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Aktuell

Brunos Bruder erschossen

15. April, 2008

Der Risikobär «JJ3» ist tot

(sda) - Der Bündner Braunbär «JJ3» ist tot. Das zwei Jahre alte Männchen wurde am Montagabend in der Region Thusis von der Wildhut erlegt. Weil es sich aus besiedeltem Gebiet nicht vertreiben liess, sahen die Behörden keine andere Lösung. Der Bündner Regierunsgrat Stefan Engler sagte, «JJ3» habe in den letzten Wochen beinahe täglich aus Dörfern in Mittelbünden vertrieben werden müssen. Das Raubtier sei trotz der vielen Vergrämungsaktionen mit Gummischrot und Knallpetarden nicht scheuer, sondern immer unverfrorener geworden. Der Entscheid, den Bären vom Problem- zum Risikobären umzuklassieren und ihn abzuschiessen, wurde am Freitag in Absprache mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) getroffen.

Als das «Ende einer Unausweichlichkeit, die wir kommen sahen», bezeichnete Reinhard Schnidrig von der Sektion Wald und Wildtiere des BAFU den Abschuss. Den in Freiheit geborenen Braunbären in einem Gehege einzusperren, sei verworfen worden.

Dies könne nur in Gefangenschaft geboren Tieren zugemutet werden. Alle beteiligten Experten seien dieser Meinung, unterstrich Schnidrig.

Dass das Verhalten des Raubtiers nicht geändert werden konnte, liegt an seiner Herkunft. Mutter «Jurka», die aus Slowenien zur Vergrössserung der Bärenpopulation im Trentino nach Italien gebracht wurde, sei schon in ihrer Heimat von Menschen «angefüttert worden», erklärte Schnidrig.

«JJ3» hatte «eine hervorragende Nase», schilderte Georg Brosi, Vorsteher des Bündner Amtes für Jagd und Fischerei. Das Tier beschränkte sich nicht auf Schafe oder Bienenstöcke. Es nahm auch mit Katzen- oder Tierfutter Vorlieb und leerte Abfalleimer, um seinen Hunger zu stillen.

Im Gegensatz zum Risikobären «JJ3» geht es seinem Halbbruder «MJ4» nicht an den Kragen. Er lebt unbehelligt im Engadin und im Müstertal.

Bei Umweltorganisationen stiess das Vorgehen auf Protest: Der Abschuss sei keine Lösung, kritisierte der WWF. Er will abklären, ob ein Rekurs erfolgsversprechend wäre.


WWF übt harsche Kritik am Abschuss des Bären „JJ3“ in der Schweiz

Entscheidung Graubündens gegen das junge Bärenmännchen vorschnell und unüberlegt

WWF Pressemitteilung, 15.4.08

Der gestern erfolgte Abschuss des jungen Bärenmännchens JJ3, Bruder des legendären „Bruno“, im Schweizer Kanton Graubünden wird vom WWF scharf kritisiert. „Es kann nicht angehen, dass jedes Bärenproblem mit dem Gewehr gelöst wird“, kritisiert Christoph Walder, Leiter des Bärenprojekts des WWF Österreich. Die Entscheidung der Bündner Behörden sei vorschnell gewesen. Nach Ansicht der Naturschutzorganisation hätten die Vergrämungsmaßnahmen – d.h. das Vertreiben eines Bären durch Lärm und Gummigeschosse – fortgesetzt und vor allem die Bevölkerung besser über bärengerechte Abfallentsorgung informiert werden müssen. Nur so hätten die Umerziehungsmaßnahmen von JJ3 schließlich Erfolg zeigen können, so der WWF.

„Angesichts der äußerst prekären Situation der Alpenbären schmerzt uns der Verlust jedes einzelnen Tieres“, so WWF-Bärenexperte Christoph Walder. Sein deutscher WWF-Kollege Volker Homes ergänzt: „Die Bündner Kantonsbehörden haben den Schadbären JJ3 als Risikobären klassifiziert, um ihn gemäß des Schweizer Bärenmanagementplans zum Abschuss freizugeben. Ob das so richtig war, muss nun genau geprüft werden.“ Denn JJ3 sei bei seinen Streifzügen den Menschen zwar sehr nahe gekommen, habe sich ihnen gegenüber jedoch nie aggressiv verhalten.

Nach Dafürhalten des WWF hätten die Vergrämungsaktionen noch verstärkt werden müssen, wie es auch der WWF Schweiz wiederholt von Bund und Kanton gefordert hatte. „JJ3 wurde in der öffentlichen Diskussion seit Herbst 2007 sukzessive totgeredet“, erklärt Christoph Walder. Die Schweizer Behörde habe die Chance verpasst, die Bevölkerung darüber zu informieren, wie man Speisereste so entsorgt, dass sie keine Bären anlocken. In den Gemeinden sei man davon ausgegangen, dass der Bär ohnehin in naher Zukunft getötet werde. „Wenn ein Bär einerseits vergrämt wird, die Bevölkerung jedoch keinen Beitrag dazu leistet, das Wildtier von Siedlungen fernzuhalten, machen die Vergrämungsmaßnahmen wenig Sinn“, kritisiert Volker Homes.

Aus Sicht des WWF gibt es neben der Verbesserung des Abfallmanagements vor allem massiven Nachholbedarf in punkto Information in den Gemeinden der Bärengebiete. Der WWF versucht, dies im Dreiländereck Schweiz, Italien und Österreich im Rahmen des Projekts "Ursina" zumindest teilweise aufzufangen. Dabei werden beispielsweise Imker und Schafhalter im Schutz ihrer Bienenhäuser geschult und über effizienten Herdenschutz informiert.







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