Aktuell


Otter-Export nach Holland

Bayerwald-Otter soll in Holland neues Zuhause finden

Mittelbayerische, 24.11.05

Mit bayerischer Hilfe sollen Fischotter in Holland wieder heimisch werden. Am Donnerstag wurde im Rahmen eines Artenhilfsprogramms ein Fischotter aus dem Nationalpark Bayerischer Wald nach Holland gebracht. Der eineinhalbjährige Bayerwald-Otter solle mithelfen, die Otter in den Niederlanden wieder anzusiedeln, sagte Umweltminister Werner Schnappauf (CSU).

Seit Juli 2002 bemühten sich viele Organisationen, den Fischotter wieder in Hollands zahllose Kanäle, Wasserläufe und an seine Meeresküste zurückzuholen. In Bayern sei die Wiederausbreitung des in den 70er Jahren fast ausgestorbenen Fischotters bereits vor Jahren gelungen, sagte Schnappauf. Der bayerische Otter solle nun mit weiteren Artgenossen aus europäischen Zoos und Nationalparks in Hollands Flüssen ein neues Zuhause finden.


Waidler-Otter als tierischer Entwicklungshelfer

Jungtier wurde gestern auf seine Reise nach Holland geschickt

Von Andreas Nigl, Passauer Neue Presse, 225.11.05

Grafenau. Irgendwie war es dem eineinhalb Jahre alten Otter-Männchen gar nicht geheuer, was da mit ihm passierte. Gefangen, in einer Kiste sitzend, wartete er um 8. 30 Uhr in seinem Gehege am Nationalpark-Betriebshof in Altschönau auf sein weiteres Schicksal. Und das führte ihn im Laufe des gestrigen Donnerstages nach Holland. Genauer gesagt in einen Nationalpark im Landesinneren. Zusammen mit zwei weiteren Artgenossen aus dem Tierpark Görlitz soll der Bayerwald-Otter ein Wiederansiedlungsprojekt unterstützen.

Seit Juli 2002 bemühen sich verschiedene Organisationen mit vereinten Kräften, den Fischotter wieder in Hollands zahllosen Kanälen, Wasserläufen und an seine Meeresküste zurückzuholen. Da mit seiner natürlichen Rückkehr wegen weit entfernter und isolierter Restvorkommen auf längere Sicht nicht gerechnet werden konnte, wurde begonnen, ihn aktiv in Holland heimisch zu machen.

Die beiden Elterntiere, die Fähe Yakinta (6) und der Rüde Leo (3), waren wie vom Erdboden verschluckt, als ihr Sprössling auf die weite Reise ging. Da half es dann auch nicht, dass Tierpfleger Günther Meier nachhelfen wollte und mit frischen Fischen lockte, um den Pressevertretern einen Schnappschuss zu ermöglichen. Otter führen ein heimliches Leben, erklärte Werner Kirchner, der Leiter des Tierfreigeländes. So habe es vor eineinhalb Jahren auch eine Zeit gedauert, bis man merkte, dass es Nachwuchs gegeben habe. Das Otter-Weibchen hatte den Jungotter nämlich unter einer Ausspülung im Bachlauf versteckt. Erst als dieser Hochwasser geführt habe, hat ihn die Fähe ins Otterhaus transportiert.

Hans Kiener, Sachgebietsleiter Naturschutz im Nationalpark, betont, dass es sehr schwierig sei, Otter in Gefangenschaft, nachzuzüchten. »Dieser seltene züchterische Erfolg ist das Resultat naturnaher und artgerechter Haltungsbedingungen und gleichzeitig ein Beleg für die hohe Qualität der tierpflegerischen Betreuung durch die Nationalparkverwaltung. «

Wie in weiten Bereichen Westeuropas galt der Bestand dieses scheuen wendigen Wassermarders nach gnadenloser Verfolgung durch den Menschen in den Niederlanden seit 1988 als erloschen. Gut zwei Dutzend Europäische Otter wurden seither im Rahmen eines wohl vorbereiteten Wiederansiedlungsprogramms in die Freiheit entlassen. Sie haben dort nicht nur ihren »alten« Lebensraum wieder erfolgreich in Besitz genommen, sondern - und dies lässt hoffen - inzwischen wenigstens fünf Jungtiere groß gezogen«, so Dennis Lammertsma, der holländische Projektbetreuer. Der Bayerwald-Otter wird in eine multikulturelle Familie kommen: Tiere aus Schweden, Weißrussland und den baltischen Staaten werden seine Artgenossen.

Um das angestrebte Projektziel, eine vitale, sich selbst tragende Population zu etablieren, zu gewährleisten, soll nun in den nächsten Jahren vor allem auf geeignete Jungtiere zurück gegriffen werden, die in europäischen Zoos und vergleichbaren Einrichtungen geboren werden.

Der erste im Schaugehege des Nationalparks Bayerischer Wald im Mai 2004 geborene Jungotter wurde nun ausgewählt, um sein Gehege bei Altschönau mit der freien Wildbahn in den Niederlanden zu vertauschen, nachdem er über ein Jahr mit seinen Schwimmkünsten zusammen mit den Eltern zahlreiche Besucher begeistert hatte. Nach einer etwa einwöchigen holländischen Quarantäne mit Gesundheitscheck wird er anschließend freigelassen und bald sein neues Revier erkunden.


» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Mi, 08.10.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^