Aktuell


Bali-Konferenz (4)

7. Dezember, 2007

Gute Noten für Deutschland im Klimaschutzindex

Nusa Dua (dpa) - Die Klimaschutzleistungen in Deutschland sind im internationalen Vergleich hervorragend. Die Bundesrepublik machte in einem neuen Klimaschutzindex gegenüber dem Vorjahr zwei Plätze gut und landete hinter Schweden auf dem zweiten Platz.

Das berichtete die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch am Freitag bei der Weltklimakonferenz in Bali. Sie berücksichtigt für den Index neben den klimaschädigenden Treibhausgasemissionen auch den Emissionstrend und die Klimapolitik.

«Was die Politik angeht, kommt Deutschland sogar auf den ersten Platz», sagte Jan Burck von Germanwatch auf Bali, selbst ohne Berücksichtigung des neuen Klima- und Energieprogramms der Bundesregierung. Deutschland habe vor allem Punkte durch Initiativen beim EU-Frühjahrsgipfel und beim G8-Gipfel in Heiligendamm gewonnen, sagte Burck. Auch der Emissionstrend sei erfreulich. Allerdings sei das Niveau mit rund zehn Tonnen pro Kopf noch hoch.

Keines der Länder könne sich auf den Lorbeeren ausruhen, warnt die Organisation. «Kaum ein Staat ist auf dem Weg, den wir brauchen, um insgesamt die globale Temperaturerhöhung unter zwei Grad zu halten und eine globale Klimadestabilisierung zu vermeiden», sagte Matthias Duwe, Europa-Direktor des Klima-Netzwerks CAN.

Die schlimmsten Klimasünder unter den 56 Ländern, die zusammen 90 Prozent der Emissionen ausmachen, sind Saudi Arabien, die USA und Australien. Sie erhielten in allen drei Sparten schlechte Noten. Sieben der weltweit größten Emittenten liegen auf den hinteren Plätzen. Unter den ersten zehn sind Mexiko, Indien und Brasilien, mit erfreulichen Emissionstrends und guter Klimaschutzpolitik. China liegt wegen seiner hohen Emissionen und eines hohen Emissionstrends auf Platz 40.

Germanwatch wertet statistische Daten zu Emissionen und Trends aus und lässt die Klimapolitik von Umweltgruppen in den einzelnen Ländern beurteilen. Für Deutschland nahmen neun Experten die Bewertung vor.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Verständigung auf gemeinsame Maßnahmen gegen den Klimawandel als schwerste Herausforderung bezeichnet, die je auf internationaler Bühne behandelt wurde. Ein Scheitern sei dabei jedoch keine Option, sagte Ban am Donnerstag (Ortszeit) vor Journalisten in New York. Und diese Herausforderung «erreicht ihren schwersten Punkt schon jetzt», erklärte der UN-Generalsekretär mit Blick auf die Weltklimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali, wo ein Folgeabkommen für das Kyoto- Klimaschutzprotokoll unter UN-Mandat auf den Weg gebracht werden soll.

Angestrebt wird eine neue Vereinbarung bis 2009, damit den beteiligten Ländern Zeit zur Ratifizierung gegeben werden kann. Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. «Das lässt uns nur zwei Jahre Zeit, einen der kompliziertesten multilateralen Verträge, der jemals in Angriff genommen wurde, zu verhandeln», sagte Ban. Er wird am Samstag bei der Konferenz auf Bali erwartet.


Auch die Klassenbesten bekommen nur durchschnittliche Noten

Germanwatch und CAN-Europe präsentieren den Klimaschutz-Index 2008

Germanwatch Pressemitteilung, 7.12.07

Bali, 7.12.07. Mit zwei Dritteln der möglichen Punkte landet Schweden im aktuellen Klimaschutz-Index 2008 wie im vergangenen Jahr zwar auf dem ersten Platz. Aber von Spitzenleistungen im Klimaschutz kann selbst beim diesjährigen "Klassenbesten" keine Rede sein: "Schweden profitiert von seinem vergleichsweise niedrigen Emissionsniveau, zeigt aber insbesondere in den Bereichen Politik und Trend nur mittelmäßige Leistungen," kommentiert Jan Burck, Verantwortlicher für den Klimaschutz-Index bei der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch. Der Durchschnitt der Politikbewertungen liegt bei 3,9 auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (sehr schlecht). In der Top Ten der Rangliste konnten einige EU-Staaten wie Deutschland, Ungarn und Großbritannien ihre Führungsrollen halten. Besonders beachtlich ist jedoch auch, dass sich mit Mexiko, Indien und Brasilien bedeutende Schwellenländer auf den vorderen Plätzen befinden.

Deutschland holt in der aktuellen Wertung um zwei Plätze auf und liegt nun als Zweiter in der Rangliste direkt hinter Schweden. Hauptgrund für die sind die Anstrengungen im internationalen Klimaschutz während des EU-Frühjahrsgipfels und des G8-Gipfels. Die nationalen Klimapolitiken der im Index vertretenen Länder wurden von den befragten Experten allerdings fast durchgehend als nicht ausreichend bewertet. "Leider befinden sich sieben der weltweit größten CO2-Emittenten zwischen den Plätzen 40 und 55 auf der Rangliste." Die schlimmsten Klimasünder sind die Länder Saudi Arabien, USA und Australien. "Diese drei Staaten weisen alle ein sehr hohes Emissionsniveau, einen schlechten Emissionstrend und gleichzeitig eine absolut unzureichende Politik auf." Nach dem jüngsten Politikschwenk in Australien wird es spannend sein zu sehen, wie das Land im kommenden Jahr seine Position verändern wird.

Die Analyse der einzelnen Indikatoren - Emissionsniveau, Emissionstrends und Klimapolitik - zeigt deutlich, dass die Staatengemeinschaft weit davon entfernt ist, ihrer Verantwortung im Klimaschutz gerecht zu werden. "Kaum ein Staat ist auf dem Weg, den wir brauchen, um insgesamt die globale Temperaturerhöhung unter zwei Grad zu halten und eine globale Klimadestabilisierung zu vermeiden," stellt Matthias Duwe, Direktor des Klima-Netzwerks CAN-Europe, fest.

Ein gemischtes Bild zeigt das Abschneiden der großen Schwellenländer in der Indexbewertung. Bei Mexiko schlagen eine sehr konstruktive internationale und nationale Klimapolitik sowie relativ erfreuliche Emissionstrends positiv zu Buche. Bei Indien sind es vor allem das noch sehr niedrige Emissionsniveau und eine positivere Bewertung der Klimapolitik in den letzten Monaten. China liegt aufgrund eines deutlich höheren Emissionsniveaus und eines hohen Emissionstrends auf Platz 40, also erheblich weiter hinten. Das Land ist aber wegen seiner ernsthaften Anstrengungen bezüglich Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien sowie wegen eines signifikanten Umschwungs in der nationalen Klima- und Umweltpolitik in den letzten beiden Jahren um vier Plätze nach vorne gesprungen. "Chinas relativ positive Politikbewertung macht Hoffnung, dass in Zukunft die Emissionen dort langsamer steigen werden," erklärt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

Der jährlich von Germanwatch und CAN-Europe veröffentlichte Klimaschutz-Index vergleicht die Klimaschutzleistungen von 56 Industrie- und Schwellenländern, die zusammen für mehr als 90 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Er erscheint in diesem Jahr zum dritten Mal und wurde zum Klimagipfel in Bali mit den neuesten verfügbaren Daten aktualisiert. Er ermöglicht einen fundierten Ländervergleich, weil er nicht nur auf der Basis von Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) die Höhe der klimaschädigenden Emissionen eines Landes berücksichtigt - diese fließen mit einem Gewicht von 30 Prozent in die Indexberechnung ein -, sondern gerade auch die Emissionstrends stark gewichtet (50 Prozent) und die Klimapolitik der Länder (20 Prozent) beurteilt. Eine Befragung nationaler Experten ergänzt den quantitativen Teil des Indexes und beurteilt die nationale wie internationale Klimapolitik der beteiligten Staaten im Detail. Die renommierte Rating-Agentur oekom research nutzt den Index für ihre Finanzmarkt-Ratings.


Donnerstag, 6. Dezember, 17:15 Uhr

USA wollen sich nicht zu Treibhausgas-Senkung verpflichten

Nusa Dua/Brisbane (AFP) - Die USA wollen sich trotz wachsenden internationalen Drucks auch künftig nicht zu verbindlichen Klimaschutzzielen verpflichten. "Unsere Position ändert sich nicht", sagte der Chef der US-Delegation beim Weltklimagipfel auf Bali, Harlan Watson. Die US-Umweltorganisation NET kritisierte den Treibhausgas-Ausstoß der mächtigsten Industrienation der Welt: Fast jeder einzelne US-Bundesstaat stoße mehr klimaschädliches CO2 aus als 50 Entwicklungsländer zusammen. Der neue australische Premierminister Kevin Rudd ruderte bei den Klimaschutz-Zusagen seines Landes wieder zurück.

Die USA würden sich im Rahmen der Weltklimaverhandlungen nicht zu tiefen Einschnitten beim Treibhausgas-Ausstoß verpflichten, betonte Watson in Nusa Dua. Daran ändere weder ein entsprechender Vorstoß des Umweltausschusses im US-Senat etwas noch das Vorhaben Australiens, das Klimaschutz-Protokoll von Kyoto zu ratifizieren. Statt dessen hoffe sein Land darauf, 2008 bei den von US-Präsident George W. Bush initiierten Beratungen von 17 wichtigen CO2-Emittenten eigene Reduktionszahlen präsentieren zu können.

Der Umweltausschuss des von der Demokratischen Partei dominierten US-Senats hatte am Mittwoch für einen Gesetzesvorschlag zur Einführung verpflichtender Obergrenzen für den Treibhausgas-Ausstoß der heimischen Industrie gestimmt. Wird die Vorlage zum Gesetz, könnte der Treibhausgasausstoß des US-Industriesektors bis 2050 um bis zu 70 Prozent verringert werden. Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, begrüßte diese Initiative auf Bali ausdrücklich.

Der Organisation NET zufolge blasen 42 der US-Bundesstaaten - jeder für sich genommen - mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre als 50 Entwicklungsländer zusammen. Bei drei US-Bundesstaaten bringe es jeder einzelne von ihnen sogar auf soviel CO2 wie hundert Entwicklungsländer zusammen. Die 24 Millionen Bewohner von Bushs Heimatstaat Texas verursachten alljährlich 696 Millionen Tonnen CO2 und damit mehr als Großbritannien mit 60 Millionen Einwohnern.

Unterdessen lehnte der neue australische Regierungschef Rudd in Brisbane verbindliche Klimaschutz-Zusagen zur Treibhausgas-Senkung um 25 bis 40 Prozent binnen zwölf Jahren ab. Er widersprach damit seiner Delegation auf Bali, derzufolge Australien ein solches Reduktionsziel für die Industrienationen unterstützt.

Dabei ist laut einer Studie der Umweltschutzorganisaton WWF schnelles Handeln vonnöten: Demnach wird der Amazonas-Regenwald durch den Klimawandel noch schneller zerstört als ohnehin befürchtet. "Wenn es nicht gelingt, dem Kahlschlag und der globalen Erwärmung wirksam zu begegnen, werden schon bis 2030 rund 55 Prozent des größten Regenwaldgebiets der Erde Feuer, Dürre und Holzeinschlag zum Opfer fallen", warnten die Umweltschützer.


Streit um Recht auf Verschmutzung der Welt

Von Thomas Seifert, Die Presse, 6.12.07

Wien/Bali. 8885 Kilometer südlich von Wien ist der Klimawandel deutlich spürbar und bedroht die Existenz der Menschen. „Seit 2000 klettern die Temperaturen kontinuierlich nach oben. In diesem Jahr aber war es wärmer als jemals zuvor. Das ist nicht das übliche saisonale Wetter. Der Regen bleibt aus, in der extremen Hitze verdörrt der gerade auskeimende Mais“, erzählt der „World-Vision“-Mitarbeiter Wonderboy Kuhmalo aus Swasiland gestern, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz im Café Landtmann.

Die Ernte, so Kuhmalo sei – vor allem in Folge des Wassermangels – um 80 Prozent zurückgegangen. Der ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesende „World Vision“ Swasiland-Mitarbeiter Bongani Msibi: „Von der Weltklimakonferenz in Bali erwarten wir einen Entwicklungsplan für das südliche Afrika. Denn wir erleiden die Klima-Folgen im ganzen Land.“

CO2-Reduktion um 40 Prozent?

Der Klimawandel rückt bei vielen humanitären Organisationen ins Zentrum: Der Weltentwicklungsbericht 2007 ist dem Thema gewidmet, in dem Papier der Weltentwicklungsorganisation UNDP wird gefordert, dass die weiter entwickelten Länder ihre internationale Hilfe erhöhen, „um weniger entwickelten Ländern dabei zu helfen, sich den Auswirkungen anzupassen, die gefährdete Bevölkerungsteile dort bereits zu spüren bekommen.“ Außerdem müssten die wohlhabenden Länder einschneidende Senkungen der Emissionen vornehmen und sich damit „ihrer Verantwortung für die Emissionen der Vergangenheit stellen“, so der Text des UNDP-Papiers.

Bernhard Obermayr, Klima-Experte bei Greenpeace und Delegierter bei der Klimakonferenz auf Bali, berichtet der „Presse“ am Telefon: „Indien hat sich zum Sprecher einer Gruppe von Entwicklungsländern gemacht. Deren Position: Solange die Industrieländer ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, werden sich auch die Entwicklungsländer nicht bewegen.“ China verlangt ebenfalls mehr Engagement von Seiten der Industrieländer und will neue Emissionsgrenzen für die westlichen Länder: Diese sollen sich ein Kohlendioxid (CO2)-Reduktionsziel von 25 bis 40 Prozent auferlegen. Peking hat damit erstmals das Prinzip verbindlicher Emissionsgrenzen akzeptiert. Eine Schlüsselposition beim Klimagipfel auf Bali nimmt Deutschland ein: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel vertritt die Position, dass es gleiche Rechte auf die Nutzung der Atmosphäre geben soll.

Indien überzeugt Deutschland

Der indische Premier Manmohan Singh konnte Merkel beim G8-Gipfel in Heiligendamm von diesem Prinzip überzeugen. Singh versuchte dort, der deutschen Kanzlerin klar zu machen, dass Indien einem zukünftigen globalen Klimareglement nur dann zustimmen könne, wenn die niedrigen Pro-Kopf-Emissionen von Entwicklungsländern, wie etwa Indien Berücksichtigung finden.

Setzt jetzt in Bali das Feilschen darum ein, wer die Atmosphäre bis zu welchem Grad verschmutzen darf? Für Indien wäre ein Klima-Deal auf pro-Kopf-Basis vorteilhaft: Denn das Land emittierte 2004 nur 1,02 Tonnen CO2 pro Einwohner, während der durchschnittliche Weltbürger rund 4,18 Tonnen in die Atmosphäre blies (EU: 10,5 Tonnen). Doch auch Indien mit seinen rund 800 Millionen in Armut lebenden Menschen hat ein Interesse an einem Klima-Deal. Denn Indien ist schon heute von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen.

China, so Alex Evans, Experte am New York University Center on International Cooperation, in einem Forschungsbericht, ist mit dem indischen Vorschlag nicht glücklich. Denn China emittierte 2004 rund 3,65 Tonnen CO2 und liegt damit viel näher am Weltdurchschnitt, den es schon 2008 überschreiten könnte.

Der Streit, wie es nach 2012, wenn das Kyoto-Protokoll ausläuft, weitergehen soll, geht weiter: Die USA lehnen bisher Emissionsobergrenzen generell ab, die Entwicklungsländer wollen Obergrenzen nur für die Industrienationen.

Die EU – die dieser Forderung der Dritten Welt zustimmt – könnte einen Kompromiss herbeiführen, „doch es mangelt derzeit an Leadership“, wie ein Konferenzteilnehmer der „Presse“ mitteilt.


Donnerstag, 6. Dezember, 16:08 Uhr

UNO rechnet mit Millionen neuer Jobs durch Klimawandel

Nairobi (AFP) - Der Klimawandel könnte nach Einschätzung der Vereinten Nationen Millionen neuer Jobs schaffen. Das sagte der Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, mit Blick auf einen noch unveröffentlichten Bericht. Deutschland wird der Studie zufolge 2020 über mehr Jobs im Bereich der Umwelttechnologien als in der Automobilindustrie verfügen. In den USA entstanden demnach allein 2005 mehr als 5,3 Millionen Jobs in der Umweltindustrie - zehnmal so viel wie in der Pharmaindustrie.

Beim Klimawandel würden meist die Kosten betont, kritisierte Steiner. Die immensen Chancen auf Jobs würden kleingeredet. Der Bericht über "grüne Jobs" der UNEP, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Internationalen Gewerkschaftsvereinigung (ITUC), wird kommendes Jahr veröffentlicht.

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Roland Berger für das Bundesumweltministerium und das Bundesumweltamt liegt das globale Marktvolumen für Umweltschutztechnik bei mehr als 1000 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 könnten es demnach sogar 2200 Milliarden Euro sein.


Donnerstag, 6. Dezember, 14:52 Uhr
Weltklimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14. Dezember:

Am Samstag gehen für fünf Minuten die Lichter aus

Frankfurt/Main (AP) Bei einer Klimaschutz-Aktion sollen am kommenden Samstag für fünf Minuten bundesweit die Lichter ausgehen. Ein Bündnis aus «Bild»-Zeitung und den Umweltorganisationen BUND, Greenpeace und WWF hat zum Weltklimatag (8. Dezember) dazu aufgerufen, sich an der Aktion «Licht aus! Für unser Klima» zu beteiligen. An möglichst vielen Orten sollen von 20.00 bis 20.05 Uhr die Lichter ausgeschaltet werden. Mit ihrer symbolträchtigen Aktion ernteten die Verantwortlichen aber auch Kritik: So befürchten Energieexperten, das Vorhaben könne zu einem flächendeckenden Stromausfall führen.

Die großen Netzbetreiber machen sich schon Gedanken, wie sie sich auf den plötzlichen Abfall der Stromlast im Leitungssystem vorbereiten können, wie die Tageszeitung «Die Welt» berichtet. «Wir finden eine symbolische Aktion zum Klimaschutz eigentlich toll», sagte Klaus Kleinekorte, Geschäftsführer von RWE Transportnetz Strom, dem Blatt. «Aber wenn zu viele Menschen mitmachen, drohen ernste Gefahren für das gesamte europäische Stromnetz, in dem Stromerzeugung und Stromverbrauch permanent im Gleichgewicht gehalten werden müssen.»

Einige Sorge bereite den Betreibern auch, dass sich immer mehr Großverbraucher an der Licht-aus-Aktion beteiligen wollen, darunter auch die Konzernzentralen von Telekom, T-Mobile, BMW, Porsche und Bosch. Auch weltberühmte Bauten wie das Brandenburger Tor in Berlin, der Kölner Dom oder das Schloss Neuschwanstein sollen für fünf Minuten im Dunkeln stehen.

Sollte trotz aller Gegenmaßnahmen eine größere Überlast bestehen, «würden die automatischen Sicherungssysteme dafür sorgen, dass Übertragungsleitungen und damit auch großflächig Netzkunden abgeschaltet werden», sagte Joachim Vanzetta, Leiter der RWE-Netzzentrale. «Ein möglicherweise großflächiger Stromausfall ist dann nicht mehr auszuschließen», sagte er. Berechnungen der RWTH Aachen ergaben dem Bericht zufolge, dass bei etwa zehn Millionen teilnehmenden Haushalten eine Gefahr für die Netzstabilität droht.

NABU veranstaltet eigene Aktion - «Müssen mehr tun»

Mitmachen kann laut den Veranstaltern von der Klimaschutz-Kooperation «Rettet unsere Erde» jeder: Alle Privathaushalte, aber auch Städte, Gemeinden, Unternehmen, Verbände und Organisationen sollen ab 20.00 Uhr für fünf Minuten Zimmer-, Landschafts- oder Weihnachtsbeleuchtungen abschalten. Für die Sicherheit notwendiges Licht bleibe natürlich eingeschaltet. Der TV-Sender ProSieben will am Samstag live darüber berichten.

Mit einer eigenen Aktion will der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemeinsam mit anderen Organisationen für mehr Klimaschutz werben. «Fünf Minuten Licht aus fürs Klima mag vielleicht Symbolcharakter haben. Doch wir können und müssen mehr tun», teilte der NABU am Donnerstag mit. Deswegen sollten die Bürger im Rahmen der Aktion «Licht an! Aber richtig» die fünf Minuten Dunkelheit nutzen und daheim herkömmliche Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzen und möglichst rasch auf Ökostrom umsteigen.

Das von der Bundesregierung am Mittwoch verabschiedete Klimapaket «reicht noch lange nicht, um die deutschen Klimaziele zu erreichen», erklärte die Organisation. Auf der Internetseite licht-an.info soll es zudem möglich sein, eine Protestmail an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu schreiben.

http://www.lichtaus.info

http://www.licht-an.info


Donnerstag, 6. Dezember, 02:46 Uhr

Klima-Aktion «Licht aus!» kann zu europaweitem Stromausfall führen

Berlin (ddp). Die für den kommenden Samstag geplante Klimaschutzaktion «Licht aus! Für unser Klima» gefährdet einem Zeitungsbericht zufolge die Stabilität des Stromnetzes und kann bei einer sehr großen Teilnehmerzahl zu einem europaweiten Stromausfall führen. Nach Informationen der Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstagausgabe) bereiten sich die großen Netzbetreiber RWE und E.ON bereits auf den plötzlichen Abfall der Stromlast im Leitungssystem vor.

Die Umweltschutz-Organisationen Greenpeace, BUND und WWF haben die Bevölkerung in Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu aufgerufen, am 8. Dezember, dem »Weltklimatag«, zwischen 20.00 Uhr und 20.05 Uhr das Licht aus zu schalten. Der Aufruf wird von der »Bild«-Zeitung, dem Fernsehsender ProSieben und dem Internetportal Google unterstützt.

Sorge bereitet den Netzbetreibern insbesondere, dass sich immer mehr Großverbraucher der Lichtaus-Aktion anschließen wollen, darunter die Konzernzentralen von BMW, Porsche, Bosch, Deutscher Telekom und T-Mobile. Auch soll die Außenbeleuchtung zahlreicher berühmter Bauwerke für fünf Minuten ausgestellt werden, etwa beim Kölner Dom, dem Berliner und dem Erfurter Dom, beim Schloss Neuschwanstein, beim Heidelberger Schloss, dem Brandenburger Tor, der Alten Oper und bei der »Zeil« in Frankfurt am Main.

»Bleibt nach all den Gegenmaßnahmen eine größere Überlast bestehen, würden die automatischen Sicherungssysteme dafür sorgen, dass Übertragungsleitungen und damit auch großflächig Netzkunden abgeschaltet werden«, sagte Joachim Vanzetta, Leiter der RWE Netzzentrale in Brauweiler. »Ein möglicherweise großflächiger Stromausfall ist dann nicht mehr auszuschließen.«

Wissenschaftler sehen diese Sorgen als berechtigt an: »Ganz unkritisch ist das Unterfangen nicht - alles hängt davon ab, wie viele Menschen mitmachen«, sagte Stefan Tenbohlen vom Institut für Energieübertragung und Hochspannungstechnik der Universität Stuttgart.

Nach Berechnung von Hans-Jürgen Haubrich, dem Leiter des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der RWTH Aachen, droht bei etwa zehn Millionen teilnehmenden Haushalten Gefahr für die Netzstabilität.


7. Dezember, 2007
Weltklimakonferenz auf Bali 3. bis 14. Dezember:

Kurz vor dem Start schon Geschichte

Berlin (AP) Die Erleichterung war groß, als die Delegierten am Morgen des 11. Dezember 1997 endlich die Füller zur Unterschrift zücken durften. Zweieinhalb Jahre hatten sich die Staaten der Welt gestritten, reiche und arme, mächtige und halbstarke, bis im japanischen Kyoto das erste internationale Klimaschutzabkommen mit verbindlichen Pflichten zur Minderung der gefährlichen Treibhausgase ausgehandelt war.

Zum zehnten Jahrestag scheint das Kyoto-Protokoll nun schon fast Geschichte. Seit dieser Woche wird auf Bali über ein umfassendes, viel ehrgeizigeres Nachfolgeabkommen verhandelt. Kurios ist dabei auch, dass das Protokoll offiziell noch gar nicht wirkt. Die «erste Verpflichtungsperiode» beginnt erst im kommenden Jahr und endet 2012.

Die Industriestaaten, die in Kyoto eine Minderung der sechs schlimmsten Treibhausgase um 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 zusagten, nahmen sich nicht nur viel Zeit für die Verhandlungen. Sie gaben sich auch mehr als zehn Jahre Vorlauf, um die Kehrtwende bei den Emissionen zu schaffen. Vielleicht zu viel. Denn bislang passierte wenig.







» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Sa, 30.08.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^