Aktuell


AKTION zur EU-Biosprit-Abstimmung

Österreich: Regenwald im Tank

"Rettet den Regenwald" e.V. Pressemitteilung, 10.9.13

Bittere Wahrheit: Bis zu 60 Prozent Palmöl aus dem Orang-Utan Wald im "Biodiesel" Umweltschützer von Greenpeace haben in Österreich Dieselproben an Tankstellen entnommen und im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis ist ein Skandal: Bei Shell in Klagenfurt fand sich ein Palmölanteil von 60 Prozent. Es folgen BP mit 50 Prozent und Eni mit 35 Prozent. Bei OMV und Jet in Innsbruck lag der Palmöl-Anteil mit 20 bzw. 22 Prozent etwas niedriger. Insgesamt sechs Tankstellen in Klagenfurt, Innsbruck und Wien wurden getestet. Im Durchschnitt besteht Biodiesel zu einem Drittel aus Palmöl.

Die Beimischung vom Agrosprit ist in Österreich und der EU gesetzlich vorgeschrieben. Und darüber, wie viel Palm-, Raps- oder Sojaöl der Biodiesel an der Zapfsäule enthält, aus welchen Ländern dieser stammt und wie er produziert wurde, müssen die Mineralölkonzerne keinerlei Angaben machen. Den Auto- und Lkw-Fahren bleibt damit keine Wahlmöglichkeit - außer generell auf Fahrten zu verzichten.

1,9 Millionen Tonnen Palmöl wurden dem Dieselkraftstoff im vergangenen Jahr bereits EU-weit beigemischt - neben vielen weiteren Millionen Tonnen ebenso schädlichen Raps- und Sojaöls. Die dafür benötigten Palmölplantagen nehmen 700.000 Hektar in Beschlag – Land, das bis vor kurzen noch Regenwald und der Lebensraum der bedrohten Orang Utans war. Trotz der Abholzung der Regenwälder hat die EU Palmöl als nachhaltig produziert eingestuft.

Aktuell entscheidet die EU über Änderungen ihrer Agrospritpolitik. Nach der Abstimmung im EU Parlament am 11. September berät der EU Ministerrat im Herbst über das Thema.

Zur AKTION


EU-Parlament fördert weiter schädlichen "Biosprit"

. BUND-Vorsitzender Weiger: "Sozial und ökologisch nicht verantwortbar"

BUND Pressemitteilung, 11.9.13

Straßburg/Berlin: "Die Entscheidung, Agrarsprit in der geplanten Größenordnung dem Benzin und Diesel beizumischen, ist sozial und ökologisch nicht verantwortbar", sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum heutigen Beschluss des EU-Parlaments, Agrarkraftstoffe auch weiterhin zu fördern. Die Deckelung auf sechs Prozent bei der Anrechnung von Agrarsprit auf die für 2020 anvisierten EU-Verkehrs- und Klimaziele sei wegen der negativen Klimabilanz vieler Agrarkraftstoffe und gravierender Folgen für die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern zu zaghaft. "Das reicht nicht aus, um die aberwitzige Biosprit-Politik der letzten Jahre zu revidieren", sagte Weiger.

"Die Verbraucher wollen Klarheit, ob Agrarkraftstoffe klimafreundlich sind oder ob sie es nicht sind. Solange es für Agrarsprit keine realistische Klimabilanz gibt, werden sie über die Auswirkungen des expandierenden Anbaus der Rohstoffe im Unklaren gelassen", sagte der BUND-Vorsitzende.

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) würden Agrarkraftstoffe - trotz fragwürdiger Klimabilanz - in der EU mit jährlich über acht Milliarden Euro gefördert. Weiger findet es daher unverständlich, "dass viele konservative und liberale EU-Abgeordnete diese Verschwendung von Steuergeldern und die Ausweitung des Einsatzes von Agrarsprit weiter befürworten". Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollten die EU-Parlamentarier sich fragen, wie viele Geldgeschenke an die Industrie sie den Bürgern noch zumuten wollten.

In Deutschland habe eine kürzlich durchgeführte repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des BUND ergeben, dass 71 Prozent der Bürger die Förderung von Agrarsprit in der EU ablehnten. 78 Prozent seien außerdem dagegen, dass sie an den Zapfsäulen gezwungen würden, Agrarsprit – der mittlerweile allen Kraftstoffen beigemischt wird - zu tanken.


EU-Parlament entscheidet über Biokraftstoffpolitik

Von Nanna Zimmermann, Greenpeace-Online, 10.9.13

Das Europäische Parlament hat über den zukünftigen Einsatz von Biokraftstoffen abgestimmt: Künftig soll der Anteil an Biosprit im Kraftstoff auf 6 Prozent begrenzt werden. Die sogenannten „indirekten Landnutzungsänderungen“ will das EU-Parlament erst ab 2020 in der CO2-Bilanz von Biokraftstoff berücksichtigen.

„Das Abstimmungsergebnis ist leider nur ein fauler Kompromiss. Der Beschluss des EU-Parlaments bedeutet, dass auch zukünftig wertvolles Getreide und Pflanzenöl in den Tank wandern werden. Damit macht sich die EU mitschuldig am Hunger in der Welt“, sagt Gesche Jürgens, Waldexpertin bei Greenpeace. „Die Gier nach Ackerflächen wird weltweit ansteigen, Urwälder vernichten und den Klimawandel vorantreiben. Die Parlamentsentscheidung wird somit weder den Ausstoß an Klimagasen reduzieren, noch zur Rettung des Urwaldes beitragen. Wir brauchen eine wirkliche Wende im Transportsektor und kein Herumdoktern, bei dem fossiler Kraftstoff durch klimaschädlichen Biosprit ersetzt wird.“

Schon heute werden weltweit rund 150 Millionen Tonnen Getreide im Jahr zu Bioethanol verarbeitet. Deutschland baut derzeit über 1 Million Hektar Pflanzen – vor allem Raps - für die Erzeugung von Biosprit an.

Immer mehr Palmöl im Biodiesel

Die heimisch erzeugten Mengen Raps reichen nicht aus und zudem ist Palmöl deutlich billiger als Rapsöl. So ist der Einsatz von importiertem Palmöl in den vergangenen Jahren gestiegen, wie aktuelle Greenpeace-Tests belegen.

Eine Untersuchung von 15 Dieselkraftstoffproben in Deutschland kam im Juli 2013 zu dem Ergebnis, dass der Palmölanteil in Biodiesel sich im Vergleich zum Jahr 2011 verdreifacht hatte, der Rapsanteil stark gesunken war. Ähnliche Ergebnisse zeigte der Dieseltest des Branchenverbands UFOP aus dem Juli 2013, der ebenfalls 25 Prozent Palmöl in der Beimischung identifizierte.

Auch die Greenpeace-Tests in Österreich von September 2013 zeigen eine starke Erhöhung des Palmölanteils. Im Vergleich zu Testergebnissen von 2008 hatte sich dieser von maximal fünf Prozent auf bis zu 60 Prozent vervielfacht.

Europaweit bestätigt sich dieser Eindruck: So zeigt ein Report von Friends of the Earth Europe , dass die Verwendung von Palmöl in Biokraftstoffen höher ist als erwartet: Dieser macht mittlerweile rund 20 Prozent des Biodiesel-Mixes in Europa aus. Zudem seien die angestiegenen Importe von Palmöl in die EU zwischen 2006 und 2012 zu 80 Prozent auf die Kraftstoffpolitik der EU zurückzuführen.

Biosprit ist nicht klimafreundlich!

Auch die vorgesehenen Ziele zur Einsparung von Klimagasen werden durch den Großteil der Biokraftstoffe nicht erreicht, weil Anbau und Herstellung massiv Klimagase freisetzen. Seit langem fordern Umweltverbände, dass für eine saubere Gesamtberechnung der Klimagase von Biokraftstoffen auch indirekte Landnutzungsänderungen miteinbezogen werden. Denn Energiepflanzen verdrängen häufig den Anbau von Lebens- und Futtermitteln. Diese müssen auf neue Flächen ausweichen, zum Beispiel auf Waldflächen, die dafür erst in Ackerfläche umgewandelt werden müssen - verbunden mit massivem CO2-Ausstoß und der Zerstörung wertvoller Ökosysteme. Die Palmölbranche ist für die Zerstörung riesiger Flächen Regenwald in Indonesien verantwortlich. Auch Siegel wie der RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) verhindern dies nicht, wie ein aktueller Greenpeace-Report zeigt.

Biosprit führt zu höheren Pflanzenölpreisen

Ein kürzlich veröffentlichter Report des Joint Research Centers der Europäischen Kommission kam zu dem Ergebnis, dass sich ohne die Förderung von Biokraftstoffen auf EU-Ebene die Preise für Pflanzenöle bis 2020 auf einem deutlich niedrigeren Niveau befinden würden: Weltweit würden sie 15 Prozent weniger betragen, in Europa sogar bis zu 50 Prozent.

Die Politik wird derzeit ohne den Willen der Bürger gemacht. So zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage des BUND , dass sich mehr als zwei Drittel der Deutschen gegen die politische und finanzielle Förderung von Biokraftstoffen aussprechen.

Gesche Jürgens, Waldexpertin bei Greenpeace, fordert daher die Abgeordneten auf, ihre Verantwortung als gewählte Vertreter der Bürgerinnen und Bürger erst zu nehmen und den aktuellen Irrsinn bei der Biokraftstoffpolitik zu beenden.


Berlin: Proteste gegen die „grünen Lügen“ der Palmöl-Lobby

"Rettet den Regenwald" e.V. Pressemitteilung, 4.0.13

Am 02. und 03. September protestierten wir in Berlin vor den Tagungsorten der Lobbyisten mit einer kreativen Aktion gegen Palmöl und gegen die Nachhaltigkeits-Lügen von Politik und Wirtschaft.

Regenwaldabholzung, klimaschädliche Emissionen, Vertreibungen und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen – all das sind Folgen des großflächigen Palmölanbaus für Kosmetikartikel, Biosprit, Wasch- und Nahrungsmittel. Doch statt politisch auf eine Begrenzung des Einsatzes von Palmöl hinzuarbeiten, sind Politik und Wirtschaft bemüht, das klimaschädliche Öl „grün zu waschen“.

Am 02. September 2013 gründete sich in Berlin die neue Greenwash-Initiative „Forum nachhaltiges Palmöl“ (FONAP). Initiatoren sind die großen Konsumgüterkonzerne Henkel, REWE Group und Unilever sowie der WWF. Die deutsche Politik ist durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und durch eine finanzielle Förderung seitens des Bundesministeriums für Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft (BMELV) vertreten. Am Folgetag der FONAP-Gründung trafen sich die Palmöl-Lobbyisten abermals in Berlin; zu dem Europagipfel des sogenannten „Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO).

Gemeinsam mit Aktivisten von Robin Wood, Watch Indonesia! und weiteren Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen protestierten wir vor den Tagungsorten der Lobbyisten. Bewaffnet mit Putzutensilien und grüner Seife bemühten wir uns, die „grünen Lügen“ über nachhaltiges Palmöl wegzuschrubben. Entgegen der Behauptungen von Politik und Wirtschaft führt auch der zertifizierte Ölpalmenanbau zu starken Klima- und Umweltzerstörungen sowie zu schweren Menschenrechtsverletzungen.


Forsa: Mehrheit der Deutschen gegen "Biosprit"-Förderung und Beimischungszwang

BUND fordert von EU-Parlament Kehrtwende

BUND Pressemitteilung, 2.9.13

Brüssel/Berlin: Mehr als zwei Drittel der Deutschen lehnen derzeit die politische und finanzielle Förderung von Agrosprit ab. Nur etwa jeder fünfte vom Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte Bundesbürger befürwortet die weitere Förderung von Kraftstoffen, die aus Ackerfrüchten produziert werden.

Dass Agrosprit mittlerweile allen Kraftstoffarten beigemischt wird, findet ebenfalls nur etwa jeder fünfte richtig. Fast vier Fünftel der Deutschen lehnen den Beimischungszwang ab und sind der Meinung, Autofahrer sollten selbst entscheiden können, ob dem Kraftstoff Agrosprit beigemischt ist oder nicht. Diese Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Umfrage bei über 1.000 Bundesbürgern veröffentlichte heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

"In der EU sollen 2020 zehn Prozent der im Verkehrssektor eingesetzten Treibstoffe aus regenerativen Quellen stammen. Dabei soll der Einsatz von Agrosprit angerechnet werden können. Der Anbau von Pflanzen zur Agrospritproduktion treibt aber nicht nur die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe, die Klimabilanz der meisten Agrokraftstoffe ist auch negativ. Es ist ökologisch und sozial nicht vertretbar, die Erzeugung und den Einsatz von Agrosprit weiter zu fördern", sagte die BUND-Agrarexpertin Kathrin Birkel.

Die Förderung des Einsatzes von Agrotreibstoffen ermögliche es außerdem Autoherstellern, die Anwendung von Spritspartechniken auf die lange Bank zu schieben. Vor allem deutsche Hersteller favorisierten weiterhin große, schwere und spritfressende Fahrzeuge, deren klimaschädliche Auswirkungen unter dem Deckmantel des Einsatzes von sogenanntem "Biosprit" verschleiert würden, kritisierte Birkel.

Das EU-Parlament habe bei seiner Abstimmung am 11. September in Straßburg Gelegenheit zur Kehrtwende, sagte die BUND-Agrarexpertin. Derzeit sehe es jedoch noch so aus, dass vor allem Abgeordnete konservativer Parteien gegen die geplante Begrenzung des Einsatzes von Agrosprit stimmen würden. Die Agrospritindustrie laufe ebenfalls seit Monaten Sturm gegen eine Deckelung der eingesetzten Mengen.




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