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Aktuell
Waldzustand in Rh.-Pfalz
Wald profitiert vom Wetter
Weniger Schäden durch feuchten Sommer
Aber keine Entwarnung
Von Stefanie Widmann, Wiesbadener Tagblatt, 18.12.07
MAINZ Der Zustand des rheinland-pfälzischen Waldes hat sich im Vergleich zum Vorjahr gebessert; Grund zur Entwarnung gibt es aber nicht. Dies ist das Fazit des Waldzustandsberichts, den gestern Forstministerin Margit Conrad (SPD) in Mainz vorlegte. "Wichtig ist immer die langfristige Betrachtung, und da haben wir immer noch ein zu hohes Schadensniveau", stellte die Ministerin fest. Ursache der positiven Ergebnisse im Jahr 2007 im Vergleich zu 2006 sei vor allem der sehr feuchte, warme Sommer gewesen.
"Der Kronenzustand der Waldbäume hat sich gegenüber 2006 verbessert", erklärte die Ministerin. Der Anteil der Schäden sei insgesamt zurückgegangen. Deutliche Erholungstendenzen zeigen vor allem Buche und Eiche. Bei der Buche sank der Anteil der deutlichen Schäden gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozentpunkte auf 36 Prozent (2006: 53 Prozent, 2005: 44 Prozent). Bei der Eiche verzeichneten die Waldexperten einen Rückgang um acht auf 50 Prozentpunkte (2006: 58 Prozent, 2005: 55 Prozent). Letztlich stünden die Laubbäume immer schlechter da als die Nadelbäume, auch wenn sich der Kronenzustand von Kiefer und Fichte 2007 weniger deutlich verbessert hätten.
Die Faktoren, die den Waldzustand beeinflussen, sind laut Conrad vielfältig. Eine entscheidende Rolle spielten nach wie vor die Luftschadstoffe. Während die Belastung durch Schwefelverbindungen und Schwermetallen deutlich gesunken sei, übersteige die durch Stickstoffverbindungen und Ozon immer noch die Werte, die für das Ökosystem Wald verträglich seien. "Mitverantwortlich für den Schadensrückgang ist die günstige Witterung", hob Conrad allerdings einen Faktor hervor, der vom Menschen kaum zu beeinflussen ist. Die Hitzeperioden der vergangenen Jahre seien eine große Belastung für das Ökosystem gewesen. Anzeichen für den Klimawandel sei auch die Ausbreitung wärmeliebender Insekten wie beispielsweise des Eichenprozessionsspinners.
Landesforsten reagiert auf die Probleme des Waldes unter anderem mit einer gezielt dem Klima und Standort angepasste Baumauswahl. Monokulturen würden durch entsprechende Mischbestände ersetzt; eine Mischung junger und alter Bäume auf derselben Fläche soll große Kahlflächen vermeiden. Um die genetische Vielfalt zu erhalten, wurden Samengärten für seltene heimische Baumarten angelegt.
Waldzustand 2007 im Überblick
Ministerium für Umwelt und Forsten - Rheinlandpfalz, 18.12.07
Forstministerin Margit Conrad: "Der Kronenzustand der Waldbäume als Indikator für den Vitalitätszustand unserer Wälder hat sich in Rheinland-Pfalz im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr verbessert. Der Anteil der deutlichen Schäden ist um 8 Prozentpunkte auf 28 Prozent gesunken. Der Anteil an Probebäumen ohne sichtbare Schadmerkmale ist mit 31 Prozent um 6 Prozentpunkte gestiegen."
Während sich bei Fichte und Kiefer der Kronenzustand leicht verbessert hat, zeigen die Baumarten Buche und Eiche deutliche Erholungstendenzen. Bei der Buche sank der Anteil mit deutlichen Schäden gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozentpunkte auf jetzt 36 Prozent (2006: 53 Prozent; 2005: 44 Prozent). Bei der Eiche sank der Anteil mit deutlichen Schäden gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozentpunkte auf jetzt 50 Prozent (2006: 58 Prozent; 2005: 55 Prozent).
Erhebung des Waldzustandes
Auch im Jahr 2007 erfolgte die Aufnahme des Kronenzustandes stichprobenartig an 163 Aufnahmepunkten mit insgesamt 3.912 Stichprobenbäumen.
Mit dieser Datenbasis sind Aussagen zum Waldzustand auf Landesebene möglich.
Die Außenaufnahmen erfolgten einschließlich Schulung und Kontrollaufnahmen in der Zeit vom 30. Juli bis 31. August 2007.
Ergebnisse
Für die gesamte Waldfläche von Rheinland-Pfalz über alle Baumarten und Altersstufen ergibt sich 2007 folgendes Ergebnis:
31 Prozent (2006: 25 Prozent) der Bäume erscheinen ohne sichtbare Schadmerkmale (Stufe 0),
41 Prozent (2006: 39 Prozent) der Bäume sind schwach geschädigt (Stufe 1),
28 Prozent (2006: 36 Prozent) der Bäume zeigen deutliche Schäden (Stufen 2 bis 4).
Einflüsse auf den Waldzustand
Trotz der erheblichen Erfolge in der Luftreinhaltung spielen Luftschadstoffe im Schadkomplex nach wie vor eine entscheidende Rolle. Die Belastung durch Schwefelverbindungen und Schwermetalle ist deutlich gesunken. Die Belastung durch Stickstoffverbindungen und Ozon übersteigt dagegen immer noch die ökosystemverträglichen Schwellenwerte (Critical Loads).
Beeinflusst wird der Waldzustand im aktuellen Jahr auch durch einen günstigen Witterungsverlauf und das im Vergleich zum Vorjahr geringe Ausmaß von Insektenfraß und Fruchtanhang.
Die Häufung von Hitze- und Dürreperioden in den letzten Jahren, die zunehmenden Schäden durch Insekten und die Ausbreitung fremder, wärmeliebender Schadorganismen werden auch in Zukunft eine erhebliche Belastung für die Waldökosysteme sein und können als Anzeichen eines bereits eintretenden Klimawandels gewertet werden.
Maßnahmen zur Verbesserung des Waldzustands
Zur Verbesserung der Waldvitalität ist eine konsequente Fortführung und Weiterentwicklung der Luftreinhaltung, insbesondere im Hinblick auf den Ausstoß von Stickstoffverbindungen und eine Reduktion der Emission klimarelevanter Gase erforderlich. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Schadstoffeinträge durch die Luft über große Strecken erfolgen, d.h. durch kleinräumige Lösungen werden die notwendigen Entlastungen nicht erreicht, sondern hier sind überregionale Maßnahmen erforderlich.
Stabilisierend wirken eine konsequente Waldpflege im Rahmen des naturnahen Waldbaus und Bodenschutzkalkungen. Auch steht die Nutzung von Holz aus heimischen Wäldern nicht im Widerspruch zum immer noch schlechten Vitalitätszustand der Waldbäume. Sie trägt vielmehr zur Erhaltung und Pflege unseres Waldes bei.
Konsequenzen und Ausblick
Um die in der EU-NEC-Richtlinie (Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe - National Emission Ceilings) festgelegten Minderungsziele für die Emission reduzierter und oxidierter Stickstoffverbindungen zu er-reichen, sind weitere Maßnahmen geboten. Ziel muss dabei sein, die Belastung der Waldökosysteme in Rheinland-Pfalz unter die Verträglichkeitsschwelle zu senken.
Forstministerin Margit Conrad: "Eine nachhaltige und zielgerichtete Klimaschutz- und Energiepolitik in Verbindung mit Energieeinsparmaßnahmen, Effizienztechnologien und der Förderung von erneuerbaren Energien im globalen Maßstab muss Erfolge erzielen. Sie muss und kann auch die landwirtschaftlichen Emissionen, wie z.B. insbesondere Stickstoffverbindungen, reduzieren."
Daneben werden alle Möglichkeiten zur Stabilisierung der Waldökosysteme durch forstliche Maßnahmen (z.B. Bodenschutzkalkung, naturnaher Waldbau) konsequent genutzt.
Waldmonitoring
Die Bedingungen für das Ökosystem Wald und deren Einflüsse ändern sich perma-nent. Ein kontinuierliches forstliches Umweltmonitoring ist daher unverzichtbar, um Informationen über die Entwicklung und mögliche Ursachen der Veränderungen zu erhalten. In der Öffentlichkeit werden meist nur die Befunde der jährlichen Erhebung des Kronenzustandes, der "Waldschadenserhebung", wahrgenommen.
Das forstliche Umweltmonitoring beinhaltet allerdings erheblich mehr. Es wurde im Laufe der Zeit aufgrund veränderter Anforderungen zu einem Waldüberwachungssystem ausgebaut. Neben dem Kronenzustand werden auch der Zustand der Waldböden und der Ernährungszustand der Bäume erhoben ("Vitalitätsweiser"). Zusätzlich zu den Einwirkungen von Luftschadstoffen werden der Einfluss des Klimawandels und die komplexen Wechselwirkungen mit biotischen Stressfaktoren wie Insekten- und Pilzbefall erfasst und bewertet ("Ursache-Wirkungs-Beziehungen").
Klimawandel - eine große Herausforderung für die Forstwirtschaft
Der Klimabericht Rheinland-Pfalz, der in diesem Jahr erstmals vorgestellt wurde, geht im Land von einer Zunahme deutlich wärmerer und regenreicherer Winter und leicht wärmeren Sommern mit anhaltenden Trockenperioden aus. Neben diesen Veränderungen wird aber insbesondere die Frage, welche Extremereignisse wie z.B. Sturm, Starkregen, Hagel oder ausgeprägte Hitze- und Trockenzeiten mit den jeweiligen Folgeschäden auf rheinland-pfälzische Wälder Auswirkungen haben wird, zunehmende Bedeutung gewinnen.
Die erwarteten Klimaveränderungen werden schneller ablaufen, als die Wälder sich von Natur aus an veränderte Standortsbedingungen anpassen können. Deshalb sind aktive Anpassungsmaßnahmen der Forstwirtschaft erforderlich, um einen leistungsfähigen Wald zu erhalten und die Bereitstellung des Rohstoffes Holz und der vielfältigen Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes sicherstellen zu können.
Risikostreuung durch Vielfalt lautet die Strategie. Der in den rheinland-pfälzischen Wäldern bereits eingeschlagene Weg des naturnahen Waldbaus wird fortgesetzt. Bereits seit Jahren werden Reinbestände in Mischbestände umgebaut. Das Land engagiert sich zudem umfassend bei der Erhaltung der genetischen Vielfalt wie zum Beispiel durch die Anlage von Samengärten für seltene heimische Baumarten.
Bei der Baumartenwahl stellt die Klimastabilität mit Angepasstheit an den Standort einen wesentlichen Entscheidungsfaktor dar. Für Klimaveränderungen anfällige Bestände werden umgebaut. Monokulturen werden durch standortverträgliche und angepasste Mischbestände ersetzt. Vitale Bäume mit großer Krone werden besonders gefördert, weil sie den Bedingungen der Klimaveränderungen größeren Widerstand und Stabilität entgegensetzen.
Auch die Durchmischung von alten und jungen Bäumen auf derselben Fläche verhindert, dass bei Ausfall einzelner Bäume große Kahlflächen entstehen. Baumarten und Ökotypen, die eine besondere Trockentoleranz aufweisen, wie etwa der heimische Speierling oder die Esskastanie, werden an Bedeutung gewinnen. Durch die weite klimatische Bandbreite vom Weinbauklima bis zum Mittelgebirgsklima in unse-rem Land verfügen wir über eine große Auswahl an heimischen Baumarten für unterschiedlichste Klimabedingungen. Dass heißt, wir haben die Flexibilität, ohne dass Baumarten neu eingeführt oder genetisch verändert werden müssen.
Es gilt, nicht nur die Wälder auf zukünftig eintretende Belastungen vorzubereiten, sondern auch bestehende Stressfaktoren zu minimieren. Die weitere Reduzierung von Luftschadstoffen ist hier ebenso wichtig wie die Schaffung angepasster Wildbestände, besonders wenn der Umbau mit bisher selteneren heimischen Baumarten und die natürliche Verjüngung der Wälder gelingen soll.
Umweltministerin Conrad: "Auf der Konferenz in Bali wurde die Bedeutung des Waldes für das Weltklima und als Kohlenstoffspeicher noch einmal deutlich. Diese Faktoren werden in der Klimadebatte auf nationaler wie internationaler Ebene künftig an Bedeutung gewinnen. In diesem Sinne wurde auf der Konferenz in Bali die ‚Forest Carbon Partnership’ in Gang gesetzt, mit der Projekte zum Schutz der Wälder in Entwicklungsländern gefördert werden sollen."
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