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Aktuell

Landwirtschaft und Klima

Montag, 25. August, 15:54 Uhr

Landwirtschaft fürs Klima fast so schädlich wie der Straßenverkehr

Berlin (AP) Ackerbau und Tierhaltung sind für das Klima fast genau so schädlich wie der Straßenverkehr. 133 Millionen Tonnen CO2 aus der Landwirtschaft stehen einer Studie zufolge rund 152 Millionen Tonnen aus dem Straßenverkehr gegenüber. An dieser Klimabilanz würde auch eine völlige Umstellung auf Ökolandbau kaum etwas ändern, ist das überraschende Ergebnis einer Foodwatch-Untersuchung, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Kunden sollten ihren Konsum von Milch und Rindfleisch reduzieren, fordert die Verbraucherorganisation.

Das Ergebnis der Studie kann den Käufer an der Fleischtheke durchaus verwirren. Wurde lange Jahre geraten, beim Fleisch vor allem auf Öko-Produkte zu setzen, legt die vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) erstellte Studie einen ganz anderen Speiseplan nahe.

Denn demnach ist die Klima-Bilanz von Bio-Lebensmitteln keineswegs immer besser als die herkömmlicher Produkte. So kann Bio-Fleisch aus der Rindermast bis zu 60 Prozent mehr Kohlendioxid verursachen als konventionell produziertes Fleisch, weil dafür größere Futtermittel-Anbauflächen nötig sind.

«Wieviel Klima kostet mein Essen?»

«Wieviel Klima kostet mein Essen?» ist dann auch die Frage, die Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode aufgeworfen hat. Die Antwort lautet in vielen Fällen: Eine ganze Menge. Die Herstellung von einem Kilogramm konventionellem Schweinefleisch verursacht so viel CO2 wie ein kleiner BMW, der 26 Kilometer fährt. Ein Kilogramm herkömmliches Rindfleisch aus der Mast schädigt demnach das Klima wie eine 71 Kilometer lange Autofahrt.

Das Bild vom malerischen Bauernhof auf dem Land, fernab vom Stress und Mief der Großstadt, muss der Studie zufolge umgemalt werden. Denn demnach verursacht die Landwirtschaft 13 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland. In die Rechnung fließen sämtliche Faktoren ein, die bei der Produktion von Milch, Fleisch und Gemüse anfallen: Der Tiermist ebenso wie der Treibstoff für die Fahrt mit dem Trecker.

Innerhalb dieses Bereichs ist die Tierhaltung inklusive der für sie angebauten Futterpflanzen für 71 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Rinder laufen dabei den Schweinen als Klimakiller noch den Rang ab. «Der Schweinbraten ist bedeutend weniger klimaschädlich, weil das Schwein kein Wiederkäuer ist», erklärt IÖW-Leiter Thomas Korbun. Der Rest der Emissionen entstehe beim Pflanzenanbau (ohne Futtermittel).

Dabei sind nicht nur die Rinder und Säue arm dran. Einen erheblichen Anteil an der Produktion von Treibhausgasen hat laut Studie die Entwässerung von Moorgebieten. Diese machen zwar nur acht Prozent der genutzten Fläche aus, entlassen aber knapp ein Drittel der Treibhausgase in die Luft. Der Grund: Feuchte Moore schließen Klimagase weg wie ein Tresor. Wird ihnen das Wasser entzogen, werden über einen chemischen Prozess Gase freigesetzt.

Eine vollständige Umstellung auf Ökolandbau würde Foodwatch zufolge nur helfen, wenn gleichzeitig der Fleischkonsum drastisch zurückginge. Um den derzeitigen Standard zu halten, reichten die Flächen in Deutschland nicht aus.

Bode forderte die Bundesregierung auf, die bisher für die Landwirtschaft gezahlten Subventionen zu streichen und statt dessen Umweltsteuern einzuführen. Dabei müssten Preissteigerungen in Kauf genommen werden. Handeln müsse die Politik, die Verantwortung dürfe nicht dem Verbraucher aufgebürdet werden.

Bauern sind anderer Meinung

Der Deutsche Bauernverband wies die Ergebnisse der Studie zurück. Die CO2-Bilanz der Land- und Forstwirtschaft in Deutschland sei eindeutig positiv, hieß es. Den Emissionen stehe eine Bindung durch die Pflanzen in Höhe von mehr als 168 Millionen Tonnen gegenüber. «Damit bindet die Land- und Forstwirtschaft 35 Millionen Tonnen mehr als sie jährlich emittiert», erklärte der Verband. Am gesamten Treibhauseffekt in Deutschland seien Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen nach Angaben des Umweltbundesamtes zu rund zwei Prozent beteiligt.

Der FDP-Agrarexperte Edmund Geisen pflichtete dem bei. Die Schlagzeile vom vermeintlichen Klimakiller Landwirtschaft und der Vergleich mit dem Straßenverkehr sei längst entkräftet. «Die Landwirtschaft ist der einzige Wirtschaftszweig, der durch seine Produktion gleichzeitig CO2 bindet und damit aktiven Klimaschutz betreibt», erklärte er.

Die Grüne forderten ein Aktionsprogramm für Ökolandbau. Verbraucherexpertin Ulrike Höfken warf der Regierung vor, «im vergangenen Jahr den Ökobauern 40 Prozent ihrer Förderung gestrichen» zu haben.

http://www.foodwatch.de/


Dienstag, 26. August, 20:17 Uhr

UN-Umweltorganisation fordert Abbau von Energiesubventionen

Accra (AP) Die UN-Umweltorganisation UNEP hat einen drastischen Abbau von Energiesubventionen gefordert. Laut einem am Dienstag am Rande der UN-Klimakonferenz in Ghana vorgestellten UNEP-Bericht geben Regierungen weltweit jährlich bis zu 300 Milliarden Dollar (205 Milliarden Euro) aus, um Treibstoffpreise niedrig zu halten oder den Produzenten zu helfen. Dieses Geld sei oft vergeudet und helfe nicht den Armen.

Billige Energie ermutige die Menschen zu einem immer größeren Verbrauch und verhindere eine effiziente Nutzung, kritisierte das UN-Umweltprogramm. Außerdem verzögere dies die weitere Entwicklung klimafreundlicher Energiequellen, heißt es in dem Bericht. Die Abschaffung von Energiesubventionen wäre auch gut für das Klima und würde die CO2-Emissionen um sechs Prozent verringern, erklärte der für Klimawandel zuständige UNEP-Koordinator Kaveh Zahedi.

«Manche Länder geben mehr für die Subventionierung von Öl aus als für Gesundheit und Bildung zusammen», sagte Zahedi. Das Land mit den höchsten Energiesubventionen ist das an Erdgas reiche Russland mit 40 Milliarden Dollar. An zweiter Stelle liegt das Ölexportland Iran mit 37 Milliarden Dollar.

Von einigen afrikanischen Staaten ist bekannt, dass sie die ausländische Entwicklungshilfegelder dazu verwenden, die steigenden Brennstoffpreise zu finanzieren. Dies mag zwar politisch populär sein, schadet aber der Volkswirtschaft.

Viele Subventionen für fossile Brennstoffe seien aus politischen Motiven eingeführt worden, kritisierte UNEP-Direktor Achim Steiner. Er appellierte in einer zusammen mit dem Bericht veröffentlichten Erklärung an die Regierungen, die Energiesubventionen dringend zu überprüfen und die abträglichen Subventionen auslaufen zu lassen.


Mittwoch, 27. August, 19:42 Uhr

Arktisches Eis nähert sich dem Rekordminimum

New York (dpa) - Das arktische Eis, eine Art Kühlschrank für das Weltklima, ist US-Messungen zufolge in diesem Sommer auf den zweitniedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenmessungen zusammengeschmolzen.

Das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum in Boulder im US-Bundesstaat Colorado berichtete am Mittwoch, die Eisfläche sei auf 5,26 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen. Das entspricht einem Minus von 2,06 Millionen Quadratkilometern seit Anfang August.

Das Rekordtief hatte es im September 2007 mit einer Resteisfläche von 4,28 Millionen Quadratkilometern gegeben. Da die Eisschmelze in der Regel bis in den September hinein anhält, könnte der Wert in diesem Jahr nach Einschätzung der Wissenschaftler noch unterschritten werden. «Der stark negative Trend während der Sommerzeit im vergangenen Jahrzehnt setzt sich fort», schreiben sie.

Bisher war der zweitschlechteste Wert im Jahr 2005 gemessen worden. Damals hatte sich die Eisschmelze jedoch im August verlangsamt. In diesem August sei dagegen weiter eine rasche Abnahme der Eisfläche zu verzeichnen gewesen, hieß es.

Das arktische Eis gilt als wichtiger Indikator für den Klimawandel. Seit 1979 ist ein kontinuierliches Schrumpfen der Gesamtfläche zu verzeichnen. Zwar bildet sich im Winter immer wieder Eis nach, jedoch nicht mehr genug, um die starken Verluste während der Sommermonate auszugleichen.


28. August, 2008

Totope versinkt im Atlantik

Totope (AP) Die alte Küstenstraße liegt schon im Meer. Arbeiter begannen mit dem Bau einer neuen Straße, doch diese wurde so oft überflutet, dass das Projekt aufgegeben wurde. Nun führt nur noch ein Weg über den Sand nach Totope an der Südküste Ghanas am Atlantischen Ozean. Dort müssen alle paar Jahre die Bewohner einiger Dörfer ihre Häuser verlassen und weiter landeinwärts ziehen, um sich vor dem nahenden Meer und dem Sand in Sicherheit zu bringen. Aber Totope ist der Fluchtweg versperrt: Das Dorf liegt zwischen dem Ozean und der Songho-Lagune. In ein paar Jahren müssen sie fortziehen, sagen die Einwohner. «Als ich jung war, musste ich auf eine Kokosnuss-Palme klettern, um das Meer zu sehen», sagt der 57 Jahre alte Fischer Alex Horgah. Die Alten im Dorf erzählen, dass der Ozean jedes Jahr ein paar Meter näher rückt. Keiner weiß genau, warum das so ist. Kein Wissenschaftler hat dort jemals Untersuchungen angestellt.

Meeresspiegel steigt drei Millimeter pro Jahr

Wenn sich die Voraussagen über die Auswirkungen des Klimawandels bewahrheiten, dann erleben die Menschen in Totope heute aber das, was Millionen in den kommenden Jahrzehnten noch bevorsteht. Wissenschaftler sagen, das Ansteigen der Meeresspiegel werde gemeinsam mit einer steigenden Zahl von Dürren und Überflutungen sowie einem drastischen Artensterben eine der schwerwiegendsten Folgen der Erderwärmung sein. Nach Angaben des Weltklimarats IPCC sind die Meeresspiegel seit 1993 bereits um jährlich drei Millimeter gestiegen.

Wenn der Klimawandel nicht eingedämmt werde, müssten Millionen Menschen in den Küstenregionen mit Überschwemmungen und immer schlimmeren Stürmen zurechtkommen. Bis zu einem Drittel der Feuchtgebiete an den Küsten könnte verschwinden. Bei einer UN-Klimakonferenz im ghanaischen Accra - rund 100 Kilometer westlich von Totope - beraten Vertreter aus 160 Staaten derzeit über einen Folgevertrag für das Kyoto-Abkommen. Der Vertrag soll im nächsten Jahr in Kopenhagen beschlossen werden.

Leben auf der Plastikmüllhalde

In Totope ist das vielen Küstengebieten drohende Schicksal schon eingetreten. Verlassene Betongebäude sind halb vom Sand bedeckt, Strohhütten müssen immer wieder weiter ins Hinterland versetzt werden. Eine ganze Siedlung wurde bereits vor einigen Jahren überflutet, sie liegt nun eineinhalb Kilometer vor der Küste unter dem Meer und zwingt die Fischer mit ihren Fangnetzen zu Umwegen.

«Jedes Jahr kommt die See näher», sagt der 70 Jahre alte Ebenezer Koranteng. Das Dorf rücke immer weiter an die Lagune heran. In fünf Jahren werde es unbewohnbar sein. Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, müssen die Fischer von Totope noch damit kämpfen, dass die Bestände zurückgehen und moderne Trawler ihnen das meiste vor der Nase wegfischen.

Der Strand des 1.000-Einwohner-Dorfes ist von Plastikmüll verschmutzt, der in Accra und anderen Städten ins Meer geworfen wurde. Die Bewohner haben Tonnen davon gesammelt, zur Lagune gebracht und mit Sand bedeckt - diese Mülldeponie verschafft ihnen ein paar Meter mehr Raum zum Leben und die Hoffnung, noch ein paar Jahre länger in ihrer Heimat bleiben zu können.

Der Fischer Horgah sagt, dass das Dorf eigentlich umziehen sollte. Auf der anderen Seite der Lagune gebe es Platz für Landwirtschaft und gefischt werden könne in der Lagune. Aber das Land dort kostet 45.000 Dollar (30.000 Euro), der Wiederaufbau der Häuser noch einmal so viel.

Heather McGray vom World Resources Institute sagt, dass Totope eine der Ortschaften wäre, die von einem Fonds profitierten, der zugunsten der vom Klimawandel heimgesuchten Küstenregionen aufgelegt werden solle. «Es ist eine Geldfrage», sagt sie. Schon mit einem Prozent der Summe, die in den USA zusammenkäme, «könnten wir 10.000 Dörfer wie dieses umsiedeln».







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