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Aktuell

Klimawandel in Sachsen

Mittwoch 28. Dezember 2005, 10:36 Uhr

«Dramatischer Klimawandel»

Dresden (ddp-lsc). Sachsen wird auf lange Sicht rund einen Monat weniger Frost im Jahr haben. Bis 2050 werde es aller Voraussicht nach 31 Tage weniger geben, an denen die Temperaturen unter null Grad Celsius liegen, sagte der Präsident des Landesamts für Umwelt und Geologie (LfUG), Hartmut Biele, in Dresden der Nachrichtenagentur ddp. Die Zahl der so genannten Eistage, an denen die Maximaltemperatur null Grad beträgt, werde um 21 Tage abnehmen. Biele geht davon aus, dass es in Sachsen «auf lange Sicht anhaltende Hitze- und Trockenperioden im Sommer und milde Winter geben wird». In den letzten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts würden keine strengen Winter mehr auftreten.

Bereits jetzt sei diese allmähliche Erwärmung in der Vegetation zu erkennen. So entfalte die Stachelbeere ihre Blätter mittlerweile im Schnitt fast zwei Wochen früher, 2050 soll es voraussichtlich 24 Tage früher sein. Die Salweide werde in 45 Jahren sogar 27 Tage eher blühen als derzeit. Ursache seien die bereits deutlich milderen Wintertemperaturen seit den 1990er Jahren, die überdurchschnittlich warm waren. Laut Biele können Äpfel schon jetzt durchschnittlich neun Tage früher geerntet werden.

Biele betonte: «Wir befinden uns inmitten eines dramatischen regionalen Klimawandels, der global bedingt ist." Für das zu Ende gehende Jahr zeichne sich ab, dass es weltweit das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1861 wird. Besorgniserregend sei vor allem die Entwicklung in den vergangenen Jahren. «Alle Wärmerekorde ereigneten sich in den letzten zehn Jahren», betonte er. Das Jahr 1998 sei bislang das wärmste gewesen, auf dem zweiten Platz liege das Jahr 2002, es folgten 2003, 2004 und 2001.

Künftig sind nach den Worten von Biele zwei Szenarien wahrscheinlich: Im Fall eines weltweiten ungebremsten Wirtschaftswachstums, das den Umweltschutz weitestgehend ignoriert, werde die Jahrestemperatur in Sachsen bis Ende des Jahrhunderts um rund drei Grad im Durchschnitt auf etwa zwölf Grad ansteigen. Die Sommertemperaturen könnten sich gar um durchschnittlich rund viereinhalb Grad erhöhen.

Im Fall der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien und einer umweltgerechteren wirtschaftlichen Entwicklung sei mit einem Wärmeanstieg von zweieinhalb Grad zu rechnen. Dagegen habe die Erwärmung im 20. Jahrhundert nur rund ein halbes Grad betragen. «Die Zahlen belegen, dass da unbedingt was passieren muss», sagte Biele. Die Ergebnisse von Weltklimakonferenzen wie im kanadischen Montreal Mitte Dezember seien bedeutsam für die künftige Auswirkung der Klimapolitik in Sachsen.

Von Sommertrockenheit besonders bedroht sind laut Biele Nord- und Ostsachsen. Nach aktuellen Simulationen werden beispielsweise in Görlitz die Niederschläge von 214 Millimetern im Durchschnitt im Sommer auf 136 Millimeter bis 2050 zurückgehen, wie der LfUG-Präsident sagte. Schon jetzt sei klar, dass es eine dramatische Zunahme lang anhaltender Dürreperioden in den wichtigen Wachstumsmonaten April, Mai und Juni geben werde. Im Erzgebirgsraum seien dagegen keine nennenswerten Veränderungen bei den Niederschlägen zu befürchten.


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