Aktuell


Bundeswildwegeplan

Dienstag, 19. Februar, 14:19 Uhr

«Wir haben einen Bundeswildwegeplan erstellt»

Berlin/Bonn (ddp). Mehrere Tier- und Naturschutzverbände wollen am Donnerstag Pläne für einen verbesserten Lebensraum wandernder Wildtiere vorstellen. «Wir haben einen Bundeswildwegeplan erstellt», sagte Kathrin Klinkusch vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) am Dienstag in Berlin auf ddp-Anfrage. Der Plan sehe den Bau von Grünbrücken vor, die die Wanderung und Population der Wildtiere unterstützen. Länder und Kommunen seien gefordert, die Pläne umzusetzen, weil sie durch Straßenwege in den natürlichen Lebensraum der Tiere eingriffen.

Die Tiere bräuchten mehr Lebensraum, um sich fortzupflanzen und zu entwickeln, sagte Klinkusch. In den zersiedelten Landschaften fänden sie diesen nicht vor. Das dichte Verkehrsnetz begrenze die Mobilität der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Fischotter, Luchse und Wildkatzen. Dadurch werde eine Ausbreitung der Population über die Ländergrenzen hinaus behindert. Betroffen sei auch das Rotwild als größte heimische Wildtierart.

An den Plänen beteiligen sich neben NABU auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Deutsche Jagdschutz-Verband, die in Berlin zur gemeinsamen Tagung «Verbinden, was zusammengehört - Wege aus der Zerschneidung von Lebensräumen» mit der Dr. Joachim und Hanna Schmidt Stiftung für Umwelt und Verkehr zusammenkommen.


Montag, 18. Februar, 12:44 Uhr

«Brückenverbot» für den Fischotter

Zarrentin (ddp-nrd). Uferzonen wurden betoniert, Flussläufe begradigt, Fließgewässer unter Brücken durch enge Röhren geführt - der potenzielle Lebensraum für den Fischotter in Deutschland ist in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert worden. Tatsächlich habe die «DIN-gerechte Umgestaltung der Landschaft» vielerorts den Lebensraum der Tiere zerstört, sagt Reiner Schmahl vom Biosphärenreservat Schaalsee in Nordwestmecklenburg. Zusammen mit der Deutschen Wildtierstiftung versuchen die Biologen im ehemaligen DDR-Grenzgebiet zu Schleswig-Holstein seit einigen Jahren mit einem Schutzprogramm dem selten gewordenen Fischotter wieder einen natürlichen Lebensraum zu schaffen.

Zu dem 309 Quadratkilometer großen Areal gehören 18 Naturschutzgebiete an der heutigen Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommerns zu Schleswig-Holstein. Darunter auch die Flüsse Schaale, Schilde und Hammerbach als Lebensraum für die bis zu 1,5 Meter langen Fischotter. Das Biosphärenreservat Schaalsee ist in vier Zonen gegliedert, die einen unterschiedlich starken Einfluss des Menschen auf die Natur erlauben. Seit 2000 ist es eines der beiden UNESCO-Biosphärenreservate im Nordosten.

Im Mittelpunkt des Fischotterprogramms steht neben der Wiederherstellung des natürlichen Lebensraums vor allem der Umbau bestehender Flussbrücken. Otter würden selten durch die Röhren hindurchschwimmen, sagt Schmahl. Vielmehr umgingen sie das vermeintliche Hindernis und überquerten dabei oftmals auch Straßen. Da die Tiere jedoch zumeist in Zickzack-Linien liefen, sei die Gefahr groß, dass sie überfahren würden, erklärt der Biologe.

Abhilfe könnten sogenannte Bermen schaffen - schmale Läufe entlang der Brückenwände. Rund 5000 Euro kostet der Deutschen Wildtierstiftung zufolge die Umgestaltung einer Brücke einschließlich der Bepflanzung der Uferbereiche, um den Ottern den Ausstieg aus dem Wasser zusätzlich zu erschweren. Sie könnten so gehindert werden, die Fahrbahn zu überqueren. Für das Gebiet des Reservats gebe es noch eine Reihe geplanter Umbaumaßnahmen, die überwiegend aus Spenden der Wildtierstiftung finanziert würden.

In den vergangenen Jahren hat sich nicht zuletzt durch die Arbeit der Biologen der Bestand der Fischotter wieder erholt. Seit geraumer Zeit könne auch nachgewiesen werden, dass die Tiere ihren Lebensraum wieder nach Schleswig-Holstein ausdehnten, sagt Schmahl. Bis 1993 waren die Seen westlich der Landeshauptstadt Schwerin wie eine Verbreitungsgrenze für den Bestand.

In der jüngsten Erhebung vor vier Jahren sei diese nicht mehr nachweisbar gewesen, sagte Biologin Franziska Neubert von der Gesellschaft für Naturschutz und Landschaftsökologie e.V. (GNL) in Kratzeburg. Auch die Populationszahlen in Brandenburg und anderen Bundesländern hätten sich in den Vorjahren erholt. Absolute Bestandszahlen lägen der GNL, die im Auftrag des Umweltministeriums die Ergebnisse etlicher Monitoringprogramme im Nordosten zusammenfasst, jedoch nicht vor, sagt sie.

Der Verbreitungsnachweis im Reservat erfolge indirekt. Dazu gehöre die Erfassung der Spuren der Tiere, sogenannter Trittsiegel, oder aber der Nachweis durch Tierkot, erklärt Schmahl. Viermal jährlich erfolge im Reservat das Monitoring zur Bestandserfassung. Die Wildtierstiftung geht von nur wenigen Hundert Tieren im Bundesgebiet aus.

Im Biosphärenreservat bereitet den Experten derzeit die sinkende Wasserqualität des Schaalsees Sorgen. Seit 2006 steige der Nährstoffeintrag in dem mit 72 Meter tiefsten See im Nordosten bedenklich. Dadurch sei der Sauerstoffgehalt merklich gesunken, sagt Biologe Rainer Mönke. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Experten vermuten unter anderem, dass sich die jahrelang durch die landwirtschaftliche Nutzung der Umgebung in den See gespülten Nährstoffe, vor allem Phosphate, wegen der Klimaerwärmung langsam wieder aus den Sedimenten lösen. Zudem werde jährlich im Frühjahr ein Teil des Winterhochwassers über einen Kanal abgelassen.

Bislang hat die Nährstoffbelastung des Sees die umliegenden Fließgewässer - und somit den Lebensraum der Fischotter - nicht erreicht. Doch beeinflusse die Veränderung der Wasserqualität des Sees erst die Nahrungskette, wirke sie sich früher oder später auch auf den Fischotter aus, befürchtet Schmahl.







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