AktuellVolkskunde zum Weihnachtsbaum
Montag 22. Dezember 2003, 14:44 Uhr Stichwort: WeihnachtsbaumFrankfurt/Main (AP) Der Weihnachtsbaum oder Christbaum ist das am weitesten verbreitete Symbol des Weihnachtsfestes. Der christliche Brauch geht auf das 16. Jahrhundert zurück, wo nach der Überlieferung der Weihnachtsbaum noch ohne Lichter aufgestellt worden war. Im 20. Jahrhundert kam dann der Adventskranz hinzu. Er wurde ab 1930 im gesamten deutschen Sprachraum populär.In Deutschland hat sich der Weihnachtsbaum gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Familien eingebürgert, zuerst in den Städten, dann auf dem flachen Land. Von hier breitete sich der Brauch in andere Länder aus und wurde schließlich von Auswanderern auch jenseits des Großen Teichs heimisch. Längst gehören auch die Amerikaner zu den Weihnachtsbaumfans. Im Weißen Haus in Washington wird seit 1891 ein «nationaler» Weihnachtsbaum aufgestellt. Der berühmteste Weihnachtsbaum steht alljährlich in London auf dem Trafalgar Square. Er kommt seit dem Zweiten Weltkrieg jedes Jahr aus Norwegen. Dieses Geschenk soll an die Waffenbrüderschaft und an den gemeinsamen Widerstand gegen Hitler erinnern. Seine tiefste Wurzel hat der «Christbaum» in den Maienzweigen der heidnischen Periode, die zurzeit der Wintersonnenwende ins Haus geholt wurden. Im ausgehenden Mittelalter vermischten sich Heidnisches und Christliches. In Girlanden aus Efeu und immergrünem Lorbeer sah man ein Sinnbild des Christkinds. Der Schritt vom Immergrün zum geschmückten Tannenbaum scheint zuerst im Elsass und im Schwarzwald getan worden zu sein. Martin Luther und andere Reformatoren erklärten den Christbaum im 16. Jahrhundert zum Weihnachtssymbol der Protestanten, so wie die Krippe lange Zeit nur zur katholischen Weihnacht gehörte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der Freiheitskriege gegen Napoleon, wurde die Tanne auch zu einem Sinnbild des Deutschtums und damit Weihnachtssymbol beider Konfessionen. Der Weihnachtsbaum ist inzwischen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Weihnachtsbäume aus Kunststoff dominieren in Geschäftsdekorationen und in heißen Ländern. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald empfiehlt dagegen den frischen, grünen Baum. Sie verweist darauf, dass das Vermarkten solcher Pflanzen kein schädlicher Eingriff in die Umwelt sei. Mittwoch 24. Dezember 2003, 14:02 Uhr Volkskundler: Weihnachtsbaum wurzelt in Fastnachts-TraditionMainz (dpa) - Der bunt geschmückte Weihnachtsbaum geht nach Untersuchungen des Mainzer Volkskundlers Helmut Seebach auf eine Fastnachts-Tradition zurück. «Mittelalterliche Quellen belegen, dass der so genannte Narrenbaum und der Weihnachtsbaum gemeinsame Wurzeln haben», sagte Seebach in einem dpa-Gespräch. Der Ursprung beider Tradition sei durchaus christlich begründet: Der Narrenbaum stelle nämlich eine Parodie des «Paradiesbaumes» dar, der bei mittelalterlichen Krippenspielen verwendet wurde.Seebach zufolge beschränkten sich die mittelalterlichen Krippenspiele nicht auf die Geburt von Jesus: «Der Schwerpunkt lag vielmehr in der Paradies-Szene, in der gezeigt wurde, wie mit Adam und Eva die Sünde in die Welt kam.» Zur Verdeutlichung sei dabei von einem Baum ein Apfel gepflückt worden. «Im Laufe der Zeit wurden diese Bäume dann immer schmucker. Nüsse, Festgebäck und Süßigkeiten sollten den Gläubigen das Paradies vor Augen führen.» So seien die mit Gold- und Silberpapier umwickelten Früchte zu Vorlagen der heutigen Christbaumkugeln geworden. Dieser Schmuck hat nach Ansicht des Volkskundlers dann die Fastnachter inspiriert, die bei ihren Umzügen ebenfalls Bäume als Sinnbilder für den Narren zeigten. Seebach verweist unter anderem auf einen «Baum der Narretei», der 1844 in Mainz aufgestellt wurde und mit einer überdimensionalen Krone sowie Sternen, Orden und Süßigkeiten behängt war. An diesen Bäumen hingen oft auch silber glänzende Spiegel - ein Narrenattribut für Selbstgefälligkeit. «Daraus hat sich dann das Lametta und all der andere Glas- und Flitterschmuck am Weihnachtsbaum entwickelt.» Die Kerzen am Baum wertet der Volkskundler als protestantische Gegenbewegung gegen den katholisch geprägten Brauch, die Fastnachtsbäume zu verbrennen: «Durch die Reformation hat sich der Weihnachtsbaum von seinen Fastnachtswurzeln gelöst und eine eigene Tradition begründet.» Diese habe gegen Ende des 18. Jahrhunderts einen unglaublichen Siegeszug angetreten. Innerhalb weniger Jahrzehnte habe sich der Brauch in ganz Deutschland und vielen anderen Kulturländer ausgebreitet. Montag 22. Dezember 2003, 14:14 Uhr Der Trend geht zum ZweitbaumBad Honnef (AP) Der Trend geht zum Zweit-Weihnachtsbaum. Darauf deuten stetig steigende Verkaufszahlen in Deutschland hin, wie der Hauptverband der Holzindustrie am Montag in Bad Honnef berichtete. Insgesamt werden dieses Jahr rund 27 Millionen Weihnachtsbäume verkauft; 1,5 Millionen mehr als im Vorjahr.Auf Balkonen, Terrassen, Gärten und in weiteren Zimmern der Wohnung werde inzwischen gern ein zusätzlicher Baum aufgestellt, freute sich der Verband. Der Globalisierung sei es zudem zu verdanken, «dass wir in dieser Saison eine deutliche Steigerung US-amerikanischer Dekorationstradition erleben. Weihnachtsmänner aus Kunststoff oder Plüsch, funkelnde Lichterketten an Häusern und in Vorgärten und elektrische Sterne leuchten schon vorweihnachtlich, stellen aber keine Konkurrenz sondern eine Ergänzung zum Weihnachtsbaum dar», erklärte Verbandsgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas. Der am häufigsten gekaufte Baum ist nach den Verbandsangaben die Nordmanntanne, gefolgt von der Fichte und der Nobilis. Die Durchschnittslänge der Bäume ist etwas höher als im vergangenen Jahr. «Mit 164 Zentimeter ist der durchschnittliche Tannenbaum exakt so groß wie Marilyn Monroe», meinte der Verband. Der Durchschnittspreis der Bäume liegt bei rund 20 Euro. Die privaten Haushalte und öffentlichen Gemeinden werden damit mindestens 500 Millionen Euro für diesen Brauch ausgeben. Für die Forstindustrie macht dies etwa 15 Prozent des gesamten Jahresumsatzes aus und ist damit ein erheblicher Geschäftsgang. » zurück |
|
Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Sa, 30.08.2008 © easy.wdss Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.net Bildschirm-Version |
|