AktuellSchweizer Bär vermisst
Von Lumpaz fehlt seit Wochen jede Spur und im Südtirol lief ein Bär vor ein AutoVon Petra Wessalowski, Sonntagszeitung (Schweiz), 12.11.05Seit Ende September gibt es keine Spur mehr vom Bären, der im August die Attraktion im Münstertal war und im September im Unterengadin über zwei Dutzend Schafe gerissen hat. «Es ist seltsam, dass wir nichts mehr von ihm wissen», sagt Joanna Schönenberger von WWF Schweiz. Norbert Gerstl vom österreichischen WWF wird noch deutlicher: «Wir machen uns Sorgen.» Das zweijährige Männchen, in der Schweiz auf den Namen Lumpaz getauft, ist unerfahren. Laut Gerstl sind in den letzten fünf Jahren mindestens drei Jungtiere verschwunden. Gerstl befürchtet, dass «jemand nachgeholfen hat». Auch im angrenzenden Südtirol sind die Fachleute besorgt. Sie rechnen damit, dass der Bär illegal geschossen oder auf andere Weise ums Leben gekommen sein könnte. «Für die These spricht, dass dieses auffällige Tier von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden ist», sagt Giorgio Carmignola, Vizedirektor des Amts für Jagd- und Fischerei in Bozen. Für den Winterschlaf ist es noch viel zu früh, auch wenn die Bären ab November ihren Aktionsradius einschränken. Anfang Oktober wurden im Ultental noch Bärenspuren gefunden, doch die seien zu klein, als dass sie von Lumpaz stammen könnten. Claudio Groff, Leiter des Bärenprojekts «Life Ursus» im Trentino, hat zurzeit «wenig Hoffnung, dass er im Frühling wieder auftaucht». Bären können ihren Lebensraum zwar von einem Tag auf den anderen wechseln. Der St. Galler Bärenspezialist und Wildbiologe Hans U. Roth mutmasste daher letzte Woche, dass der Bär nach Süden gewandert sei. Dies korrigiert er nun: «Ich bin vielleicht zu optimistisch. Es ist mehr eine Hoffnung als eine Gewissheit.» Der Bär ist möglicherweise das Opfer eines Autounfalls geworden. Am Freitag vor einer Woche lief einer Krankenschwester morgens um halb sieben Uhr ein rund 120 Kilogramm schweres Tier vor ihren Opel Zafira. Die italienischen Behörden schliessen nicht aus, dass es sich um den «Bündner» Bären oder seinen gleichaltrigen Bruder handeln könnte. Die Frau sagte in der Lokalzeitung «Il Trentino»: «Ich dachte, der Arme ist tot.» Der Bär verschwand nach dem Unfall in der Ortschaft Preore, oberhalb des Gardasees, im Wald. Die Polizei machte sich mit Hunden auf die Suche. Blutspuren fand sie keine, aber es ist unklar, ob das Tier überlebt hat. Die 29-jährige Fahrerin kam mit dem Schrecken davon. An der verbeulten Motorhaube klebten Haare des Bären. Das Ergebnis der DNA-Analyse wird in den nächsten Tagen erwartet. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die italienischen Bärenexperten von den Haarproben, die sie bis Ende Jahr im Trentino sammeln. » zurück |
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