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Aktuell
Klima und Fichtensterben
Düstere Zukunft für Europas Fichten
ORF, 25.12.06
In Salzburg haben viele Waldbauern ihre Aufforstung umgestellt, weil den Fichten eine düstere Zukunft prophezeit wird. Die Fichtenwälder Europa seien durch den Klimawandel gefährdet.
Nur noch ein Drittel gesunde Bäume
Die Fichte werde mit den steigenden Durchschnittstemperaturen nicht mehr fertig, sagen Experten im benachbarten Bayern.
Weniger als ein Drittel aller Fichten des deutschen Bundeslandes seien noch gesund, heißt es. Und auch im Nationalpark Bayerischer Wald gebe es viele Bäume mit Klimaschäden.
Tiefer gelegene Wälder gefährdet
Der Salzburger Experte Franz Grill von der Kammer für Land- und Forstwirtschaft bestätigt diesen Trend. Besonders in Teilen Niederösterreichs, Oberösterreichs und des Burgenlandes sei der Zustand vieler Fichten nicht ermutigend, auch in Teilen Salzburgs.
Der Landesforstmeister sieht eine besonders ausgeprägte Grenze bei schweren Schäden momentan auf einer Seehöhe von 500 oder 400 Meter.
"Trockenheit und Schädlinge"
"Wir haben das Problem, dass es durch den Klimawandel besonders in den Tieflagen gravierend eng wird für diese Baumart. Die Trockenheit wirkt besonders auf flachgründigen Standorten", so Grill.
"Weiters dezimieren Schädlinge wie der Borkenkäfer den Bestand massiv, und diese Tiere sind durch den Klimawandel ebenfalls stark begünstigt."
Waldbauprogramme umstellen
Im Land Salzburg sei der Flachgau ein Problemgebiet für die Fichte geworden, sagt Grill. Die Forstwirte hätten ihre Waldbauprogramme bereits umgestellt, weil man sich große Sorgen mache.
"Risiko durch Mischwald senken"
"Das Risiko wird gestreut. Wir setzen Fichte, Kiefer, Lärche und Tanne neben der Buche", erklärt Grill, "dadurch können wir das Risiko für die Zukunft mindern."
Beamter sieht keine Gefahr
Der oberste Fachbeamte der Landesregierung sieht im Gegensatz dazu keine Gefahr in Verzug. Landesforstdirektor Franz Zaunbauer ist überzeugt, die Fichte sei so anpassungs- und widerstandsfähig, dass ihr durch den Klimawandel kaum Gefahr drohe.
Maßnahmen auch in größeren Höhen
Fachleute der Landwirtschaftskammer und Salzburger Waldbauern können sich der Meinung des Beamten aus praktischer Erfahrung heraus nicht anschließen.
Sie gehen mittlerweile auch im Gebirge dazu über, den Klimawandel in die Planung für künftige Jahrzehnte einzubauen und die bisher oft in Monokultur vorhandene Fichte zu ersetzen, berichtet Landesforstmeister Grill.
"Wir setzen mehrere Arten von Nadelbäumen, damit wir kein zu hohes Risiko mit nur einer Art haben. Der Mischwald ist sicher ein Zauberwort, und in diese Richtung wird verstärkt gearbeitet", so Grill.
Die Fichte hält nicht mehr lange durch
wetter.de, 25.12.06
Der Fichte droht in Deutschland der Total-Ausfall: Der Anteil von Bäumen ohne Schäden ist seit 1986 von 43% auf 27% zurückgegangen. Ursache: Klimawandel, so ein Forstexperte.
„Ein großer Teil des deutschen Waldes wird in wenigen Jahrzehnten verschwunden sein.“ Diese düstere Prognose stellte Georg Sperber, Ex-Forstdirektor und Mitbegründer des Nationalparks Bayerischer Wald während der Klima-Konferenz „Kyotoplus“ Ende September in Berlin auf. Sein Argument: Die Fichte, die rund 28 Prozent des Waldes ausmacht, wird als Flachwurzler mit den Folgen des Klimawandels nicht fertig.
„Nichts ist mehr so wie es war“, fasst der Forstexperte seine Beobachtungen zusammen. Seit 30 Jahren führt er ein phänologisches Tagebuch, in das er Wetter und Naturphänomene wie Blattaustrieb, Blüte oder Laubfärbung eingetragen hat. Seit den 90-er Jahren sei augenfällig, dass sich Wetter und Klima verändern. „Der Gang der Niederschläge hat sich völlig verändert.“ War früher das Regen-Maximum im Mai/Juni, wo es am Beginn der Vegetationsperiode von den Bäumen auch benötigt wurde und das Minimum im Herbst, so ist es jetzt genau umgekehrt: Der Herbst ist feucht und der Frühling trocken. In der Region Bamberg habe sich Durchschnittstemperatur außerdem um 1,4 Grad erhöht. „All das schadet den Bäumen und nützt den Schädlingen.“ Trockenheit und erhöhter Schädlingsbefall würden der Fichte relativ schnell den Garaus machen.
Kosten des Klimawandels im Fichtenforst: 21 Milliarden Euro
Sperber bezifferte die Fichtenfläche in Deutschland auf 3 Millionen Hektar. Die Kosten für die Wiederaufforstung mit tiefwurzelnden Arten wie der Weißtanne setzte er mit 7.000 Euro pro Hektar an. Allein im Fichtenwald muss also von Kosten des Klimawandels in Höhe von 21 Milliarden Euro ausgegangen werden. Dass mehr als 44 Prozent der Buchen und 51 Prozent der Eichen laut Waldzustandsbericht 2005 bereits jetzt schwer geschädigt sind, ist dabei nicht berücksichtigt.
Dienstag 26. Dezember 2006, 14:25 Uhr
Mildes Wetter bringt keine Insektenplage im kommenden Jahr
Göttingen (dpa) - Der milde Winterauftakt in diesem Jahr wird nach Expertenansicht nicht automatisch eine Insektenplage im kommenden Sommer bewirken.
Die alte Bauernregel, starker Frost sei der Tod vieler im Wald überwinternder Insekten, sei durch die Forschung widerlegt, sagte der Forstwissenschaftler Rainer Hurling von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen in einem Gespräch mit der dpa.
Auch bei schnee- und eisfreien Böden sinke die Zahl der Insekten deutlich, weil sie leicht Beute von grabenden Säugetieren wie Maulwürfen oder Rötelmäusen werden. Diese
Kleinsäuger würden wegen des milden Klimas von ihrer Winterruhe abgehalten und müssten den Energieverlust ausgleichen. «Da kommen ihnen die verschiedenen Larvenarten, die ungeschützt von Eisschichten im Bodenstreu liegen, gerade recht», sagte Hurling.
Der Borkenkäfer und einige Schmetterlingsarten würden außerdem von Pilzen bedroht, die bei milderem Wetter noch wüchsen und deren Sporen im Laufe des Winters in der Lage seien, in die Brutsysteme und in die Körper der Tiere einzudringen. Grundsätzlich sei es den Insekten egal, ob sie bei minus zwei oder minus 20 Grad überwintern. Doch immer wenn sich die Witterungsperioden verschieben, kann es für die Krabbel- und Kriechtiere Probleme geben. Nach dem Winterschlaf bereiten sich die Insekten auf ein Frühlingserwachen vor. «Wenn dann noch einmal eine Kälteperiode kommt, kommt es häufig zum tödlichen Ende.»
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