powered by <wdss>
Aktuell

Fraport sammelt Ökopunkte

Fraport sammelt weiter Ökopunkte

Ausgleichsmaßnahme: Ortstermin auf der Hohenau
Flughafenbetreiber hält das Naturschutzgebiet für gelungen


Von Andrea Stütz, Echo-Online, 30.11.05

TREBUR. Das Projekt „Naturschutzgebiet Auenwald Hohenaue“ in der Gemarkung Trebur ist seit einem Jahr abgeschlossen. Manfred Schölch, der für den Flughafenausbau zuständige stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, bezeichnete gestern bei einer Begehung das Naturschutzgebiet als „vollauf gelungene Ausgleichsmaßnahme“.

Auf dem ursprünglich landwirtschaftlich für den Weizen- und Rübenanbau genutzten Gebiet hat Fraport eines ihrer Ausgleichsprojekte verwirklicht, die Teil des „Kompensationskonzeptes“ für den Flughafenausbau sind. Darin vorgesehen sind aufwertende Grünflächen- und Waldumgestaltungen sowie Nutzungsverzichte auf insgesamt 1070 Hektar Land, außerdem umfangreiche Ersatzaufforstungen auf einer Gesamtfläche von rund 300 Hektar.

Das 96 Hektar große Gebiet Hohenau war unterschiedlich bearbeitet worden. So findet sich im Nordzipfel wildwachsendes Grün, während in anderen Teilen gezielt ein Auenwald als natürlicher Schwamm für Überschwemmungen angepflanzt wurde. Die Geduld für überall natürlich nachwachsende Waldgesellschaften, sei nicht da, begründet Förster Thomas Müntze. Schnell hieße es, „die haben einfach dreckige Flächen mit Disteln hinterlassen“. Also habe man Baumsetzlinge der in der Region typischen Arten, von der Stieleiche bis hin zu Eschen und Wildbirnen angepflanzt. Das hiesige Projekt soll für die so genannte Cargo City Süd als Ersatz herhalten.

Das Naturschutzgebiet biete Lebensraum für seltene Tierarten. Andere, wie die Bechsteinfledermaus, seien auf die alten, den Baumaßnahmen zum Opfer gefallenen Wälder angewiesen, kritisiert Christoph von Eisenhart Rothe von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Hessen. Für diese seien die alten Bäume unersetzbar.

Für die geplante Nordwest-Landebahn will die Fraport mit dem Projekt „Langenau“ in Ginsheim-Gustavsburg schon im Voraus für Ersatz sorgen. Dort kaufte sie deshalb 50 Hektar zur Zeit noch landwirtschaftlich genutzten Gebietes. Entgegen ihres Vorhabens, das gesamte Gebiet aufzuforsten, wird die Fraport aber nur die 35 Hektar westlich des Hauptweges in Wald umwandeln können. Für den Rest sind Streuobstwiesen geplant. Zwar hatten die Behörden einer Aufforstung zugestimmt, doch die Gemeinde hat sich erfolgreich gewehrt und durchgesetzt, dass nur ein Teil Wald werden darf.

Schölch und Förster Thomas Müntze verstehen diese Haltung nicht. Was insgesamt geschaffen würde, sei besser als vorher. Nun müsse Fraport von der Landwirtschaft weitere Gebiete kaufen, um auf die insgesamt anzulegenden Ausgleichsflächen von 300 Hektar zu kommen - und auf insgesamt rund 100 Millionen „Ökopunkte“. Soviel braucht Fraport für die verschiedenen Baumaßnahmen. Waldgebiete helfen dabei entschieden weiter, denn sie bringen mehr von den nach der Ausgleichs-Abgaben-Verordnung errechneten notwendigen Punkten.

Für die Aufforstungen braucht die Fraport noch mehr als 250 Hektar Land. Allerdings gebe es weit mehr Angebote, als gebraucht würden, erklärt Schölch. Man verhandele zur Zeit noch im Umland und wolle dabei möglichst zusammenhängende Flächen kaufen, um nicht nur kleine Naturinseln zu schaffen. Er geht davon aus, dass alle Verträge bis zum Beschluss über den Flughafenausbau abgeschlossen sein werden.

Da die Ersatzaufforstungen nicht in unmittelbarer Nähe zum Rodungsgebiet stattfinden müssen, gingen für die betroffenen Menschen wichtige Erholungsräume am Wohnort verloren, bemängelt von Eisenhart Rothe. Mit den Aufforstungen, zu denen die Fraport verpflichtet ist, werde kein wirklicher Ausgleich geschaffen.


"Vorausschauende Umweltpolitik"

Exkursion zu Fraport-Ausgleichsflächen

Main-Rheiner, 30.11.2005

Die Schaffung von Ausgleichsflächen als angemessener Ersatz für Eingriffe in Umwelt und Natur betrachtet die Fraport AG als "ein besonderes Anliegen zur Erhaltung und Pflege der natürlichen Ressourcen in der Region Rhein-Main und der Nachbarschaft des Flughafens". So forstet der Flughafen seit Dezember 2004 gut 21 Hektar Wald im Rahmen des Projektes "Hofgut Schönau" auf, um den Flächenverlust für den Bau der A380-Wartungshalle zu kompensieren.

"Wir haben dort lange, bevor der erste Baum gefällt wurde, angefangen. Das gehört zu einer vorausschauenden Umweltpolitik unseres Unternehmens, das in der Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen auch einen wertsteigernden Faktor für das Unternehmen selbst sieht", sagte der für den Flughafenausbau zuständige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Prof. Manfred Schölch bei einer Journalisten-Exkursion.

Nach dem Stopp bei Hof Schönau ging die Fahrt auch noch zum Projekt "Naturschutzgebiet Auenwald Hohenaue" in Trebur, einer ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche, die als forst- und naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahme vor allem für die Cargo-City Süd gestaltet wurde.

Auf dem Hofgut Schönau verwies Schölch darauf, dass über 130 000 Bäume und rund 10 000 Büsche gepflanzt worden seien, um die Neuanlage eines von Eichen dominierten Laubmischwaldes auf Ackerflächen zu ermöglichen. Vorhandene Kleingehölze seien in das Konzept integriert worden. Zur Verbesserung der faunistischen Lebensraumqualität werde im Frühjahr ein Tümpel angelegt, der als Larval- bzw. Laichgewässer für Libellen und Amphibien dienen solle.

Von der Stieleiche über die Buche bis hin zu Kirsche, Bergahorn und Walnuss reicht nach Angaben von Schölch die Palette der Pflanzung. Alle Setzlinge stammen aus Saatgut der Region und wurden von einer örtlichen Baumschule kultiviert. Entlang des Hauptweges sei zur Auflockerung des Landschaftsbildes außerdem eine Allee aus Ebereschen gesetzt worden, so Schölch. In den ersten fünf Jahren nach der Pflanzung erfolge bei Bedarf eine Bewässerung oder auch Nachpflanzung sowie ein- bis zweimal jährlich das Fräsen zwischen den Pflanzreihen gegen überwucherndes Unkraut. Nach Abschluss der Pflegeperiode werde die Verantwortung dann dem Flächeneigentümer - den Stadtwerken Mainz - übertragen, der für eine naturgemäße forstliche Bewirtschaftung Sorge trage. Für die Trinkwassergewinnung sei die Ausgleichsmaßnahme von "unschätzbarem Vorteil".


» zurück
 

Druckversion