Aktuell


Bali-Konferenz (5)

Montag, 10. Dezember, 14:31 Uhr
Weltklimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14. Dezember

Wieczorek-Zeul mahnt Industrieländer

Bali (AP) Vor der heißen Phase der UN-Klimakonferenz auf Bali hat Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul die Industrieländer aufgefordert, Klimaschutz und Entwicklungshilfe zu verknüpfen. «Wir sind der Auffassung, das gehört zusammen», sagte die Entwicklungsministerin am Montag. Es dürfe keine Mittelverschiebung weg von der Entwicklungshilfe geben. Davor hätten auch die armen Länder große Sorge.

Wieczorek-Zeul bekräftigte auf Bali die deutschen Verhandlungsziele bei der Weltklimakonferenz. Ab Mittwoch versuchen dort die Minister, Ergebnisse unter Dach und Fach zu bringen. Die EU wünsche sich für die Industrieländer konkrete Reduktionsziele, sagte Wieczorek-Zeul. Die Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad solle als Ziel festgeschrieben werden. Und die Schwellenländer - vor allem Indien und China - müssten sich zu ihrer Verantwortung bekennen.

Auf Bali verhandeln seit einer Woche Beamte und Fachleute über den Weg zu einem neuen weltweiten Klimaabkommen für die Zeit nach 2012. Dann läuft das Kyoto-Protokoll aus, in dem sich die Industrieländer zu einer Verminderung ihrer Treibhausgas-Emissionen um fünf Prozent unter den Wert von 1990 verpflichtet haben. Das neue Abkommen soll frühestens 2009 fertig sein. Auf Bali geht es um einen «Fahrplan» und Leitplanken für die Verhandlungen in den kommenden zwei Jahren.


11. Dezember, 2007

Deutsche Delegation dämpft Erwartungen an Weltklimakonferenz

Berlin (ddp). Die deutsche Delegation hat die Erwartungen an die Weltklimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali gedämpft. «Das Problem ist so groß, dass es unredlich ist, innerhalb von 14 Tagen eine Lösung zu erwarten», sagte der Leiter der deutschen Delegation, Karsten Sach, am Dienstag dem RBB-Sender radioeins.

Er rechne nicht damit, dass man sich in Bali auf verbindliche Prozentzahlen zur Begrenzung der CO2-Emission einige. «Wir sind jedoch der Auffassung, dass wir eine klare Orientierung für die Verhandlungen geben müssen, und unterstützen die vom IPCC festgelegte Spanne zwischen 25 und 40 Prozent», sagte Sach.

Nach wie vor seien die USA nicht bereit, sich auf verbindliche Zahlen festzulegen. Zwingen könne man die Amerikaner aber nicht. Die Deutschen würden auf Bali als Vorkämpfer in Sachen Klimaschutz wahrgenommen.


Montag, 10. Dezember, 15:56 Uhr

Erfolg von Klimaverhandlungen bleibt ungewiss

London (AFP) - Vor den entscheidenden Verhandlungen auf Ministerebene bleibt ein Erfolg der UN-Klimakonferenz auf Bali ungewiss. In einem neuen Entwurf für das angestrebte Verhandlungsmandat für ein neues Klimaschutzabkommen, der am Konferenzort Nusa Dua bekannt wurde, tauchten konkrete Zielvorgaben nicht mehr auf. Gegen solche Vorgaben wenden sich besonders die USA. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die derweil in Nusa Dua eintraf, forderte eine stärkere Einbeziehung von Schwellen- und Entwicklungsländern. Sie lobte in diesem Zusammenhang die konstruktive Rolle Chinas.

In dem neuen Mandatsentwurf fehlte der in einer früheren Version noch in der Einleitung enthaltene Hinweis, wonach die Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen verglichen mit dem Stand von 1990 um 25 bis 40 Prozent reduzieren sollten. In Verhandlungskreisen hieß es dazu allerdings, Entscheidungen würden ohnehin erst in den Gesprächen der Minister ab Mittwoch fallen. Die Delegationen aus mehr als 180 Staaten beraten bis Freitag über ein Mandat für ein Folgeabkommen zum Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft.

Wieczorek-Zeul sagte zur Rolle der Entwicklungs- und Schwellenländer: "Wir werden nur erfolgreich sein, wenn diese Länder mitziehen." Sie deutete eine mögliche Erhöhung deutscher Entwicklungsgelder zugunsten des Klimaschutzes an. Hier seien "Steigerungen möglich". Bislang hat die Bundesregierung auf der Klimakonferenz 120 Millionen Euro aus Erlösen des Emissionshandels angeboten. Dazu kommen 2008 noch 800 Millionen Euro für Klimaschutz aus dem Etat des Entwicklungsministeriums.

Auch die Umweltorganisation Germanwatch lobte die konstruktive Rolle Chinas in den Verhandlungen. Erstmals sei China zu Vereinbarungen über rechtlich verpflichtende Maßnahmen bereit, sagte der Politische Geschäfsführer Christoph Bals. Auch er drängte darauf, konkrete Ziele im Kampf gegen den Klimawandel zumindest im angestrebten Verhandlungsmandat zu benennen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wird am Dienstag auf Bali erwartet. Er forderte in der britischen "Financial Times" die Industriestaaten zu konkreten Zusagen für Finanzhilfen an Entwicklungsländer auf, um sie bei der Anpassung an die globale Erwärmung zu unterstützen. Am Montag berieten auf Bali auch Finanzminister überwiegend aus Entwicklungsländern über finanzielle Folgen der Erderwärmung.


Montag, 10. Dezember, 09:23 Uhr

Gabriel will Finanzzusagen reicher Staaten für Klimaschutz

London (AFP) - Vor Beginn der entscheidenden Tagungswoche der UN-Klimakonferenz auf Bali hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) die Industriestaaten zu konkreten Finanzzusagen im Kampf gegen den Klimawandel aufgefordert. Die reichen Länder müssten beim Thema Klimawandel auch über Geld sprechen und den Entwicklungsländern konkrete Finanzhilfen für die Anpassung an die globale Erwärmung versprechen, sagte Gabriel der britischen Zeitung "Financial Times". Andernfalls drohten die Entwicklungsländer das Vertrauen in den Handlungswillen der Industriestaaten zu verlieren.

Gabriel kündigte an, Deutschland werde den ärmeren Länder Hilfen in Höhe von 120 Millionen Euro für die Entwicklung fortschrittlicher Technologien und die Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung stellen. Der Minister forderte zudem klare Resultate der Bali-Konferenz: Die internationale Öffentlichkeit werde "ein vages Verhandlungsmandat" nicht akzeptieren. "Wir brauchen klare Ziele für die Emissionsverringerung um zu wissen, in welche Richtung wir gehen."

Delegationen aus mehr als 180 Staaten beraten auf der indonesischen Insel Bali noch bis Freitag über ein Verhandlungsmandat für ein neues weltweites Klimaschutz-Abkommen. Das bislang geltende Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Ab Mittwoch finden die Verhandlungen offiziell auf Ministerebene statt. Bereits heute treffen sich Finanzminister oder ihre Stellvertreter aus 37 Ländern zu ersten informellen Gesprächen. Als erste deutsche Ministerin wird Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) in Bali erwartet. Gabriel folgt am Dienstag, er wird für die Bundesregierung die Federführung der weiteren Verhandlungen übernehmen.


11. Dezember, 2007
Weltklimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14. Dezember

Gabriel fordert Klimaziele für Industrieländer

Bali (AP) Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat die Industrieländer bei der UN-Klimakonferenz aufgefordert, sich zu einer Verminderung ihrer Treibhausgase um 25 bis 40 Prozent bis 2020 zu bekennen. «Ich glaube, ohne klare Erklärung können wir uns nicht nach Hause trauen», sagte der SPD-Politiker am Dienstag auf Bali.

Allerdings fügte er an: «Ich glaube, dass es in den nächsten Stunden und Tagen zu erheblichen Konflikten kommen wird.» Denn die USA und andere Länder lehnen solche Zielvorgaben im Schlussdokument der Bali-Konferenz strikt ab. Als Kompromisslinie ließ Gabriel durchblicken, dass man nur allgemein auf die Erkenntnisse der Klimaforschung hinweisen könnte, ohne die Zahlen zu nennen. Die Wissenschaft wiederum fordert die genannte Emissionsminderung von 25 bis 40 Prozent, so dass das von der EU gewünschte Ziel letztlich fixiert wäre.

Außerdem werde noch über zwei weitere Punkte gestritten werden, sagte Gabriel voraus: zum einen, wie die Einbindung der Schwellenländer in den internationalen Klimaschutz formuliert wird und zum anderen die Regeln für den Technologietransfer von reichen in arme Länder.

Das so genannte Ministersegment der UN-Konferenz - die heiße Phase - beginnt am (morgigen) Mittwoch. Ziel ist ein «Mandat» für Verhandlungen über ein neues weltweites Klimaabkommen in den kommenden zwei Jahren. In dieser «Bali Roadmap» sollen aus Sicht der EU bereits «Leitplanken» festgeschrieben werden, unter anderem die angestrebte Verminderung der Treibhausgase in den Industrieländern.

Mit dem bisherigen Verlauf der Konferenz zeigte sich Gabriel trotz allem zufrieden. «Es gab offenbar deutlich mehr Bewegung als zunächst gedacht», sagte der Minister.


REDD: Waldschutz für das Klima

Von Daniel Lingenhöhl, Spektrum direkt, 10.12.07

Brasilien Platz 4, Indonesien Platz 3 - vor allem die Brandrodung ihrer Regenwälder treibt diese beiden Staaten unter die weltweit größten Kohlendioxid-Erzeuger. Nun sollen auf der Weltklima-Konferenz auf Bali Wege gefunden werden, den Raubbau an den globalen Wäldern zu bremsen oder gar zu stoppen: zum Wohle des Klimas.

Ein ganzes Fünftel der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen ließe sich vermeiden, wenn die Weltgemeinschaft nicht mehr jedes Jahr zwischen 15 und 20 Millionen Hektar Wald zusätzlich in Ackerland oder Viehweiden umwandeln würde. Jeweils mehr als zehn Prozent gehen davon auf das Konto von Indonesien und Brasilien, wo ursprünglicher Regenwald abgebrannt wird, um Platz zu schaffen für neue Plantagenflächen für Soja oder Ölpalmen beziehungsweise für Viehweiden. Zugleich fallen die Ökosysteme als Kohlendioxid-Senke aus, da das neu entstandene Nutzland deutlich weniger Kohlenstoff langfristig speichert.

Auf der anderen Seite weisen die Staaten mit großen Waldbeständen wohl zu Recht darauf hin, dass sie sich entwickeln dürfen, auch wenn dies auf Kosten ihrer Urwälder geht: Schließlich habe der Norden auch jahrhundertelang auf seine Natur keine Rücksicht genommen, weshalb er dies nun nicht von den Ländern des Südens erwarten könne - zumindest nicht ohne entsprechend lukrative Kompensationen. Dieser Handel bildet auf der dritten Weltklima-Konferenz auf Bali einen der wichtigsten Diskussionspunkte auf dem Weg zu einem neuen Klimaschutzabkommen, das ab 2012 das alte Kyoto-Protokoll ablösen soll. In Kyoto selbst fand Entwaldung und Schutz der entsprechenden Naturräume noch keinen Eingang ins Vertragswerk, was viele Ökologen und Ökonomen kritisieren, da es keine Anreize bietet, die Abholzung zu reduzieren.

Unter dem Titel REDD (Reduce Emissions from Deforestation in Developing Countries) wird nun auf Bali nach Möglichkeiten gesucht, wie das Klima und wichtige Waldnationen gemeinsam von Schutzaktionen der verbliebenen Wälder profitieren können. Erstmals eingebracht wurden entsprechende Ideen 2005 von Costa Rica und Papua-Neuguinea, die beide noch einen hohen Regenwaldanteil an der Landesfläche aufweisen oder unter Schutz gestellt haben beziehungsweise deren Bewaldung wieder zunimmt. Auch Brasilien, Indonesien sowie verschiedene zentralafrikanische Staaten fordern adäquate Ausgleichszahlungen.

Zur Debatte steht unter anderem ein sehr einfaches Schema, nach dem den Entwicklungsländern die Waldflächen als so genannte Kohlenstoff-Kredite gutgeschrieben werden, die sie an die Industrieländer oder einzelne Unternehmen verkaufen können - etwa wenn diese sehr viel Kohlendioxid produzieren. Statt entsprechend teurer Emissionszertifikate, wie sie in der Europäischen Union gehandelt werden, oder Einspar-Technologien können sie einen Teil der Aufwendungen in den Regenwaldschutz investieren. Möglich wäre zudem ein Schuldenerlass, sodass die Schuldner nicht weiter gezwungen sind, Holz oder Plantagenprodukte zu veräußern. Die Empfänger verpflichten sich wiederum, ihre Ökosysteme strenger zu schützen und der Entwaldung Einhalt zu gebieten.

Was auf dem Papier aber relativ einfach klingt, steht in der Praxis vor hohen Hürden: Weder ist ausreichend bekannt, wie viel Kohlendioxid ein bestimmtes Ökosystem wie lange speichert, noch gibt es gegenwärtig Standards für die Kohlenstoff-Kredite. So gilt es beispielsweise eine Überflutung des europäischen Zertifikate-Handels zu verhindern, da dies Einspar-Anstrengungen der heimischen Industrie konterkarieren könnte. Brasilien wendet diesbezüglich auch ein, dass Waldschutz kein Freibrief für die Industrienationen sein dürfe, auf eigene Verbrauchsbeschränkungen zu verzichten. Zudem müssten eingesetzte Finanzmittel auch an der Basis ankommen: jenen Menschen, die für eigenes Überleben dringend auf Waldprodukte angewiesen sind - auch hier liegt noch keine Machbarkeitsstudie vor.

Ebenfalls ungeklärt sind noch Maßnahmen, mit denen verhindert werden kann, dass einmal mit Kohlenstoff-Krediten geschützter Wald tatsächlich langfristig nicht angetastet wird. Illegale Abholzung gilt schon heute als sehr ernsthafte Bedrohung von Schutzgebieten in vielen Teilen der Tropen. Außerdem müsse vermieden werden, dass sich Rodungen von einer Region, die bereits an einem möglichen Handel teilnimmt, auf Gebiete verlagert, die noch außen vor sind, so beteiligte Wissenschaftler.

Ungeachtet der politischen Händel auf Bali nehmen einige Regionen mit hohem Regenwaldanteil an der Landesfläche die Dinge bereits selbst in die Hand: Die indonesischen Provinzen West-Papua und Aceh sowie der brasilianische Bundesstaat Amazonien unterzeichneten am Rande der Tagung ein Abkommen, das bereits ein Vorgriff auf zukünftige Kohlenstoff-Kredite ist - als ersten Schritt haben sie ein Moratorium erlassen, das Abholzungen untersagt, bis der Wert ihrer Wälder und ihre Senkenwirkung erfasst sind.


Positive Halbzeitbilanz beim Weltklimagipfel auf Bali

Deutsche Delegation zuversichtlich

BMU Pressemitteilung, 9.12.07

Zum Schluss der ersten Verhandlungswoche hat der Leiter der deutschen Delegation, Dr. Karsten Sach, eine verhalten positive Zwischenbilanz gezogen. Er betonte besonders die konstruktive Atmosphäre der Gespräche und zeigte sich zuversichtlich für die kommende Woche. Ab Mittwoch werden die Verhandlungen der knapp 190 Staaten auf Ministerebene fortgeführt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel wird dann die deutsche Delegation leiten.

"Die erste Woche war von konstruktiven Beratungen geprägt", sagte Sach. Der Beitritt Australiens zum Kyoto-Protokoll unmittelbar vor Beginn der Konferenz auf Bali habe den Verhandlungen einen positiven Impuls gegeben. Die Notwendigkeit gemeinsamer Maßnahmen zum Klimaschutz werde offenbar weltweit anerkannt. Als positives Zeichen wertet die deutsche Delegation die Haltung Chinas. Das Land habe zum ersten Mal Verhandlungen über zusätzliche eigene Verpflichtungen anerkannt. Zugleich habe China aber einen verstärkten Technologietransfer durch die Industrieländer eingefordert.

Sach zeigte sich zuversichtlich, dass das Ziel der Bali-Konferenz, ein Mandat für Verhandlungen zu einem neuen Klimaschutzabkommen in der Nachfolge des Kyoto-Protokolls, erreicht werden könne. Ziel ist, das neue Abkommen im Jahr 2009 zu verabschieden, damit es 2013 nach dem Ablauf der ersten Phase des Kyoto-Protokolls in Kraft treten kann. Die Europäische Union strebt einen ehrgeizigen Nachfolgevertrag an, in dem das Ziel benannt wird, die Emissionen der Industriestaaten bis zum Jahr 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber dem internationalen Basisjahr 1990 zu begrenzen.


USA zündeln am Klimapapier

Bush-Regierung heizt UNO-Gipfel auf

Schweizer Fernsehen Tagesschau, 10.12.07

Bei der UNO-Klimakonferenz auf Bali haben sich die USA geweigert, konkrete Vorgaben für eine Reduktion der Treibhausgase zu vereinbaren. Bei der Debatte um den Entwurf für ein Verhandlungsmandat machte US-Delegationsleiter Harlan Watson die nordamerikanische Position unmissverständlich klar.

Watson lehnte einen Passus in einem Diskussionspapier ab, das in zwei Jahren zu einem Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll führen soll. Im Protokoll hatten die Industrieländer vor zehn Jahren vereinbart, ihren Treibhausgasausstoss bis 2012 um mindestens 5 Prozent zu reduzieren - verglichen zu 1990.

Entwurf inhaltlich entschärft

Im Entwurf für das Nachfolgeabkommen wird vorgeschlagen, dass die Industrieländer sich am Ziel orientieren sollten, ihren Ausstoss von Treibhausgasen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent unter den Stand von 1990 verringern. In der jüngsten Fassung fehlen nun diese Reduktionsziele.

Während die EU weiter für deren Verankerung sei, seien neben den USA auch noch andere Länder wie Kanada oder Japan dagegen, hiess es aus Delegationskreisen. Die Delegierten bereiten die Verhandlungen auf Ministerebene vor, die am Mittwoch beginnen.

USA bevorzugen allgemeinen Verweis

Die USA seien in Bali «konstruktiv» mit bei den Verhandlungen dabei, sagte Watson. Sie wollten auch, dass sich die Konferenz für einen «Fahrplan» zum weiteren Verhandlungsprozess mit einem Abschluss im Jahr 2009 verständige.

Dazu könne es einen allgemeinen Verweis auf «ein global gemeinsames Ziel» geben. Allerdings dürfe in diesem Stadium des Anfangs von Verhandlungen «der mögliche Ausgang der Verhandlungen nicht schon vorweg bestimmt werden».

Ablenkung vom Verhandlungsprozess

Dagegen sagte der Chef des UNO-Klimasekretariats, Yvo de Boer, dass es auch für die nötigen Investitionen in «saubere und klimafreundliche Technologien» wichtig sei, dass es möglichst frühzeitig Signale über Treibhausgas-Minderungen gebe.

Umweltschützer warfen den USA vor, sie wollten die UNO-Konferenz blockieren. Sie versuchten, vom Verhandlungsprozess abzulenken, indem sie auf ihrer eigenen Initiative mit separaten Klimagesprächen beharrten.

Im September in Washington sei beim Treffen der 16 Länder, die 80 Prozent der Emissionen verursachen, nichts herausgekommen. «Das hat nur das Potenzial, den Teilnehmern die Energien zu rauben - dieses ist das Gegenteil von Kooperation, dies sind Anzeichen von Blockade», sagte David Doniger von der US-Umweltorganisation «Natural Resources Defense Council».

Lob für China

Im Gegensatz zu den USA erhielt China Lob von Umweltschützern. Obwohl das Land wie die USA das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet hat, wurde die konstruktive Rolle Chinas in den Verhandlungen gelobt.

Erstmals sei China zu Vereinbarungen über rechtlich verpflichtende Massnahmen bereit, sagte der Politische Geschäfsführer Christoph Bals der Umweltorganisation Germanwatch.

Insgesamt bemängelten Umweltschützer, dass die Konferenz bislang deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibe. Dies gelte vor allem für die Weitergabe von Technologie und die Zusagen für Finanzhilfen an Entwicklungsländer.


Klimaschutz ist wichtig, auch aus Eigeninteresse

CO2-Sparen bedeutet auch Energiesparen: Die Klima-Konferenz in Bali muss deshalb ein Erfolg werden.

Von Martin Kugler, Die Presse, 11.12.07

Heute exakt vor zehn Jahren wurde in der japanischen Stadt Kyoto ein Vertrag unterschrieben, der die Welt verändern sollte: Im „Kyoto-Protokoll“ haben sich die reichen Industriestaaten dazu verpflichtet, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 (Kohlendioxid) bis zum Jahr 2012 um fünf Prozent unter den Wert von 1990 zu senken. Dieser Vertrag hatte von allen UN-Umweltabkommen, die jemals abgeschlossen wurden, sicherlich die dramatischsten Konsequenzen. Kaum ein Lebensbereich ist nun vom Klimaschutz ausgespart: vom Heizen bis zur Versorgung mit Nahrungsmitteln, vom Autoverkehr bis zur öffentlichen Beleuchtung, von der Abfallwirtschaft bis hin zum Kraftwerksbau.

Bei der laufenden UN-Klimakonferenz in Bali soll eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll gefunden werden. Dieses tritt im Jahr 2012 außer Kraft, alle auf dem UN-Vertrag basierenden Maßnahmen – vom CO2-Handel bis zur Beschränkung des CO2-Ausstoßes von Autos – würden ohne neues Abkommen in der Luft hängen.

Zur Halbzeit der Konferenz sind nun die Ausgangspositionen bezogen – und diese sind ganz ähnlich wie vor zehn Jahren: Nicht alle Industriestaaten ziehen an einem Strang – manche, allen voran die USA, sehen eine Schädigung ihrer Wirtschaft im globalen Wettbewerb. Die Schwellenländer wollen ihren Aufholprozess nicht gestört wissen, sie lehnen deshalb die Festlegung verbindlicher CO2-Limits ab. Und die ärmsten Länder sehen überhaupt nicht ein, warum sie etwas tun sollten, solange die reichen Staaten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.

Immerhin: Alle 190 Verhandlungsparteien betonen, an einem „Post-Kyoto“-Abkommen interessiert zu sein. Das ist die Folge einer grundlegenden Veränderung im letzten Jahrzehnt: Ende der 1990er-Jahre wurden die Erkenntnisse der Klimaforscher von einer breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Nun gibt es eine erdrückende Zahl von Indizien, Hinweisen und kausalen Erklärungen, die das Leugnen eines Effekts des menschlichen Handelns auf das Weltklima schwer machen. Ein medialer „Hype“ hat dafür gesorgt, dass die Öffentlichkeit sensibilisiert ist.

Zudem ist das Kyoto-Protokoll zur Basis einer gigantischen weltweiten Industrie geworden: Allein der jährliche Handel mit CO2-Zertifikaten geht in die Milliarden, gar nicht zu reden von dem ungeahnten Boom der Umwelttechnik – von dem übrigens auch Österreich profitiert. Die Industrie- und Finanzwelt ist deshalb neben Umweltschützern zu einem wesentlichen Treiber für einen neuen Klima-Vertrag geworden.

Am Wochenende wurde ein erster Entwurf für „Post-Kyoto“ vorgelegt. Dieser hat allerdings einen wesentlichen Schönheitsfehler: Er hat keine Chance auf Verwirklichung. Sowohl die USA als auch China – diese Staaten sind noch vor der Europäischen Union die größten CO2-Emittenten der Welt – lehnen verbindliche Reduktionsziele ab. Im Entwurf ist von einer Absenkung des CO2-Ausstoßes um 25 bis 40 Prozent bis zum Jahr 2020 die Rede (gegenüber 1990). Die Verhandler müssen sich deshalb andere Wege einfallen lassen.

Eine versprechende Idee sind globale „Benchmarking“-Systeme: Anhand von Maßzahlen werden dabei ganze Industrie-Branchen bewertet. Die, die CO2 sparen, sollen dann besser behandelt werden als Unternehmen, die die Umwelt stärker belasten. Dann wäre zumindest das schlimmste Problem des Kyoto-Protokolls behoben. Derzeit muss beispielweise ein europäisches Stahlwerk, das expandieren will, viel Geld für den Kauf von CO2-Zertifikaten ausgeben. Verlagert es die Produktion nach Indien oder China, kann es unbegrenzt CO2 in die Atmosphäre blasen – noch dazu mit viel billigerer Technik.

Wesentlich für ein neues Abkommen sind die Schwellen- und Entwicklungsländer: Diese müssen leichteren Zugang zu modernen Energie-Technologien bekommen, etwa durch eine Senkung der Zölle. Die USA schließlich werden sich bewegen – nach dem Untergang von New Orleans und der Sprit-Verteuerung ist Klimaschutz ein wichtiges Thema im Präsidentschafts-Wahlkampf geworden.

Allen, die dem Klimaschutz gegenüber skeptisch eingestellt sind, sei jedenfalls eines ins Stammbuch geschrieben: Klimaschutz dient im Endeffekt allen – unabhängig davon, ob man an den Klimawandel „glaubt“ oder nicht. CO2-Sparen heißt nämlich gleichzeitig Energiesparen. Und die Sicherheit der künftigen Energieversorgung ist fraglos eine der größten Herausforderungen der Zukunft. Alle Maßnahmen, die einen sorgsameren Umgang mit fossiler Energie bewirken, sind deshalb positiv – und sei es nur deshalb, weil auch die eigene Geldbörse entlastet wird.


Sonntag, 9. Dezember, 16:54 Uhr

Verzicht auf Licht

Berlin (ddp). Mit einem kurzzeitigen Verzicht auf Licht haben am Samstagabend in Deutschland viele Menschen ihren Wunsch nach mehr Klimaschutz zum Ausdruck gebracht. Die von Umweltschutzorganisationen ins Leben gerufene Aktion stand unter dem Motto: «Licht aus! Für unser Klima». Am Samstagabend um 20.00 Uhr ging an Sehenswürdigkeiten wie dem Brandenburger Tor in Berlin, Schloss Neuschwanstein in Bayern, der Dresdner Frauenkirche, dem Hamburger Rathaus und dem Kölner Dom für fünf Minuten das Licht aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem «starken Signal». Zwar könne eine Energiesparaktion «nur ein Symbol» darstellen. Dies zeige aber, dass es an jedem Einzelnen liege, zum Klimaschutz etwas beizutragen. Das Energiesparen müsse eine «Alltagsübung» werden.

Auch Privathaushalte und Unternehmen waren aufgerufen, das Licht für einige Minuten auszuschalten. Die Stromabschaltungen blieben für die Netze ohne negative Folgen, wie die Stromversorger RWE, Vattenfall und E.ON mitteilten. «Es gab Stromschwankungen, aber die Frequenz ist stabil geblieben», sagte RWE-Sprecher Marian Rappl.

Vattenfall erklärte, Stromschwankungen seien ausbalanciert worden. Im Netz des nordostdeutschen Versorgers wurde ein Rückgang im Stromverbrauch von 250 Megawattstunden registriert. Das entspreche einer Stromabschaltung der gesamten Stadt Halle. Energie-Experten hatten befürchtet, das Stromnetz könnte wegen der Aktion zusammenbrechen.

Der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, sagte, mit der Aktion werde jedem bewusst: «Es ist ernst, es ist sehr ernst, wir müssen alle gemeinsam handeln.» Angesichts der derzeit laufenden Klimaschutzkonferenz auf Bali sei es «wichtig, dass man auch der Politik zeigt: Hier machen viele mit».

Mehrere Tausend Menschen protestierten am Wochenende in Berlin und Nordrhein-Westfalen überdies gegen neue Braunkohlekraftwerke. Rund 3000 Menschen zogen in Grevenbroich vor das im Bau befindliche Braunkohlekraftwerk. Redner kritisierten die hohen Treibhausgas-Emissionen der Kraftwerke. In Berlin demonstrierten nach Angaben der Veranstalter rund 5000 Menschen und mahnten zukunftsweisende Ergebnisse von der Konferenz auf Bali an. Auf Bali beraten bis zum 14. Dezember Experten und Politiker aus mehr als 180 Ländern über ein Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Klimaprotokolls.

Der deutsche Delegationsleiter auf Bali, Karsten Sach, sagte, die erste Konferenzwoche sei «von konstruktiven Beratungen geprägt» gewesen. Der Beitritt Australiens zum Kyoto-Protokoll vor Beginn der Konferenz habe den Verhandlungen einen positiven Impuls gegeben. Als positives Zeichen zu werten sei auch die Haltung Chinas. Das Land habe zum ersten Mal Verhandlungen über zusätzliche eigene Verpflichtungen anerkannt.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck machte sich derweil für eine deutsche Vorreiterrolle beim Klimaschutz stark. Man werde das Klima «nicht allein in Deutschland retten können», doch sei dies «kein Grund, auf andere zu warten». Klimaschutz gelinge nur mit einem «weltweiten Umschalten auf Effizienz und erneuerbare Energien». Das sei auch eine Chance für die deutsche Wirtschaft, mit innovativen Produkten neue Märkte zu gewinnen.


Ein globaler Erfolg: Klimaaktionstag

Von Viktoria Thumann, Greenpeace-Online, 10.12.07

Es sollte ein Apell an die Regierungsvertreter auf Bali sein, die globalen Klimaschutzmaßnahmen zu verstärken. Rund hunderttausend Menschen sind weltweit anlässlich des globalen Klimaaktionstags auf die Straße gegangen. Ob in Deutschland, Schweden, Neuseeland, Ungarn oder Luxemburg: Den Menschen liegt etwas an ihrem Klima.

Etwa zehntausend Menschen waren es in Deutschland, die für besseren Klimaschutz demonstrierten. Zentrale Kundgebungen gab es in Berlin und Neurath bei Düsseldorf. In Neurath, dort wo das größte Kohlekraftwerk Europas gebaut werden soll. Denn speziell für die Bundesrepublik gilt die zentrale Forderung, den Bau neuer Kohlekraftwerke zu stoppen. Anders kann hierzulande der CO2-Ausstoß bis 2020 nicht um 40 Prozent verringert werden.

In Berlin führte ein Demonstrationszug zur Kundgebung am Brandenburger Tor. Dort sprachen unter anderem die indische Umweltaktivistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva, die Bischöfin Dr. Margot Käßmann von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und Roland Hipp von Greenpeace. Sie betonten die Dringlichkeit sofortigen Handelns, machten auf die Folgen des Klimawandels für die Menschen im Süden aufmerksam und forderten, dass Klimaschutz vor den Profitinteressen großer Unternehmen stehen müsse.

Zeitgleich sind noch in mindestens 14 weiteren deutschen Städten Aktionen durchgeführt worden, darunter München, Nürnberg, Freiburg und Heidelberg. Deutschland hat sich zum ersten Mal am Klimaaktionstag beteiligt, nie zuvor sind hier Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gegangen.

So zeigt sich auch Klimaexperte Andree Böhling zufrieden: Der Klimaaktionstag in Deutschland war ein erfreulicher Auftakt für eine entstehende Klimabewegung in diesem Land.

Die Idee zum globalen Klimaaktionstag entstammt dem Jahr 2005. Damals fand er das erste Mal anlässlich der Klimaverhandlungen in Montreal statt. Dieses Jahr verhandeln parallel Politiker aus 190 Ländern auf Bali über ein Nachfolgeprotokoll von Kyoto.

Um diese zu erreichen, waren auch außerhalb Deutschlands tausende Menschen aktiv - in über 80 Ländern. So formten in Neuseeland auf einer Wiese 500 Menschen den Schriftzug Climate SOS. Auf den Philippinen gab es eine Eneuerbare Energien Parade und in Thailand wurden die Menschen von Greenpeace eingeladen, in einer mit erneuerbaren Engergien betriebenen Klimaklinik ihren persönlichen CO2-Fußabdruck zu berechnen.

Die erste Bilanz dieses Klimaaktionstags ist positiv. Es bleibt zu hoffen, dass das Singal bei den Politikern auf Bali angekommen ist.


Montag, 10. Dezember, 14:37 Uhr

Friedensnobelpreis an Gore und Pachauri übergeben

Oslo (AP) Der amerikanische Umweltpolitiker Al Gore und der Vorsitzende des Klimarats der Vereinten Nationen, Rajendra Pachauri, haben am Montag in Oslo den Friedensnobelpreis entgegen genommen. Sie erhielten die Auszeichnung für ihre Aufklärungsarbeit zu den Gefahren des Klimawandels und ihren Einsatz, Bewusstsein für die Notwendigkeit eines ökologischen Umsteuerns zu schaffen.

«Wir, die menschliche Art, sind mit einem planetarischen Notstand konfrontiert: einer Bedrohung für das Überleben der Zivilisation, die unheilvolles und zerstörerisches Potenzial auch in dem Augenblick ansammelt, in dem wir uns hier treffen», sagte Gore in einem vor der Zeremonie verbreiteten Redetext. «Es ist Zeit, Frieden mit dem Planeten zu schließen.» Der frühere US-Vizepräsident appellierte vor allem an die USA und China als weltgrößte Schadstoffproduzenten, «kühnste Schritte» einzuleiten. Andernfalls würden sie von der Geschichte dafür zur Verantwortung gezogen, nichts getan zu haben. Gores Worte schienen sich an die Weltklimakonferenz in Bali zu richten, wo die Verhandlungen über eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Abkommen eingeleitet werden sollen.

Von Wechsel in der US-Klimapolitik überzeugt

Gore sagte vor der Zeremonie, er sei davon überzeugt, dass der nächste Präsident der USA eine andere Klimapolitik machen werde als George W. Bush. «Der neue Präsident, welche Partei auch immer die Wahl gewinnt, wird wahrscheinlich die Haltung zur Klima-Krise ändern. Ich glaube, die USA werden bald eine konstruktivere Rolle spielen.»

Bush hat die Unterschrift zum Kyoto-Protokoll verweigert und lehnt verbindliche Vorgaben für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes ab. Gore sagte, er habe an Bush appelliert, den Kurswechsel bereits in seiner verbleibenden Amtszeit einzuleiten.

Der Friedensnobelpreis ist mit 10 Millionen Schwedischen Kronen (1,6 Millionen Euro) dotiert. Die Ausgezeichneten erhalten zudem ein Diplom und eine Goldmedaille.


Frühling auf Bali?

Von Anja Franzenburg, Greenpeace-Online, 10.12.07

Blumen sagen mehr als 1000 Worte: Hakon, dreijähriger Sohn des Klimaexperten Truls Gulowsen von Greenpeace Norwegen, hat Al Gore anlässlich der heutigen Friedensnobelpreisverleihung in Oslo eine Blume überreicht. Normalerweise blüht die Wild Wood Anemone im April - Hakon hat sie im Dezember gefunden. Während auch in Europa die ersten Zeichen des Klimawandels sichtbar werden, beginnt auf der indonesischen Insel Bali die zweite und entscheidende Woche der Klimakonferenz.

Die Blume symbolisiert für Gulowsen zweierlei Dinge: "Sie bestätigt, dass das Klima und die Natur schwer gestört sind. Man kann sie aber auch als Symbol für einen neuen Frühling im Kampf gegen den Klimawandel sehen." Ob es einen Aufbruch seitens der Regierungen geben wird, wird die noch bis Freitag andauernde Weltklimakonferenz zeigen.

Diese Woche reisen die Minister an, um über das Kyoto-Nachfolgeabkommen zu verhandeln. "Wir wollen auf Bali keine Minister mit Reden hören, die sie vor zwei Jahren geschrieben haben", fordert Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. "Bis Ende der Woche muss ein Weg mit konkreten Zielen und Maßnahmen vereinbart werden, um den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen - verglichen mit dem vorindustrielellen Niveau."

Ein Knackpunkt der Verhandlungen ist auch die Entwaldung unseres Planeten. 20 Prozent der globalen Treihausgasemissionen entstehen durch Waldrodungen - mehr als durch den weltweiten Autoverkehr. Urwaldschutz sei daher auch Klimaschutz, erklärt Smid und fordert, dafür nötige Finanzierungsinstrumente zu entwickeln.

Erstmals treffen sich auch Finanzminister, um Gespräche darüber zu führen, wie Klimaschutz und Wirtschaft zu vereinbaren sind. "Wer jetzt nicht in erneuerbare Energien und Energieeffizienz investiert, wird mit horrenden Kosten bestraft", erklärt Smid. "Der ökonomische Schaden eines ungebremsten Klimawandels, beispielsweise in Form von Überflutungen oder Ernteausfällen, wäre um ein Vielfaches höher als die Kosten, die jetzt entstehen, um den Planeten lebenswert zu erhalten."


Sonntag, 9. Dezember, 10:10 Uhr

«Wir müssen das Paradies bewahren»

Kimbe Bay/Papua-Neuguinea (AP) Vor Urzeiten haben die Menschen die Gewässer der Kimbe Bay vor der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel New Britain gemieden. Die Bucht war ihnen unheimlich. Für die Inselbewohner waren es die «unantastbaren Gewässer». Sie fürchteten sich vor Geistern, die sich in den Korallenhöhlen verborgen halten könnten oder vor einem Riesenoktopus, der unter Wasser lauert. Heute sind es Wissenschaftler, die - von einer neuen Angst getrieben - das malerische Taucherparadies im Südpazifik zu einer Verbotszone erklären wollen.

Von der Karibik bis zum Indischen Ozean und dem mittleren Pazifik haben die globale Erwärmung und die ansteigenden Wassertemperaturen der Meere zu einem Ausbleichen und Sterben der Korallenriffe geführt. Und hier in der Kimbe Bay und dem umliegenden Meeresdreieck, das sich von Indonesien über die Philippinen bis hinunter zu den Salomon-Inseln erstreckt, könnte es eines Tages die letzten Korallenbestände gegen.

«Das Korallen-Dreieck muss überleben, das ist enorm wichtig», sagte der australische Meeresbiologe Charlie Vernon, ein weltweit anerkannter Experte für Riffkorallen. Das Dreieck sei Zentrum der Artenvielfalt bei den Meereslebewesen. In der Region sind mehr als die Hälfte der weltweiten Korallenbestände angesiedelt, und es finden sich dort 75 Prozent der mehrere hundert zählenden Korallenarten. In den Gewässern ist die Hälfte aller Korallenfischarten beheimatet, die es weltweit gibt.

Über die Zeitläufe hinweg habe das «Korallen-Dreieck» seine Artenvielfalt über die ganze Welt verteilt, sagte Vernon in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP am Rande des Weltklimagipfels auf der indonesischen Insel Bali. Mit anderen Worten: die Region ist die Heimat der Korallen.

Zusammen mit anderen Wissenschaftlern und Umweltschutzgruppen will Vernon die Korallenbestände in der Kimbe Bay retten. Der ehrgeizige Plan sieht unter anderem die Einrichtung von 15 Schutzzonen in der 8.500 Quadratkilometer großen Bucht im Bismarck-Archipel vor. Es ist eines der ersten Projekte zur Schaffung von Meeresschutzzonen unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels. In den sechs bis 620 Quadratkilometer großen Zonen sollen das Fischen und andere Aktivitäten verboten oder eingeschränkt werden. Die Organisatoren des Projekts sind dabei auf die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden angewiesen, und das ist nicht immer einfach.

Die Koralle ist ein fragiler Organismus

Eine der Umweltschutzgruppen die federführend an dem Projekt arbeitet, ist die in den USA ansässige Organisation Nature Conservancy. «Kimbe Bay ist ein Paradies. Und unsere Aufgabe ist es, dieses Paradies zu bewahren», sagte eine junge Mitarbeiterin der Organisation, Annisah Supal, nachdem sie einen Journalisten auf einer morgendlichen Tauchtour in der Bucht begleitet hatte. Unter Wasser wird die paradiesische Pracht voller Regenbogenfarben erst richtig sichtbar. Nicht zuletzt deshalb gehört die Kimbe Bay mittlerweile zu den beliebtesten Zielen von Tauchern. An anderen Orten sind die Korallen als Folge der Erwärmung und von Krankheiten bereits verschwunden.

Die Riffkoralle ist ein fragiler Organismus, ein winziges polypenartiges Tier, das eine Schale aus Kalziumkarbonat um sich herum aufbaut und in einer Symbiose mit Algen lebt. Erhöhte Wassertemperaturen stellen eine Gefahr für die Algen dar, die auf den Korallenriffen leben und zu ihrem Wachstum beitragen. Sterben die Algen ab, so bleiben die Korallen aus. Wenn sich dieser Vorgang mehrfach wiederholt, stirbt das gesamte Korallenriff. Schon eine Erhöhung der Wassertemperatur um ein Grad Celsius kann dieses Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.


Sonntag, 9. Dezember, 19:52 Uhr

Forscher fordert weltweites System für Klimabeobachtung

Kiel (dpa) - Der Kieler Ozeanograph Martin Visbeck fordert die Einrichtung eines weltweiten Klimainformationssystems. Nur so könnten die vielen noch offenen Fragen über den Klimawandel verlässlich beantwortet werden.

Das schreibt der stellvertretende Direktor des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in einem Kommentar der Fachzeitschrift «Nature Geosciences» (online vorab).

Laut Visbeck besteht vor allem bei regional erhobenen Daten erheblicher Nachholbedarf. Fragen wie die nach dem Steigen des Meeresspiegels in Kiel, der Abschwächung des Golfstroms und dem Kohlenstoffdioxid-Ausstoß der Ozeane könnten derzeit nicht ausreichend beantwortet werden. Die etwa alle fünf Jahre veröffentlichten Klimareporte des Weltklimarates reichten dafür nicht aus, so der Meereswissenschaftler.

Es gehe besonders darum, die gewonnenen Erkenntnisse zügig an die Entscheidungsträger weiterzuleiten, denn der Klimawandel mache eine Anpassung an die Veränderungen notwendig. In Deutschland soll in den nächsten Jahren ein Zentrum für Klimaservice entstehen. Die Kieler Forscher wollen mit dem Aufbau des «Kiel Earth Institute» einen Beitrag dazu leisten.


Mit Geheimdienstmethoden und losen Kanonen

Von Axel Bojanowski, STERN, 10.12.07

Wie bringt man seine Widersacher zur Erschöpfung? Was ist der "Beichtstuhl"? Und warum können russische Delegierte zur "losen Kanone" werden? stern.de sprach mit Hermann Ott vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie über taktisches Geschick beim Klimagipfel auf Bali.

Im großen Sitzungssaal der Bali-Verhandlungen haben in den vergangenen Tagen Tausende von Delegierten miteinander debattiert. Wie funktioniert so etwas?

Die Debatten im großen Saal sind eher Showveranstaltungen, auf denen die Positionen der Teilnehmer vorgestellt werden.

Und wo wird richtig verhandelt?

Es gibt hier 36 Kontaktgruppen, in denen die strittigen Fragen erörtert werden und in denen es mitunter auch zu heftigem Streit kommt. Die wirklich bedeutenden Verhandlungen finden aber bei solchen Konferenzen meist in noch kleineren Zirkeln in den Fluren und in den Hinterzimmern statt.

. Kann an diesen Gesprächen jeder Konferenzbesucher teilnehmen?

Nein, selbst Delegierte erfahren es häufig nicht, wenn solch ein Treffen stattfindet.

Wer kommt denn dann?

Es sind meist die so genannten „Freunde des Vorsitzenden“, also Vertraute der Verhandlungsleiter, die hohes Ansehen genießen. Können sie keine Entscheidung herbeiführen, treffen sich die ranghöchsten Politiker, die anwesend sind; auf Bali sind das die Umweltminister. In den letzten Stunden einer solchen Konferenz sind üblicherweise auch die Regierungschefs in der Heimat für Rücksprachen telefonisch erreichbar.

Mancher Minister findet sich auf dem "Beichtstuhl" wieder.

Ja, wenn der Konferenzvorsitzende auf Bali ist das der indonesische Umweltminister Rachmat Witoeler hochrangige Teilnehmer in Einzelgesprächen ins Gebet nimmt, sprechen wir vom "Beichtstuhl".

Trotz solch individueller Vorbehandlung gehen die entscheidenden Debatten oft bis in die Morgenstunden. Ist man dann überhaupt noch entscheidungsfähig?

Konzentration, Nerven und Aussprache leiden, das lässt sich nicht leugnen. In solchen Situationen treten aber auch schon mal Verbrüderungserscheinungen zwischen den Teilnehmern auf. Denn alle eint die Hoffnung auf den baldigen Schlussapplaus.

Manche Staaten nutzen die Entkräftung ihrer Gegner aus. Sie tauschen ihre Delegierten gegen Mitternacht aus, so dass sie frischer sind.

Einige verzögern die Verhandlungen gezielt, um ihre Widersacher zur Erschöpfung zu bringen. Doch es ist für jeden Delegierten von Vorteil, die ganze Zeit dabei zu sein, um kein Detail zu verpassen. Man entwickelt dann ein besseres Gefühl für die anderen Teilnehmer.

Liegt es nur an der Erschöpfung, dass so oft in den Nachtsitzungen die entscheidenden Fortschritte gemacht werden?

Die Extremsituation gibt erstaunlicherweise neue Impulse. Es beginnt damit, dass irgendwann die Dolmetscher nach Hause gehen; ihre Arbeitszeit ist beschränkt. Da nützt auch der obligatorische Protest von Chinesen und Franzosen nichts. Ohne Dolmetscher sprechen die Delegierten nicht mehr über Bande, sondern sind zum direkten Austausch gezwungen. Das beschleunigt die Entscheidungsfindung ungeheuer.

Legendär sind die Nachtsitzungen der Kyoto-Verhandlungen.

Ja, im Verhandlungssaal in Kyoto herrschte eine unglaublich intensive Atmosphäre. So was muss man mal erlebt haben! Es war eng, die Luft war schlecht, Dutzende Kameras waren auf die Teilnehmer gerichtet. Später stellte sich heraus, dass der Vorsitzende Raul Estrada, ein sehr erfahrener argentinischer Diplomat, die unangenehmen Bedingungen bewusst herbeigeführt hatte. Er wählte einen kleinen Raum, ließ die Fenster schließen und Kameras aufstellen, um die Delegierten unter Druck zu setzen. Und Estrada reizte unsere Nerven sogar noch mehr, indem er ständig mit einem Kugelschreiber in sein Mikrophon klackerte.

Inwiefern beeinflussen nationale Besonderheiten den Verhandlungsverlauf?

Bestimmte Eigenarten können den Prozess erschweren. Die russischen Teilnehmer etwa sind für ihre Schweigsamkeit bekannt. Man muss auf sie zugehen, um sie einzubeziehen. Wenn niemand erfährt, wie die Russen abstimmen wollen, schlingern sie als "lose Kanone" im Konferenzgebäude herum dann sind böse Überraschungen möglich. Die Japaner haben das Handicap, dass ihre Delegationsmitglieder nach ihrem heimischen Recht alle drei Jahre ausgewechselt werden müssen. Die Delegierten können deshalb kaum Beziehungen aufbauen. Und so hat Japan, gemessen an seiner eigentlichen politischen Bedeutung, auf Klimaverhandlungen weniger Einfluss als zu erwarten wäre.

Welchen Einfluss haben die Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die zu Hunderten an den Verhandlungen in Bali teilnnehmen?

Ihre Wirkung ist groß, denn sie sind meist gut informiert und vernetzt. Oft wird aber vergessen, dass weitaus mehr Industrielobbys als Umweltschutzgruppen zu UN-Klimakonferenzen kommen.

Wie nehmen die NGOs Einfluss auf die Verhandlungen?

Ihre Leute stehen auf den Fluren. Manche arbeiten regelrecht mit Geheimdienstmethoden. Sie hören sich in den Verhandlungsgruppen um und informieren Delegierte, von denen sie meinen, dass sie ihre Sache vertreten. Vertreter der Ölindustrie zum Beispiel beliefern gerne Delegierte aus Erdölnationen mit Informationen, um Klimaschutz zu verhindern. Viele NGOs schreiben regelmäßig Redebeiträge für „ihre“ Delegierten und sie stellen auch Kaffee bereit.

In vielen Kontaktgruppen sind Lobbyisten nicht zugelassen. Schmälert das nicht doch ihren Einfluss?

Seit es Handys und kabellosen Internetzugang gibt, bleiben Lobbyisten auch bei vielen Geheimverhandlungen auf dem Laufenden.

Sie betonen den Einfluss der Industrielobby. Aber haben nicht gerade die Umweltschutzgruppen aufgrund ihrer Popularität eine immense Wirkung auf die Verhandlungen?

Die Umweltgruppen haben großen Einfluss. Bedeutender ist aber, dass sich die Industrielobby in den letzten Jahren gespalten hat und somit geschwächt wurde. Viele Firmen verdienen Geld mit erneuerbaren Energien und energiesparenden Produkten. Die so genannte "grüne Industrie" fordert sogar mehr Klimaschutzmaßnahmen.

Machen Verhandlungen wie jetzt auf Bali auch ein bisschen Spaß?

Manchmal wird es ja durchaus gesellig. Klimakonferenzen sind tatsächlich auch wie Familientreffen. Ein Paar, das sich zwischen den Debatten auf der Kyoto-Konferenz kennen lernte, hat kürzlich sogar Nachwuchs bekommen vielleicht ist das eine der nachhaltigsten Folgen von Kyoto.


Montag, 10. Dezember, 12:52 Uhr

Vaclav Klaus nennt Klimadebatte Gefahr für die Freiheit

Berlin (AP) Als «falschen Alarmismus» und Gefahr für die Freiheit hat der tschechische Präsident Vaclav Klaus die aktuelle Klimadebatte kritisiert. Sein Buch «Blauer Planet in grünen Fesseln» sei die Antwort auf den ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore und die UN-Umweltkonferenz auf Bali, sagte Klaus am Montag bei der Vorstellung der deutschen Fassung seines Werkes in Berlin.

Die «Ideologie der globalen Erwärmung» münde in eine Steuerung der Gesellschaft und Wirtschaft, kritisierte er. Sie führe «uns in eine neue Unfreiheit, in eine neue, von oben organisierte und dirigierte Gesellschaft, wo der Mensch nur am Rande stehen wird». Der tschechische Konservative verurteilte die Bemühungen, eine Klimakatastrophe abwenden zu wollen, als nutzlos und als Verschwendung ohnehin knapper Mittel. Vorstellbare und wahrscheinliche Klimaänderungen «in der relevanten Zukunft» seien nicht so groß, dass sie die Menschheit bedrohten.


11. Dezember, 2007

Worüber auf Bali verhandelt wird

(epd) - Auf der Weltklimakonferenz auf Bali wird über das «Bali-Mandat», eine «Road Map» und den «Clean Development Mechanism» verhandelt. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Begriffe.

Die Verhandlungen bei der Weltklimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali sind in ihre entscheidende Phase getreten. Regierungsvertreter von rund 190 Staaten wollen auf dem bis Freitag dauernden UN-Gipfel die Weichen für neue Klimaschutz-Vereinbarungen stellen. Nach den eindringlichen Warnungen des Weltklimarats soll von Bali ein Aufbruchsignal zur Rettung des Planeten ausgehen. Die wichtigsten Themen im Überblick:

BALI-MANDAT: Die Konferenz soll den Rahmen für die Verhandlungen über die zweite Phase des Kyoto-Abkommens (2013-2017) zum Schutz des Erdklimas festlegen. Die Delegierten wollen dafür Eckpunkte mit Themen und einen Zeitplan vereinbaren. Das Bali-Mandat wird auch Fahrplan («Road Map») genannt.

KYOTO-II: Mit dem 2005 in Kraft getretenen Kyoto-Protokoll verpflichten sich - mit dem Neumitglied Australien - 37 Industrieländer (ohne die USA), ihre Kohlendioxid-Emissionen gegenüber 1990 um durchschnittlich 5,2 Prozent bis 2012 zu senken. Eine zweite Phase mit neuen Reduktionszielen soll sich unmittelbar anschließen. Deshalb sollen die Kyoto-II-Verhandlungen spätestens 2009 bei der Klimakonferenz in Kopenhagen beendet werden.

USA: Die Vereinigten Staaten, die die weltgrößte Menge des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) ausstoßen, sind bei den Kyoto-Verhandlungen nur Beobachter. Die Regierung von George W. Bush lehnt verbindliche Reduktionsziele weiter ab. Um Washington dennoch einzubeziehen, wird auf Bali deshalb parallel noch auf einer «zweiten Spur» verhandelt - auf Grundlage der Klimarahmenkonvention von 1994, der die USA beigetreten sind.

EMISSIONEN: Die EU strebt im Rahmen von Kyoto-II bis 2020 eine Senkung der CO2-Emissionen in den Industrieländern um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 an. Dies stößt auf Widerstand oder Zurückhaltung bei Saudi-Arabien, Kanada, Japan - und natürlich den USA. Es ist unklar, ob das Bali-Mandat schon Zahlen enthalten wird.

ENTWICKLUNGSLÄNDER: Auf der Konferenz ist unstrittig, dass die Industrieländer als Hauptverursacher des Klimawandels auch die Hauptlasten für Gegenmaßnahmen tragen. Ob und wie es einen gerechten Beitrag («Fair Share») der Entwicklungs- und Schwellenländer zum Klimaschutz geben soll, wird kontrovers diskutiert. Die armen Staaten haben einen großen wirtschaftlichen Aufholbedarf, um die Armut zu bekämpfen. Außerdem pusten sie pro Einwohner viel weniger CO2 in die Luft als die reichen Staaten - aber mit steigender Tendenz.

KLIMAFOLGEN: Die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels wie zunehmende Dürren, Überflutungen und Wetterextreme zu bewältigen, überfordert arme Länder. Sie sollen aus einem Anpassungsfonds Mittel erhalten. Er wird nach kontroverser Debatte beim Globalen Umweltfonds (GEF) angesiedelt, der von der Weltbank und dem UN-Umweltprogramm getragenen wird. Dem Fonds stehen bisher 36 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Er speist sich aus einer Zwei-Prozent-Abgabe auf Klimakooperationen zwischen Nord und Süd im Rahmen des «Mechanismus für saubere Entwicklung» (Clean Development Mechanism - CDM).

CDM: Der «Mechanismus für saubere Entwicklung» laut Kyoto-Protokoll ist ein Marktinstrument, der Klima-Investitionen in arme Ländern locken soll. Unternehmen in Europa oder Japan, die ihre Emissionen senken müssen, können dies zum Teil im Süden der Welt realisieren und kommen dabei meist billiger weg. Sie modernisieren etwa eine Fabrik in Indien oder forsten in Südamerika auf und erhalten über die eingesparte CO2-Menge Zertifikate, die sie auf ihr Emissionskonto anrechnen lassen oder verkaufen können. Es gibt bisher weltweit rund 800 CDM-Projekte, etwa 2.000 neue sind beantragt. Um auch ländlichen Kleinprojekten in Afrika den Zugang zum globalen Emissionshandel zu ermöglichen, soll der CDM reformiert werden.

WALD: Pro Jahr gehen 13 Millionen Hektar Regenwald verloren. Aus der Rodung und aus Waldbränden stammen bereits 20 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes. Zur «Reduktion der Emissionen aus Entwaldung und Degradierung» (REDD) soll der Erhalt von Wäldern im Süden finanziell unterstützt werden - entweder über einen neuen Fonds oder über den Emissionshandel ähnlich wie beim CDM. Die Bewertung eines Waldes in CO2-Einheiten ist jedoch völlig unklar. Zudem wird befürchtet, dass der Waldschutz von Marktschwankungen abhängig wird und Ureinwohner aus «Kyoto-Wäldern» vertrieben werden könnten.

TECHNOLOGIETRANSFER: Der Zugang zu Technologie nach neuen Umweltstandards ist den Entwicklungs- und Schwellenländern ein großes Anliegen. Sie fordern einen eigenen Fonds dafür, zumal sie vor großen Aufgaben beim Auf- und Ausbau ihrer Energieversorgung und Infrastruktur stehen.


Dienstag, 11. Dezember, 07:58 Uhr

WWF: Klimaerwärmung bedroht Pinguine

Nusa Dua (dpa) - Die Pinguine auf der Antarktischen Halbinsel sind nach Angaben der Umweltstiftung WWF durch die alarmierende Erwärmung massiv bedroht. Mit der Eisschmelze verschwinden für viele Brutplätze, und andere finden nicht mehr genug zu fressen, heißt es in einem WWF-Bericht.

Der Bericht der Umweltstiftung wurde am Mittwoch bei der Weltklimakonferenz auf Bali vorgestellt. Einige Regionen um die Antarktischen Halbinsel erwärmen sich nach WWF-Angaben fünfmal so stark wie die Erde im Durchschnitt. Im Ozean seien die Temperaturen selbst in 3000 Metern Tiefe gestiegen. Die Halbinsel bildet einen Zipfel der Westantarktis, der südlich von Südamerika weit ins Meer ragt. Während er sich stark erwärmt, wird es in großen Regionen der Antarktis trotz der globalen Erwärmung kühler.

Das Meereis sei in den vergangenen 26 Jahren vor der Halbinsel der Westantarktis um 40 Prozent zurückgegangen. Damit schwinde auch die Hauptnahrung der dort lebenden Pinguine, die Kleinkrebse. Andere müssen nach WWF-Angaben ihre Jungen auf immer dünnerem Eis großziehen. Die Eisflächen brechen immer öfter ab, womit die Eier und auch Junge verloren gehen, die noch nicht allein überleben können. Einige Pinguinkolonien sind nach der WWF-Studie bereits um mehr als 60 Prozent geschrumpft.







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