Aktuell


Kampf um NSGs in Ostdeutschland

Freitag 17. Dezember 2004, 11:00 Uhr

Succows Pläne: Künftig fünf Nationalparks im Nordosten

Ueckermünde (ddp-nrd). Nach den Plänen des Trägers des Alternativen Nobelpreises, des Greifswalder Botanikprofessors Michael Succow, könnte Mecklenburg-Vorpommern künftig über insgesamt fünf Nationalparks verfügen. Bislang existieren bereits die staatlich geförderten Nationalparks «Müritz», «Vorpommersche Boddenlandschaft» und «Jasmund».

Darüber hinaus plant Succow die Gründung von zwei privat finanzierten Stiftungsnationalparks für das Areal «Peenetal-Landschaft» und das Projekt «Grenzheide» am Stettiner Haff. Im Naturschutzgroßprojekt «Peenetal-Landschaft» investieren Bund, Land und ein Zweckverband bereits etwa 29 Millionen Euro. Nach 2008 läuft das Projekt zum Schutz der europäischen Flusstallandschaft jedoch aus.


Freitag 17. Dezember 2004, 11:04 Uhr

Großschutzprojekt «Grenzheide» in Gefahr

Bund will bis 800 Hektar an private Waldbesitzer verscherbeln

Ueckermünde (ddp-nrd). Die «Grenzheide», eine der größten zusammenhängenden urwüchsigen Naturlandschaft im Nordosten Deutschlands, ist in Gefahr. Nach Informationen des Greifswalder Botanikprofessors Michael Succow plant der Bund die Privatisierung weiträumiger Flächen in dem mehr als 10 000 Hektar großen Areal, das sich vom Stettiner Haff über Hintersee bis nach Glashütte im Süden erstreckt. Damit drohe die Zerstückelung des geplanten Naturschutzgroßprojekts, das bereits bestehende Naturschutzgebiete einschließen solle, sagte der Träger des Alternativen Nobelpreises am Donnerstag in Greifswald.

Die Veräußerung der ersten Flächen stehe unmittelbar bevor, sagte Succow. Entsprechende Pläne bestätigte inzwischen Forstoberrat Rainer Entrup vom Bundesforstamt Hintersee, das den Verkauf der Waldareale umsetzen soll: «Im nächsten Jahr sollen etwa 500 bis 800 Hektar verkauft werden.» Das Anliegen sei Bestandteil weitreichender Pläne des Bundes, der in den nächsten zehn Jahren in Deutschland etwa 100 000 Hektar seines allgemeinen Grundvermögens privatisieren wolle. Mit der Umsetzung werde die neu gegründete Bundesanstalt für Immobilienaufgaben am 1. Januar 2005 beginnen.

Succow sieht das mit großer Sorge: Eine unentgeltliche oder kostengünstige Bereitstellung dieser und weiterer Flächen für das geplante Großschutzgebiet «Grenzheide» wäre dann so gut wie ausgeschlossen, sagte der weltweit anerkannte Biologe. Er rechnet mit einem schnellen Verkauf der wildreichen Flächen an Privatpersonen, die diese vor allem als Jagdrevier nutzen würden. «Aus ökologischer Sicht wäre das eine Katastrophe!» In dem von großflächigen Mooren bestimmten Areal leben zahlreiche, vom Aussterben bedrohte Tiere wie Fischotter und Seeadler.

Als Vorsitzender der Michael-Succow-Stiftung arbeitet der Wissenschaftler bereits seit vier Jahren an einem Nutzungskonzept für die noch weitgehend intakten Naturräume im Nordosten Deutschlands. Nach seinen Plänen könnte das Naturschutzprojekt in den nächsten Jahren schrittweise zu einem privat finanzierten Stiftungsnationalpark entwickelt werden. Ähnlich Vorstellungen gebe es für das Naturschutzgroßprojekt «Peenetal-Landschaft», eine der größten unberührten Flusstäler Europas. Demnach sollte der Bund als größter Flächenbesitzer, die Areale kostengünstig einer noch zu gründenden Nationalparkstiftung als neuer Betreiber zur Verfügung stellen. Entsprechende Investoren gebe es bereits, sagte Succow.

Die Unterschutzstellung unter eine private Nationalparkverwaltung käme vor allem der Bevölkerung der Region Uecker-Randow zu Gute, sagte Succow: Denn Nationalparks seien Tourismusmagnete, die neue Arbeitsplätze schafften. Zudem könnte die «Grenzheide» der Anfang für ein grenzüberschreitendes Großschutzgebiet nach Polen werden. Denn auch auf polnischer Seite setze sich die unzerschnittene und stille Wald- und Moorlandschaft in der Stettiner Heide fort.

Für die Großschutzprojekte «Grenzheide» und «Peenetal» arbeiten Experten bereits an entsprechenden Machbarkeitsstudien, die von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt finanzierte wird. Erste Ergebnisse sollen spätestens im Sommer vorliegen. Mindestens bis zu diesem Zeitpunkt sollte kein übereilter Flächenverkauf stattfinden, forderte Succow. Derzeit verhandelten Bundesumweltministerium und Kanzleramt über eine einvernehmliche Lösung.


Freitag 17. Dezember 2004, 10:54 Uhr

Rettungsversuche - Für Naturschutzgroßprojekt «Lausitzer Seenland» wird neuer Träger gesucht

Kamenz/Hoyerswerda (ddp-lsc). Der Bergbau in der Lausitz hinterließ öde Flächen, und doch bietet gerade die Landschaft rund um ehemalige Braunkohlengruben ideale Lebensbedingungen für seltene Pflanzen und Tiere. Mit dem Naturschutzgroßprojekt «Lausitzer Seenland» sollen etwa 3000 Hektar einzigartiger Lebensraum gesichert werden. Doch das Vorhaben steht derzeit auf der Kippe. Die in Baden-Württemberg ansässige Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte in der vergangenen Woche ihren Ausstieg als Projektträger erklärt, weil das sächsische Umweltministerium seine finanzielle Förderung an die Bedingung knüpft, dass ein regionaler Akteur Eigentümer der dafür vorgesehenen Flächen wird. Nun hat die Suche nach einem neuen Träger begonnen.

Die Umwelthilfe hatte das Großprojekt nördlich von Hoyerswerda seinerzeit maßgeblich angestoßen, um das weitgehend unzerschnittene Land mit seiner biologischen Vielfalt zu erhalten. Zusammen mit dem Naturschutzinstitut Dresden wurde 2001 die gemeinnützige Lausitzer Seenland GmbH gegründet, in der die Umwelthilfe 85 Prozent der Anteile hält. Die Anfang 2003 gestartete Planungsphase endete im Februar dieses Jahres. Allein rund 400 000 Euro seien dafür ausgegeben worden, macht der Geschäftsführer der Lausitzer Seenland gGmbH, Jürgen Rosemund, deutlich.

Die eigentliche Umsetzung des Projektes sollte in diesem Jahr beginnen. Doch die Fördergelder aus Sachsen hätten monatelang auf sich warten lassen, sagt Rosemund. Vorgesehen ist, dass der Freistaat 20 Prozent und der Bund 75 Prozent der Projektkosten trägt. Diese sind mit insgesamt 6,2 Millionen Euro bis 2013 angesetzt. Die Deutsche Umwelthilfe wollte sich mit fünf Prozent beteiligen und zugleich die Flächen für das Vorhaben erwerben. Doch das Umweltministerium in Dresden hat offenbar ein Problem damit, dass sächsische Steuergelder dafür ausgegeben werden, damit sich ein Verband aus Baden-Württemberg im Freistaat Grund und Boden kauft. Immerhin seien etwa 50 Prozent der Projektmittel für den Flächenerwerb eingeplant, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Die Deutsche Umwelthilfe sieht in der sächsischen Entscheidung einen «Rückgriff auf längst überwunden geglaubte Ost-West-Ressentiments». Als möglicher Eigentümer der Projektflächen wurde der Zweckverband Elstertal ins Gespräch gebracht, in dessen Satzung Naturschutz bisher allerdings nicht verankert ist. Mit einer entsprechenden Änderung beschäftigt sich der Verband am Dienstag auf einer Sondersitzung in Kamenz. Allerdings hänge am Flächenkauf nicht nur viel Geld, gibt Stefan Korb von der URS Deutschland GmbH zu bedenken, die für den Zweckverband die Geschäfte führt. Auch andere Verpflichtungen, etwa die Übernahme von Seen, seien damit verbunden.

Die Zukunft des bundesweit einzigen Naturschutzgroßprojektes in einer Bergbaufolgelandschaft sei völlig offen, räumt Jürgen Rosemund ein. Seit 7. Dezember liegen zwar die sächsischen Zuschüsse bereit. Sie fließen aber erst, wenn ein neuer Träger feststeht. Das Umweltministerium ist nach eigenen Angaben mit Interessenten im Gespräch. Änderungen muss allerdings auch der Bund als Hauptgeldgeber zustimmen. Unterdessen hat sich bereits der sächsische Landesverband des Naturschutzbundes (NABU) angeboten, die Trägerschaft zu übernehmen, damit das Lausitzer Projekt vor dem Scheitern bewahrt wird. (www.lausitzerseenland.de)


Freitag 17. Dezember 2004, 11:27 Uhr

Das Lausitzer Seenland

Hoyerswerda (ddp-lsc). Mit dem Lausitzer Seenland entsteht im Nordosten Sachsens und in Südbrandenburg Europas größte künstlich geschaffene Wasserlandschaft. Ehemalige Braunkohlegruben verwandeln sich dazu in Seen. Allein im Dreieck zwischen Hoyerswerda, Spremberg und Senftenberg wird es künftig neun Gewässer mit einer Gesamtwasserfläche von rund 7000 Hektar geben. Die Seen sollen durch elf schiffbare Verbindungen miteinander verbunden sein. Die Flutung der einstigen Gruben könnte 2015 weitgehend abgeschlossen sein.

Das Naturschutzgroßprojekt «Lausitzer Seenland» soll auf sächsischem Territorium nördlich von Hoyerswerda umgesetzt werden. Etwa 5000 Hektar an der Grenze zu Brandenburg sind dafür vorgesehen, davon rund 3000 Hektar zum Kauf durch den Projektträger. Das ausgewählte Gebiet stellt einen charakteristischen Ausschnitt des Lausitzer Braunkohlereviers dar. Zum größten Teil handelt es sich um Flächen, die zwischen 1906 und 1991 vom Bergbau in Anspruch genommen wurden. Das Gebiet schließt unter anderem den künftigen Neuwieser See ein, der aus dem ehemaligen Tagebau Spreetal-Bluno entsteht. (www.lausitzerseenland.de)


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