AktuellKürzungen für bayr. Privatwälder
„Dann vergammelt der Wald“Privatbesitzer sind frustriert über KürzungenChristian Schneider, Süddeutsche zeitung, 27.11.03 Bei der Pflege und Bewirtschaftung ihrer Wälder werden die Privatwaldbesitzer bis jetzt kostenlos von der Bayerischen Staatsforstverwaltung beraten. Dafür gibt die Staatsregierung pro Jahr rund 50 Millionen Euro aus. Im Zuge der Forstreform soll dieser Service jetzt gestrichen werden. Waldbauern und Forstverbände sind in heller Aufregung. Die SZ sprach mit dem Vorsitzenden der Waldbauernvereinigung im Landkreis Miesbach, Michael Lechner. SZ: Was ist denn so schlimm an der geplanten Kürzung? Lechner: Wälder haben eine Gemeinwohlfunktion. Denken Sie an den Schutz von Trinkwasser oder den Hochwasserschutz, Wälder sind Luftfilter und dienen dem Klimaschutz, und sie dienen der Erholung der Bevölkerung. Das können nur gesunde, stabile Wälder leisten. Da ist es nur recht und billig, wenn die Allgemeinheit – der Staat – den Waldbesitzern helfend unter die Arme greift in Form der kostenlosen Waldberatung durch den Staatsforst. SZ: Ist denn diese Beratung so teuer, dass sie sich ein einzelner Waldbesitzer nicht leisten kann? Lechner: Die Holzerlöse sind sehr bescheiden. Das trifft vor allem den kleinen Waldbesitz. Von den rund 700 000 privaten Waldbesitzern in Bayern haben rund 280 000 weniger als einen Hektar Wald. Die haben von ihrem Baumbestand so gut wie keinen Gewinn, müssen in die Waldpflege aber investieren. Wenn so ein Waldbesitzer jetzt auch noch für die Beratung bezahlen soll, wird er im Zweifel gar nichts mehr tun. Bei so einem Forstgutachten kommt man schnell auf einen Stundensatz von 50 bis 60 Euro. SZ: Das ist doch nicht viel. Lechner: Ich glaube, dass dann viele einfach auf jede Beratung verzichten, weil sie bei ihrem kleinen Waldbesitz nicht auch noch draufzahlen wollen. Die lassen den Wald dann einfach vor sich hingammeln. SZ: Kann denn nicht die Waldbesitzervereinigung die Beratung übernehmen? Der ADAC bietet seinen Mitgliedern für den Clubbeitrag doch auch einen kostenlosen Service an. Lechner: Dann muss Personal für diese Beratung eingestellt werden, und das kostet Geld. Bisher haben die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse vom Freistaat Verwaltungskosten-Zuschüsse in Höhe von 40 Prozent bekommen. Aber das soll ja jetzt auch gekürzt werden. Also müssen diese Kosten über höhere Mitgliedsbeiträge oder Gebühren wieder hereinkommen. SZ: Kann ein Wald nicht auch ohne Beratung wachsen? Lechner: Schon, aber dann gibt es keine Mischwälder mehr, sondern den Rückfall in die Monokulturen mit Fichten. SZ: Was wäre daran so schlimm? Lechner: Die Monokultur ist die schlechteste Lösung des Waldbaus. Wir haben es mit einem Klimawandel zu tun und in der Folge mit mehr Naturkatastrophen. Monokulturen sind da viel anfälliger für Schäden als Mischwälder. Spätestens, wenn so ein Wald vom Sturm umgelegt oder vom Borkenkäfer gefressen wird, ist die Gesellschaft doch wieder gefordert mit Zuschüssen für die Aufforstung. Das wird dann richtig teuer. SZ: Sind die Waldbauern eigentlich nach ihrer Meinung gefragt worden? Lechner: Nein, und deswegen geht da momentan sehr viel Vertrauen in die Staatsregierung verloren. » zurück |
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