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Biberschäden

Biber nagt, Waldbesitzer klagt

Anzeichen für ein Umdenken der Naturschutzbehörden: Schäden anerkennen

Der Biber - von Naturschützern wird er geliebt, von Bauern und Waldbesitzern gehasst. Die Donau haben die Nagetiere als Lebensraum zurückerobert - mit spürbaren Folgen. Am Beispiel der Waldgemeinschaft Oberelchingen wird deutlich, wie beide Seiten um Lösungen ringen.


Von Verena Schühly, Südwest Presse, 14.2.08

ELCHINGEN "Das hier ist echt nicht mehr lustig." Theo Zeller kann nur den Kopf schütteln, wenn er seinen Blick schweifen lässt. Der Vorsitzende der Waldgemeinschaft Oberelchingen steht wenige Meter vom Schweißgraben entfernt, der Bach entwässert den Thalfinger See in die Donau. Die große Lichtung im Auwald rund um Zeller sieht aus wie gerodet - aber hier waren keine Forstarbeiter mit Motorsägen am Werk, sondern Biber. Auf einer riesigen Fläche sind etwa zwei Drittel aller Bäume etwa auf Kniehöhe gekappt, die Stämme liegen quer am Boden. Überall am Boden sind helle Holzschnitzel, die der Biber abgenagt hat, zu sehen. Die Schäden sind frisch. Zeller zeigt die Nagestellen: "Der Biber nimmt nicht nur kleine Bäume, sondern auch welche mit Stammdurchmesser von zehn oder zwölf Zentimetern. Das sind Bäume, von den wir meinten, dass sie es geschafft haben."

Auch sonst verhalten sich die Nagetiere im Bereich des Schweißgrabens nicht nach Lehrbuch. "Erstens geht der Biber viel weiter als 20 Meter in den Wald hinein. Zweitens lässt er das Weichholz stehen und geht ans Hartholz", berichtet Theo Zeller. "Das sind fast alles Ahornbäume und Eschen."

Seit einigen Jahren registriert die Waldgemeinschaft Biber-Schäden, seit zwei Jahren seien diese "immens". "Hier wird uns die Arbeit und die Mühe von vielen Jahren kaputt gemacht - das wollen wir so nicht mehr hinnehmen", macht der pensionierte Lokführer deutlich.

Erste Anlaufstelle ist die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt. Da Biber eine geschützte Tierart sind, die nicht gejagt werden dürfen, "gibt es rechtlich keine Schadensregulierung von Seiten des Freistaats", erklärt Michael Angerer.

Teilweises Umdenken

Dass die Waldbesitzer durch die Nager einen Verlust an Einnahmen haben, ist inzwischen zu den Gesetzgebern durchgedrungen, ein teilweises Umdenken zeichnet sich ab. Angerer: "Derzeit wird ein Fonds diskutiert, um finanzielle Schäden ausgleichen zu können." Aber spruchreif sei noch nichts.

Der Naturschutz-Beauftragte des Kreises hat den Oberelchinger Waldbesitzern in den jüngsten Gesprächen verschiedene Angebote gemacht: Zum einen sei es möglich, aktive Schutzmaßnahmen zu unterstützen. Beispielsweise den Bau eines Zauns oder den Kauf des Baumschutzmittels Wöbra, das ist eine nicht giftige Mischung aus Quarzsand und Harz, die auf die Stämme aufgetragen wird und bewirkt, dass der Biber nicht weiternagt. Als weiteres Angebot steht, dass die Waldbesitzer in ein Vertrags-Naturschutzprogramm einsteigen und einen Streifen entlang des Schweißgrabens aus der forstlichen Nutzung nehmen und dafür eine Entschädigung bekommen, die bei 150 Euro pro Hektar liegt.

Laut Theo Zeller werden die Angebote in der Waldgemeinschaft, die 39 Anteile hat, kontrovers diskutiert. "Ein Zaun in dem unebenen Gelände bringt gar nichts - beim kleinsten Loch ist der Biber drin. Und beim Wöbra wissen wir ja gar nicht, wo wir anfangen und wo wir aufhören sollten." Das Gebiet ist 87 Hektar groß, es grenzt an viele Seen und ist durchzogen von Bächen, in denen Biber wohnen. Auch sei der Entschädigungsbetrag ziemlich niedrig im Vergleich zu den Kosten einer Aufforstung, die laut Zeller im günstigsten Fall bei 500 bis 600 Euro pro Hektar liegen.

Vor zwölf Jahren haben die Oberelchinger ihr Gebiet neu kultiviert mit Edellaubhölzern wie Ahorn, Esche, teilweise auch Eiche und Wildkirsche. "In unserem Boden ist viel Kies, das macht ihn sehr trocken. Für Nadelhölzer ist das kein guter Standort." Zudem fällt der Biber nicht nur Bäume, er nagt bei dicken Eichen auch nur die Rinde ab, was für Zeller trotzdem das "Todesurteil" für den Baum bedeutet.

"Schäden für Generationen"

"Die Schäden, die der Biber anrichtet, sind nicht nur materieller Art", sagt Zeller weiter, "das sind Schäden für Generationen. Denn ein gefällter Baum kommt nicht wieder. Da sind mir Verbissschäden durch Rehe tausendmal lieber, da wächst wenigstens was nach."

Für den Chef der Oberelchinger Waldgemeinschaft ist die Wurzel des Problems, dass der Biber keine natürlichen Feinde mehr hat - und als geschütztes Tier nicht gejagt werden darf. "Mit Einfangen kommt man nicht weit: Hat man einen gefangen, kommt ein neuer und macht sich im Revier breit." Gleichzeitig betont Zeller: "Naturschutz muss sein, das ist klar. Aber hier brauchen wir wirklich Hilfe."







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