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Modellwald Lübeck

Lübecks Wald ist Weltklasse

Eine Ausstellung in Lübeck zeigt, wie ohne Kahlschlag und Monokulturen erfolgreich gewirtschaftet werden kann.

Von Karin Lubowski, Hamburger Abendblatt, 2.4.08

Lübeck - Würzige Luft und hohe Bäume, unter denen wir frei durchatmen können, erholsame Ruhe, die nur vom Spechtgeklopfe unterbrochen wird und aus der innerer Frieden wächst - Wald ist viel mehr als Baum an Baum. Er ist Naturereignis, das tief im Gefühl wurzelt.

Wie naturnaher Wald jedoch aussieht, wissen die wenigsten. "Runter vom Holzweg", heißt eine Ausstellung, die unser Wald-Wissen um neue Erkenntnisse erweitern will. Zu sehen ist sie in Lübeck, der Stadt, die als erste deutsche vor 14 Jahren das Wort "Waldwirtschaft" neu definiert hat: naturnah. Die Erfolge sind verblüffend.

"Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?", fragte Joseph von Eichendorff einst ehrfürchtig. Lutz Fähser (63), Leiter des Lübecker Forstamtes und damit Meister von 5000 Hektar Wald, antwortet trocken: "Der Mensch. Die vielen Wälder sind heute nichts anderes als Intensivstationen der Forstwirtschaft."

Wenn am Sonntag die Lübecker Sonderausstellung im Museum für Natur und Umwelt eröffnet wird, wird Fähser (11 Uhr) ins Thema einführen. "Sein" Konzept der naturnahen Waldwirtschaft, das "Lübecker Waldmodell", ist internationales Vorzeigemodell.

Auf welchen gefährlichen Holzwegen - intensive Einschläge, Abholzung der Regenwälder, Monokulturen - sich die Waldwirtschaft international befindet und welche Konsequenzen das für den Lebensraum Wald, das Ökosystem und das weltweite Klima hat, ist ebenso Thema der Ausstellung wie der Blick auf die "schönen Seiten" unterschiedlicher Holzarten: Wie sehen sie aus, wie klingen sie, was entsteht aus ihnen? Zentrale Frage ist vor allem aber: Wie sieht ein naturnaher Wald überhaupt aus?

Fichten, scheinbar typisch für den norddeutschen Wald, haben - wie Lärchen und Douglasien - eigentlich gar nichts in ihm zu suchen. In der natürlichen Waldgesellschaft wachsen hierzulande Buchen, Eschen, Ahorne, Hainbuchen, Ulmen, Wildobst, Birken, Eichen, Roterlen, Kiefern. "Das Verhältnis von Laub- zu Nadelgehölzen läge im Norden ohne menschliches Zutun bei 99:1", sagt Fähser. Tatsächlich liegt es im Schnitt aber bei 40:60. Im Lübecker Stadtwald ist in den vergangenen Jahren ein Verhältnis von 75 Prozent Laub- zu 25 Prozent Nadelgehölzen herangewachsen. "Unser Wald ist älter und dichter geworden", sagt Fähser. Tiere, die bedroht oder bereits vertrieben waren, fühlen sich wieder wohl in Lübeck: Seeadler, Uhu, Schwarzstorch, Schwarzspecht.

Wie Fähser das gemacht hat? "Wenig statt viel tun." Keine Kahlschläge, keine Monokulturen, keine Gifte und Mineraldünger. Ein umgestürzter Baum bleibt liegen. Und die gefürchteten Borkenkäfer? "Die machen sich vorzugsweise über Fichten her. Für heimische Baumarten sind sie nicht von Bedeutung."

Als "Öku-Guru" wurde er noch vor 13 Jahren gescholten, heute steht er einem national und international ausgezeichneten Forstamt vor, unter anderen erhielt er das Naturland-Zertifikat und eine Auszeichnung vom Forest Stewardship Council.

Fähser selbst wird bei seiner Arbeit von drei Motiven getrieben: "Wir verlangen in Sachen umweltgerechter Forstwirtschaft von den Entwicklungsländern mehr, als von uns selbst. Zum zweiten wollte ich beweisen, dass die Verträge der Internationalen Umweltkonferenz von Rio 1992 umsetzbar sind. Drittens waren es vor allem rein ökonomische Überlegungen." Der Ökonom Fähser rechnet vor: Naturnahe Waldnutzung = weniger Eingriffe = weniger Arbeitsstunden, plus höhere Qualität des geernteten Holzes. "Wir erwirtschaften einen Überschuss von 200 000 Euro im Jahr."

"Runter vom Holzweg", 3. Februar bis 8. August, Museum für Natur und Umwelt, Musterbahn 8, Lübeck. Di-Fr, 9-17 Uhr, Sa + So 10-17 Uhr







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