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Aktuell
10 Jahre NP Hainich
Urwald ist größte nutzungsfreie Laubwaldfläche Deutschlands
Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt - Thüringen, 12.10.07
Am 31.12.2007 wird der Nationalpark Hainich zehn Jahre alt - mit positiver Bilanz. Entstanden auf der Fläche zweier ehemaliger militärischer Übungsplätze lassen sich hier Wiederbewaldung vom Grasland zum Wald, aber auch viele Waldbestände mit allen Entwicklungsphasen eines "Urwaldes" gut beobachten - ein Eldorado für Wissenschaft, Forschung, Umweltbildung und Tourismus in der Mitte Deutschlands.
"Natur Natur sein lassen" ist das Motto im Nationalpark mit der größten nutzungsfreien Laubwaldfläche Deutschlands. Hier soll nicht ein bestimmtes Bild der Natur künstlich erhalten oder geschaffen, sondern der natürlichen Dynamik freie Hand gelassen werden. Auf nahezu der gesamten Fläche von 7.500 ha ist das Ziel einer natürlichen, von menschlicher Einflussnahme freien Entwicklung erreicht worden.
Dass es diesen Geburtstag überhaupt geben wird, war Mitte der 90er Jahre nicht selbstverständlich. "Den Plänen von engagierten Naturschützern für einen Buchen-Nationalpark standen Skepsis der betroffenen Waldeigentümer sowie unterschiedlichste Vorstellungen in der Bevölkerung gegenüber", erinnerte der Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar, heute vor dem Thüringer Landtag.
Die Entscheidung der Landesregierung im Jahr 1996, für den Hainich ein "Integriertes Schutzkonzept" umzusetzen und damit den unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden, hat sich als richtig erwiesen. Auch hier lagen Konsensprinzip, pragmatische Lösungen und intelligente Kombination von Naturschutz und Regionalentwicklung als Erfolgsfaktoren der Naturschutzpolitik im Freistaat Thüringen zu Grunde.
Der seit August 2005 sicherlich bekannteste Höhepunkt ist dabei der Baumkronenpfad im Blätterdach des Waldes. Mit ihm stieg die Besucherzahl von 140.000 im gesamten Nationalpark im Jahr 2004 auf 385.000 Gäste im Jahr 2006. In diesem Jahr waren es bereits über 500.000 Personen. "Der Baumkronenpfad ist damit für die Umweltbildungsarbeit sowie als Quelle der Wertschöpfung in der Region ein großer Gewinn", betonte Minister Dr. Sklenar.
Kaum sichtbar lebt als besonders schützenswerte, bedrohte Art die Wildkatze im ursprünglichen Lebensraum Nationalpark Hainich. Konnten zunächst mit dem Modellvorhaben "Artenschutzprogramm Wildkatze" die verbliebenen Restbestände der Wildkatze erfasst werden, so wird über ein Telemetrieprojekt untersucht, ob und wie sich die Tiere zwischen den großen Waldgebieten bewegen. Zur Vernetzung der Wildkatzenbestände wird in Kürze im Rahmen des auch Bayern und Hessen umfassenden Modellprojektes "Ein Rettungsnetz für die Wildkatze" der erste Wildkatzenkorridor Deutschlands zwischen dem Nationalpark Hainich und den Hörselbergen eingerichtet.
Über 17 attraktive Wander- und Radwege sowie Erlebnispfade mit 120 km Länge stehen zur Verfügung. Das Besucher-Informationssystem bietet hier sichere Orientierung und umfassende Informationen zu Nationalpark, Natur und Historie. Zusätzlich wurden barrierefreie Angebote für körperlich eingeschränkte Personen eingerichtet. Als Waldspielplatz der besonderen Art entstand der "Wildkatzenkinderwald".
Der Hainich ist ideales Forschungsobjekt. Die Universitäten Freiburg und Göttingen untersuchen Walddynamik sowie Ökologie von Mischbeständen; Max-Planck-Institut und Friedrich-Schiller-Universität Jena forschen zu Kohlenstoffhaushalt und Biodiversität.
Perspektivisch stehen nunmehr die Überarbeitung des Pflege- und Entwicklungsplanes, die Erweiterung der Schutzzone 1, die Durchführung der ersten Wiederholung der Waldinventur, die Unterstützung der Errichtung eines Tierfreigeländes im Umfeld des Nationalparks sowie die Entwicklung eines Nationalparkzentrums am Standort Thiemsburg an. Schließlich wird die Nominierung des Hainichs als Weltnaturerbe vorbereitet.
Die Nationalparkverwaltung stellt jedes Jahr aktualisierte Arten- und Forschungsberichte mit den erzielten Ergebnissen auf ihre Internetseite (www.nationalpark-hainich.de).
12. Oktober, 2007
Wo Buchen fast neun Meter Umfang haben
Der Urwald Sababurg in Hessen ist eines der ältesten naturschutzgebiete Deutschlands
(dpa) - Der Urwald Sababurg in Hessen ist einer der meistfotografierten Wälder und eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Dieses Jahr wird er 100 Jahre alt.
Wer den Urwald Sababurg im Dunkeln besucht, kann die Angst früherer Generationen vor dem finsteren Forst verstehen. Auch, warum die Brüder Grimm dort ihre Märchen fanden. Hier steht nichts in Reih und Glied, von einem ordentlich aufgeräumten mitteleuropäischen Wirtschaftswald ist der Flecken in Nordhessen weit entfernt. Dafür ist er der wohl meistfotografierte Wald Deutschlands und auch eines der ältesten Naturschutzgebiete: Dieses Jahr wird der Urwald Sababurg 100 Jahre alt.
Es ist zwar ein Jahrhundert her, dass das 92 Hektar große Gebiet im Reinhardswald bei Kassel auf Initiative des Schlachtenmalers Theodor Rocholl zum Schutzgebiet erklärt wurde. Die meisten Bäume sind jedoch weit älter. "Die Ältesten haben 600 Jahre unter der Rinde", sagt Hermann-Josef Rapp. Der pensionierte Forstbeamte kennt dort jeden Baum. Wenn er wieder einmal Besucher durch den Forst führt, spricht er über manche Bäume als wären sie seine Kinder. "Der ist auch ganz schön gewachsen", brummt er dann beispielsweise anerkennend.
Futter für Schweine
In den Büchern, die Rapp geschrieben hat, steht Urwald Sababurg in Anführungszeichen. "Ein tatsächlicher Urwald ist es ja nicht. Schließlich diente er Jahrhunderte als Hutewald (Waldweide)." Die Bauern trieben ihre Schweine unter die Bäume, damit die sich an den Eicheln mästeten. "Aber mittlerweile wird der Wald seit 100 Jahren nicht bewirtschaftet und man findet hier Bäume, die man sonst in ganz Deutschland suchen muss." Etwa die so genannte Wappeneiche: "Sie hat einen Umfang von 7,70 Meter.
Der Urwald ist ein einzigartiges Ökosystem. "Auf solch einen Baum sind 3000 Tierarten angewiesen. Die meisten sieht der Spaziergänger gar nicht, sie sind aber da und wichtig für das ganze Gleichgewicht", erklärt Rapp. Und nicht nur Tiere, vom Einzeller bis zum Säugetier, säßen auf den Bäumen: "Man findet in diesem Wald faszinierende Epiphyten. Das sind Pflanzen, die auf anderen wachsen. Irgendwann muss mal ein Waschbär oder ein Vogel die Samen hochgetragen haben" - und sei es im Kot.
Nicht das einzige Faszinosum dieses Waldes. An anderer Stelle wächst ein Ast völlig waagerecht neun Meter bis zum Licht. "Ohne Stütze. Versuchen Sie das mal mit Metall oder Kunststoff." Immer wieder stören verkohlte Bäume die Idylle. Manche sind Reste des großen Waldbrandes von 1933. Meist sind die schwarzen Stellen aber jünger. "In der Regel ist das die Spur von Blitzschlägen. Manchmal hat aber auch ein Sportraucher nachgeholfen", sagt Rapp. Den Menschen will er aber aus dem Wald nicht verbannen. Im Gegenteil, alle sollten sich einen solchen Wald anschauen - und so vielleicht mehr Respekt vor der Natur gewinnen.
Dutzende Reportagen gab es schon über den Reinhardswald und den Urwald. Zuletzt drehte Arte "Der Baum der Bäume" über eine Buche. Sie "hat einen Umfang von fast neun Metern, ein Riese. Deshalb wächst unter ihr auch nicht viel, weil ein Baum weiß, wie man sich lästige Verwandte vom Leibe hält", scherzt Rapp. Inmitten fußballfeldgroßer Farnfelder ist der Gigant kaum zu übersehen.
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