AktuellFöhrensterben im Wallis
Den Waldföhren wird es zu trockenImmer mehr Föhren im Mittelwallis sterben aufrund des trockenen Klimas ab.Rhone Zeitung, 27.2.08 Seit einigen Jahrzehnten sterben im Wallis überdurchschnittlich viele Waldföhren ab. Der Walliser Föhrengürtel, der vom Talboden bis etwa auf eine Höhe von 1500 Meter über Meer reicht, ist für die Holzproduktion zwar nicht von grosser Bedeutung, schützt aber vor Steinschlag und Erosion. Wissenschafter der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) versuchten in den letzten Jahren daher, dem Walliser «Föhrensterben» auf die Spur zu kommen. Zwar sind die Faktoren, die zum Absterben der Waldföhren führen, äusserst vielfältig. Als eine der wichtigsten Ursachen identifizierten die Wissenschafter aber die zunehmende Trockenheit im Wallis. Die letzten 100 Jahre hätten statistisch gesehen zwar keine Abnahme der Niederschläge und auch keine Zunahme der Trockenperioden gebracht, sagt Andreas Rigling von der WSL. Die im Vergleich zu früher gestiegenen Sommertemperaturen sowie die höhere Anzahl heisser Tage verstärkten jedoch die Verdunstung. Das führe bei den Bäumen vor allem im Hochsommer vermehrt zu Trockenstress. Um den Einfluss der Trockenheit auf das Baumwachstum von Waldföhren und Flaumeichen abschätzen zu können, hat Britta Eilmann von der WSL im Rahmen ihrer Doktorarbeit die Holzzellen dieser beiden Baumarten untersucht. Dazu verglich sie Bäume, die entlang von Suonen wachsen - und deshalb recht gut mit Wasser versorgt sind - mit solchen auf benachbarten Trockenstandorten. Neben der Breite der Jahrringe erfasste die Forscherin bei den Waldföhren die Grösse, die Anzahl und die Wandstärke der Zellen und bei den Flaumeichen die Grösse der Frühholzgefässe. Bei der Waldföhre erfolgt der Wassertransport verteilt über die Zellen der zahlreichen Jahrringe im sogenannten Splintholz. Es zeigte sich, dass bei den an den trockenen Standorten stehenden Waldföhren die Jahrringe erwartungsgemäss schmaler sind als an den feuchteren Standorten. Um eine minimale Wasserleitung zu gewährleisten, sind die Zellen aber grösser. Die Wasserversorgung von manchen Laubbäumen wie der Flaumeiche dagegen basiert vor allem auf den Frühholzgefässen, die im Frühling unabhängig von der jeweiligen Witterung gebildet werden, um den Blattaustrieb zu ermöglichen. An den trockenen Standorten waren diese zwar kleiner als an den feuchten; sie waren aber immer noch deutlich grösser als die entsprechenden Zellen bei der Waldföhre. Damit ist die Flaumeiche in der Lage, effizienter Wasser zu leiten. Diese Ergebnisse zeigten, dass unter den gegenwärtigen Klimabedingungen die Flaumeiche der Waldföhre überlegen sei, sagt Eilmann. Die Flaumeiche transportiere bis zu 90 Prozent des Wassers in den Frühholzgefässen des jüngsten Jahrrings. Die Jahrringe der Waldföhren hingegen seien, wenn einige trockene Jahre aufeinandergefolgt seien, schwächer ausgebildet und der Baum könne nicht mehr genügend Wasser in die Krone pumpen. Ein Bewässerungsexperiment im Pfynwald an einem trockenen Standort bestätigte die Befunde. Mit der Bewässerung simulierten die Forscher feuchte Jahre und konnten so wiederum den Einfluss der Trockenheit auf das Wachstum der Bäume studieren. Mit Hilfe der sogenannten Pinning-Methode konnten sie zeigen, dass bereits ein Jahr nach der Bewässerung bei den Waldföhren ein kräftiges Wachstum einsetzte. Erstaunt waren die Forscher allerdings, dass auch Waldföhren, die sehr wenig Vitalität zeigten und von denen man dachte, sie würden bald absterben, sich rasch wieder erholten, nachdem sie bewässert worden waren. Dies unterstreicht, dass der Wassermangel eine zentrale Ursache für das Absterben der Waldföhren ist. Auch umfangreiche Untersuchungen des Instituts für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern über den Wasserfluss und die Fotosyntheseleistung an Waldföhre und Flaumeiche ergaben, dass Letztere in einem trockeneren Klima die besseren Überlebenschancen hat. Die Messungen erfolgten in den Jahren 2001 bis 2004 bei Salgesch und Jeizinen. Als Glücksfall für die Studie erwies sich, dass mit dem Jahr 2003 ein ausgesprochener Hitzesommer in die Untersuchungsperiode fiel. Die Experimente hätten insgesamt gezeigt, dass die Flaumeiche vor allem mit Hitzespitzen an heissen Tagen besser umgehen könne als die Waldföhre, sagt Roman Zweifel, der damals Projektleiter an der Universität Bern war und heute an der WSL arbeitet. Am Beobachtungsstandort wurden alle zehn Minuten der Saftfluss sowie die klimatischen Grössen erhoben. Das zeigte den Forschern, dass die beiden Baumarten ihre Spaltöffnungen in den Blättern beziehungsweise den Nadeln, über die Wasser in die Atmosphäre verdunstet und CO 2 für die Fotosynthese aus der Atmosphäre aufgenommen wird, unterschiedlich steuern. So waren bei trockenen Bedingungen die Spaltöffnungen der Flaumeiche deutlich weiter geöffnet als diejenigen der Waldföhre. Sie konnte deshalb auch unter harten Bedingungen Fotosynthese betreiben, während die Waldföhre ihre Spaltöffnungen bereits geschlossen hatte, um nicht zu viel Wasser zu verlieren. Das dafür benötigte Wasser kann die Flaumeiche auch bei trockenen Bedingungen noch aus dem Boden herausziehen, weil sie in der Lage ist, einen rund doppelt so hohen Unterdruck in den Wurzeln zu erzeugen wie die Waldföhre. Möglich werde dies durch das besser an Trockenheit angepasste Wasserleitsystem, erklärt Zweifel. So verfüge die Flaumeiche entlang der Leitbahnen in Blattgewebe und Rinde unter anderem über effiziente Wasserspeicher, die es ihr ermöglichten, die durch die Verdunstung verursachten Spitzenbelastungen im Leitsystem besser abzupuffern. Im Hitzesommer 2003 stiess aber auch die Flaumeiche an ihre Grenzen. Die Blätter wurden teilweise weiss, was auf eine Überhitzung hindeutet, oder sie wurden bereits im Sommer braun und fielen ab. Die Wissenschafter beschäftigen sich deshalb mit der Frage, ob die heutigen Baumarten in einem noch heisseren und trockeneren Klima, wie es für das Wallis für die zweite Hälfte des Jahrhunderts prognostiziert wird, überhaupt überleben können. Gegenwärtig werde der Handlungsspielraum für forstliche Massnahmen abgeklärt, sagt Rigling. Würde etwa die Anzahl der Bäume reduziert oder die Strauchschicht dezimiert, so stünde den verbleibenden Bäumen möglicherweise wieder mehr Wasser zur Verfügung. Man müsse sich aber auch ernsthaft Gedanken machen, ob in Zukunft eventuell fremdländische, besser an Trockenheit angepasste Baumarten für diese extremen Standorte geeigneter wären. 27. Februar, 2008 Berner Waldbesitzer gegen strengere ZertifizierungDie Berner Waldbesitzer befürchten, dass aufgrund der immer höheren Forderungen der Umweltschutzverbände die Zertifizierung des Schweizer Waldes aufs Spiel gesetzt wird.(lid) - Derzeit werden die Standards der Waldzertifizierung für den Schweizer Wald überarbeitet. Die masslosen Forderungen einiger Umweltschutzverbände würden die Zertifizierung des Holzes im Kanton Bern ernsthaft in Frage stellen, schreibt der Verband der Berner Waldbesitzer (BWB) in einer Medienmitteilung vom Dienstag, 26. Februar. Dies, obwohl das Schweizer Waldgesetz bereits heute etlichen anderen Ländern als Vorlage für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung diene. Der BWB hofft nun, mit den Umweltschutzverbänden gemeinsam eine Lösung zu finden. Die Berner Waldbesitzer würden im Kanton Bern rund 86'350 Hektaren Wald zertifizieren. Die Zertifizierung nach FSC garantiere dem Kunden, dass er Holz aus umwelt- und sozialverträglicher Waldbewirtschaftung kaufe und dem zertifizierten Waldbesitzer einen Mehrerlös garantiere. Die Berner Waldbesitzer seien nun bereits seit sechs Jahren zertifiziert und hätten bereits mehrere 100'000 Franken Mehrkosten in Kauf genommen. Sechs Jahre nach der Einführung der Zertifizierung müssten die Waldbesitzer jedoch feststellen, dass der Konsument zwar FSC-zertifiziertes Holz kaufen könne, die Herkunft jedoch nicht klar ersichtlich sei. In vielen Fällen handle es sich um Holz aus Polen oder Russland, das über hunderte von Kilometern transportiert werden müsse. Auch nicht zertifiziertes Schweizer Holz ist nach Ansicht des BWB ökologischer, sozialverträglicher und nachhaltiger als jedes zertifizierte Holz aus dem fernen Ausland. » zurück |
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