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Aktuell

Klimawandel in Deutschland

Dienstag, 12. Februar, 06:58 Uhr

Milder Winter begünstigt Pilzbefall bei Pflanzen

Berlin (ddp-bln). Trotz der anhaltend warmen Witterung in den Wintermonaten muss in diesem Jahr nicht zwangsläufig mit einer explosionsartigen Schädlingsvermehrung in Berlin und Brandenburg gerechnet werden. «Die Insektenpopulationen sind in diesem Jahr schwer vorherzusagen, weil wir mit solch extremen Witterungsbedingungen noch nicht viel Erfahrung haben», sagte der Leiter des Pflanzenschutzamtes, Holger Schmidt in Berlin. Eine warme und feuchte Witterung kündige aber wahrscheinlich starken Pilzbefall insbesondere bei Kartoffeln und Tomaten an.

Ein häufiger Temperaturwechsel von unter zu über dem Gefrierpunkt wie in diesem Winter sei für Insekten eher schädlich, sagte der Experte weiter. Insgesamt beobachte er, dass wärmeliebende Arten wohl in der Region stärker auftreten. Im März und April entscheide sich, ob es 2008 zu einer Blattlaus- oder Borkenkäferplage komme: Ein warm-feuchtes Wetter könne zu einer Verpilzung von Eiern führen. Auch kühle und nasse Witterung sei schlecht für die Vermehrung. Warme und trockene Bedingungen dagegen begünstigten die Entwicklung von Eiern, Larven und Puppen.

Im Jahr 2007, das ebenfalls mit einem sehr milden Winter begann, hatten sich lediglich Blattläuse stark vermehrt. Demgegenüber zählten die Experten im Vergleich zum Jahr 2003 nur halb so viele Kastanienminiermotten. Daneben hatten Landwirte und Kleingärtner vor allem mit Pilzbefall zu kämpfen.


Frühjahrsputz bei den Spatzen

Die Natur passt sich den warmen Tagen an – Ornithologe Karl-Heinz Dorge hat schon Kiebitze gesehen

Von Reinhard Wagner, newsclick.de , 12.2.08

KÖNIGSLUTTER/NORD-ELM. Immerhin, die Nächte sind noch kalt, doch die Tage in diesem Februar lassen bereits den Frühling erahnen. Die Boten dieser Jahreszeit blühen – oder jubilieren im Wald und auf der Flur. Der Ornithologe Karl-Heinz Dorge aus Königslutter hat "Ungewöhnliches für den Februar" beobachtet.

Ein verschlafener Blick am frühen Morgen aus dem Fenster lässt noch Winterliches sehen. Raureif überzieht Wiesen und Büsche. Doch spätestens nach dem Öffnen der Haustür, um die Zeitung zu holen, dringt Frühlingsgesang in die Ohren.

Die Stare posieren auf dem Dach und singen mit den Meisen um die Wette. Karl-Heinz Dorge ist begeistert, obwohl er weiß, dass dies nicht nur nach seiner Einschätzung "nicht normal" ist.

Die ersten Kiebitze hat der Nabu-Vorsitzende schon vor Tagen auf den Feldern bei Süpplingenburg gesehen. Hohltauben hat er am vergangenen Wochenende im Dorm gehört. "Das ist acht bis zehn Tage zu früh", weiß der erfahrene Vogelbeobachter.

Der Winter hatte für ihn schon überraschende Ereignisse. "Bergfinken haben bei uns überwintert. Die ziehen sonst nach Süddeutschland." Gleiches hat er bei den Bachstelzen beobachtet. Auffällig für ihn ist auch, dass die Blessgänse bereits in Richtung Norden weggezogen sind.

Krick- und Löffelenten sind auf den Teichen und die Stockenten balzen schon um ihre Weibchen. Auch die Graugänse sind früh in ihren Brutgebieten.

Nicht nur die Vögel entwickeln an diesen ungewöhnlich warmen Februartagen Frühlingsstimmung. Schneeglöckchen und Krokusse blühen in den Gärten. Einzelne Märzenbecher wollen Spaziergänger schon gesehen haben. Unbestätigt ist bisher die Meldung einer Frau, dass auch die Adonisröschen auf dem Heeseberg ihre gelben Blüten zeigen sollen.

Die Stimmung erinnert an ein Frühlingsgedicht von Joseph Freiherr von Eichendorff: "Über'n Garten durch die Lüfte hört' ich Wandervögel zieh'n, was bedeutet Frühlingsdüfte, unten fängt's schon an zu blüh'n. Jauchzen möcht' ich, möchte weinen, Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!"

Gerade so fühlt auch Karl-Heinz Dorge. Begeistert nimmt er das aufblühende Leben in der Natur wahr. Wissend, dass es nicht normal ist.


Dienstag, 12. Februar, 17:20 Uhr

Streit um Enquete-Kommission Klimawandel

Mainz (ddp-rps). Um die Arbeitsweise der Enquete-Kommission «Klimawandel» des Mainzer Landtags ist Streit entbrannt. Die SPD warf der CDU am Dienstag in Mainz schlechten Stil vor. Grund ist eine Pressemeldung, in der die CDU ein «Zwischenbilanz» der Kommissionsarbeit zieht und mehrere Forderungen für den Klimaschutz in Rheinland-Pfalz zieht. Nach nur zwei inhaltlichen Sitzungen sei das «nicht angemessen», kritisierte SPD-Obmann Alfons Maximini. Das Mainzer Umweltministerium wies zudem die Forderungen von CDU-Obmann Thomas Gebhardt als ungeeignet zurück.

Gebhardt hatte nach einem Besuch der Vorlesung eines Klimaexperten an der Mainzer Universität am Montagabend eine bessere «Ist-Analyse» der klimatischen Veränderungen in Rheinland-Pfalz gefordert und sich für eine «klimaökologische Datenbank» nach dem Vorbild des Landes Sachsen ausgesprochen. Dabei könnten regionale Veränderungen in Form «kleingekammerter Reliefs» genauer analysiert und so die Folgen für Landwirtschaft und Forst besser abgeschätzt werden.

Die bisherige Arbeit der Kommission habe deutlich gemacht, dass sich Rheinland-Pfalz bereits mitten in der Klimaveränderung befinde, sagte Gebhardt in seiner «Zwischenbilanz» weiter. Kaum ein anderes Land weise aber so viele regionale Unterschiede auf, eine «zielorientierte Forschung» sei deshalb unerlässlich. Der Klimaschutzbericht der Landesregierung reiche dafür nicht aus, kritisierte Gebhardt. Auch seien Beteiligungen wie am Projekt «Kliwa» zur Erforschung von Klimawandel und Wasserwirtschaft zu spät begonnen worden.

Das Umweltministerium wies die Vorwürfe zurück. Die Analyse «kleingekammerter Reliefs» sei vergangenheitsbezogen und nicht geeignet, «methodisch fundierte zukunftsbezogene Projektionen des Klimas» zu ermöglichen. Zudem berücksichtige der Klimabericht des Landes bereits ausführlich die regionalen Besonderheiten. In der Wasserwirtschaft kooperiere das Land seit 2007 mit Bayern und Baden-Württemberg beim Projekt «Kilwa», bei dem zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst der Einfluss des Klimawandels auf die Wasserverhältnisse untersucht werde. Der Klimawandel werde außerdem bereits «seit langem» bei der Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes berücksichtigt.

Maximini kritisierte, die CDU solle ihre Kenntnisse und Forderungen in den Sitzungen der Kommission einbringen, «so, wie es dem Stil einer Enquete-Kommission» entspräche. Der Landtag habe der Kommission einen «verantwortungsvollen Aufgabenkatalog» aufgegeben, der erst einmal abgearbeitet werden solle. Stattdessen entstehe der Eindruck, die CDU wolle die Enquete-Kommission von «lediglich als Vehikel für öffentlichkeitswirksame Mitteilungen» nutzen.

Die Enquete-Kommission war auf Antrag der CDU Ende Juni 2007 vom Landtag eingesetzt worden und soll bis Herbst die Auswirkungen des Klimawandels auf Rheinland-Pfalz untersuchen. Enquete-Kommissionen sind überfraktionelle Arbeitsgruppen, die langfristige Fragestellungen untersuchen und Vorschläge zur Lösung entwickeln sollen.


Dienstag, 12. Februar, 08:45 Uhr

Neuseeland plant ehrgeizige Klimaschutz-Maßnahmen

Wellington (AP) Im Kampf gegen die globale Erwärmung hat die neuseeländische Regierung am Dienstag ambitionierte Schritte angekündigt. Neuseeland müsse «Teil der Lösung der größten Probleme der Welt sein», erklärte Ministerpräsidentin Helen Clark am Dienstag vor dem Parlament. Geplant sind unter anderem die Einführung eines CO2-Emissionshandels und Gesetze, die sicherstellen sollen, dass «saubere» Kraftstoffe in vier Jahren mindestens 3,4 Prozent des verkauften Sprits ausmachen.

Bis 2040 soll der Verkehrssektor komplett «kohlenstoff-neutral» werden, für die Stromerzeugung soll dieses Ziel bereits 2025 erreicht sein. Schon jetzt liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromgewinnung in Neuseeland bei fast 70 Prozent. Auch aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus müsse das Land Klimaschutz-Initiativen ergreifen oder deutliche Einschränkungen auf wichtigen ausländischen Märkten hinnehmen, «wo die Verbraucher zunehmend ethisch motivierte Entscheidungen treffen», sagte Clark.


Montag, 11. Februar, 21:00 Uhr

UN-Generalsekretär ruft zu mehr Klimaschutz auf

New York (AP) UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Regierungen, Wirtschaft und Bürger weltweit zu verstärkten gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. «Wenn 2007 das Jahr war, in dem der Klimawandel an die Spitze der internationalen Themen weltweit aufgestiegen ist, dann muss 2008 die Zeit sein, in der wir gemeinsam handeln», sagte Ban am Montag zur Eröffnung einer zweitägigen Debatte in der UN-Vollversammlung zum Thema Klimawandel.

Die Weltklimakonferenz auf Bali hatte sich im Dezember darauf verständigt, bis 2009 ein neues Klimaabkommen auszuhandeln. Es soll das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen. Die zweitägige UN-Sitzung in New York soll Wege zu einer Einigung suchen.


Vattenfall gibt Klima-Unterricht an Schulen

Von Gerd Kulik, Greenpeace-Online, 11.2.08

Der Energieversorger Vattenfall veranstaltet im Rahmen einer Klimaakademie Unterricht an Schulen in Brandenburg. Ein ähnliches Projekt läuft seit ein paar Wochen in Hamburg. Diese Kampagne ist nur ein weiterer Versuch des Konzerns, sich ein grünes Image zuzulegen.

Vattenfall veranstaltet in diesen Tagen an 13 Schulen im Braunkohle- Abbaugebiet im Südosten Brandenburgs Klima-Unterricht. In einem Film können sich die Schülerinnen und Schüler über mögliche Quellen der Energieverschwendung im Haushalt informieren. Danach halten eigens geschulte Mitarbeiter im Vattenfall-Klimaschutzbus einen Kurzunterricht ab. Das Thema: "Klimaverschwendung als ein gesamtgesellschaftliches Problem". In den nächsten Wochen soll der Klimaschutzbus in der Lausitz auf 24 weiteren Schulhöfen vorfahren.

Dass die Schülerinnen und Schüler ausgerechnet beim Kohle-Konzern Vattenfall objektiv über Klimaschutz informiert werden, ist kaum anzunehmen. Vattenfall gewinnt seinen Strom zum größten Teil aus dem Verbrennen von Braunkohle und trägt damit erheblich zur Klimakrise bei. Mit 82 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß im Jahr 2006 ist Vattenfall der zweitgrößte CO2-Emittent Europas.

In Brandenburg stammen zwei Drittel des CO2-Ausstoßes aus Vattenfall- Braunkohlekraftwerken. Jänschwalde im Südosten des Landes zählt zu den fünf klimaschädlichsten Braunkohlekraftwerken Europas. Um an den Brennstoff für die Kraftwerke zu kommen, werden Landstriche zerstört, müssen ganze Dörfer weichen.

"Wer Vattenfall zum Thema Klimaschutz dozieren lässt, kann auch gleich einen Bankräuber über Wirtschaftswissenschaften unterrichten lassen", sagt Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. "Vattenfall betreibt mit unlauteren Methoden an den Schulen Eigenwerbung."

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert die Lobbyarbeit von Vattenfall an den Brandenburger Schulen. GEW-Landeschef Günther Fuchs sagte am Wochenende in der Berliner Zeitung, Vattenfall versuche angesichts der bundesweiten Debatte um den Klimaschutz Einfluss auf die Meinung der Schülerinnen und Schüler zu nehmen. Der Konzern begehe eine Grenzüberschreitung, so Fuchs.

Stromproduktion im Einklang mit der Natur?

Aber nicht nur durch diese Schulkampagne will sich Vattenfall ein grünes Image geben. Auf der Homepage des Konzerns heißt es, Vattenfall produziere Strom und Wärme im Einklang mit Natur und Landschaft. Außerdem trage der Konzern durch effiziente Energienutzung und optimierte Energieerzeugung der Kraftwerke aktiv zum Klimaschutz bei.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Beispiel: Steinkohlekraftwerk Moorburg in Hamburg. Mit seiner Inbetriebnahme würde in der Hansestadt der Ausstoß von Kohlendioxid in den kommenden 40 Jahren um 8,5 Millionen Tonnen jährlich erhöht. Dies entspricht einer Steigerung um 70 Prozent. Die Anlage ist ungefähr doppelt so klimaschädlich wie ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk. Zudem ist Moorburg durch die geringe Wärmeauskoppelung ineffizienter als das alte Kraftwerk Wedel, das es ersetzen soll.

"Vattenfall verdient Millionen an der Klimazerstörung, Vattenfall betreibt den klimaschädlichsten Kraftwerkspark in Deutschland und Vattenfall zögert nicht, drei weitere klimaschädliche Kohlekraftwerke in Sachsen, Hamburg und Berlin zu errichten", erklärt Karsten Smid. "Unter dem Deckmantel Klimaschutz betreibt Vattenfall Greenwashing. Die PR-Abteilung von Vattenfall will mit gezielter Desinformation sich selbst und der dreckigen Kohle ein sauberes Image verpassen."

Auch die von Vattenfall-Chef Josefsson in einem Spiegel Online-Interview gepriesene CO2-Abscheidung hält nicht das, was sie verspricht. Mit dem Verfahren des so genannten 'Carbon Capture and Storage' soll das CO2 nicht mehr ausgestoßen, sondern unterirdisch gelagert werden.

Doch das Lagern tief unter der Erde ist nicht ungefährlich. Durch undichte Stellen könnte das Kohlendioxid austreten und die Gesundheit von Menschen oder Tieren gefährden. Außerdem wäre das Gas dann wieder in der Atmosphäre, was ja vermieden werden sollte. Diese Technik ist zudem sehr teuer. Und für das Verflüssigen des CO2 muss zusätzlich wieder Energie bereitgestellt werden. Der größte Nachteil ist jedoch: Dieses Verfahren wird wahrscheinlich erst im Jahr 2020 einsatzfähig sein. Es würde also viel zu spät kommen, um den Klimawandel zu stoppen.

"Vattenfall-Chef Josefsson ist beim Thema CO2-Abscheidung höchst unglaubwürdig. Er wirft immer neue Zahlen in den Raum, wann diese Technik einsatzfähig sein wird. Aber er ist nicht einmal bereit, die Verantwortung für die Jahrhunderte dauernde sichere Lagerung des CO2-Mülls zu übernehmen", kritisiert Klimaexperte Smid.







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