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Rettung für Brandenburgs Moore?

Brandenburger Moore sollen wieder aufleben

SCHUTZPROGRAMM Nachdem zu DDR-Zeiten die Feuchtbiotope großflächig trockengelegt wurden, werden sie nun wegen ihrer positiven Eigenschaften renaturiert.

Von Matthias Bruck, Uckermark Kurier, 25.11.05

Reiersdorf. Zug um Zug lässt der Schaufelbagger den einstigen Hauptmeliorationsgraben des über fünf Hektar großen Brennbruchs im Reiersdorfer Winkel verschwinden. Ende eines Teilprojektes im brandenburgischen Moorschutzprogramm, das vor einem Jahr für die Rettung von Waldmooren im Land aufgelegt worden war. Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) hatte bei seinem gestrigen Besuch vor Ort im tiefen uckermärkischen Wald nur noch einen symbolischen Schaufelwurf zu absolvieren. Er warf eine Ladung Sand auf einen aus dem Waldboden ragenden Betonring, in dem zukünftig Fledermäuse Quartier beziehen werden.

Das Brennbruch war durch die rigorose Melioration zu DDR-Zeiten schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. „Der schlimmste Eingriff erfolgte 1979 mit dem Bau des Hauptgrabens. Dieser ist nun endlich beseitigt“, sagt Heidrun Schulz vom Templiner Amt für Forstwirtschaft. Die für die Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen in großem Stil betriebene Entwässerung hatte nur kurzzeitig positive Effekte. Die Fruchtbarkeit nahm schnell ab. Hingenommen wurden die Zerstörung und Mineralisierung der Moore und eine dramatische Verschlechterung des Wasserhaushaltes. Anfang der 90er Jahre begann das Forstamt mit der Rettung der Moorlandschaft im Reiersdorfer Winkel. Barrieren wurden aufgeschüttet, um das Wasser am Abfließen zu hindern.

Mit der Auflegung des brandenburgischen Moorschutzprogrammes vor einem Jahr konnte das Amt dann richtig durchstarten. „Jetzt sind wir so weit, dass wir das einstige Entwässerungssystem dauerhaft verschlossen haben. Im kommenden Jahr schließt sich ein Monitoring zur Dokumentation und wissenschaftlichen Analyse des Moorstandortes an“, sagt Heidrun Schulz.

Landesweit befinden sich 26 Moorflächen mit einer Ausdehnung von 1600 Hektar im Fokus der Moor-Schützer. „Dabei gehen Naturschutz- und Forstbehörden Hand in Hand“, versichert Heike Mauersberger von der Biosphärenreservatsleitung „Schorfheide-Chorin“. Von der Wiedervernässung der Moore versprechen sich die Naturschützer nicht nur eine Verbesserung des Waldklimas und der ökologischen Vielfalt im Wald, sondern auch eine deutlich bessere Wasserbilanz. Das Moorschutzprogramm, so ist Mauersberger überzeugt, war dringend nötig. Sind doch 90 Prozent der Moore im Land mehr oder weniger stark geschädigt. Künftig müsse das gegenwärtig nur auf Waldflächen begrenze Programm auch auf die offenen Grünlandmoore ausgedehnt werden, die den überwiegenden Teil der brandenburgischen Moore ausmachen, forderte indes der Moorexperte des Landesumweltamtes Lucas Landgraf. Woidke sicherte bei seinem Vor-Ort-Termin zu, dass es in Sachen Moorschutz weitergehen werde. Durch veränderte Förderrichtlinien der EU sei es für Landwirte auch möglich, ohne finanzielle Verluste Flächen für den Moorschutz stillzulegen.

KOMMENTIERT: Späte Einsicht

Von Matthias Bruck, Uckermark Kurier, 25.11.05

Eigentlich ist es längst zu spät. Die Zerstörung von Moorlandschaften hat landesweit einen beängstigenden Stand erreicht. Über 90 Prozent der Moore sind mehr oder weniger stark geschädigt. Die Mineralisierung der Moorböden und die damit verbundene Freisetzung von CO2 belasten die Umweltbilanz des Landes. Dazu kommt, dass der Rückgang von Moorgebieten die ohnehin negative Wasserbilanz weiter schwer belastet. Fallende Wasserspiegel sind ein Indiz für eine Entwicklung, die an die Lebensgrundlage zahlreicher Arten greift. Mit dem vor einem Jahr von der Landesregierung aufgelegten Moorschutzprogramm wurde ein Schritt in die richtige Richtung gemacht. Aber erstens sehr spät und zweitens ein viel zu kleiner. Sümpfe und Torfe in der Offenlandschaft, die am drastischsten von der Entwässerungswut betroffen waren, sind bei der Moorsanierung noch außen vor. Was Wunder, drohen doch hier Konflikte mit Landwirten, die die Flächen großenteils noch bewirtschaften. Doch im Sinne einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung muss auch dieses heiße Eisen angepackt werden. Ansonsten ist das Wasser, das sich in den sanierten Mooren wieder anstaut, nichts weiter als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.


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