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Aktuell

Waldbericht Brandenburg

Dem Wald geht es wieder schlechter

Es liegt am extremen Wetter und am Verkehr

Von Jens Blankennagel und Anne Vorbringer, Berliner Zeitung, 29.11.2006

POTSDAM/BERLIN. Einst galt das drohende Waldsterben als großes Problem. Dann ging es den hiesigen Wälder wieder besser - besonders in Ostdeutschland nach der Wende. Doch die aktuellen Zahlen bestätigen den Negativtrend seit der Jahrtausendwende. Im Waldzustandsbericht 2006, der gestern in Potsdam und Berlin veröffentlicht wurde, heißt es: Nur noch ein Drittel der Wälder in Berlin-Brandenburg ist gesund - der Anteil der gesunden Bäume hat sich damit seit 1999 fast halbiert. Das ist besonders dramatisch für Brandenburg, eines der waldreichsten Bundesländer.

In der Mark weisen 18 Prozent der Wälder deutliche Schäden auf, 1999 waren es nur halb so viel. Der Anteil der Waldflächen ohne Schäden sank in dieser Zeit um ein Viertel und liegt bei 32 Prozent. In Berlin ist sogar ein Drittel der Wälder deutlich geschädigt - das ist zwar weniger als in den beiden Vorjahren, aber noch fast doppelt so viel wie in Brandenburg. Nur acht Prozent der Berliner Bäume haben keine sichtbaren Kronenschäden, aber 58 Prozent mittlere Schäden.

"Nach der Wende nahmen die Schäden ab, da nicht mehr so viele Stickoxide aus dem Verkehr und so viel Industrieemissionen die Umwelt belasteten", sagte Martina Heinitz, Referatsleiterin Waldbau im Potsdamer Forstministerium. Die Zahlen: 1991 waren 33 Prozent der Bäume deutlich geschädigt, 2001 waren es nur noch acht Prozent. Derzeit liegt ihr Anteil wieder bei 16 Prozent.

Vor allem der Dürresommer 2003 hat den Bäumen zugesetzt, besonders den Eichen. Sie sind noch immer zu 37 Prozent erheblich geschädigt, im Jahr 2004 waren es noch elf Prozent mehr. "Es dauert mehrere Jahre, bis Bäume ein Dürrejahr wieder ausgeglichen haben", sagte Heinitz. Auch der Kiefer - Baum des Jahres 2007 und auf 70 Prozent der Waldfläche Brandenburgs beheimatet - geht es wieder schlechter: 17 Prozent dieser Nadelbäume sind deutlich geschädigt, das sind 3,4 Prozent mehr als noch im Jahr 2000.

Die Experten gehen davon aus, dass in Berlin die Schäden vor allem verkehrsbedingt sind, also verursacht durch die Emissionen der Kraftfahrzeuge. In Brandenburg ist ein wichtiger Schadensfaktor das Ammoniak, das durch Landwirtschaft und Tierhaltung in die Umwelt gelangt. Diese beiden Schadstoffquellen könnten laut Bericht deutlich reduziert werden.

Mehr Wetterextreme

"Dazu kommen die Schäden durch die Witterungsextreme der vergangenen Jahre, die als Folge der Klimaerwärmung angesehen werden", sagte Heinitz. Ein Beispiel ist der so genannte Trockenstress für Bäume in einem Dürresommer wie 2003. Außerdem belastet der Niederschlagsmangel die Wälder. "Zwar fällt im Jahresdurchschnitt in der Region nicht weniger Niederschlag als früher", sagte sie. "Aber der Niederschlag konzentriert sich auf Herbst und Winter und fehlt deutlich in der Vegetationsperiode der Bäume." Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Wetterextreme durch den langsamen Klimawandel weiter zunehmen werden.

Als Konzept gegen diese Entwicklung wird in Brandenburg auf den so genannten Waldumbau gesetzt. Bis Mitte des Jahrhunderts soll der Anteil von reinen Nadelwäldern um 40 Prozent reduziert werden, weil Kiefernwälder fast kein Wasser im Boden speichern können. Vor allem einheimische Laubbäume sollen gepflanzt werden.

Trotz aller Schäden haben die Experten auch etwas Positives festgestellt: Bei früheren Dürren haben die Bäume deutlich mehr gelitten, da damals gleichzeitig die Umweltbelastung noch viel stärker war.




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