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Einschlag im geschützten Spreewald

Nabu Spreewald: Forst zerstört geschützten Wald

Von Jan Gloßmann, Lausitzer Rundschau, 13.2.08

Bei Forstarbeiten nahe Groß Wasserburg sind Flächen der Schutzzone I des Biosphärenreservates Spreewald massiv zerstört worden. Naturschützer sprechen von bis zu einem Meter tiefen Fahrspuren durch schwere Technik auf Flächen, die eigentlich nicht betreten werden dürfen.

Beim Landratsamt in Lübben läuft ein Verfahren, nachdem sich das zuständige Amt für Forstwirtschaft selbst angezeigt hat. Der Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg will jetzt auch eine Beschwerde bei der Europäischen Union in Brüssel einreichen. Der Schönwalder Harald Schneider ist noch immer außer sich, wenn er von den Schäden spricht: «Das ist eine Farce.» Offenbar schwere Technik habe bis zu einem Meter tiefe Spuren hinterlassen. Außerdem seien Bäume gefällt worden, deren Holz als minderwertig gilt. Schneider, Vorsitzender des Nabu-Verbandes Spreewald, weiß, wovon er spricht; er ist Tischler. Und er weiß auch, was er gemeinsam mit seinem Landesvorsitzenden Tom Kirschey fordert: «Die Forstwirtschaft muss dort raus aus der Schutzzone.»

Die Arbeiten im «Urwald» bei Groß Wasserburg seien – freundlich formuliert – «nicht besonders sensibel» erfolgt, so Kirschey. Mit schwerer Technik seien Flächen der Schutzzone I malträtiert worden. Eschen, Erlen und wohl auch Eichen seien gefällt worden am Rande des «Schutzgebietes von europäischem Rang».

Bislang sei der Naturschutz viele Kompromisse eingegangen, wenn es darum ging, wertvolles Holz zu ernten. «Eine 200-jährige Eiche kann als Furnierstamm schon bis zu 25 000 Euro wert sein.» Kompromisse zwischen Schutzbedürfnis der Landschaft und Nutzholzgewinnung seien oft nötig. Allerdings seien Bäume von «äußerst schlechter Holz-Qualität» gefällt worden. Dabei sei «ohne große Not und rücksichtslos» vorgegangen worden.

Das Amt für Forstwirtschaft war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Im Landratsamt und beim Biosphärenreservat gibt man sich bedeckt. «Das ist ein laufendes Verfahren. Es werden Zeugen gehört» , sagt die Sprecherin des Landratsamtes, Heidrun Schaaf. Am Ende des Verfahrens werde voraussichtlich ein Bußgeld verhängt. Höhe: unbekannt. Dem Nabu reicht das nicht. Kirschey sagt: «Es geht uns nicht um den Förster vor Ort, auch wenn dort Fehler gemacht worden sind.» Doch die Waldarbeiter und die Forstämter hätten Vorgaben aus Potsdam zu erfüllen. «Die sind das Problem.» Damit sei man bei Grundfragen: «Wie gehen wir mit Landeswald um« Was tun wir mit Naturschutzgebieten»»

Hintergrund Schutzzone I

Das Gesamtgebiet des Biosphärenreservates ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, in das 23 Naturschutzgebiete (NSG) und sieben Kernzonen eingebettet sind. Eine Kernzone (Schutzzone I) schützt die Teilbereiche des Spreewalds, in denen weitgehend noch Natur pur zu finden ist. Sie nimmt zwei Prozent des Spreewaldes – in erster Linie naturnahe Waldbestände – ein. Hier werden die Ökosysteme ihrer natürlichen Dynamik überlassen. Die als Totalreservate ausgewiesenen Naturschutzgebiete dürfen nur zu Forschungszwecken betreten werden. In Naturschutzgebieten steht der Biotop- und Artenschutz im Vordergrund. Die Naturschutzgebietsverordnung regelt über Schutzzweck, Ge- und Verbote Nutzungseinschränkungen. Quelle: Umweltministerium







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