AktuellProtest gegen Forstreform
Waldbesitzer gehen auf die StraßeForstreform stößt auf WiderstandMerkur-Online, 9.12.03 Landkreis - Bei der geplanten Finanzreform von Ministerpräsident Edmund Stoiber und Staatskanzleichef Erwin Huber soll an den Forstämtern und auch am Privatwald eingespart werden. So könnte es zukünftig keine Einheitsforstämter mehr geben. Die Umstellung soll auf eine Art GmbH-Forst-Betrieb erfolgen. Weiter sollen zukünftig die Privatwaldberater aus Kostengründen abgeschafft werden. Große Nachteile befürchten dadurch besonders die Kommunen, und auch die kleinen Waldbesitzer, die meistens über keine forstliche Ausbildung verfügen. "Die Privatwaldberatung erfolgte bisher über die Waldbesitzer kostenlos, oder nur mit geringer Unkostenerstattung für umfangreichere Tätigkeiten", informiert Hans Riedl, der Vorsitzende der Waldbauernvereinigung. Diese Forstbeamten wurden bisher vom Bayerischen Staat bezahlt, mit dem Ziel, dass der Privat- und Kommunalwald fachgerecht und naturnah, zu Gunsten des gesamten Landes bewirtschaftet wird. "Die Beamten waren in erster Linie beratend für die private Waldwirtschaft tätig", so Riedl. Große Leistungen wurden zum Erhalt des Waldes gefordert, besonders bei Sturm- und Borkenkäferkalamitäten sowie bei der Bearbeitung von Fördermitteln für die betroffenen Waldbesitzer. Die meisten Waldbauern sind laut Riedl über die Sparpläne der Staatsregierung schwer enttäuscht. "Wir fordern eine Rücknahme dieser unüberlegten Sparpläne, welche eine Verschlechterung des gesamten Bayerischen Privat- und Kommunalwaldes bedeuten würde." "Um diese Finanzreform doch noch zu stoppen, findet am Mittwoch, 10. Dezember, um 13 Uhr, am Odeonsplatz in München, eine große Demonstration statt. Dazu sind alle Waldbesitzer und Kommunen aufgerufen, ihre Interessen wahrzunehmen und für den Wald zu kämpfen sowie den Erhalt der Privatwaldberater zu unterstützen", informiert Riedl.ez Horror-Visionen für den WaldForstleute protestieren gegen Pläne der StaatsregierungMerkur-Online, 9.12.03 VON DANIEL KREHL München - Der bayerische Staatswald muss in Zukunft als reiner Holz-Mastbetrieb herhalten, bewirtschaftet von kalt kalkulierenden Betriebswirten, ausgerichtet am Profit und unter Opferung der Schutz- und Erholungsfunktion. Diese Konsequenz wird die Forstreform der Staatsregierung haben, meinen zumindest die bayerischen Forstleute und Fachverbände. Am Mittwoch (13 Uhr) demonstrieren sie auf dem Münchner Odeonsplatz gegen die Regierungs-Pläne. Mittlerweile "hat sich eine breite Allianz gebildet", sagt Ralf Straußberger, Waldexperte beim Bund Naturschutz Bayern. Neben Verbänden und Forstbeamten hat auch Schauspieler Christian Wolff ("Forsthaus Falkenau") sein Kommen zugesagt. Die Forststudenten der Fachhochschule und Universität haben derweil zu einer Protestbriefaktion aufgerufen. Sollten Sparkommissar Erwin Huber und Landwirtschaftsminister Josef Miller die angekündigte Privatisierung des Staatswaldes durchsetzen, hat das "verheerende Folgen für Erholungs- und Schutzfunktion des Waldes", fürchtet Straußberger. Die von den Forstdirektionen in den vergangenen Jahrzehnten eingeleitete Entwicklung hin zum Mischwald, der besseren Grund- und Hochwasserschutz bietet und weniger anfällig für Schädlinge ist, werde eingestellt, wenn eine Gewinn-orientierte GmbH oder AG die Bewirtschaftung des Waldes übernimmt. Investitionen in den Umbau der Wälder oder die Schutzwald-Sanierung werden mangels Geldes bis auf weiteres unterbleiben, denn: "Der Holzmarkt liegt am Boden. Und nächstes Jahr droht wegen des trockenen Sommers eine Borkenkäfer-Katastrophe", sagt Straußberger. Kann der Wald seine Schutzfunktion nicht ausüben, müsse der Staat später bei Trinkwasser-Aufbereitung und Hochwasserschutz draufzahlen. Teuer zu stehen kommt dem Wald womöglich eine Empfehlung des Obersten Bayerischen Rechnungshofes. Der riet der Staatsregierung, die Beratung der rund 700 000 bayerischen Privatwaldbesitzer den 168 Forstbetriebsgemeinschaften (FBG), privaten Waldbesitzervereinigungen, zu übertragen. Ein Empfehlung, die Huber sofort umsetzen wollte, bevor die CSU-Fraktion ihn bremste. "Für eine ausführliche Beratung haben wir weder Geld noch Personal", sagt Josef Steiner von der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberbayern. Straußberger fürchtet, dass "Service-Unternehmen in die Lücke vorstoßen" und Privatwälder im Auftrag der Eigentümer bewirtschaften, mit den gleichen Interessen, wie eine Staatsforst GmbH, nämlich Profit. Die Folge wäre eine Anpflanzung von anfälligen Fichten- oder Kiefern-Reinkulturen, die schnell Erträge bringen. Straußberger: "Dieser Fehler wurde schon vor 80 Jahren gemacht. Mit den Folgen kämpfen wir heute noch." Nur unabhängige Beratung durch Forstbeamte könne eine ökologisch und politisch verantwortungsvolle Bewirtschaftung der Privatwälder fördern. Der geplanten Reform soll auch die Waldpädagogik zum Opfer fallen. Bisher sollte möglichst jede vierte Klasse mit einem Forstbeamten in den Wald gehen. Ein "wichtiger Beitrag zur ökologischen Bewusstseinsbildung", meinen die Verbände. Sparkurs bedroht bayerische WälderFörster demonstrieren vor StaatskanzleiMerkur-Online, 9.12.03 Landkreis (agm) - Die Ismaninger Försterin Maria Reuther und ihr Oberschleißheimer Kollege Alex Riedelbauch sind dabei, wenn am morgigen Mittwoch die Forstbeschäftigten aus Oberbayern mit ihrer Protest-Demo zur Staatskanzlei ziehen. Hier wollen sie ihren großen Unmut über die von Ministerpräsident Stoiber geplanten Reformen im Forstwesen deutlich machen. Wer das Einheits-Forstamt, so Riedelbauch, mit Naturschutz, Wirtschaftsbetrieb Wald und Fachberatung der privaten Waldbesitzer zerschlage, gefährde letztendlich den Wald. Insbesondere die geplante Privatisierung des Staatsforstes sei sehr bedenklich: "Die Kommerzialisierung des Waldes bedeutet langfristig die Zerstörung gigantischer Naturräume. Irgendwann stehen nur noch Fichtenstangen, einem Maisacker gleich." "Jeder sieht ein, dass gespart werden muss," betont Reuther. Deshalb sei ja die große Verwaltungsreform mit rund zehn Prozent Sparvolumen schon lange vollzogen. Der Dank an die "reformfreudigste Verwaltung des Freistaates", so Riedelbauch, sei nun, dass man noch weiter drücke: "Der ehemalige Wille zu Reformen gereicht uns jetzt als Nachteil. Hätten wir damals gebremst, würde man jetzt nicht so mit uns umspringen." Die Försterin ist auch fassungslos, dass künftig das Beratungsangebot für Privatwaldbesitzer entfallen soll. Der typische Waldbesitzer, wie es noch ihr Vater sei, der "sein Lebtag keinen Förster gebraucht hat, weil der Wald sein Ein und Alles ist", sterbe langsam aus. Den Erben fehle Beratung zu streichen wäre fatal (...) aber verstärkt das Fachwissen. In solcher Zeit die Beratung einzustellen, sei nicht nachvollziehbar und fatal. Wie auch die geplante Streichung der Waldführungen für Schulklassen, wo doch die Umweltbildung bei Kindern so wichtig sei. Reuther: "Der Wald ist für alle wichtig, ob zur Erholung oder als Klima- und Naturschutz. Da darf doch nicht allein der wirtschaftliche, monetäre Aspekt zählen!" Dabei sei der Forst noch dazu die einzige öffentliche Verwaltung, die dank Wirtschaftsbetrieb Geld an den Staat abliefere. Dies bei einem Jahresetat, der andere Ämter mitleidig lächeln ließe. Es gebe viele Gründe, den Forst in seiner jetzigen Struktur zu schützen, meinen Riedelbauch und Reuther. Umso mehr sind sie irritiert, dass die schützende Hand ihres Staatsminister Josef Miller bisher fehlt. Landesforstverwaltung Hessen muss sparenHMUV, 8.12.03In einer Podiumsdiskussion, veranstaltet von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt verdeutlicht Staatsminister Wilhelm Dietzel die Dramatik in der Entwicklung der Finanzsituation der öffentlichen Haushalte. Von den notwendigen Einsparungen zur Konsolidierung des Landeshaushaltes bleibt die Landesforstverwaltung nicht ausgenommen. Im Zuge der Operation „Sichere Zukunft“ der Hessischen Landesregierung sind mit der Halbierung der Zahl der hessischen Forstämter und einer Reduzierung der Zahl der Revierförstereien um 1/3 Zielvorgaben getroffen. „Mit der Gründung des Landesbetriebes Hessen Forst hat sich die Hessische Landesregierung eindeutig für die Erhaltung der bewährten Grundstrukturen einer Einheitsforstverwaltung ausgesprochen. Nun gilt es, innerhalb des Landesbetriebes Hessen Forst weitere Optimierungsmöglichkeiten zu nutzen“, betonte der Minister. Die vorhandenen Einsparvorgaben zwingen bei den vorhandenen hohen Personalkostenanteilen die Zahl der Dienststellen deutlich zu verringern. Als Ziel erklärt Staatsminister Dietzel: „Der Staatswald ist mit positiven Ergebnissen zu bewirtschaften und die Produktabgeltung für die anderen Aufgaben, wie beispielsweise: Umweltbildung, Leistungen für Dritte und behördliche Aufgaben sind von derzeit ca. 50 Mio. Euro deutlich abzusenken.“ Diese Anpassungen ließen nicht befürchten, dass die Aufgaben der Forstverwaltung, wie Pflege und Erhalt des Waldes, nicht erfüllt werden könnten. Vielmehr sei durch die Optimierung der Abläufe und durch das Ausschöpfen aller Möglichkeiten, beispielsweise im technischen Bereich, eine Leistungserfüllung auf bewährtem Niveau gewährleistet. „Das Land ist sich seiner Verpflichtung gegenüber den breiten Interessen der Bevölkerung bewusst“, betonte Dietzel unter Hinweis auf die Entscheidung zur Gründung des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Für die Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter des Landes hatte Staatsminister Dietzel eine positive Nachricht mitgebracht: „Die Gespräche zur Einführung eines neuen Lohnmodells auf der Basis eines Monatslohns mit Erfolgskomponente sind mit positivem Ergebnis beendet. Entsprechende Tarifverhandlung zur Umsetzung des Modells sind eingeleitet“ sagte Diezel. Abschließend forderte Staatsminister Dietzel alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv auf, den Prozess der Umgestaltung kritisch und konstruktiv zu begleiten und bat Sie um Verständnis für die getroffenen Entscheidungen. » zurück |
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