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Aktuell

UN-Klimakonferenz beginnt

30. November, 2008

UN-Klimakonferenz in Posen beginnt

Posen (AP) Zur UN-Klimakonferenz werden ab Montag rund 9.000 Teilnehmer in Polen erwartet. Das Klimasekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) betrachtet die Konferenz in Posen (Poznan) als einen «Meilenstein auf dem erfolgreichen Weg», der mit der Weltklimakonferenz von Bali vor einem Jahr beschritten wurde. Die Konferenz ist bis zum 12. Dezember angesetzt. In den ersten zehn Tagen beraten die Delegierten in informellen Gruppen. Am 11. und 12. Dezember beginnt die Ministerrunde, die mit einer Erklärung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eingeleitet wird. Ziel der Konferenz ist es, die Vorgaben der letzten Konferenz in Bali zu konkretisieren und damit die Voraussetzungen für einen Abschluss der Verhandlungen über ein neues Weltklimaabkommen schaffen. Das soll im Dezember 2009 in Kopenhagen geschehen.


30. November, 2008

Neuer Wind für die Weltklimakonferenz

Amsterdam/Warschau (AP) Barack Obama zählte nicht zu den 9.000 Delegierten aus rund 190 Ländern, die am Wochenende zur Weltklimakonferenz nach Polen aufgebrochen sind. Wenn die Konferenz am (morgigen) Montag eröffnet wird, um bis zum 12. Dezember den Rahmen für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls zu entwerfen, wird Obama aber als neuer Hoffnungsträger anwesend sein.

«Amerika ist wieder da», sagt Senator John Kerry. «Nach acht Jahren der Behinderung und Verzögerung und Verweigerung werden sich die Vereinigten Staaten der Weltgemeinschaft anschließen, um diese globale Herausforderung zu bewältigen.» Auch die Umweltschützer freuen sich auf einen neuen Wind. «In Posen wird es eine neue Begeisterung geben», erwartet Jake Schmidt vom Natural Resources Defense Council. «Die USA sind zu den Gesprächen zurückgekehrt, zurück mit einem Führer, der es begriffen hat.»

Noch auf der letzten großen Klimakonferenz der Vereinten Nationen, vor einem Jahr auf Bali, bestimmten kleinliches Gezänk, offene Konfrontation und Feilschen um Kompromisse das Verhandlungsklima. Der Exekutivdirektor des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC), Yvo de Boer, spricht denn auch von den schwierigsten und kompliziertesten internationalen Verhandlungen in der Geschichte.

Nur das Ziel ist klar: Bis Dezember 2009, zur Klimakonferenz in Kopenhagen, soll es ein umfassendes neues Abkommen geben, das den weltweiten Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen begrenzt. Dem bisherigen Abkommen, dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll, hielten sich die USA fern, weil der scheidende Präsident George W. Bush der eigenen Wirtschaft keine Fesseln anlegen wollte. Jetzt aber hat sein designierter Nachfolger Barack Obama den Klimaschutz zur Priorität seiner Politik erklärt.

Einfluss der Finanzkrise

Geprägt wird die Konferenz in Posen (Poznan) auch von der Finanzkrise, die auf ganz unterschiedliche Weise den Klimaschutz beeinflussen könnte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte vor der Konferenz der polnischen Tageszeitung «Gazeta Wyborcza», Investitionen in klimafreundliche Technik könnten auch der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. «Deswegen können die Mittel, die wir gegen die globale Erwärmung einsetzen, auch im Kampf gegen die Finanzkrise helfen.»

Nach Schätzungen des UNFCCC werden jährlich mindestens 200 Milliarden Dollar erforderlich sein, um die Kohlendioxid-Emissionen bis 2030 um 25 Prozent unter die im Jahr 2000 erreichten Werte zu drücken. Aber Hunderte von Milliarden mehr würde es kosten, um die Folgen der globalen Erwärmung wie steigende Meeresspiegel, Trinkwassermangel und Verschiebungen in der Landwirtschaft zu bewältigen.

Nach jüngst vorgelegten Daten nehmen die CO2-Emissionen eher zu als dass sie reduziert werden. Die UN-Experten registrierten, dass die Emissionen von mehr als 40 Ländern, die dazu Angaben machten, von 2000 bis 2006 um 2,3 Prozent gestiegen sind. Das Kyoto-Protokoll von 1997 verpflichtete 37 Industriestaaten, ihre Emissionen bis 2012 um durchschnittlich fünf Prozent unter die Werte von 1990 zu senken.

«Ohne USA und China kein Abkommen»

«Die Notwendigkeit für echte Fortschritte ist nie dringender gewesen», erklärte De Boer in einer Videobotschaft an die Delegierten. «Posen markiert den Abschnitt, in dem ernsthafte Verhandlungen beginnen können», sagte De Boer der Nachrichtenagentur AP. Einen Durchbruch gab es im Dezember vergangenen Jahres, als China und andere Entwicklungsländer ihre Mitverantwortung bei der Kontrolle der Treibhausgasemissionen akzeptierten - wenn auch mit geringeren Grenzwerten und unter der Bedingung von finanziellen Hilfen für die Umstellung auf Technologien mit niedrigeren Emissionen.

Ob der Obama-Effekt in Posen schon wirksam werden kann, wird sich zeigen. Die US-Delegation wird noch von der scheidenden Regierung Bush geführt. Delegationsleitern Paula Dobriansky aus dem Außenministerium will sich dem Vernehmen nach nicht in den Vordergrund drängen. «Ihre Haltung könnte sein: Keinen Schaden anrichten und keine Hindernisse aufwerfen, welche die Handlungsfähigkeit der nächsten Regierung einschränken», sagte der republikanische Kongressmitarbeiter Mark Helmke, der die letzten vier Klimakonferenzen beobachtet hat.

Obama tritt erst am 20. Januar sein Amt an und wird danach einige Monate brauchen, um die gesetzlichen Grundlagen für eine neue Klimaschutzpolitik vorzubereiten. Die Delegierten in Posen erwarten aber, dass die USA dafür sorgen werden, dass bei den Verhandlungen jetzt ein höherer Gang eingelegt wird. «Die Vereinigten Staaten haben eine Schlüsselrolle, damit sich andere Länder bewegen», sagt die dänische Klimaschutz- und Energieministerin Connie Hedegaard, die den Vorsitz bei der entscheidenden Klimaschutzkonferenz 2009 in Kopenhagen haben wird. «Ohne die Vereinigten Staaten und China wird es kein Abkommen geben.»


1. Dezember, 2008

UN-Organisation fordert mehr Klimahilfe für Entwicklungsländer

Osnabrück (AP) Die Industriestaaten sollten die Entwicklungsländer beim Klimaschutz nach Ansicht der UN pro Jahr mit rund 80 Milliarden Euro unterstützen. Denn der Klimawandel sei bislang vor allem von Industrieländern verursacht worden, sagte der Leiter des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» laut Vorabmeldung.

«Die fünf bis sechs Milliarden US-Dollar, die derzeit der Weltbank als Klima-Investitionsfonds zur Verfügung gestellt werden, reichen sicher nicht. Zumindest für eine bestimmte Phase sind jährlich rund 80 Milliarden Euro notwendig», wurde Steiner zitiert.

Angesichts des geplanten EU-Klimapaketes sagte Steiner, es gebe sicher Bestrebungen von einigen Regierungen und vor allem der energieintensiven Industrie, die EU-Klimaziele aufzuweichen. «Davor kann ich nur warnen.» Europa könne sich einen solchen Rückschritt allein unter Wettbewerbsgesichtspunkten nicht leisten.

Übergang zur grünen Wirtschaft gefordert

Der UNEP-Leiter forderte dem Blatt zufolge einen Übergang zu einer grünen Wirtschaft. Es sei die Aufgabe von Regierungen, dies zu fördern. «Daher auch mein Appell, die bereits angekündigten 4.000 Milliarden Euro für die Bewältigung der gegenwärtigen Finanzkrise auch für einen 'Global Green New Deal' zu nutzen».

Dieser enorme Betrag dürfe nicht allein gebunden werden, um die Wirtschaftssektoren des 20. Jahrhunderts zu stabilisieren. Gefragt seien Investitionen in die Wirtschaft von morgen, um auch andere Krisen wie den Klimawandel zu bewältigen.

Zur UN-Klimakonferenz werden ab Montag rund 9.000 Teilnehmer in Polen erwartet. Das Klimasekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) betrachtet die Konferenz in Posen (Poznan) als einen «Meilenstein auf dem erfolgreichen Weg», der mit der Weltklimakonferenz von Bali vor einem Jahr beschritten wurde. Die Konferenz ist bis zum 12. Dezember angesetzt.


Freitag, 28. November, 17:19 Uhr

EU erhofft sich von UN-Konferenz «klares Signal» für Klimaschutz

Brüssel (AP) Die EU-Kommission erhofft sich von der UN-Klimakonferenz in Polen erste Weichenstellungen für ein neues internationales Klimaschutzabkommen. Auf der am Montag beginnenden Konferenz in Posen (Poznan) müsse «ein klares Signal gesendet werden, dass sich die Welt auf den Abschluss eines ehrgeizigen Klimaschutzübereinkommens in Kopenhagen Ende nächsten Jahres zubewegt», erklärte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas am Freitag in einer Pressemitteilung.

In Posen müsse ein klares Arbeitsprogramm für die Verhandlungen im Jahr 2009 festgelegt werden, forderte Dimas. An deren Ende müsse ein neues Abkommen für die Zeit nach 2012 stehen, wenn das Kyoto-Klimaschutzprotokoll ausläuft. Ziel müsse sein, dass alle Industrieländer bis 2020 ihre Treibhausgas-Emissionen drastisch verringerten und gleichzeitig die Entwicklungsländer dabei unterstützten, ihrerseits den Weg zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaftsweise einzuschlagen. Kommissionsexperten betonten allerdings, die Festlegung konkreter Reduktionsziele sei in Posen noch nicht zu erwarten.

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Falls die USA und die übrigen Industriestaaten mitziehen, will die EU ihre Kohlendioxid-Emissionen sogar um 30 Prozent reduzieren. Bislang sind sich die 27 EU-Staaten allerdings noch nicht einmal darüber einig, wie die Verminderung um 20 Prozent erreicht werden soll. Mit Blick auf das EU-Umweltministertreffen, das in der kommenden Woche parallel zu den Verhandlungen in Posen stattfindet, mahnte die Kommission deshalb eine Einigung an: «Die Glaubwürdigkeit der EU hängt stark davon ab, dass sie ihr Bekenntnis zur Reduzierung der Treibhausgase auch erfüllt», sagte ein Mitarbeiter von Dimas.


1. Dezember, 2008

Gabriel dämpft Erwartung an Weltklimakonferenz

Berlin/Posen (AP) Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat die Erwartungen an die Weltklimakonferenz in Polen gedämpft. Im besten Fall könne die internationale Gemeinschaft dort das «Skelett» eines neuen Klimaabkommens vereinbaren, sagte der SPD-Politiker am Montag in Berlin. Im Laufe des kommenden Jahres gehe es dann darum, das «Skelett mit Fleisch» zu versehen.

Dazu zählte der Minister auch konkrete Zusagen zur Minderung von Treibhausgasen. Erst 2009 werde der Druck dafür stark genug sein. Vorerst gelte das Mikado-Prinzip: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Die einzige Ausnahme werde die Europäische Union bilden. Sie wolle auf dem EU-Gipfel kommende Woche, der mit der heißen Schlussphase der Klimakonferenz zusammenfällt, eine mindestens 20-prozentige Minderung ihrer Treibhausgase von 1990 bis 2020 zusagen und 30 Prozent für den Fall, dass ein internationales Abkommen zustande komme.

Im polnischen Posen (Poznan) verhandeln seit (dem heutigen) Montag bis zu 9.000 Teilnehmer über ein künftiges Weltklimaabkommen, das Ende 2009 in Kopenhagen geschlossen werden soll. Das Klimasekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) betrachtet die Konferenz als «Meilenstein» hin zu dem neuen Abkommen. Die Verhandlungen dazu hatten bei der Weltklimakonferenz von Bali vor einem Jahr begonnen.

Die Konferenz in Posen ist bis zum 12. Dezember angesetzt. In den ersten zehn Tagen beraten die Delegierten in informellen Gruppen. Am 11. und 12. Dezember beginnt die Ministerrunde, die mit einer Erklärung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eingeleitet wird. Zur Ministerrunde reist auch Gabriel.


1. Dezember, 2008

Greenpeace: Klimawandel-Folgen schlimmer als die der Rezession

Baden-Baden (AP) Der Klimawandel wird Greenpeace zufolge weit schlimmere Auswirkungen als die beginnende Rezession haben. «Die Folgen des Klimawandels werden die Folgen der Rezession auch finanziell weit in den Schatten stellen», sagte Greenpeace-Kampagnenchef Thomas Breuer am Montag im Südwestrundfunk. Zum Beginn der UN-Klimaverhandlungen in Posen verlangte die Umweltschutzorganisation von den Industrienationen ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz.

Dabei formulierte Breuer drei Ziele: Die EU müsse ein starkes Klimaschutzpaket vorlegen und damit die Vorreiterrolle wieder übernehmen. Zudem müssten die USA wieder aktiv in die Klimaverhandlungen eintreten. «Und das dritte Signal ist ganz wichtig, dass die Industrienationen sich ganz klar zum Klimaschutz bekennen und sagen, dass sie mindestens 30 bis 40 Prozent bis 2020 ihre CO2-Emissionen reduzieren wollen, um auch die ganzen Entwicklungs- und Schwellenländer ins Boot zu bekommen.»

Spätestens beim Klimagipfel von Kopenhagen in einem Jahr müssten ganz klare Vereinbarungen da sein, um den Klimawandel aufzuhalten, verlangte Breuer.


1. Dezember, 2008

Forscher hält Klimawandel für teurer als die Finanzkrise

Berlin/Osnabrück (ddp). Kurz vor Beginn der 14. UNO-Weltklimakonferenz am Montag warnt der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer vor Rückschritten im Kampf gegen die Erderwärmung. «Die Tatsache, dass einige Leute sehr viel Geld verzockt haben, darf nicht dazu führen, dass wir beim Klimaschutz nachlassen», sagte Edenhofer der «Berliner Zeitung» (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Nichtstun beim Klimaschutz werde langfristig viele Billionen Euro kosten. «Dagegen sieht die Finanzkrise vergleichsweise klein aus», sagte er.

Edenhofer sagte, die Wirtschaftskrise sei kein Hindernis, sondern eine Chance für den Klimaschutz. «Es ist grotesk, dass sich diejenigen Wirtschaftspolitiker, die sich einer vernünftigen Regulierung der Finanzmärkte bislang verweigert haben, als Hüter des Wirtschaftswachstums aufspielen und empfehlen, den Klimaschutz zurückzustellen», sagte er. Nötig sei ein großes Investitionsprogramm in klimafreundliche Technologien. Dazu müsse man mehr investieren, als dies die Bundesregierung bislang getan habe.

Der Leiter des UNO-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Montagausgabe) laut Vorabbericht, die Industriestaaten müssten die Entwicklungsländer nach Ansicht der UNO beim Klimaschutz pro Jahr mit rund 80 Milliarden Euro unterstützen. Schließlich sei der Klimawandel bislang vor allem von Industrieländern verursacht worden.

Zu den Verhandlungen über das EU-Klimapaket sagte Steiner, es gebe sicher Bestrebungen einiger Regierungen und vor allem der energieintensiven Industrie, die EU-Klimaziele aufzuweichen. Europa könne sich einen solchen Rückschritt aber allein unter Wettbewerbsgesichtspunkten nicht leisten. «Es ist der falsche Weg, dass allein diejenigen, die heute mit ihren legitimen, aber letztlich unternehmenspolitischen Interessen unsere Volkswirtschaft prägen, auch unsere Zukunftsoptionen definieren», sagte Steiner. Die Mittel für die Bewältigung der gegenwärtigen Finanzkrise dürften nicht allein verwendet werden, um die bestehenden Wirtschaftssektoren des 20. Jahrhunderts zu stabilisieren. Gefragt seien Investitionen in die Wirtschaft von morgen. Schon heute erzeugten allein Photovoltaik, Solarprodukte, Windenergie und Energieeffizienz Milliardenumsätze.


Countdown für neuen Klimavertrag

WWF fordert Fundament für Klimaabkommen ab 2012

WWF Pressemitteilung, Posen/Berlin 30.11.2008

In den kommenden zwei Wochen treffen sich im polnischen Posen mehr als 5.000 Delegierte um ein neues Klimaabkommen auf Grundlage des Kyoto-Protokolls auf den Weg zu bringen. Auch wenn der Vertrag erst im kommenden Jahr verabschiedet werden soll, warnt der WWF davor, die Bedeutung der Konferenz zu unterschätzen. „Es geht hier nicht nur um technische Details. In Posen müssen die Pflöcke eingeschlagen werden, damit 2009 auf der Folgekonferenz in Kopenhagen ein tragfähiges Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll verabschiedet werden kann“, betont Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland.

Die Naturschutzorganisation drängt zur Eile. Man habe keine Zeit für taktisches Geplänkel. Der WWF fordert von den Industriestaaten eine Reduktion von Klimagasen von 25-40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990. Bis 2050 müssten die Emissionen in diesen Ländern um 80-95 Prozent sinken. Aber auch die Schwellenländer müssten einen Beitrag leisten zur Bekämpfung der globalen Erwärmung. Die Frist für notwendige Maßnahmen, um die globale Erwärmung bis zur Mitte des Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, laufe rasant ab. Die Zwei-Grad-Grenze gilt als Schwelle, um die katastrophalen Folgen des Klimawandels halbwegs zu beherrschen. Der WWF verweist auf aktuelle Forschungsergebnisse, die zeigen, dass der Klimawandel weit härter und schneller zuschlage als bisher prognostiziert. Wissenschaftler halten ein völliges Abschmelzen des sommerlichen arktischen Packeises bis 2040 für möglich. Die Folgen für Europas Küstenregionen wären katastrophal. Szenarien, nach denen der Meeresspiegel weltweit um mehrere Meter steigen könnte, seien keine Science Fiction. Dies würde eine Bedrohung von mehreren Millionen Menschen weltweit bedeuten.

Der WWF weist drauf hin, dass zugleich die CO2-Speicherkapazität der Meere und Wälder sinke. Diese so genannten natürlichen Senken haben in den vergangenen 50 Jahren um fünf Prozent abgenommen. In derselben Zeit seien die CO2-Emissionen aber kontinuierlich gestiegen. Aus diesem Grund liege der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre auf einem Rekordniveau von 383ppm. Das ist der höchste Wert seit mehreren Millionen Jahren. Der WWF drängt die Regierungen den UN-Klimagipfel in Posen für eine unmittelbare Kursänderung zu nutzen und einen Weg aus der Krise einzuschlagen. Die Regierungen müssen sich auf Höchstwerte und die festzusetzende Senkung der globalen CO2-Emissionen bis 2020 einigen. Zudem müssen die Industriestaaten zusätzliche Investitionen für Klima schützende Maßnahmen in den Entwicklungsländern bereitstellen.


UN-Klimakonferenz in Poznan: Industriestaaten müssen ihre "Klimaschulden" tilgen

BUND Pressemitteilung, 1.12.08

Berlin/Poznan: Zum Start der UN-Klimakonferenz in Poznan (Posen) hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Industriestaaten aufgefordert, die Verantwortung für die drastische Zunahme der Klimagase in der Atmosphäre zu übernehmen. Wegen dieser "angehäuften Klimaschulden" müssten sie dabei bleiben, ihre CO2-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu verringern. Dies müsse unabhängig von Reduktionszusagen der Schwellenländer geschehen. Das Minderungsziel müsse im jeweils eigenen Land und nicht durch Projekte in Entwicklungsländern erreicht werden.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND: "Über künftige Klimaschutzbemühungen der sich entwickelnden Staaten kann nur erfolgreich verhandelt werden, wenn die Industriestaaten ihre Klimaschulden tilgen und politische und finanzielle Verantwortung für mehr Klimaschutz übernehmen.“ Beispielsweise müsse der Anpassungsfonds für Regionen, die durch Klimaextreme bedroht sind, deutlich aufgestockt werden. Dies ließe sich durch eine internationale Kerosinsteuer, eine Flugticketabgabe und Gewinne aus dem Emissionshandel finanzieren.

Große Erwartungen setzt der BUND in eine künftige Teilnahme der USA und Chinas beim globalen Klimaschutz. Vor allem die USA könnten unter ihrem neuen Präsidenten Barack Obama eine Vorreiterrolle beim Ausbau erneuerbarer Energien übernehmen. Die Europäische Union habe die Aufgabe, in der kommenden Woche ein Klimapaket zu verabschieden, mit dem eine CO2- Minderung um 30 Prozent bis 2020 sichergestellt werde.

Um Ende 2009 bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen ein Nachfolgeabkommen zum bisherigen Kyoto-Protokoll verabschieden zu können, müsse der 2007 von der Weltgemeinschaft in Bali vereinbarte Zeitplan eingehalten und weiter inhaltlich ausgefüllt werden. So müsse in Poznan über konkrete Punkte wie den Nord-Süd-Technologietransfer und die Einbeziehung der Emissionen aus dem Flug- und Seeverkehr in das Kyoto-Nachfolgeabkommen verhandelt werden.

Weiger: "Bei der Weltklimakonferenz Ende 2009 in Kopenhagen muss ein unterschriftsreifes Kyoto-Zwei-Abkommen vorliegen. Das Zeitfenster dafür wird immer kleiner. Je früher mehr Klimaschutz einsetzt und je mehr Staaten sich daran beteiligen, desto größer wird die Chance, die negativen Folgen der Erderwärmung noch eindämmen zu können." Schon bei einem Anstieg der globalen Temperaturen um zwei Grad Celsius würden 90 bis 200 Millionen Menschen mehr als heute von Malaria bedroht sein. Die landwirtschaftliche Produktivität nehme ab und Ernährungskrisen vor allem in armen Ländern verschärften sich. Es drohe der Verlust von etwa einem Drittel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten.

Der BUND forderte die Bundesregierung auf, ein Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das eine verbindliche Verringerung der Treibhausgase um mindestens drei Prozent pro Jahr vorschreibe. Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse dafür sorgen, dass die Ministerpräsidenten Christian Wulff, Horst Seehofer und Jürgen Rüttgers mit ihren Bemühungen zur Untergrabung des Klimaschutzes nicht zum Zuge kämen. Eine Abkehr von ehrgeizigen Klimaschutzzielen gefährde zehntausende Arbeitsplätze in den Bereichen erneuerbare Energien und energetische Gebäudesanierung.







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