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Aufforstung im Allgäu?

Über Aufforstung mit Experten diskutieren

Anhörung im Frühjahr – Kein Schwarzwald im Oberallgäu

Allgäuer Anzeigeblatt, 15.12.03

Oberstdorf/Oberallgäu (uw). Bei einer Experten-Anhörung will der Oberallgäuer Kreistag nächstes Jahr intensiv über die Bedeutung des Waldes für den vorbeugenden Hochwasserschutz diskutieren. Es geht auch darum, ob und in welchem Ausmaß gezielte Anpflanzungen die Situation nachhaltig verbessern können. Weil ein solcher Schritt jedoch womöglich Interessen von Tourismus, Alp- und Landwirtschaft tangiert, sollen auch deren Vertreter zu Wort kommen - ebenso wie Forstler, Wasserwirtschaftsamt und Bayerischer Gemeindetag. Den Weg hat Immenstadts Bürgermeister Gerd Bischoff (CSU) vorgeschlagen: Bevor man Konzepte ausarbeite, müsse man das Thema mit Experten vertiefen. Neben dem technischen Hochwasser-Schutz seien vorbeugende Maßnahmen ja sicher für jeden ein Anliegen, betonte Bischoff, mit der Devise: "Das eine tun und das andere nicht lassen." Das passt auch den Freien Wähler, die mit ihrem Antrag (wir berichteten) den Stein ins Rollen gebracht hatten: Wie Hugo Wirthensohn bei der Kreistagssitzung in Oberstdorf ausführte, sei man sich bewusst, dass es sich um ein sensibles Thema handle und wolle es breit diskutieren. Es gehe nicht um die "Verschwarzwaldung des Oberallgäus".

Klar und schlüssig nannte SPD-Sprecher Dr. Ralf Ecke den Vorschlag der Freien und signalisierte ebenso Unterstützung wie die Grünen. Deren Sprecher Uli Leiner unterstrich, dass der Antrag in die richtige Richtung gehe, es aber noch andere Möglichkeiten gebe. Die Ursachen für Hochwasser seien ja teils hausgemacht. Nach Ansicht der Grünen-Fraktion geht es auch darum, den CO2-Ausstoß sowie die Versiegelung von Flächen zurückzufahren und "die Finger vom Bergwald zu lassen". Vize-Landrat Herbert Seger (Durach) erinnerte, dass man auch darüber sprechen müsse, wie der bestehende Waldbestand gesichert wird. Weil der Unterhalt Geld koste, riet Ludwig Streitle (Rep), mehr auf die Verbuschung zu setzen. Um praxisnahe Meinungen zu bekommen, empfahl CSU-Kreisrat Albert Titscher, an der Experten-Anhörung große Privateigentümer wie Oberstdorfs Rechtler zu beteiligen. "Jeder will den Bergwald gesund erhalten, doch niemand will's bezahlen."

In einer schriftlichen Stellungnahme hat die Naturschutz-Abteilung am Landratsamt die Schutzfunktion des Waldes bestätigt. Er wirke als Abflussbremse besonders effektiv, wenn es nach Trockenheit starken Regen gebe. Und "extreme, aber kurze Niederschlagsereignisse" seien das erwartete Klimamodell der nächsten Jahrzehnte. Im Ausnahmefall reduziere Wald die Hochwasserspitze bis auf ein Zehntel, so Abteilungsleiter Gottfried Mayrock.

Realistisch könnten nach einer starken Aufforstung im Oberallgäu die Abflussspitzen um 20 bis 50 Prozent sinken. Derzeit sei der Landkreis zu 35,4 Prozent bewaldet und habe etwa 50 Prozent landwirtschaftliche Flächen. Ein merklicher Effekt sei zu erwarten, würde der Waldanteil um etwa 20 Prozent steigen. Und das ist auch für Mayrock mit Blick auf Tourismus, Alpwirtschaft und Naturschutz (Moore und Streuwiesen) ein sensibles Thema.


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