Aktuell


Mehr Sägewerke in Süddeutschland

1. Dezember, 2006

Holz, Holz - nur du allein

Naturschützer sehen durch Sägewerke Wald in Gefahr

München (dpa/SZ) - Die Ansiedlung großer Sägewerke in Bayern und Baden-Württemberg ist nach Ansicht des Bundes Naturschutz (BN) eine große Gefahr für den heimischen Wald. Der Bedarf an Holz werde so stark ansteigen, dass nicht mehr genügend Bäume nachwachsen könnten, sagte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger am Donnerstag in München. Wenn der Ertrag eines Waldes im Vordergrund stehe, könne er nicht mehr naturnah bewirtschaftet werden. Kleine Sägewerke würden zudem durch die großen Konkurrenten vom Markt verdrängt. Der BN sieht deshalb auch mittelständische Schreiner bedroht, da sie nur in ihren Sägewerken am Ort Holz in kleinen Mengen und in gewünschten Zuschnitten bekämen.

Weiger beklagte auch eine indirekte staatliche Subventionierung der Großbetriebe, etwa durch Rabatte beim Einkauf von Holz aus dem Staatsforst. Das im Bau befindliche Großsägewerk in Landsberg am Lech werde so mit 2,5 Millionen Euro subventioniert. Dies gehe zu Lasten des Mittelstandes, sagte Weiger. Außerdem kritisierte Weiger, dass für den Bau dieses Großsägewerks 90 Hektar Wald gerodet wurden. "Gerade in einem waldarmen Landkreis wie Landsberg ist das skandalös, vor allem wenn quasi nebenan ein großes Gebiet für Gewerbeansiedlungen voll erschlossen seit Jahren zur Verfügung steht", so der BN-Chef. Weiger nannte eine Prüfung derartiger Großprojekte in einem Raumordnungsverfahren "zwingend notwendig".

Die Naturschützer protestieren auch gegen das bereits in Betrieb genommene Werk in Ingolstadt und ein geplantes Werk im baden-württembergischen Leutkirch. Der Bedarf an Holz wird nach den Berechnungen des BN durch diese Großsägewerke um fast 50 Prozent steigen. Ein jedes von ihnen sei auf die Verarbeitung von mehr als einer Million Festmeter Fichtenholz ausgelegt. Die Holzreserven, die diese Nachfrage decken könnten, stünden aber vor allem in kleineren Privatwäldern. Deren Besitzer hätten aber sehr oft kein Interesse daran, ihre Bäume zu verkaufen. Und im Staatsforst gebe es zu wenig Reserven, um die hohe Nachfrage zu decken.

Die Bayerischen Staatsforsten wiesen die Kritik zurück. Eine höhere Nachfrage und damit verbundene Preissteigerungen ermöglichten den Waldbesitzern vielmehr, ihre Wälder zu pflegen, sagte Staatsforsten-Vorstand Reinhardt Neft. Oberster Grundsatz seines Unternehmens sei ein naturnaher und nachhaltig gepflegter Mischwald mit Bäumen jeden Alters. Auch die Gefahr einer Übernutzung sieht Neft nicht. Im Staatswald seien im abgelaufenen Geschäftsjahr 5,4 Millionen Festmeter Holz eingeschlagen worden. "Damit bleiben wir unter dem Zuwachs von 6,9 Millionen Festmetern, der bei der Bundeswaldinventur 2003 gemessen worden ist." Den Vorwurf der indirekten Subventionierung wies Neft ebenfalls zurück: Jeder der über 1000 Kunden der Staatsforsten erhalte individuelle Konditionen.


» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Mi, 20.08.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^