AktuellDemo gegen Bayerns Forstreform
Kettensägen gegen "Wald-Terminator"DANIEL KREHL, Merkur-Online, 10.12.037000 Demonstranten protestieren am Odeonsplatz gegen CSU-Sparpläne München - Zehn Jahre Forstreform haben sie stillschweigend ertragen, mitangesehen, wie zwei von sechs Forstdirektionen und 34 von 162 Forstämtern geschlossen sowie über 1450 Waldarbeiterstellen abgebaut wurden. Bei den neuesten Sparplänen der Staatsregierung geht den bayerischen Forstleuten jedoch der Hut hoch. "Kein Kahlschlag im Wald", lautete ihre Forderung bei einer Demonstration auf dem Münchner Odeonsplatz. Die Staatsregierung als "schlimmster Schädling des Waldes": 7000 wütende Demonstranten protestierten gegen die geplante Forstreform. Foto: Haag Dem Protest der Forstleute schlossen sich viele Organisationen, Waldbesitzer und Privatleute an. Auch Landtagsabgeordnete der Grünen und der SPD waren vor Ort. Schätzungen zufolge nahmen an der Demonstration über 7000 Menschen teil. Förster und Waldleute seien eigentlich "brave, konservative Leute, da muss schon viel passieren, dass die auf die Straße gehen", sagt Mitorganisator und Forstamtsleiter Alfons Leitenbacher aus Ruhpolding. Mit einer so hohen Teilnehmerzahl habe er nicht gerechnet. "Wir freuen uns aber über so viel Solidarität". Von den braven und zurückhaltenden Forstleuten war am Odeonsplatz aber nicht viel zu sehen. In voller Montur mit Helm und Gehörschutz standen die Waldarbeiter auf dem Odeonsplatz und ließen zum Protest ihre Motorsägen und Trillerpeifen aufheulen. Auf Plakaten bezichtigten sie Edmund Stoiber und Erwin Huber als "schlimmste Schädlinge des Waldes", "Wald-Terminator" oder "Wahlbetrüger". "Huber ist vor der Wahl durch die Lande gereist und hat versprochen, dass die Privatisierung des Staatswaldes bis 2008 vom Tisch ist", sagte ein Waldarbeiter. Nun sollen die Forstämter aufgelöst und die Bewirtschaftung des Waldes einer GmbH oder AG übergeben. Und die Arbeiter kochen innerlich: "Die Stimmung ist im Keller, die Wut auf der Spitze." Natürlich sorge man sich auch um die berufliche Zukunft. Wenn schon nicht gerade die Arbeitslosigkeit droht, so fürchten sie doch Einschnitte beim Verdienst. Die Reformbestrebungen an sich stellten die Demonstrationsteilnehmer größtenteils nicht in Frage. "Reform ja, aber..." lauteten die ersten Worte auf vielen Plakaten. In das selbe Horn stoßen die Vertretungen der Privatwaldbesitzer. Am Tag vor der Demonstration hatte der Vorsitzende des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Marian Freiherr von Gravenreuth, kritisiert, dass eine reine Spardiskussion geführt werde. Das sei der falsche Weg, vielmehr gelte es, eine Reform in die richtigen Wege zu lenken. Morgen Nachmittag findet im Landtag eine Anhörung der Interessenvertreter statt. Die Forstbetriebsgemeinschaften haben unterdessen grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, umfassendere Beratungsleistungen zu übernehmen. Aber nur schrittweise und wenn die Finanzierung gesichert ist. Solche Details interessierten die Demonstranten noch nicht. Die ließen ihrem Unmut freien Lauf. Vom Odeonsplatz ging der Zug zur Staatskanzlei, wo die Veranstalter eine Resolution übergaben. Forstminister Josef Miller solle der Zerschlagung der Staatsforstverwaltung und der Wald-Privatisierung massiv entgegentreten. Erwin Huber, die meist kritisierte Person des Tages, war während der Demonstration übrigens in Berlin, hatte aber schon tags zuvor abermals bekräftigt, er werde beim Austrocknen eines Sumpfes nicht die Frösche um Rat fragen. » zurück |
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