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Aktuell
Streit um Bannwaldrodung
Montag 29. November 2004, 15:19 Uhr
Weg frei für die A-380-Werft
Genehmigung für Wartungshalle mit 150 Auflagen verkündet
Nur Eilantrag kann Waldrodungen stoppen
Wiesbaden (ddp-swe). Rund 20 Jahre nach den harten Auseinandersetzungen um den Bau der Startbahn West ist es wieder soweit: Im Wald am Frankfurter Flughafen dürfen die Bagger anrücken. Damals lösten die Waldrodungen einen erbitterten Kampf um jeden Baum aus. Als Konsequenz wurde Anfang der 90er Jahre der «Bannwald» um den Flughafen unter Schutz gestellt. Nun soll es diesem Symbol der Auseinandersetzungen erstmals wieder großflächig an den Kragen gehen: Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) verkündete am Montag in Wiesbaden den Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Wartungshalle für das Großflugzeug A 380. Damit könnten die Bagger sofort ausrücken - die Flughafenbetreibergesellschaft Fraport will jedoch erst den angekündigten Eilantrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) abwarten.
Der Beschluss gibt wie erwartet grünes Licht für die Errichtung einer Wartungshalle für das Großraumflugzeug A 380 sowie Lager, Bürogebäude, Wartungsflächen und Werkstatt. Rund 21 Hektar Wald müssen dafür weichen, davon 13 Hektar Bannwald. Allein die Wartungshalle für das Mammutflugzeug soll fünf Hektar messen.
Rhiel sprach am Montag von einem «Zeichen für Aufbruch» und von einem «Riesengewinn für den Luftverkehrsstandort Frankfurt und Deutschland». Die Investitionen von etwa 150 Millionen Euro sicherten wirtschaftliche Chancen, Innovationen, Spitzentechnologie und Jobs. Rhiel sprach sogar von 1000 neuen und 1000 zu erhaltenden Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2015. Dazu kämen Vorteile wie mehr Sicherheit und Pünktlichkeit im Luftverkehr und die Stärkung der Drehscheibenfunktion des Flughafens Frankfurt. Angesichts dieser Vorteile sei der Eingriff in das Waldgebiet am Flughafen doch nur «minimal».
Die Belange des Naturschutzes seien ausgiebig berücksichtigt, zehn alternative Standorte geprüft worden, betonte der Minister. Der Beschluss enthalte immerhin 150 Auflagen in den Bereichen Lärmschutz, Betriebssicherheit, Erschließung sowie Baulogistik. Allerdings dienen nur 30 Auflagen dem Schutz von Natur und Landschaft. Sie sehen Ausgleichsmaßnahmen unter anderem im Schwanheimer und im Rüsselsheimer Wald vor. Zudem muss die Fraport innerhalb von drei Monaten ein Maßnahmenkonzept für die Entwicklung von Lebensräumen für die bedrohten Tierarten Hirschkäfer und Bechsteinfledermaus vorlegen.
Der Beschluss und seine Begründung seien «die Pervertierung des Gemeinwohlbegriffes», kritisierte dagegen der Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau, Winfried Heuser. Zu Lasten der Gesundheit der Menschen würden wertvollster Bannwald, seltene Tiere und Pflanzen geopfert. Die Lebensräume für die bedrohten Arten gingen «unwiederbringlich verloren», unterstrich auch BUND-Landesvorsitzende Brigitte Martin. Für eine Eilklage vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) sah sie gute Chancen, weil das Europarecht den besonderen Schutz solcher Arten vorsehe.
Ziel der Umweltschützer ist in erster Linie die Verzögerung des Baustarts: Die Fraport hatte zwar angekündigt, nicht sofort zur Rodung ausrücken zu wollen, vorbereitende Maßnahmen wie Bohrungen sollen aber durchgeführt werden. Nur per Eilantrag kann nun noch erreicht werden, dass die Richter am Kasseler VGH einen Aufschub verkünden. Ein solcher Antrag muss spätestens innerhalb eines Monats nach Ablauf der öffentlichen Auslegungsfrist gestellt werden - und die soll vom 8. bis zum 21. Dezember erfolgen. Gerodet werden darf laut Gesetzeslage aber nur außerhalb der Wachstumsperiode, und die beginnt eigentlich am 1. März. Minister Rhiel verkündete am Montag jedoch, die Fraport habe bis zum 15. März Zeit. Damit habe die Fraport zwei Wochen zusätzlich bekommen, kritisierte Martin und fügte hinzu: «Mit modernen Maschinen kann man in zwei Tagen 20 Hektar roden.» (Quellen: Alle am Montag in Wiesbaden)
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