrechnen lassen und mit den Zertifikaten handeln. Für den Erhalt bestehender Wälder ist dies jedoch bisher nicht möglich. Das könnte sich ändern. Die Weltbank arbeitet an einer „Wald-Kohlenstoff-Partnerschaft“, und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) startet Pilotprojekte auf Madagaskar und in Kamerun. Umweltorganisationen unterstützen die Idee, den Schutz des Waldes in internationalen Klima-Abkommen zu honorieren: Es könnte der erste Schritt dazu sein, dass sich auch Entwicklungsländer eigene Ziele für die Reduktion der CO 2 -Emissionen setzen. Für die Idee der Wald-Kompensation gibt es unterschiedliche Ansätze. „Die Entwicklungsländer sind tief gespalten“, sagt Stephan Singer von der Umweltstiftung WWF. Brasilien setzt auf die Errichtung eines Wald-Emissions-Fonds aus Geldern der internationalen Staatengemeinschaft. Papua-Neuguinea und Costa Rica hingegen hoffen auf verkaufbare Wertpapiere für ihre Bäume. Bei Thomas Paka aus Papua-Neuguinea schrillen indes sämtliche Alarmglocken. Der Leiter des „ECO-Forstforums“ kann sich nicht vorstellen, dass Emissionshandel etwas Positives bewirkt. Er sieht im Gegenteil neue Landkonflikte ausbrechen, wenn die tief korrupte Regierung Waldflächen, die sich im Gemeineigentum der örtlichen Bevölkerung befinden, als „Klimawald“ beansprucht. „Die Leute werden hungern“, warnt er. Die benachbarte indonesische Provinz Papua bereitet sich mithilfe von Umweltorganisationen auf einen Handel mit Wald-Papieren vor. Der riesige und größtenteils noch intakte Papua-Wald sei von großer Bedeutung für den Planeten und das Weltklima, sagt Gouverneur Barnabas Suebu. Er kündigt ein völliges Verbot des Holzeinschlags für den Export an: „Entwaldung ist wie Massenselbstmord.“ Warnung vor Euphorie Der Leiter des GTZ-Klimaschutzprogramms, Lorenz Petersen, warnt vor zu viel Euphorie bei den Wald- und Klimaschützern. „Es ist gar nicht so einfach, das methodisch sauber hinzukriegen“, erläutert er und fügt eine Menge offener Fragen an: Wie misst man den Kohlenstoffgehalt in einem Wald« Wie verhindert man, dass der Nachbarwald abgeholzt wird» Und schließlich: Wie garantiert man, dass der Markt der Verschmutzungsrechte nicht durch neue Papiere überschwemmt wird? „Dennoch stecken da eine Menge Hoffnungen drin“, sagt Petersen. Hintergrund: Milliarden-Hilfe nötig Um die Entwicklungsländer vor den schlimmsten Folgen des Klimawandels zu bewahren, sind nach einer Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam im Jahr mindestens 50 Milliarden Dollar (34 Milliarden Euro) nötig. Allein ein bis zwei Milliarden Dollar würden für die dringendsten Bedürfnisse der ärmsten Länder gebraucht, sagte die Autorin der Studie, Charlotte Sterrett, gestern bei der Weltklimakonferenz in Nusa Dua auf Bali. » zurück |
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