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Studie NP Eifel
Nationalpark Eifel: Alter Streit geht trotz neuer Studie weiter
Aachener Zeitung, 30.4.08
Einruhr. Mitten im öffentlichen Streit zwischen Nationalparkverwaltung und verschiedenen Umweltverbänden sind am Dienstag die Ergebnisse der Besucherbefragung im Nationalpark Eifel 2007 vorgestellt worden.
Die Studie wird den Streit nicht schlichten können, im Gegenteil, beide Seiten werden Teile der Ergebnisse für ihre weitere Argumentation verwenden. Bei dem Streit geht es im Wesentlichen um die Frage, ob der Nationalpark sich allzu sehr dem Tourismus andient und darüber seine Naturschutzaufgaben vernachlässigt.
Zu den wohl für beide Seiten erfreulichen Ergebnissen zählt besonders der Anstieg der Nationalpark-Gäste, für den die Öffnung von Burg Vogelsang nach deren Entmilitarisierung gesorgt hat. Die Zahl der Erstbesucher hat sich 2007 im Vergleich zu 2005 fast verdoppelt, beinahe jeder vierte Besucher war das erste Mal dort.
Der öffentliche Nahverkehr verzeichnet leichte Zuwächse, gut drei Viertel aller Besucher nutzen die örtliche Gastronomie, deren Preis-Leistungsverhältnis besser bewertet wurde als noch bei der letzten Befragung 2005. Die Nationalpark-Tore werden von mehr als der Hälfte aller Besucher genutzt, das Bedürfnis nach zusätzlichen Informationen ist zurückgegangen, was auf die Verbesserung der allgemeinen Informationsausstattung in den Nationalpark-Toren und im Internet zurückgeführt wird. Es ließen sich weitere Beispiele anführen.
Dem gegenüber steht zum Beispiel das weiterhin wenig konturierte Image des Nationalparks. Begriffe wie Naturerlebnis, Artenvielfalt und Wildnis sind den meisten der - potenziellen - Besucher einfach zu wenig. Und Burg Vogelsang allein kann kaum als Synonym für den Nationalpark herhalten. Überdies wird die Möglichkeit der Aktivitäten in der Nationalparkregion bemängelt, die meisten assoziieren den Nationalpark mit Begriffen wie Spazierengehen oder Wandern.
Da verwundert es kaum, dass sich bislang kaum Kinder oder Jugendliche dorthin verirren, es sei denn im Rahmen von Familienspaziergängen. In mehrere Richtungen lassen sich Entwicklungen wie diese deuten: 2007 wünschten sich 30,2 Prozent der auswärtigen Besucher, der Nationalpark möge weniger Wege und Gebiete touristisch erschließen; 2005 waren es noch 5,1 Prozent weniger gewesen. Im gleichen Zeitraum hingegen sank die Zahl der einheimischen Befürworter für weniger Erschließungen von 27,5 auf 21,7 Prozent.
Was ist nationalparkkonform?
Volker Hoffmann ist gar nicht dabei gewesen am Dienstag, aber vieles, was in Einruhr gesagt wurde, hörte sich so an, als gelte es trotzdem irgendwie ihm. Volker Hoffmann ist so etwas wie der ideologische Vater des Nationalparks Eifel, sein Erfinder, bis Anfang des Jahres hat er in diversen Gremien des Naturschutzgebietes gearbeitet. Dann hat er aufgehört. Weil er findet, dass der Nationalpark nicht nationalparkkonform geführt wird.
Henning Walter findet das schon, aber das muss er auch, schließlich ist er der Leiter des Nationalparkforstamts und damit der Verwaltungschef. Und so war Walter am Dienstag in Einruhr festlich gestimmt, weil er nämlich die dort vorgestellte «Besucherbefragung im Nationalpark Eifel 2007» als Bestätigung seiner Arbeit wertet. Und man könnte sagen: zu Recht. Doch ebenso gut könnte man sagen: zu Unrecht - und beides stimmt.
Die unter der Leitung von RWTH-Geographin Claudia Erdmann erstellte Studie, 94 Seiten lang, kann Walter als Sieg für sich verbuchen, wenn er etwa darauf verweist, dass mehr als die Hälfte alle Bewohner der Nationalpark-Region positive Veränderungen im Nationalpark seit dessen Gründung 2004 wahrgenommen haben; wenn er darauf verweist, dass mittlerweile fast allen Menschen in der Region die Burg Vogelsang ein Begriff ist; oder wenn er darauf verweist, dass die Nationaparkbesucher sich besser über Art und Wesen des Naturschutzgebietes informiert fühlen als bei der letzten Erhebung 2005. All dies spricht für Walter und sein Team. Er sagte: «Wir sind auf einem guten Weg.»
Dagegen - und damit für die Auffassung von Hoffmann, den Naturschutzverbänden und den Biologischen Stationen - spricht in erster Linie, dass sich fast jeder vierte befragte Nationalparkbesucher weniger touristische Erschließung wünscht. Dass fast jeder auswärtige Besucher das Image des Nationalparks mit Tourismus in Verbindung bringt, spricht ebenfalls für sich. Oder wie Volker Hoffmann sagt: «Es läuft einiges in die falsche Richtung.»
Am Montag hatte es eine Art Friedensgipfel gegeben, bei dem sich Hoffmann, Vertreter dreier Naturschutzverbände und die Biologischen Stationen der Region mit der Nationalparkverwaltung zur Aussprache trafen. Zu Ergebnissen haben die Gespräche nach Auskunft Hoffmanns aber nicht geführt. Auch deswegen nicht, weil die Verbände sich in einigen Entscheidungsfindungen übergangen fühlen - entgegen alle Abmachungen.
«Es tut mir leid», sagte Hoffmann auf Nachfrage dieser Zeitung, «aber einen Förster darf man eigentlich nicht in den Wald lassen». Oder nur in einen solchen, mit dem Geld verdient werden soll - «aber doch nicht in Nationalparke». Deren festgeschriebener erster Zweck sei, Wälder sich selbst zu überlassen. Erst der vierte sei, Tourismus und Erholung zuzulassen, solange dies die Schutzzwecke nicht tangiert.
Das Landesumweltministerium sieht die Diskussionen einstweilen gelassen. Rainer Seelig, Referatsleiter für Großschutzgebiete, gestand auf Nachfrage zwar ein, dass Hoffmanns Kritik durchaus berechtigt sei - «aber ich finde, er übertreibt ein bisschen».
Die komplette Studie finden Sie unter http://www.nationalpark-eifel.de in Internet.
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