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Waldböden als CO2-Speicher

Waldböden als Kohlenstoffspeicher

Kaum altersbedingte Veränderungen im Nationalpark

Lukas Denzler, Neue Zürcher Zeitung, 1.12.04

Wälder sind wichtige Kohlenstoffspeicher. Wie eine Untersuchung im schweizerischen Nationalpark zeigt, nimmt der in Pflanzen und Boden gespeicherte Kohlenstoff bei der Wiederbewaldung von offenen Flächen zu. Bei der weiteren Entwicklung hin zu älteren Wäldern bleibt der gesamte Kohlenstoffgehalt jedoch konstant.

Unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen wird die land- und forstwirtschaftliche Nutzung im Alpenraum in den nächsten Jahrzehnten weiter zurückgehen. Somit kommen auf waldfähigen Standorten, die nicht mehr gemäht oder beweidet werden, zunächst Pioniergehölze auf. Im Laufe der Zeit lösen schliesslich Lärchen, Fichten und Arven die Pioniergehölze ab. Die Entwicklung vom offenen Grünland zum Pionierwald und weiter zu einem alten Wald, dem Höhepunkt der Entwicklung, wird als Sukzession bezeichnet. Angesichts der grossen Bedeutung der Wälder als Kohlenstoffspeicher, die auch im Rahmen der Klimapolitik eine grosse Rolle spielen, stellt sich die Frage, inwiefern die natürliche Wiederbewaldung im Alpenraum zu einer stärkeren Speicherung von Kohlenstoff führt.

Abnahme des Kohlenstoffs im Boden

Um diese Frage zu klären, ist der schweizerische Nationalpark besonders geeignet, weil dieser seit 100 Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird. Anita Risch hat nun im Rahmen ihrer an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft durchgeführten Dissertation verschiedene Wälder und Böden im Nationalpark untersucht. Allgemein wird angenommen, dass mit zunehmender Sukzession die gesamte Biomasse und damit auch die Menge des gespeicherten Kohlenstoffs zunimmt. Wie Anita Risch aber zeigen konnte, ist dies im Nationalpark nicht bei allen Sukzessionsstadien der Fall. Während die oberirdisch in Nadeln, Blättern, Rinde und im Holz gespeicherte Menge Kohlenstoff wie erwartet vom offenen Grünland über die Phase der Wiederbewaldung mit Bergföhren bis zu den gemischten Nadelholzbeständen zunahm, ergab sich für den Boden ein anderes Bild. In Graslandböden fand die Wissenschafterin gleich viel Kohlenstoff wie auf Flächen, wo die Wiederbewaldung eingesetzt hat. Und im Boden unter alten Wäldern fand sie nicht etwa mehr, sondern weniger Kohlenstoff. Dieses erstaunliche Ergebnis deutet darauf hin, dass im Nationalpark während der Entwicklung des Pionierwaldes hin zum alten Wald der Kohlenstoffgehalt im Boden abnimmt. Dies dürfte durch die zusätzliche oberirdische Kohlenstoffspeicherung gerade etwa kompensiert werden. Somit bleibt die gesamte Menge des gespeicherten Kohlenstoffs wohl ungefähr gleich.

Wie die Untersuchungen zeigten, spielen bei diesem Verlauf die Zwergsträucher eine spezielle Rolle. Zu diesen zählen unter anderem die Rote Erika (Erica carnea), die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idea) und die Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). Insbesondere im Stadium der Wiederbewaldung breiten sich diese aus. Wenn Zwergsträucher abgestorben sind, zersetzen sich diese wegen ihres hohen Phenol- und Ligningehaltes sowie ihres geringen Stickstoffgehalts nur sehr langsam. Weiter zeichnen sich Zwergsträucher durch Mykorrhizapilze aus, die eine dichte Hülle um ihre Wurzeln bilden und so die Streuschicht mit dem Mineralboden geflechtartig zusammenhalten. Dies alles führt zu einer Akkumulation von Kohlenstoff im Boden. Mit zunehmender Sukzession nimmt die Häufigkeit der Zwergsträucher jedoch wieder ab und mit ihnen offenbar auch der Kohlenstoffgehalt im Boden. Netto setzt dieser damit nun Kohlenstoff in die Umgebung frei.

Marginale Rolle der Ameisen

Nicht bestätigt hat sich dagegen die Hypothese, dass Ameisen in diesem Kreislauf die entscheidende Rolle spielen. Der Nationalpark beherbergt unzählige Ameisenhaufen. Fleissig, wie sie sind, tragen Ameisen grosse Mengen organisches Material wie kleine Ästchen und Nadeln in ihre Haufen. Somit, so die ursprüngliche Überlegung, könnte die Abnahme des Kohlenstoffs im Boden alter Waldbestände mit den Sammelaktivitäten der Ameisen zusammenhängen. Gestützt wurde die Hypothese durch die Feststellung, dass im Nationalpark Ameisenhaufen in alten Beständen häufiger vorkommen als in Beständen der frühen Sukzessionsstadien. Wie Messungen zeigten, waren die Kohlenstoff- und Stickstoffkonzentrationen in den Haufen auch tatsächlich höher als im Waldboden. Die Hochrechnung auf die Fläche ergab jedoch, dass der in den Haufen gespeicherte Kohlenstoff im Vergleich zum Waldboden bescheiden ist und nicht ins Gewicht fällt. Dasselbe gilt auch für die durch die Lebewesen verursachten Emissionen von Kohlendioxid (CO2). Diese waren zwar bei den Haufen ebenfalls deutlich höher als im benachbarten Waldboden, machten aber nur 0,7 bis 2,5 Prozent der gesamten CO2- Emissionen des Waldbodens aus.


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