Aktuell


Kranke Wälder (erweitert)

Dienstag 8. November 2005, 17:36 Uhr

60 Prozent der Wälder in Berlin-Brandenburg geschädigt

Potsdam/Berlin (ddp-bln). Zwei Jahre nach dem heißen und trockenen Sommer 2003 hat sich der Wald in Brandenburg und Berlin noch nicht wieder erholt. Insgesamt seien in der Region 15 Prozent der Forsten deutlich und 45 Prozent leicht geschädigt, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Waldzustandsbericht. Nur 40 Prozent der Wälder in Berlin-Brandenburg seien gesund. Die Eiche sei weiterhin die am stärksten geschädigte Baumart, 43 Prozent dieser Bäume seien krank.

In Brandenburg sind 14 Prozent der Waldflächen deutlich geschädigt, wie es weiter heißt. 41 Prozent seien gesund. Dieses relativ positive Gesamtergebnis wird auf die Dominanz der Kiefer zurückgeführt, deren Bestand nur zu 13 Prozent belastet ist. In Berlin sind dagegen nur noch 10 Prozent aller Bäume gesund, 41 Prozent zeigen deutliche Schäden. 34 Prozent der Kiefern und sogar 79 Prozent der Eichen seien krank.

Als Ursache für die Waldschäden führt der Bericht die Klimaveränderungen an, in deren Folge es mehr trockene Sommer gebe. Der von Klimaforschern prognostizierte Anstieg der Lufttemperaturen erhöhe das Risiko in der ohnehin trockenen Region weiter. Außerdem seien die Laub- und Nadelbäume in Berlin und Brandenburg in den vergangenen Jahren verstärkt von Insekten befallen worden. Auch Stickstoff und Ozon belasteten die Wälder.


7.11.05

NRW-Wälder in kritischem Zustand

Düsseldorf (dpa) - Der Zustand des nordrhein-westfälischen Waldes bleibt kritisch. Jeder vierte Baum weise deutliche Schäden auf, teilte das NRW-Umweltministerium am Montag bei der Vorstellung des aktuellen Waldzustandsberichtes mit. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich Buchen erholt, die Schäden bei Eichen und Fichten hätten aber wieder zugenommen. Hauptverantwortlich für die Schäden seien Luftverunreinigungen, die sich über Jahrzehnte im Waldboden angereichert haben.

"Um das Ökosystem Wald auf Dauer zu erhalten, werden wir vom nächsten Jahr an erneut landesweit den Bodenzustand erfassen", sagte NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU). Die Waldböden seien übersäuert und wichtige Nähr- und Schadstoffe ausgewaschen. Eine Bodenschutzkalkung sei derzeit die beste Möglichkeit, die Versauerung zu mildern. In den vergangenen 20 Jahren sind bereits 470 000 Hektar Waldböden gekalkt worden.

"Der Patient Wald ist weiter krank und stark geschädigt", sagte die Biologin Ute Röder vom NRW-Naturschutzbund auf Anfrage. Solange die derzeit hohen Stickstoff-Emissionen durch die Landwirtschaft und Automobilindustrie nicht deutlich verringert werden, bleibe der Zustand des Waldes Besorgnis erregend. "Die Wende ist noch nicht eingetreten und bis der Wald reagiert, vergehen noch Jahrzehnte." Zudem müsse immer mit naturbedingten schlechten Einflüssen auf den Wald wie heiße, trockene Sommer und lange Frostperioden im Winter gerechnet werden.

Vielen Bäumen ist es im Wald mittlerweile auch zu eng, weil nur etwa zwei Drittel des Zuwachses an Nadelholz und 41 Prozent des Laubholzes von der Forstwirtschaft genutzt werden. "Verbraucher können beim Kauf von Produkten aus heimischen Holz oder dem Heizen mit Holz zum Schutz des Waldes und unserer Umwelt beitragen und unsere Forst- und Holzwirtschaft stärken", sagte Uhlenberg.


Montag 7. November 2005, 12:47 Uhr

Zustand des Waldes weiter kritisch

Düsseldorf (ddp-nrw). Der Zustand des nordrhein-westfälischen Waldes ist trotz leichter Verbesserungen weiter kritisch. 70 Prozent der Bäume im Land sind mittlerweile deutlich oder schwach geschädigt, wie Landesumweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) am Montag in Düsseldorf bekannt gab. Insgesamt gehe es dem Wald aber in diesem Jahr etwas besser als 2004. Verbesserungen wurden vor allem bei Buchen festgestellt. Der Zustand von Eichen und Fichten habe sich hingegen verschlechtert.

Die Zahl der deutlich geschädigten Bäume sank seit vergangenem Jahr um 4 Prozentpunkte auf 25 Prozent. Der positive Trend ist dabei nahezu ausschließlich auf eine starke Erholung der Buchen zurückzuführen. Bei den Eichen und Fichten haben die deutlichen Schäden in diesem Jahr jeweils um 3 Prozentpunkte auf 42 und 23 Prozent zugenommen, wobei die Eiche die stärksten Blattverluste aller untersuchten Baumarten hat. Nur noch 19 Prozent der Kiefern sind gesund im Vergleich zu 28 Prozent in 2004. Als deutlich geschädigt wurden 12 Prozent eingestuft gegenüber 19 Pro­zent im Vorjahr.

Nach der starken Verringerung von Schwefeldioxid- und Stickstoffoxid-Emissionen in den vergangenen Jahrzehnten müssten vor allem die zu hohen Stickstoff- und Ammoniakeinträge konsequent weiter ge­senkt werden, sagte Uhlenberg. Nur so könnten die Wälder mit ihren wichtigen Funktionen zum Beispiel als Trinkwasserspeicher stabilisiert werden. Der Minister kündigte an, dass ab kommendem Jahr landesweit der Bodenzustand erfasst werden soll. Mit Hilfe der gewonnenen Daten sollen Verbesserungsszenarien ent­wickelt sowie und Maßnahmen zur Luftreinhaltung, zum Schutz des Bodens und zur Waldbewirtschaftung aufeinander abgestimmt werden.


Der Patient Wald leidet wie nie zuvor

Der Zustand des Waldes hat sich weiter verschlechtert. Der Anteil der deutlich geschädigten Waldfläche im Südwesten sei im laufenden Jahr auf ein neues Rekordhoch gestiegen , heißt es im Waldzustandsbericht 2005 , der heute im Kabinett beraten wird.

Von Roland Muschel, stimme.de , 8.11.05

Danach sind nur noch 19 Prozent der Waldfläche hierzulande völlig gesund, während bereits 43,3 Prozent der Baumbestände als deutlich geschädigt eingestuft werden. Das ist der höchste Anteil seit Beginn der jährlichen Waldschadenserhebung im Südwesten im Jahr 1983. Die deutlich geschädigte Waldfläche lag 2003 noch bei rund 29 Prozent, war aber 2004 steil auf gut 40 Prozent gestiegen.

Offensichtlich leiden die Bäume auch noch im zweiten Folgesommer an den Nachwirkungen des extrem heißen und trockenen Jahrhundertsommers 2003. Dazu kommt: Auch das Jahr 2004 war in Baden-Württemberg gemessen am vieljährigen Mittel zu warm und zu trocken - zudem stiegen im bisherigen Verlauf dieses Jahres die monatlichen Durchschnittstemperaturen meist über den jeweiligen Referenzwert.

Weit reichende Vorhersagen beinhalten ebenfalls keine gute Nachrichten für die grünen Lungen des Landes: Nach Berechnungen der neuesten Klimastudien für Baden-Württemberg nimmt die Zahl der heißen Tagen in den nächsten Jahrzehnten weiter zu.

Am meisten leidet derzeit die Eiche. Nicht nur die Auswirkungen der Trockenheit, sondern auch der starke Befall mit verschiedenen blattfressenden Schmetterlingsraupen schwächen ihre Widerstandskraft. Die Folge: Drei von vier Eichen im Land weisen deutliche Schäden auf. Bei den Buchen, die ebenfalls mit Schädlingen wie dem kleinen Buchenborkenkäfer und dem Buchenprachtkäfer zu kämpfen haben, sind es knapp 60 Prozent, bei den Fichten 36 Prozent, bei den Tannen rund 37 Prozent.

Während sich der Zustand aller anderen Hauptbaum-Arten in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert hat, konnte die Tanne ihr Schadensniveau von 2001 in etwa halten. Damit hat sich ausgerechnet die lange Zeit am stärksten geschädigte Baumart im langfristigen Trend erholt. Die Experten führen dies auf die ausgeprägten Selbstheilungskräfte von Alttannen zurück. Zudem erweist sich die Tanne als weniger empfindlich gegenüber der Hitze als alle anderen Baumarten.

Als nach wie vor zu hoch stufen die Fachleute die Stickstoffbelastung der Wälder durch die chemische Industrie, Kläranlagen, Landwirtschaft und den Kraftverkehr ein. Es sei weiterhin notwendig , eine Absenkung der Schadstoffe voranzutreiben , schlussfolgern deshalb die Verfasser des Berichts.


Jeder fünfte Waldbaum ist vertrocknet

Dramatische Folgen der Klimaerwärmung
Forstamtsleiterin Christa Erdin-Schwill rechnet mit 50 Prozent "Tot- und Insektenholz"


Von Manfred Abt, Esslinger Zeitung, 8.11.05

Stuttgart - Die globale Klimaerwärmung macht auch dem Stuttgarter Wald gehörig zu schaffen: Viele Bäume trocknen aus und sterben ab. Vor allem alte Eichen, aber auch Buchen strecken schon seit dem Sommer ihre kahlen Kronen in die Höhe. "Wir haben massive Ausfälle, ganze Flächen alter Bestände sind vertrocknet, das Holz hat nur noch Brennholzwert", klagt Forstamtsleiterin Christa Erdin-Schwill.

Besonders krass ist es im Kräherwald in Stuttgarts Norden. "Hier ist mindestens die Hälfte der über hundert Jahre alten Eichen total ausgetrocknet", so Revierförster Dieter Hagenmüller. Dies ist insofern dramatisch, da dieser stadtnahe Erholungswald besonders stark von Spaziergängern und Joggern frequentiert wird. Dieses Revier durchkreuzen sechzig Kilometer Waldwege. Zudem führt die stark befahrene Straße Am Kräherwald vorbei. Umso mehr muss der Revierleiter ein besonderes Augenmerk auf die Gesundheit der Waldbäume richten, denn schließlich wird er auch hier in die (Verkehrssicherungs)-Pflicht genommen.

Aus diesem Grunde beginnt dort das Forstamt mit dem Holzeinschlag. Diesem sehen die Stuttgarter Forstamtsleiterin und ihre Mitarbeiter immer mit einer gewissen Sorge entgegen. Denn manche Waldspaziergänger und Jogger ignorieren die Absperrschilder und rot-weißen Bänder oder stellen diese sogar auf die Seite. "Diese Leute bringen sich und andere in akute Lebensgefahr", warnt die Forstamtschefin. Wer jetzt im November in den Wald geht, sollte daher besonders die Hinweisschilder beachten. Bis zum März müssen im Stuttgarter Wald rund 32 000 Festmeter Holz geschlagen werden. Bis zu 20 Prozent davon werden in dieser Saison Brennholz sein, das von ausgetrockneten Bäumen stammt. Die Niederschlagsdefizite seien nach den trockenen Jahrgängen 2003 und 2004 immer noch enorm. So hat es im September und Oktober nur sehr wenig geregnet. Hinzu kommen die zu hohen Temperaturen, die den trocken stehenden Bäumen zusätzlich zusetzen. So bekommt etwa die Rotbuche aufgrund ihrer dünnen Borke sehr schnell Sonnenbrand, der sich verheerend auswirken kann: Innerhalb von zwei Monaten stirbt die Baumrinde ab, Pilze wuchern, das Holz bekommt Weißfäule und wird brüchig. "Die Entwicklung bei der Buche ist dramatisch - ganze Flächen sind abgestorben", klagt die Forstamtsleiterin. Dies sei besonders tragisch, "weil wir nicht wissen, wie es weitergeht". Linderung könne hier nur ein niederschlagsreicher Winter oder ein nasses Frühjahr bringen.

Die Folge von Trockenheit und hohen Temperaturen ist auch ein vermehrter Schädlingsbefall. So rechnen die Forstleute in dieser Saison mit mindestens 30 Prozent "Insektenholz". Zwar gibt es im Stuttgarter Wald nur noch wenig Fichten, die vom Borkenkäfer befallen werden können, dafür hat in diesem Frühjahr insbesondere der Frostspanner an den Laubbäumen zugeschlagen. Dennoch sieht die Forstamtsleiterin nicht ganz so schwarz für die Zukunft: "Das Gesicht des Waldes wird sich zwar verändern, aber wir haben in Stuttgart große Flächen von Naturverjüngung."


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