AktuellVergiftete Bienen (erweitert)
Donnerstag, 15. Mai, 18:15 Uhr Grüne fordern Pestizid-Verbot zum Schutz von BienenMünchen (ddp-bay). Angesichts eines Bienensterbens in Baden-Württemberg fordern die Grünen im bayerischen Landtag den sofortigen Einsatzstopp für das Pestizid «Poncho Pro». Agrarminister Josef Miller (CSU) müsse «umgehend auf die Nichtverwendung dieses Pestizids drängen, solange auch nur der geringste Verdacht besteht», dass der Stoff für das Massensterben verantwortlich sei, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, Ruth Paulig, am Donnerstag in München. Das Pestizid werde derzeit erstmalig zur Beizung des Maissaatgutes genutzt. Es enthalte das Nervengift Clothianidin, das vor allem zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrer-Schädlings eingesetzt werde.Nach einem massenhaften Bienensterben in Italien und in Südbaden vor einigen Wochen sei bei verendeten Bienen der Wirkstoff Clothianidin nachgewiesen worden, betonte Paulig. Besonders brisant sei es, dass die bayerische Staatsregierung die Landwirte sogar dazu aufgefordert habe, das Pestizid zu verwenden, ohne dass dessen Wirkungen auf Bienen untersucht worden sei. Der Maiswurzelbohrer wäre unkompliziert zu bekämpfen, betonte Paulig. Man müsse nur eine Fruchtfolge einhalten und in Befallsgebieten zwei Jahre lang auf Mais verzichten. Miller forderte eine «klare Analyse des Bienensterbens». Sollten sich die Verdachtsmomente bestätigen, werde er «die notwendigen Maßnahmen beim Bund einfordern». Für Bayern bestehe keine unmittelbare Gefahr, da die Maissaat abgeschlossen und «Poncho Pro» nur in einem sehr begrenzten Gebiet zum Einsatz gekommen sei. Bundesbehörde schickt Bienen in den WaldVon Anja Franzenburg, Greenpeace-Online, 15.5.08Ja, es gäbe dringende Anhaltspunkte, dass das Insektizid Clothiandin für das millionenfache Bienensterben in Baden-Württemberg verantwortlich sei. Die Maßnahmen allerdings, die das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus der eigenen Einschätzung ableitet, bezeichnet unser Chemieexperte Manfred Krautter als grotesk: Anstatt vorsorglich das Gift der Firma Bayer zu verbieten, empfiehlt das BVL, die Bienen von den Maisfeldern zu entfernen. "Statt konkrete Abhilfemaßnahmen zu ergreifen, gibt das Bundesamt Empfehlungen aus, die gänzlich fehl gehen. Wo ein sofortiges Verbot nötig wäre, empfiehlt das BVL den Imkern, die Bienen aus den Einsatzgebieten des Pestizids zu entfernen. Damit wird das Verursacherprinzip geradezu ad absurdum geführt", kommentiert Manfred Krautter von Greenpeace. "Grotesk ist auch die zweite Empfehlung an die Landwirte, beim Säen Stäube zu vermeiden, damit benachbarte Wiesen weniger stark mit dem Gift verunreinigt werden. Damit wird die Giftflut sicher nicht gebremst", sagt Krautter. Das BVL schütze damit nicht die Verbraucher und die auf bestäubende Bienen dringend angewiesene Landwirtschaft, sondern die Geschäfte des Chemiekonzerns Bayer. In der Tat sind Bienen unerlässlich für die Produktion unserer Nahrungsmittel. Fehlen die Bienen, werden 80 Prozent der Nutzpflanzen nicht bestäubt und die Erträge sinken drastisch. Krautter weiter: "Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Clothianidin der Auslöser des Bienensterbens ist, sind Bayer und das BVL gemeinsam für die Folgeschäden an Bienenvölkern und Ertragseinbrüche der Landwirtschaft verantwortlich." Als Sofortmaßnahme fordert Krautter vom BVL, das hochgiftige Pestizid zu verbieten und weltweit vor dem Bayer-Spritzmittel zu warnen. Schon im Februar hatte Greenpeace in einer "Schwarzen Liste der Pestizide" das Verbot für 327 hochgiftige Spritzmittel gefordert - darunter auch Clothianidin. Auch die Imker in Mecklenburg-Vorpommern beklagen jetzt hohe Verluste durch Pestizide. Sie kritisieren, dass die Landwirte nicht mehr wie früher üblich vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang sprühen, wenn die Bienen nicht fliegen. Heutzutage wird zu jeder Tageszeit gespritzt. Fatal für die Tiere, die auf den Feldern unterwegs sind. BVL-Stellungnahme zum Bienensterben Greenpeace Antwort auf dei BVL-Stellungnahme zum Bienensterben Freitag, 16. Mai, 16:16 Uhr Bund zieht acht Pflanzenschutzmittel aus dem VerkehrBerlin (ddp). Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat als Konsequenz aus dem massenhaften Bienensterben am badischen Oberrhein insgesamt acht Pflanzenschutzmittel vorerst aus dem Verkehr gezogen. Wie die Behörde am Freitag in Berlin mitteilte, wurde für die betroffenen Saatgutbehandlungsmittel mit sofortiger Wirkung «das Ruhen der Zulassung» angeordnet. Begründet wurde dieser Schritt mit neuen Risikobewertungen. Unvertretbare Auswirkungen auf Bienen seien nicht auszuschließen.Das Ruhen der Zulassung sei aus Vorsorgegründen erfolgt, um weitere Bienenschäden und mögliche andere Auswirkungen auf den Naturhaushalt zu vermeiden, bis die Zusammenhänge endgültig aufgeklärt sind, hieß es weiter. Mit der Anordnung ist sowohl eine Einfuhr als auch die Anwendung der Mittel deutschlandweit untersagt. Am Oberrhein war es in den vergangenen Wochen während der Maisaussaat zu einem großen Bienensterben gekommen. Bei ersten Untersuchungen wurden in Bienenproben Rückstände des Insektizids Clothianidin nachgewiesen, das in mehreren Pflanzenschutzmitteln enthalten ist, darunter in dem Maisbeizmittel «Poncho Pro». Endgültige Ergebnisse zur Ursache des Bienensterbens werden erst in einigen Wochen erwartet. Die Grünen begrüßten die Anordnung des BVL. Der baden-württembergische Grünen-Agrarexperte Bernd Murschel bemängelte allerdings, dass Landesagrarminister Peter Hauk (CDU) nicht längst ein Anwendungsverbot erlassen habe. Murschel forderte zugleich ein Umdenken in der Landwirtschaft hin zu einer stärkeren Förderung des Öko-Anbaus. » zurück |
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