Aktuell


Kranker Wald in Rh.-Pfalz

Mittwoch 7. Dezember 2005, 16:07 Uhr

Fast jeder dritte Baum ist krank

Mainz (ddp-rps). Dem Wald geht es schlecht, aber die Waldgesundheit hält sich auf einem stabilen Niveau. Dieses Fazit zog Umweltministerin Margit Conrad (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2005 in Mainz. «Nach wie vor sind die Schadstoffeinträge zu hoch; dazu kommen in den vergangenen Jahren nachteilige Einflüsse von relativ hohen Temperaturen», sagte die Ministerin. Die Grünen forderten Conrad auf, konsequente Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um besonders den Eintrag von Stickstoff in den Boden zu vermindern.

Laut Waldzustandsbericht zeigen 31 Prozent der Bäume deutliche Kronenschäden. 2004 waren es noch 34 Prozent gewesen. Gleichzeitig ist aber auch der Anteil der Bäume ohne sichtbare Schäden um drei Prozentpunkte auf 24 Prozent gesunken. Besonders schlecht geht es demnach den Eichen, während sich der Zustand der Buchen langsam verbessert. Fichte und Kiefer zeigten sich in diesem Jahr nahezu unverändert.

Zwar sei es gelungen, den «Stress-Cocktail», der dem Wald zu schaffen macht, in den vergangenen Jahren zu vermindern, sagte Joachim Block von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz in Trippstadt. Das gelte beispielsweise für Schwefel oder Blei. Aber die Stickstoffbelastung sei nach wie vor zu hoch. Diese werde nicht nur durch Autos und Industrie, sondern mittlerweile vor allem von der Landwirtschaft und der ausgebrachten Gülle erzeugt. Vor diesem Hintergrund forderten die Grünen, die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft stärker zu fördern. Dies gelte auch für die Verwendung von Gülle zur Stromerzeugung in Biogasanlagen.

Zwar sei die Belastung durch Stickoxide und Ammoniak insgesamt seit 1980 gesunken, erläuterte Block. Aber die «Dispositionsrate», also die Menge an Molekülen, die pro Hektar im Wald ankommt, sei noch nicht wesentlich geringer. «Große Sorgen» bereite den Forstexperten auch, dass viele Emissionen aus anderen Ländern in die Wälder gelangen.

Die «Vitalität» der Bäume sei entscheidend dafür, ob der Wald Schäden erleidet, fügte Block hinzu. Je länger der Wald Stressfaktoren ausgeliefert und je älter der Baumbestand sei, desto eher und langfristiger träten Schäden auf. Ein Beispiel in diesem Jahr sei das massenhafte Auftreten von Schmetterlingsraupen, die sich an den Eichenblättern gütlich tun. Das sei ein natürlicher Zyklus, der sich alle sieben bis neun Jahre wiederhole und dann zwei bis drei Jahre anhalte. Gesunde Bäume regenerierten sich von solchen Fressattacken so schnell, dass sie im gleichen Sommer wieder voll belaubt seien. Bei kranken Bäumen funktioniere das nicht.

Trotz des hohen Schadensniveaus zeige sich, «dass unsere Maßnahmen etwas bringen», ergänzte Conrad. Ohne die Verminderung von Schadstoffemissionen, die Bodenkalkung gegen die Versauerung oder den naturnahen Waldbau sähe die Lage viel schlechter aus. Dennoch müsse die nachhaltige und zielgerichtete Klimaschutz- und Energiepolitik weiter ausgebaut werden.

Für den Waldzustandsbericht wurden in diesem Sommer 3960 Bäume an 165 Punkten untersucht.


» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Sa, 30.08.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^