Aktuell


Bali-Konferenz (3)

Donnerstag, 6. Dezember, 04:58 Uhr
Weltklimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14. Dezember:

Arme Länder fordern Technologietransfer zum Klimaschutz

Bali (AP) Arme Länder haben auf der Weltklimakonferenz einen schnellen Technologietransfer im Kampf gegen die globale Erwärmung gefordert. Sie erklärten, sie benötigten wissenschaftliche Fachkenntnisse, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren und Energie effizienter zu nutzen. Delegierten und Aktivisten erklärten, die Industriestaaten wollten sich dagegen auf aufstrebende Länder wie China konzentrieren.

Delegationen von 190 Staaten diskutieren seit Montag über die Bedingungen für ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft. Die Industriestaaten haben sich bis auf die USA dazu verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis dahin auf einen Stand von unter fünf Prozent des Ausstoßes von 1990 zu reduzieren.


6. Dezember, 2007
Weltklimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14. Dezember:

Klimaforscher fordern radikale Maßnahmen gegen Erderwärmung

Bali/Washington (AP) In einem Appell an die Weltklimakonferenz haben mehr als 200 führende Klimaforscher radikale Maßnahmen gegen die globale Erwärmung gefordert. «Es ist keine Zeit mehr zu verlieren», heißt es in der Petition an die Regierungen der Teilnehmerstaaten, die in der Nacht zum Donnerstag am Rande der internationalen Konferenz auf der indonesischen Insel Bali vorgestellt werden sollte.

In dem Dokument, das der Nachrichtenagentur AP vorab vorlag, fordern die Wissenschaftler eine weltweite Halbierung des Ausstoßes der gefährlichen Klimagase bis 2050. Dies entspricht auch einer Forderung der Europäischen Union. Die Petition ist von rund 215 Wissenschaftlern aus 25 Ländern unterzeichnet, darunter sind mehrere Deutsche. Viele der Experten haben auch an den in diesem Jahr veröffentlichten Berichten des Weltklimarats IPCC mitgewirkt. Direkte Aufrufe zum Handeln haben viele von ihnen jedoch bisher vermieden und dies Umweltschutzaktivisten überlassen.

«Es muss gehandelt werden, und zwar jetzt», sagte die US-Klimaexpertin Marika Holland aus den USA, die zu den Unterzeichnern der bislang beispiellosen Erklärung gehört. «Je länger wir warten, desto schlimmer wird es.»

In den ersten Verhandlungsrunden bei der Weltklimakonferenz zeichnet sich unterdessen noch keine klare Linie für die angestrebte «Bali-Roadmap» ab. Delegationsteilnehmer berichteten am Mittwoch von Marathon-Gesprächen, bei denen die Ansätze der reichen und armen Länder sowie der aufstrebenden asiatischen Boom-Nationen China und Indien noch weit auseinander lägen.

Delegationen von 190 Staaten diskutieren seit Montag über die Bedingungen für ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft. Die Industriestaaten haben sich bis auf die USA dazu verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis dahin auf einen Stand von unter fünf Prozent des Ausstoßes von 1990 zu reduzieren.

Die EU hat für die «Bali-Roadmap» eine detaillierte Liste mit verbindlichen Reduktionszielen vorgelegt. Die Industrienationen sollen dabei eine Leitfunktion übernehmen, der Markt für den Handel mit Emissionszertifikaten und finanzielle Unterstützung für arme Länder ausgeweitet werden. Japan hat einen Vorschlag ohne verbindliche Vorgaben gemacht und Indien und China haben alles abgelehnt, was das rasante Wachstum ihrer Wirtschaft bremsen würde.

Begrüßt wurde allgemein die Ankündigung Australiens, nach elf Jahren doch noch dem Kyoto-Protokoll beizutreten. Damit stieg der Druck auf die USA, als einzige verbliebene große Industrienation den Widerstand gegen die bis 2012 zu erreichende Reduzierung des Schadstoffausstoßes aufzugeben.

Um die ehrgeizigen deutschen Klimaziele zu erreichen, setzt die Bundesregierung auf einen Boom für Ökostrom, klimafreundliche Heizwärme und Energiespartechnik. Das Kabinett beschloss am Mittwoch ein Energie- und Klimaprogramm mit 14 Gesetzen und Verordnungen, die bis 2020 die Treibhausgase drastisch drosseln sollen. Die Regierung will bis 2020 die deutschen Klimagase um 40 Prozent unter den Wert von 1990 drücken. Das Paket allein soll rund 36 Prozentpunkte erbringen. Damit ist es nach Darstellung der Bundesregierung das umfassendste Programm weltweit. Es soll bei der laufenden Weltklimakonferenz auf Bali andere Staaten anspornen, ebenfalls drastische Klimagas-Minderungen zuzusagen.


Münchener Rück: Erderwärmung sorgt für mehr Katastrophen

epo.de, 5.12.2007

Hamburg. - Wegen der Erderwärmung rechnet die Münchener Rückversicherung in Zukunft mit mehr wetterbedingten Katastrophen. "Bisher sehen wir nur einen kleinen Teil dieser Entwicklung", sagte der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rückversicherung, Nikolaus von Bomhard, der Wochenzeitung DIE ZEIT (Ausgabe vom 6. Dezember). Der Klimawandel sei "maßgeblich" vom Menschen verursacht und stelle eine "Riesenherausforderung" dar. Er hoffe, dass die Teilnehmer der auf Bali tagenden Weltklimakonferenz sie "sehr ernst" nehmen.

"Nicht Klimaschutz, unterlassener Klimaschutz ist teuer, und zwar um ein Vielfaches mehr", erklärte der Manager. Die Wirtschaft könne auch wachsen, "ohne dass immer mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen wird".

Von der Weltklimakonferenz erwarte er nicht nur einen Zeitplan für einen Folgevertrag zum Kyoto-Abkommen, sondern auch eine Einigung auf die wichtigsten Verhandlungsgegenstände, sagte von Bomhard. Dazu gehörten das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Wert zu begrenzen, sowie die Schaffung eines weltweiten Kohlenstoffmarktes.

Im Management sei Klimaschutz inzwischen "ein Topthema", so der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rückversicherung. Es sei noch nie so leicht gewesen, das ökologisch Vernünftige zu tun. Weil auch Politik und Wähler drängten, sei er davon überzeugt, "dass sich sehr schnell sehr viel bewegen wird", sagt Bomhard.


Klimaerwärmung: Tropen weiten sich aus

Nahrungsmittelsicherheit nicht gewährleistet

Von Wolfgang Weitlaner, pressetext.austria, 5.12.07

Die tropischen Regionen weiten sich jüngsten Studien zufolge immer weiter aus. Nun warnen Wissenschaftler ernsthaft vor den Folgen dieser Entwicklung, denn vielerorts wird dadurch die Nahrungsmittelsicherheit nicht mehr gegeben sein, berichtet BBC-Online. Zudem wächst international der Druck auf die tropischen Waldregionen, die ihrerseits nicht in die Klimaberechnungen miteinbezogen werden.

Seit 1979 hat sich der Tropengürtel zwischen zwei und 4,8 Grad geografischer Breite ausgedehnt, wie Wissenschaftler um Dian J. Seidel vom NOAA Air Resources Laboratory in Silver Spring, Maryland, in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Geoscience berichten. Beweise für diese Annahmen liefern Satellitenbilder. "Die äußeren Ränder des tropischen Gürtels sind auch die Grenzen der subtropischen Trockenzonen. Ihre Verschiebungen zu den Polen könnte zu schwerwiegenden Veränderungen in den Ökosystemen und damit auch für die menschliche Besiedlung führen", schlussfolgern die Forscher. Die Folgen wären dramatisch, denn zwischen 75 und 250 Mio. Menschen in Afrika würden 2020 deutlich weniger Wasser zur Verfügung haben. Die Niederschläge könnten sich in manchen Regionen des Kontinents um 50 Prozent verringern. Betroffen wären aber auch Süd- und Südostasien.

Geografen bezeichnen den Gürtel zwischen 23,5 nördlicher und 23,5 südlicher Breite als die Tropen. Für Klimaforscher sind die Tropen durch verschiedene andere Merkmale wie etwa den so genannten Hadley-Zellen, einem Zirkulationsmuster innerhalb der Troposphäre, gekennzeichnet. "Die Tropen sind jene Zone, wo die innertropische Konvergenzzone hinreicht", erklärt der Klimaforscher Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur in Wien im pressetext-Interview. Die Diskussion um eine solche Verschiebung der Klimazonen sei nicht neu. "Zahlreiche Studien weisen daraufhin, dass sich die Sahelzone weiter ausbreitet", so der Experte. Einen wesentlichen Einfluss auf das Klima hätten aber auch die großen tropischen Regenwälder. Verschiedene Klimamodelle in Südamerika hätten gezeigt, dass die Waldrodung im Amazonas zu einer deutlichen Abnahme der Niederschläge führt, die sogar eine komplette Austrocknung des Waldes bewirken könnte.

"Über den Bestand der afrikanischen Regenwälder gibt es derzeit relativ wenig Informationen", so Formayer. Ein Grund sei, dass dies zu wenig erforscht sei. Szenarien gehen davon aus, dass der Bevölkerungsanstieg zu einer Veränderung der Vegetation führen werde. "Der Großteil der dort lebenden Menschen betreibt Subsistenzwirtschaft. Der Druck der Nahrungsmittelproduktion wird sich auf die Waldgebiete negativ auswirken", meint der Wissenschaftler. Dazu komme noch der Bedarf an Feuerholz. In die aktuelle Klimadebatte müsse, meint Formayer, der Erhalt der Regenwälder unbedingt mit eingebracht werden. Es sei unfair von den Ärmsten zu erwarten, dass sie Regenwälder als Gratis-Leistung erhalten und ihr Land so nicht nutzbar machen. "Es muss ein System etabliert werden, das einen Geldfluss für den Erhalt der für das Weltklima so wichtigen tropischen Wälder garantiert und bei dem alle mitmachen." So könne auch eine sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln gewährleistet werden.

Im Grunde sei eine nachhaltige Landnutzungsänderung auf der Erde erforderlich. "Ein Wirtschaftssystem, das auf Nachhaltigkeit basiert und langfristig funktioniert", formuliert Formayer seine Idee für die Klimakonferenz in Bali. Doch dazu müsse man zuerst alle ins Boot holen und sie dazu bringen, dass sie mitmachen.


Mittwoch, 5. Dezember, 17:46 Uhr
Weltklimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14. Dezember:

Deutsches Aufbruchsignal an Klimakonferenz auf Bali

Berlin (AP) Als Aufbruchsignal an die Weltklimakonferenz auf Bali hat die Bundesregierung am Mittwoch ein umfangreiches Gesetzespaket beschlossen, das die deutschen Treibhausgase bis 2020 drastisch drosseln soll. Dabei setzt sie auf rasch zunehmende Nutzung von Ökostrom und Ökowärme sowie aufs Energiesparen. Bei der UN-Konferenz auf Bali gestalteten sich derweil die Gespräche schwierig. Die angestrebte «Bali-Roadmap» mit verbindlichen Reduktionszielen schien noch weit entfernt.

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, bis 2020 die deutschen Klimagase um 40 Prozent unter den Wert von 1990 drücken. Das neue Klimapaket mit 14 Gesetzen und Verordnungen allein soll rund 36 Prozentpunkte erbringen. Damit ist es nach Darstellung der Bundesregierung das umfassendste Programm weltweit. Es soll bei der Bali-Konferenz andere Staaten anspornen, ebenfalls drastische Klimagas-Minderungen zuzusagen.

«Wir machen mit dem Paket Deutschland fit für die Zukunft», sagte Umweltminister Sigmar Gabriel in Berlin. «Es ist letztlich ein Konjunkturprogramm und ein Klimaschutzprogramm.» Teils kommen damit auf Verbraucher zusätzliche Kosten zu. Zudem werden vor allem Hausbesitzern Investitionen in Milliardenhöhe abverlangt. Dafür gibt es aber auch neue Zuschüsse. Unter dem Strich sollen die Deutschen bis 2020 um fünf Milliarden Euro an Energiekosten sparen. Von Umweltschützern und Opposition kam jedoch Kritik. Das Programm sei zu zaghaft und werde sein Ziel verfehlen.

Positionen weit auseinander

Auf Bali berichteten Verhandlungsteilnehmer am Mittwoch von Marathon-Gesprächen, bei denen die Ansätze der reichen und armen Länder sowie der aufstrebenden asiatischen Boom-Nationen China und Indien noch weit auseinander lägen.

Delegationen von 190 Staaten diskutieren dort seit Montag über die Bedingungen für ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft. Alle Industriestaaten bis auf die USA haben sich darin verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis dahin gegenüber 1990 um fünf Prozent zu reduzieren.

Die EU hat für die «Bali-Roadmap» eine detaillierte Liste mit verbindlichen Reduktionszielen vorgelegt. Die Industrienationen sollen dabei eine Leitfunktion übernehmen, der Markt für den Handel mit Emissionszertifikaten und finanzielle Unterstützung für arme Länder ausgeweitet werden. Japan hat einen Vorschlag ohne verbindliche Vorgaben gemacht und Indien und China haben alles abgelehnt, was das rasante Wachstum ihrer Wirtschaft bremsen würde.

Begrüßt wurde allgemein die Ankündigung Australiens, nach elf Jahren doch noch dem Kyoto-Protokoll beizutreten. Damit stieg der Druck auf die USA. Australiens Premier Kevin appellierte an die US-Regierung, den Widerstand gegen das Abkommen aufzugeben. Alle Industrie- und Entwicklungsländer müssten Teil einer internationalen Lösung sein, sagte der sozialdemokratische Politiker der Radiosendergruppe Southern Cross.


Zerstörung der Regenwälder stoppen

4. Dezember: Diskussion über Emissionen durch Zerstörung der Regenwälder

Von Carsten Wachholz, NABU, Bali, 5.12.07

Jedes Mal, wenn ich irgendwo in Nusa Dua einen Zebrastreifen benutzen will, steht ein Polizist parat, der mit Trillerpfeife und Warnkelle den Verkehr für mich zum Stehen bringt. Vermutlich gehört auch dieser Service zur indonesischen Gastfreundschaft – oder auch einfach nur ein effektiver Beitrag, um die Verkehrssicherheit der Konferenzteilnehmer zu gewährleisten ;-)

2. Tag der UN-Klimakonferenz

Am Morgen des 2. Tages der UN-Klimakonferenz beginnen die offiziellen Sitzungen erst ab 10 Uhr. Ab 9 Uhr bin ich im Konferenzcenter, um mich über die Ergebnisse und Einschätzungen zum Vortag zu informieren. Das UNFCCC-Sekretariat sorgt täglich für eine Zusammenfassung, die irgendwann in der Nacht freigegeben und in die offiziellen UN-Sprachen übersetzt werden müssen, um rechtzeitig morgens verteilt werden zu können. Daneben gibt es diverse Medienservice sowie einen Newsletter des Climate Action Networks (CAN). Außerdem muss ich noch über meinen Tagesablauf anhand des „Daily Programme“ entscheiden. Viel Lesestoff vor Konferenzbeginn also.

Heute steht hauptsächlich REDD auf meinem Programm – Reducing Emissions from Deforestation in Developing Countries (auf Deutsch: Reduzierung von Emissionen aus der Zerstörung von Wäldern in Entwicklungsländern). In der offiziellen Plenumssitzung nehmen über eine Stunde lang die Delegierten u.a. aus Brasilien, Kolumbien, Bolivien, Panama, der Schweiz, der EU, Malaysia, Norwegen, Tanzania, Russland, Australien, Liberia, Papa Neuguinea, Kongo, Philipinen und Sri Lanka Stellung. Danach haben auch die Weltnaturschutzunion (IUCN) und CAN die Gelegenheit, ein Statement abzugeben. Ergebnis: Die Detailfragen werden an eine Kontaktgruppe, geführt von Norwegen und Argentinien, delegiert, die bis Montag eine Vorlage mit Schlussfolgerungen zur Entscheidung erarbeiten muss.

Side-Events

In der Mittagspause präsentiert Greenpeace International seine Erkenntnisse und einen Vorschlag zur Ausgestaltung des REDD-Regimes. Dazu muss ich mal wieder den Tagungsort wechseln – die Busse sind überfüllt, also begleite ich einen österreichischen Delegationsteilnehmer, der den Fußweg am Strand entlang kennt. Nach einer halben Stunde stehen wir beide schweißgebadet vor der Sicherheitsschleuse. Mit dem Fahrrad hätten wir wenigstens Fahrtwind zur Abkühlung gehabt...

Abends gibt es ein Side-Event von BirdLife International, wo Wald-Projekte unserer Partnerorganisationen in Sierra Leone, Paraguay und Indonesien vorgestellt werden. Die Vielzahl an Wortmeldungen im Plenum, an Nebenveranstaltungen und anwesenden Organisationen unterstreichen die hohe Bedeutung des Themas Waldschutz für die künftige Klimapolitik. Im Allgemeinen gibt es auch eine große Unterstützung, diesen Punkt mit einem Vorschlag zur weiteren Ausgestaltung der Verhandlungen in das Abschlussdokument der Bali-Konferenz aufzunehmen. Inhaltlich gibt es dagegen eine Vielzahl von Bedenken und unterschiedlichen Auffassungen, wie REDD funktionieren kann und was es leisten soll.

Aktivitäten für den Schutz der Regenwälder

Ich will hier nur kurz einige wenige Punkte anreißen: Es gibt seit vielen Jahren internationale Bemühungen, die Zerstörung der tropischen Regenwälder zu stoppen. Die Ursachen, die Instrumente und der Erfolg sind in den betroffenen Ländern sehr unterschiedlich. Klar ist, dass sich das erforderliche Finanzvolumen nicht über die öffentlichen Haushalte alleine aufbringen lässt. Deshalb sollen die Industrieländer über den globalen Emissionshandel dafür bezahlen, dass die Entwicklungsländer mit einer effektiveren Waldpolitik den Ausstoß von Treibhausgasemissionen verringern, indem die Zerstörung von tropischen Regenwäldern deutlich gebremst oder sogar gestoppt wird. Das funktioniert aber nur, wenn es künftig gelingt, einen hohen Preis für den Ausstoß an Treibhausgasen im sogenannten „Carbon Market“ zu realisieren.

Der Preis hängt wesentlich von den Reduktionszielen der Industrieländer ab, die aber noch nicht feststehen. Je stärker sie ausfallen, desto höher wird die Nachfrage nach Emissionszertifikaten sein, die durch Klimaschutzprojekte (z.B. Energieeffizienz, Erneuerbare Energien aber evtl. künftig auch durch vermiedene Entwaldung) auch in anderen Ländern erworben werden können. Je nachdem wie das REDD-System ausgestaltet wird, können extrem viele Zertifikate den Markt überschwemmen und den Preis zusammenbrechen lassen. Das künftige Klimaregime muss aber beides leisten: Deutliche Reduktion von Treibhausgasen in den Industrieländern und effektive Anreize für Entwicklungsländer, die weitere Abholzung ihrer tropischen Regenwälder zu verhindern.

Neben der vielen offenen Fragen gibt es aber auch schon konkrete Vorschläge, wie ein solches System eingeführt werden kann. Viele Länder wie z.B. Indonesien bereiten sich bereits heute darauf vor und treffen nationale Regulierungen zum Waldschutz. Aufgrund der hohen Unsicherheiten für den Carbon Market, ist aber bisher nicht klar, ob auch andere kohlenstoffreiche Ökosysteme wie Moore, Feuchtgebiete und Grünland von einem solchen System profitieren könnten. Die Diskussion mit den BirdLife-Partnern und Experten für den Emissionshandel setzen wir abends bei einem gemeinsamen Abendessen fort.







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